Adventskalender zum Sprachenlernen

Als mein Mitbewohner mich fragte, was für einen Adventskalender ich dieses Jahr gern haben möchte, sagte ich, daß ich es eigentlich cool fände, wenn es einen zum Lernen gäbe. Für Norwegisch gibt es allgemein nicht so wahnsinnig viele Materialien, aber ich dachte, vielleicht ja für Spanisch. Meine Überraschung war groß, als ich feststellte, daß offenbar noch niemand abgesehen von mir auf die Idee gekommen ist, einen Sprachlern-Adventskalender haben zu wollen (oder herzustellen). Der Mitbewohner und ich einigten uns derweil auf einen anderen Adventskalender, aber die Idee ließ mich nicht los. So fragte ich dann meine Norwegisch-Lernbekannte, ob sie nicht Lust hätte, daß wir uns gegenseitig so einen Kalender machen, und begeistert sagte sie zu.

Zuerst stellte ich mir ein Konzept auf. Ich wollte, daß es möglichst jeden Tag eine andere Aktivität gibt, und es sollte definitiv anspruchsvoller sein als z.B. nur ein paar Vokabeln. Aber – wie gesagt – viel Material gibt es einfach nicht, und wenn man den Themenkreis dann noch auf Weihnachten beschränkt, wird es schon sehr dünn (die Schweden und Dänen scheinen so viel mehr zu produzieren, und es gibt sogar einen schwedischen Sprachlern-Jahreskalender…). Darum bin ich darauf verfallen, typische Lernaktivitäten wie z.B. Wortfelder, Assoziationsketten und Übungen zu Vergangenheitsformen weihnachtlich aufzupeppen, teils durch entsprechende Themen in den Übungen, teils durch Graphiken oder Bilder. Um möglichst breitgefächert zu lernen, habe ich außerdem Videos, Gedichte, Zeitungsartikel und dergleichen eingeflochten (nur einen kurzen Weihnachtspodcast habe ich nicht gefunden, aber rund 30 min. fand ich im Rahmen eines Adventskalenders einfach zu lang). Neben Bokmål sprechen etwa 20% der Norweger noch Nynorsk, und auch dafür habe ich etwas Weihnachtliches gefunden, ebenso für die samische Kultur.

Als Corpus für den Adventskalender habe ich mir ein etwas dickeres Heft besorgt, das in einem auswechselbaren Pappeinband geliefert wird, der mit goldenen Punkten bedruckt ist. Natürlich gibt es keine Weihnachtshefte, aber ich finde, durch das ganze Flittergold ist es angemessen kitschig 🙂 Die vorhandenen Seiten habe ich durch 24 Tage geteilt und darauf geachtet, daß Übungen, die mehr Schreibarbeit verlangen, mehr Raum bekommen. Dann habe ich die Materialien und die Bilder/Graphiken/Dekorationen ausgedruckt, zugeschnitten und eingeklebt (an dieser Stelle war ich sehr dankbar für die ganzen coolen Hörspiele, die der Maritim-Verlag bei YT eingestellt hat). Zuletzt habe ich den Kalender mit Washi-Tape, (Zahlen-)Aufklebern und Stempeln dekoriert.

Ich weiß nicht recht, wie viele Stunden ich mit allem gebraucht habe, aber es waren viele – trotzdem hat die Mühe sich gelohnt. Ich habe mir auch selbst einen Norwegisch-Adventskalender für das kommende Jahr gemacht, wo ich schon mal dabei war 🙂 Dieses Projekt hat die Frage aufgeworfen, ob es nicht vielleicht auch möglich wäre, eine Art personalisierten“Lernleitfaden“ oder „Lernkalender“ für mich zu erstellen, den ich das ganze Jahr über benutzen kann. Eben nicht in Form eines Abreißkalenders mit kleinen Aufgaben für jeden Tag (denn sowas gibt es ja zumindest für einige Sprachen bereits), sondern eher mit monatlichen Aufgaben. Das könnte dann etwa das Abfassen eines längeren Textes, eines Zeitungsberichts oder auch eines Gedichts umfassen, oder Vokabular zu einem bestimmten Thema. Mal sehen, ob und wie ich das umsetze.

Sprachenlernen mit wenig Geld / minimalistisch lernen

Diese Woche habe ich darüber nachgedacht, wie viel Geld ich bereits über die Jahre in mein Sprachenlernen investiert habe. Genau kann ich das nicht erheben, aber ich glaube, es würde mich ziemlich schocken, wenn ich das wüßte 🙂 Viele Leute, die eine Sprache lernen, machen das ja, um beruflich weiterzukommen oder eine Beförderung zu erhalten, mit der sie dann mehr Geld verdienen. Bei mir ist das anders. Ich lerne eigentlich nur als Hobby, weil es mir großen Spaß macht und ohne die Absicht, damit Geld zu machen. Die Frage, ob das auf diese Weise sinnvoll ist, stellt sich mir nicht mehr, weil ich es abgehakt habe, nochmal zu studieren oder zu arbeiten, und darum wird das Sprachenlernen auf alle Zeit lediglich ein Spezialinteresse bleiben, aber niemals eine Einnahmequelle werden. Mein Norwegischlehrer hatte mich z.B. mal gefragt, warum ich nicht selbst bei italki Lehrer werde, aber die Wahrheit ist, daß ich dafür weder Geduld noch ausreichend Motivation hätte. Meine Zeit für mich selbst zu haben, ist mir immens wichtig, und nachdem ich sowieso nie Teil der Arbeitswelt war und das auch nie kennengelernt habe, würde es sich für mich äußerst unangenehm anfühlen, Brocken meiner Zeit für einen Preis zu verkaufen, den ich nicht angemessen finde. Ich schätze es schon sehr, meine Zeit nur für mich zu haben.

An Zeit zum Lernen mangelt es mir also nicht. Ich habe allerdings darüber nachgedacht, welche Quellen man nutzen kann, wenn man nicht viel oder gar kein Geld für das Erlernen einer Fremdsprache ausgeben möchte oder kann. Folgende Dinge sind mir eingefallen:

  • das Angebot in den öffentlichen Bibliotheken nutzen. Der Ausweis kostet in der Regel etwas, aber normalerweise bekommt man für das Geld vielleicht ein, maximal zwei Sprachlernbücher, wenn man sie kauft, so daß sich das schon rentiert.
  • Sprachaustauschpartner suchen, z.B. über diese Seite hier. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß es auch lohnend sein kann, auf Plattformen für internationale Brieffreundschaften nach Kontakten zu suchen.
  • Podcasts im Internet anhören. Für die meisten Sprachen scheint es zumindest ein kleines Angebot zu geben, für große Sprachen wie Spanisch oder Englisch ist das Angebot im Grunde unendlich.
  • WhatsApp- oder Facebookgruppen nutzen
  • Duolingo
  • YouTube (das ist für mich neben Duolingo echt eine riesige Quelle)
  • nach kostenpflichtigen Kursen Ausschau halten, denn die meisten bieten kostenlose Teaser an

Das Verbrauchsmaterial wie Schreibhefte, Stifte und vielleicht auch Vokabelkarten bleiben natürlich noch zu bezahlen, aber unterm Strich kann man meiner Ansicht nach schon sehr viel mit einem verschwindend geringen Budget erreichen. Zu den Austauschpartnern wollte ich noch was hinzufügen: ich selbst habe die Erfahrung gemacht, daß es für mich angenehmer ist, einen Lehrer für Gespräche und Unterricht zu bezahlen, anstatt mit Austauschfreunden zu reden, weil ich bei einem Lehrer ganz egoistisch auf meine Bedürfnisse gucken kann und keine Gegenleistung in Form von Zeit, Aufmerksamkeit oder Erklärungen bringen muß. Ich selbst lerne auf diese Weise mehr als bei einem Austausch.

Noch ein Wort zu Kursen mit mehreren Teilnehmern: für mich lohnen sich Kurse in Hinblick auf das aktive Sprechen nicht, weil man de facto gar nicht soviel Zeit hat, frei zu reden, weil eben die anderen auch reden wollen, man vielleicht auch noch ein Buch bearbeiten will etc. Der Kosten-Nutzen-Faktor ist für mich bei Einzelunterricht ungleich höher; zudem kosten 90 min. bei der VHS in einer Gruppe auch rund 12 € – mit denen man, wenn man Glück hat, schon 60 min. Einzelunterricht bei italki bekommt, in denen man unterm Strich selbst mehr Redezeit hat. Viel mehr. Kurse sind also nur vordergründig eine Möglichkeit, mit relativ wenig Geld etwas für den Sprachaufbau zu machen. Ich selbst werde nur noch Kurse belegen, wenn ich von anderen lernen möchte, also z.B. mich auf deren Aussprache einlassen, mir ihre Fehler und Redewendungen angucken will etc.

Diese Woche habe ich auch von einer Frau gehört, die minimalistisch Sprachen lernt. Damit meint sie, daß sie sich immer nur ein einziges Lehrbuch für jede ihrer Sprachen kauft, weil sie die Erfahrung gemacht hat, daß sie, wenn sie sozusagen gezwungen ist, in einem Buch voranzuschreiten, lernt, sich aus ihrer Komfortzone zu bewegen und sich selbst zu pushen. Ich finde den Gedanken zwar interessant, ziehe es aber vor, möglichst breit gefächert zu lernen, zumindest wenn es darum geht, eine neue Sprache zu lernen. Das hängt aber auch damit zusammen, daß ich ultraschnell gelangweilt bin und dann nichts mehr lernen kann, wenn ich nicht ständig neue, interessante Impulse kriege. Und sind wir ehrlich: viele Lehrbücher sind einfach langweilig und staubtrocken, Didaktik-wise. Auf der anderen Seite halte ich meinen Lernprozeß für ziemlich „clean“. Ich verzettele mich eigentlich nie in drölfzich Dingen, sondern lerne recht straight forward, wenn ich einmal eine Sache gefunden habe, die mich fesseln kann. Als Beispiele fallen mir der Norwegischbaum bei Duolingo oder der Spanischkurs bei Babbel ein. Ich bin auch niemand, der – wie ich das letzens schon benannte – viel „Dingelebummele“ braucht, also z.B. Belohnungsauskleberchen und bunte Stifte und so.

Hola, ich bin übrigens Autist

Diese Woche starte ich mal ein Experiment: ich habe mir zwei Lehrkräfte gesucht, mit denen ich noch nicht zusammengearbeitet habe, und ihnen gleich geschrieben, daß ich Autist bin und daß das heißt, daß ich im direkten Kontakt oft so nervös bin, daß ich Worte vergesse, daß ich oft gar nicht auf den Bildschirm gucke bzw. mich unpassend bewege, daß das aber nicht heißt, daß ich nicht aufmerksam bin (das waren jetzt sehr viele „daß“ in einem Satz O.o). Warum habe ich das gemacht?

Bisher habe ich den Lehrern nie im Vorfeld mitgeteilt, daß ich Autist bin, was dazu führte, daß ich mich selbst in den Stunden aus mir selbst heraus dazu gezwungen sah, zu masken, was das Zeug hält. Masken beim Sprachenlernen kann man sich als neurotypischer Mensch ungefähr so vorstellen wie Lernen, während man einen Tintenfisch in ein Einkaufsnetz zu zwingen versucht, das von der Decke baumelt und hin- und herschwingt, während man jemandem am Telefon zu erklären versucht, wie genau unsere DNA gestrickt ist, und eine Horde Kinder im Garten rumbrüllt und Scheiben einschlägt. Man muß sehr viele Dinge gleichzeitig bewältigen, konkret: nachdenken, reden, zuhören, hingucken, den Blick des anderen/Klänge/Töne/Stimme/Gestik/Mimik/das Gefühl der Kopfhörer ertragen, sich Notizen machen, freundlich sein/wenigstens so tun als hätte man eine Art Mimik und dann auch noch sowas Grundlegendes wie atmen und ab und zu mal was trinken. Ich habe tatsächlich schon oft darüber nachgedacht, meine Stunden nur noch mit Audio-Verbindung abzuhalten, weil ich diese Auge-in-Auge-Situation total überfordernd finde, aber bisher war ich immer zu schüchtern dafür, darum zu bitten. Mir ist es wichtig, daß ich als höflich wahrgenommen werde, schließlich wünsche ich mir auch ein höfliches Gegenüber. Vielleicht fehlt mir da auch noch das autistische Selbstbewußtsein.

Ich will jetzt mal sehen, was sich an meiner Eigenwahrnehmung und am Erschöpfungszustand nach den Stunden verändert, wenn ich mir selbst  erlaube, „autistische Verhaltensweisen“ (Weggucken, mit Dingen in der Hand spielen, mich mehr bewegen) an den Tag zu legen. Das ist sehr neu – ich habe das eigentlich über 40 Jahre lang vermieden.

Mir ist diese Woche auch bewußt geworden, daß Konversation zwar eigentlich mein Hauptziel beim Sprachenlernen ist, aber daß ich am meisten Freude empfinde, wenn ich Grammatikübungen und Quizze machen kann. Ich liebe das einfach, wenn mein kolumbianischer Lehrer mich mit Grammatiklückentexten vollpflastert und dann noch als Hausaufgabe eine schier endlose Text- und Vokabelanalyse aus dem Hut zaubert, von der er behauptet, daß er sie keinem anderen Schüler auf’s Auge drücken kann, weil sie das alle so langweilig finden :o) Neulich habe ich mal gelesen, daß es offenbar eine Menge Aspies gibt, die Sprachen um ihrer Grammatik willen lernen und nicht so sehr zum Quatschen. Uh ja, das könnte schon sein… Ich denke, Konversation ist die Königsdisziplin, aber ich fühle mich im Thronsaal offensichtlich ein wenig unwohl. Das, was mich insbesondere glücklich macht, sind die Struktur und die innere Logik einer Sprache. Und das Gefühl, das sich einstellt, wenn ich echt elegante Sätze bauen kann.

Sollte jedoch das Lernen mit einem Lehrer, sprich: die Konversation für mich entspannter werden, weil ich mir selbst mehr autistische Verhaltensweisen zugestehe, wäre das natürlich prima. Derzeit ist es noch immer so, daß ich nach einer Stunde klatschnaß geschwitzt bin und erstmal duschen muß, weil mich das so streßt und erschöpft. Das ist in drei oder vier Jahren kein bißchen besser geworden, und sowas wie einen Gewöhnungseffekt gibt es bei mir leider nicht.

Norwegisch, Einstufungstest, Lernprozeß, andere Sprachen

Neulich habe ich einen kostenlosen und meiner Meinung nach sehr ausführlichen und daher in seinem Ergebnis auch präzisen Einstufungstest der Volksuniversität in Schweden für Norwegisch gemacht. Insgesamt habe ich für den Test etwa eineinviertel Stunden gebraucht und mußte mich schon sehr konzentrieren. Zu Beginn des Tests wird man gefragt, wie man sich selbst einstuft, und da hatte ich B2 angegeben, doch nach einigen ersten Fragen wurde mir von der Website selbst vorgeschlagen, mich auf C1 einzustufen. Ich habe das nur zögerlich gemacht, weil ich davon ausging, daß ich dann auch schwierigere Aufgaben präsentiert bekommen würde – was auch so war -, aber alles in allem kam ich erstaunlich gut zurecht. Am Ende bekommt man das Ergebnis per E-Mail mitgeteilt und laut diesem Test habe ich in allen Bereichen Niveaustufe C1 erreicht bzw. überschritten.

Solche Tests sind natürlich immer so eine Sache. Die Audiodateien waren z.B. für mich besser zu verstehen als so mancher Podcast, weil die Leute sehr deutlich und auch nicht so schnell geredet haben. Im wahren Leben fällt es mir oft richtig schwer, Norweger zu verstehen, vor allem wenn sie einen Dialekt sprechen, in den sich viel Nynorsk reinmischt. Ich habe eben Bokmål-Norwegisch gelernt und mich immer am Dialekt, den man in Oslo spricht, orientiert. Außerdem werden in den Lückentexten mögliche Antworten vorgegeben, was natürlich einfacher ist, als wenn man selbst herausfinden müßte, was da reingehört. Das Testergebnis genieße ich also mit Vorsicht. Ja, ich würde mir zutrauen, den Bergenstest zu bestehen, werde mir jedoch den Streß und das Geld sparen (habe ja auch nie die DELE-Prüfung für Spanisch abgelegt). Allerdings ist mir auch klar, daß ich noch am Hörverständnis arbeiten muß und daß man sowieso nie an den finalen Punkt einer Sprachreise anlangt. Wie gut ich in Norwegen klarkäme, sei auf jeden Fall mal dahingestellt.

Im Kontext mit diesem Einstufungstest habe ich nochmal allgemein darüber nachgedacht, wie ich Sprachen lerne. Gerade bei YT findet man viele Leute, die sagen, daß sie acht, zwölf, 20 oder mehr Sprachen lernen – aber was heißt das? Es ist leicht, Videos darüber zu drehen, welche Lernmethoden man verwendet oder welche Bücher man benutzt, aber – wie man in England sagt – the proof of the pudding is in the eating. Viele, die z.B. sagen, daß sie Deutsch lernen, sprechen ein sehr schlechtes Deutsch, sowohl von der Aussprache als auch von der Grammatik her. Da ich das inzwischen auch für Englisch, Spanisch und Norwegisch beurteilen kann, fällt mir einfach auf, daß „eine Sprache lernen“ ungleich „eine Sprache sprechen“ ist. Es klingt imposant, wenn man sagt, daß man zwölf Sprachen lernt, aber wie effektiv im Sinne der Akquirierung und Aufrechterhaltung einer Sprache kann das sein? Der Tag hat ja nur 24 Stunden (ich bemängele das auch :)) und die meisten Leute müssen einer Lohnarbeit nachgehen und/oder haben eine Familie und/oder auch noch andere Hobbies. Selbst wenn man praktisch jede Einheit „toter“ Zeit (dazu gehört sowas wie Busfahren, Kartoffelschälen, Sport, Duschen etc.) zum Berieselnlassen nutzt (was kein aktiver Spracherwerb ist btw), stößt man da logistisch an seine Grenzen – und auch von der eigenen Fähigkeit her, neue Inhalte aufzunehmen.

Vielleicht mache ich hier aber auch den Fehler, von meinen eigenen Ansprüchen auszugehen. Mein Anliegen beim Lernen einer Sprache ist es, sie möglichst schnell möglichst effektiv zu beherrschen, weil ich nämlich meine bereits gelernten Sprachen weiterhin pflegen und auch noch anderen Tätigkeiten nachkommen möchte – und weil die nächste interessante Sprache garantiert schon wartet. Für mich hat sich erwiesen, daß ich die meisten Sprachen in etwa zwei Jahren fließend beherrschen kann (Norwegisch war mit anderthalb Jahren eine Ausnahme), allerdings zum Preis von rund 3 bis 6 Stunden Lernaufwand täglich (dazu zähle ich passives wie aktives Lernen). Den Lernprozeß länger hinzuziehen, weil ich mehrere Sprachen gleichzeitig von Grund auf lerne, hat sich für mich als ineffektiv erwiesen. Zum einen verhindert das Splitten meiner vorhandenen Zeit auf zwei oder mehr Sprachen, die ich von der Pieke auf erfassen will, die Immersion/das Abtauchen in diese Zielsprachen. Zweimal drei bis sechs Stunden täglich kann ich mich nicht gleichwertig auf zwei unterschiedliche Sprachen konzentrieren, mal abgesehen davon, daß irgendwann mit der Konzentration eh Schluß ist (und mit der Lust). Zum anderen finde ich es sehr frustrierend, beim Lernen von Sprachen das Gefühl zu haben, auf der Stelle zu treten bzw. nicht schnell genug voranzukommen, weswegen Anfängerkurse für mich z.B. auch nicht funktionieren. Würde ich zwei oder mehr Sprachen von A bis Z lernen wollen, würden sich folglich ihre Lernprozesse gegenseitig behindern und dadurch künstlich verlängern. Aus diesem Grund werde ich nie in die Situation kommen, in der ich von mir sagen kann, daß ich acht oder zwölf Sprachen lerne. Wer weiß, vielleicht komme ich mal dahin, daß ich sagen kann, daß ich acht Sprachen spreche und nun eine Neunte lerne – aber das ist was anderes.

Ich frage mich allerdings schon, warum sich meine Vorgehensweise, eine Sprache nach der anderen zu lernen, so stark von der Methode der meisten anderen, die mehrere Sprachen gleichzeitig lernen, unterscheidet, und ob es da einen Kausalzusammenhang zwischen meinem recht hohen Sprachniveau und der manchmal nicht so hohen Niveaustufe anderer gibt. Final beurteilen kann ich das nicht, aber ich vermute, daß die Immersion der entscheidende Faktor ist. Tatsächlich fiel und fällt es mir sehr schwer, in Norwegisch genauso abzutauchen, wie das für Spanisch möglich war, einfach weil es gemessen an der Vielzahl und Vielfalt spanischsprachiger Medien so verschwindend wenige norwegische Angebote gibt (ja, es gibt das ein oder andere Kochvideo und mit etwas Glück findet man auch mal ein Hörbuch, aber schon allein die Beschaffung norwegischer Bücher abgesehen von Harry Potter ist gelinde gesagt pain in the ass). Das ist übrigens auch ein Grund dafür, warum ich mir nicht sicher bin, wie befriedigend es für mich wäre, eine kleine Sprache mit nur wenigen Sprechern zu lernen. Ich glaube ja, daß ich beim Lernen sehr genau spüre, wann es Zeit für eine neue Sprache und damit für eine neue Herausforderung ist. Wenn ich in einer Sprache noch unsicher bin und zum Teil recht lange überlegen muß, wie ich etwas sage, und mir Worte fehlen und Natives gucken, als würden sie Zahnschmerzen bekommen, während sie mir zuhören, ist sicher nicht der richtige Zeitpunkt 🙂

Ich merke zur Zeit, daß ich schon wieder angefangen habe, mit anderen Sprachen zu liebäugeln. Es fing im Juni an, als ich mich neben Norwegisch auch Schwedisch zugewendet habe (ein Schwedisch-Update schreibe ich demnächst mal). Dann fand ich heraus, daß ich durchaus einen Gutteil Isländisch verstehe, und das möchte ich mir eigentlich auch mal näher angucken. Eine Bücherliste dafür existiert bereits, aber noch zögere ich, das ernsthaft anzugehen, weil es nämlich noch ein paar andere Kandidaten gibt. Da wäre zum einen Französisch, mit dem ich 2019 zugunsten von Norwegisch aufgehört habe. Ich möchte definitiv eines Tages fließend Französisch sprechen können, das ist so ein altes Schultrauma 🙂 Dann sind da Katalanisch und Irisch-Gälisch. Katalanisch wäre relativ einfach, weil ich Spanisch kann, und Irisch-Gälisch ist so ein Projekt, das seit rund 20 Jahren auf Halde liegt, weil damals die Quellen einfach mies waren. Drängt sich die Frage auf, was man denn bitteschön mit Irisch und mit Katalanisch anstellt, wenn man eh nicht viel reisen kann. Andererseits…was will ich denn mit Norwegisch? Naja, und zum anderen wären auch Sprachen wie Gallego, Portugiesisch und Italienisch nicht total weit weg. Oder Russisch? Oder …… ? Argh.

Aber für welche Sprache ich mich auch entscheide, ich versuche jetzt erstmal, bis Februar noch mein Norwegisch zu verankern. Dann sind zwei Jahre rum und dann müßte es eigentlich so gefestigt sein, daß ich mich ernsthaft einer anderen Sprache zuwenden kann. Welcher auch immer.

Unterrichtspreise

Ich hatte neulich schon mal über Unterrichtspreise bei Sprachlehrern gebloggt und geschrieben:

Ich muß allerdings sagen, daß ich es unethisch finde, einem Lehrer schlappe 7 € für eine Stunde zu bezahlen (das betrifft vorrangig Menschen aus Südamerika, jedenfalls was Spanisch angeht), schließlich will der von seinem Verdienst sein Leben bestreiten und muß ja auch noch die Kosten für Strom und Internet von den Einnahmen einer Stunde runterrechnen.

Was ich dabei nicht bedacht hatte, ist Folgendes: viele Sprachlehrer aus Ländern mit geringem Durchschnittseinkommen bieten ihren Unterricht für an deutschen Maßstäben gemessen wenig Geld an, weil sie damit dem normalen Lohn eines Sprachlehrers in ihrem Land entsprechen. Hierzulande würde ich das niemals bekommen – hier liegt der Schnitt eher so bei 20-30 € und viele nehmen auch mehr. Durch das Internet jedoch kann ich eine Dienstleistung in Anspruch nehmen, die in Lateinamerika bereitgestellt wird und daher sehr günstig ist. Als ich schrieb, daß ich das unethisch finde, habe ich aber nicht bedacht, daß die Sprachlehrer dort ja aber auch etwas verdienen wollen und müssen, wenn sie ihr Leben bestreiten wollen, und daß sie mit den 5 bis 8 € in ihren Ländern weiterkommen, als das hier in Deutschland der Fall wäre. Buche ich nun keine Stunden bei ihnen, nehmen sie zumindest von mir kein Geld ein, welches ihnen dann möglicherweise fehlt. Bei so günstigen Preisen könnte ich es mir aber theoretisch leisten, zwei oder mehr Stunden die Woche zu buchen, und damit könnte ich entsprechend zwei oder mehr Leute unterstützen.

Dieses Dilemma läßt sich für mich noch nicht ganz auflösen, vor allem weil mir meine mexikanische Lehrerin neulich stolz erzählt hat, daß unser Gespräch über faire Preise sie dazu veranlaßt hat, ihre Preise deutlich um über 200% nach oben zu korrigieren. Für den Preis, den sie nun verlangt, könnte ich tatsächlich sogar bis zu 5 andere Leute buchen. Mein Vorteil läge darin, daß ich statt 60 dann stolze 300 Minuten die Woche Spanisch reden könnte (de facto würde ich das gar nicht so machen, weil mir das schon zuviel wäre, aber 2 oder 3×60 Minuten die Woche wären schon cool).

Ich bin mir nicht wirklich sicher, wie ich das alles sehe und was ich tun werde. Einen freiwilligen Obolus kann man Lehrern auf italki jedenfalls nicht zukommen lassen, was echt schade ist. So eine „Trinkgeldkasse“ fände ich sehr praktisch, einfach um einem Lehrer, den man besonders gern mag und mit dem man prima klarkommt, eine Freude zu machen und sich zu bedanken. Jetzt gerade bin ich sehr unentschieden und weiß nicht, was ich tun soll.

Meine Erfahrungen mit Sprachkursen

In den letzten Jahren hatte ich mehrere Spanisch-Sprachkurse belegt und wollte mal rekapitulieren, wie diese Erfahrung für mich war. Bis auf einen Kurs, der wegen Corona online stattfinden mußte, waren es immer physische Kurse in einem Seminar- oder Klassenraum. Neben der Lehrkraft gab es jeweils zwischen vier und sieben Schüler. Die CEFR-Niveaustufe, die diese Kurse abdeckten, war B2 bzw. C1, so daß ich nichts über Anfängerkurse sagen kann. Auch habe ich niemals einen Intensiv- oder Wochenendkurs gebucht, sondern lediglich Angebote wahrgenommen, die im Wochenrhythmus stattfanden.

Motivation

Als ich mich das erste Mal für einen Kurs angemeldet habe, hatte ich im Vorfeld schon etwa 30 oder 40 Einzelstunden online bei einer Lehrerin absolviert. Ich wollte an diesem Punkt meiner Lernreise gern wissen, wie es um meine Spanischkenntnisse bestellt ist, wenn ich mich einer Gruppe aussetze, denn erfahrungsgemäß bedeutet diese soziale Situation mit fremden Menschen für mich eigentlich nur Streß. Wenn man so will, war das eine Asperger-bezogene Herausforderung für mich. Außerdem war ich sehr daran interessiert, zu sehen/hören, wie andere Menschen mit derselben Niveaustufe wie ich eine Fremdsprache beherrschen. Zuletzt dachte ich auch, daß es mir guttäte, wenn ich einen Termin in der Woche hätte, der mich aus meiner Routine herausheben würde (Aspies ♥ Routine).

Kriterien für die Kurswahl und Kosten

Ein Sprachkurs an einer öffentlichen Einrichtung ist immer günstiger als dieselbe Anzahl Stunden bei einem Lehrer im Einzelgespräch. Für einen Kurs muß man etwa 12 bis 15 € pro Einheit (= meist 90 min.) rechnen, während ein Einzelgespräch im Normalfall rund 20 € für 60 min. kostet. Es gibt auch Online-Lehrer, die nur 7 € für 60 min. verlangen, und andere, die bis zu 80 € für 60 min. veranschlagen. Ich habe tatsächlich mal 42 € für eine Stunde ausgegeben, weil ich wissen wollte, worin der Unterschied zu einem günstigeren Lehrer besteht. Das Ergebnis: es gibt keinen. Ich muß allerdings sagen, daß ich es unethisch finde, einem Lehrer schlappe 7 € für eine Stunde zu bezahlen (das betrifft vorrangig Menschen aus Südamerika, jedenfalls was Spanisch angeht), schließlich will der von seinem Verdienst sein Leben bestreiten und muß ja auch noch die Kosten für Strom und Internet von den Einnahmen einer Stunde runterrechnen. Wie gut man mit einem Lehrer klarkommt, wie entspannt das Gespräch abläuft, wie gut ein Lehrer etwas erklären kann und wie interessant die Stunde ist, hängt nicht von dem Geld ab, das man bezahlt, sondern von der Chemie zwischen Schüler und Lehrer. Menschen, die eine Sprache studiert haben, ja sogar Muttersprachler sind nicht immer automatisch die besten Lehrer für einen, wenn man einfach nicht miteinander kann.

Anders als bei Online-Plattformen kann man bei einem Kurs einer öffentlichen Einrichtung keine Probestunde vereinbaren, um zu schauen, ob die Chemie zwischen einem selbst und dem Lehrer (oder den anderen Teilnehmern) stimmt, und ist daher schon gezwungen, die Katze im Sack zu kaufen. Andererseits ist ein Kurs eben günstiger und bietet auch den Vorteil, daß man so ein wenig in der Masse untergehen kann, wenn man das möchte, aber dazu später mehr. Ein Nachteil ist sicherlich, daß man dem Lehrer eines physischen Kurses nur eher schwierig ein Feedback geben kann, weil es ja keine Bewertungsplattform gibt wie bei Online-Lehrervermittlungen, und daß man, wenn man einen Kurs einmal gebucht hat, ihn auch komplett bezahlen muß, selbst wenn er einem nicht gefällt.

Bei der Auswahl meiner Kurse habe ich eigentlich immer nur zwei Kriterien berücksichtigt, nämlich die Niveaustufe und Kursort/-zeit. Nicht alle Kurse finden in barrierefreien Umgebungen statt und zum Teil werden auch mal ausgeschilderte Behindertenparkplätze als Schulleiterparkplätze zweckentfremdet, lol. Leider steht bei der öffentlichen Einrichtung, bei der ich die Kurse gebucht hatte, nicht dabei, welcher Veranstaltungsort im Rollstuhl erreichbar ist und welcher nicht, so daß man da im Vorfeld noch bei den Hausmeistern anrufen muß, die oftmals gar nicht einschätzen können, ob der Raum nun barrierefrei ist oder nicht. Mein Highlight war ein als für Rollstuhlfahrer geeignet gekennzeichneter Schulraum, für den ich im Rolli schlappe 12 Treppen hätte überwinden müssen, um zum Aufzug zu gelangen, in den mein Rolli gar nicht reingepaßt hätte. Mir leuchtet auch nicht ein, warum nicht einfach alle Kurse an Örtlichkeiten stattfinden, die tatsächlich barrierefrei sind. Menschen im Rollstuhl sind ja nun keine Exoten mehr.

Kurserfahrungen

Im Grunde habe ich zwei verschiedene Arten von Kursen kennengelernt, nämlich einmal solche, wo man ein Buch durcharbeitet, und solche, wo mehr Wert auf freie Konversation gelegt wird, wo der Lehrer also z.B. einen Zeitungsartikel zur Diskussion stellt oder man sich über ein aktuelles Thema austauscht. Für mich persönlich waren zweitere Kurse deutlich schwieriger zu meistern, was jedoch nicht am Sprachniveau lag, sondern an meiner Unkenntnis der Nachrichten und Entwicklungen der letzten 15 Jahre. Es ist wirklich schwierig, einem Gespräch zu folgen, wenn man die Personen, die darin vorkommen, zusammen mit ihren Taten und Einstellungen nicht kennt. Gerade wenn es dann um Themen ging, die ich sterbenslangweilig finde (Politik, Wirtschaft, …), konnte ich meine Konzentration kaum aufrechterhalten und fühlte mich hinterher wie ausgelutscht. Das lag natürlich nicht am Kurs, am Lehrer oder den anderen Teilnehmern, sondern einfach an den Themen und meiner Unfähigkeit, Langeweile auszuhalten.

Kurse, in denen man ein Buch bearbeitet, waren für mich besser zu meistern, weil sie zum einen sehr vorhersehbar sind (Aspie-Ding), und zum anderen weil man am Ende das gute Gefühl hat, wirklich etwas geschafft zu haben. Gerade wenn ein Lehrer alle Übungen in einer Lektion durcharbeiten läßt, erzeugt das den Eindruck, daß der Unterricht sehr rund und in sich geschlossen ist, und das ist perfekt für ergebnisorientierte Menschen wie mich. Der einzige Nachteil besteht in meinen Augen darin, daß halt auch mal ein Kapitel drankommen kann, dessen Thema man langweilig findet, was allerdings dadurch abgemildert wird, daß man die unterschiedlichen Übungen durchgeht, was für mehr Abwechslung sorgt, als wenn man sich nur an einem Thema festquatscht.

Wie gut der Sprachunterricht tatsächlich funktioniert, hängt nicht nur vom Lehrer ab, sondern auch von den Schülern. Für mich sind zwei Dinge ganz besonders frustrierend, nämlich einmal Mitschüler, die zwar einen B2/C1-Kurs belegen, aber gerade mal B1-Niveau besitzen, und die obendrein stets unvorbereitet = ohne Hausaufgaben in den Kurs kommen, und dann Lehrer, die sich am liebsten selbst labern hören. Beides hemmt den Unterricht und das, was man von einem Kurs mit nach Hause nimmt, massiv.

Zunächst zu den Schülern. Eine Vorstellung, die ich gleich in meinem ersten Kurs fahren lassen mußte, war, daß die Leute, die einen Kurs belegen, das tun, um tatsächlich eine Sprache zu lernen. Sie möchten eine Sprache sprechen können, das ist richtig, aber sie möchten sie nicht lernen. Lernen heißt Arbeiten und die notwendige Zeit und Mühe wird von 80% der Leute nicht investiert, was dazu führt, daß sie sehr lange auf der Stelle treten. Daß es keinen Lernfortschritt gibt, zeigt sich dann auch in den Kursen, vor allem wenn man mehrere in derselben Gruppe hintereinander durchläuft, denn es werden oft dieselben Dinge erklärt, weil sie eben nicht gelernt werden. Viele Leute, die eine Sprache lernen wollen, sagen, daß ihnen dafür die Zeit fehlt, allerdings wundere ich mich immer darüber, daß sie Zeit und Geld dafür haben, einen Sprachkurs zu buchen, wo er ihnen de facto doch gar nichts bringt, weil sie selbst nichts in das Lernen investieren. Einen solchen Kurs zu besuchen, ersetzt nicht, sich Wissen aktiv anzueignen, und folglich kann man auch zehn Jahre lang Sprachkurse besuchen, ohne jemals ein befriedigendes Niveau zu erreichen. Dazu kommt, daß ich es den Schülern gegenüber, die ihre Hausarbeiten erledigen, total unfair finde, wenn andere ihre Sachen nicht machen und dann erstmal 20 Minuten einer Kurseinheit zum Lesen eines Textes verwendet werden, der eigentlich vorzubereiten war. Das Gleiche gilt für B1-Schüler in C1-Kursen. Hier werden fortgeschrittene Schüler ziemlich stark blockiert, wenn sie auf B1-Niveau arbeiten und reden müssen.

Dann zu den Lehrern. Ich kann verstehen, daß es für einen Muttersprachler cringeworthy sein kann, mitanzuhören, wie Leute, die seine Sprache lernen wollen, diese verhackstücken und falsch benutzen. Ich zucke auch immer zusammen, wenn Leute schlechtes Deutsch reden. Ich finde aber doch, daß ein Kurs nicht so gelungen ist, wenn der Lehrer 85% der Zeit selbst redet, seine Schüler immer wieder unterbricht oder Antworten auf Fragen selbst gibt. Wenn man gerade versucht, einen Satz zu einem bestimmten Thema mit den korrekten Vokabeln, der korrekten Grammatik und auch noch den korrekten Verbformen zu formulieren und dabei dreimal unterbrochen wird, weil dem Lehrer gerade noch ein paar andere ganz tolle Vokabeln, die passen würden, eingefallen sind oder weil man einen Fehler gemacht hat, entsteht kein Flow. Weder im Gehirn noch im Gespräch. Ich denke, der Wunsch, daß die Schüler alles richtig und perfekt machen und lernen sollen, ist sehr edel, aber in der Realität führt das vielmehr dazu, daß man als Schüler verstummt, weil man denkt, daß man es eh nicht hinkriegt. Korrekturen sind wichtig, aber mit Maß und an der passenden Stelle. [Hier möchte ich noch kurz einfügen, wie ich Fehler bei meinen Sprachaustauschleuten korrigiere. Wenn ich im Gespräch merke, daß sie nach Worten oder Formen suchen, greife ich sofort ein und biete ein Wort an oder führe den Satz ein Stückchen fort. Ansonsten notiere ich mir still und ohne das Gespräch zu unterbrechen Fehler, die mir besonders wichtig erscheinen oder die mehrfach auftreten. Erst am Ende des Gesprächs merke ich diese Dinge an.]

Fazit

Vielleicht klingt das schon durch, aber mein Fazit lautet, daß Kurse für mich persönlich nicht so wirklich funktionieren. Ich glaube allerdings, daß das nicht zwangsweise an deren Struktur oder an den Lehrern und/oder Schülern liegt, sondern an mir selbst. Ich habe ein relativ hohes Lerntempo und akquiriere eine neue Sprache recht zügig. Sobald ich kann, fange ich zu sprechen an (anfangs mit mir selbst und ab Niveau B1 dann mit Muttersprachlern oder Online-Lehrern), und habe den meisten anderen Teilnehmern in solchen Kurse eine Menge Stunden Sprachpraxis voraus, was man einfach merkt. Die umgekehrte Erfahrung habe ich übrigens auch schon gemacht – ein Kurs für B1/B2 war von lauter Leuten belegt, die mehrere Jahre im spanischsprachigen Ausland gelebt hatten, und da kam ich natürlich nicht wirklich mit – ich konnte zwar das Meiste verstehen, aber längst nicht auf deren Niveau mitreden.

Wer freies Reden üben möchte, ist meiner Ansicht nach in einem Kurs an der falschen Stelle. Zwar versuchen Lehrer, einzelne Schüler zum Sprechen zu animieren, aber ich habe mal mitgezählt und komme in 90 Kursminuten auf etwa drei Minuten, in denen ich spreche. Und nein, ich bin niemand, der sich schüchtern wegduckt, aber es liegt in der Natur der Sache, daß schüchterne Menschen dem Lehrer mehr auffallen, daß sie öfter drankommen und dann auch länger brauchen, um Gedanken zu formulieren. Außerdem möchte ich schüchternen Menschen nicht über den Mund fahren und halte mich daher immer etwas im Hintergrund. Schüler, die selbst nicht viel Lernaufwand betreiben, brauchen mehr Wiederholungen und Erklärungen und das ist effektiv Zeit, in der der Lehrer redet. Umgekehrt kann es aber auch sein, daß ein Kurs schüchternen Menschen die Gelegenheit bietet, in der Masse der Schüler abzutauchen und selbst nicht viel sagen zu „müssen“, insbesondere dann wenn andere von sich aus mehr beitragen. Letztlich ist es natürlich auch so, daß man sich verweigern kann, wenn man aufgerufen wird. Daß diese Option existiert, ist mir übrigens erst klar geworden, als ich das bei anderen mitbekommen habe…

Wenn ich meine Kurs- und Lernerfahrungen miteinander abgleiche, dann denke ich, daß ein Anfängerkurs für mich überhaupt nicht funktionieren würde, weil das Tempo, in dem die Sprache aufgebaut wird, viel zu langsam wäre. Insofern ziehe ich es gar nicht in Betracht, eine neue Sprache mit einem solchen Kurs zu beginnen, sondern würde da jederzeit eher nach Online-Angeboten wie Duolingo oder Babbel und nach Büchern gucken. Ein Kurs kann aber helfen, beim Lernen ein wenig Struktur zu geben, allerdings wird man nur dann eine Sprache wirklich lernen, wenn man bereit ist, außerhalb dieser 90 Minuten pro Woche noch eigenständig zu lernen. Wer ein langsameres Lerntempo bevorzugt und wer sich unter Menschen wohlfühlt, für den erscheinen mir Kurse besser geeignet.

Gut gefallen hat mir, mal zu sehen, wie andere Menschen lernen und was sie unter bestimmten Niveaustufen verstehen – ich habe gelernt, besser einzuschätzen, wo ich selbst mich befinde und wie mein Lernprozeß so ausschaut. Es war auch interessant, mal ganz neue Impulse mitzunehmen, z.B. in einem Kurs, wo die Lehrerin uns viel mit Kunstwerken arbeiten ließ (sie beschreiben, interpretieren, Geschichten über sie ersinnen etc.).

Zur Zeit bin ich mir nicht so sicher, ob ich nochmal einen Kurs belegen würde, weil ich denke, daß ich mein Geld und meine Zeit besser in 1:1-Online-Stunden investiere, in denen ich von 60 min. auch den Großteil der Zeit reden und wo ein Lehrer ganz individuell auf meine Fragen und Schwächen eingehen kann. Eine meiner größten Hoffnungen hat sich in den Kursen sowieso nicht erfüllt – ich hätte sehr gern mal jemanden getroffen, der genauso ein Sprachnerd ist wie ich 🙂

Dingelebummele

Ich habe mich in den letzten paar Wochen mal ein wenig damit auseinandergesetzt, wie andere Leute, die mehrere Sprachen lernen und sprechen, ihre Zeit und ihre Arbeit strukturieren. Für mich fühlt es sich oft gar nicht so besonders effektiv an, wie ich lerne, auch wenn ich offensichtlich vom Fleck komme und es eine Entwicklung gibt. Das größte Problem ist, daß meine Zeiteinteilung nicht mit der meiner Familie übereinstimmt. Es ist immer sehr unvorhersehbar, wann ich während des Tages in Ruhe lernen kann, und oftmals fühle ich mich abends, wenn alle in ihren Zimmern verschwunden sind und Ruhe einkehrt, einfach zu müde, um stundenlang effektiv zu lernen. Ich weiß, daß ich kein großes Interesse an sozialer Interaktion habe, aber ich finde, ich muß meiner Familie schon die Gelegenheit bieten, sich an mich zu wenden. Ich weiß nur nie so wirklich, wieviel ok ist und wann das dann stattfinden sollte. Bei der Asperger-Diagnostik wurde ich gefragt, wie viele Stunden am Tag ich idealerweise gern für mich allein hätte, und ich sagte 20, weil ich nicht unhöflich klingen wollte (22 wäre meine ehrliche Antwort gewesen) – das ist wohl ziemlich vielsagend. Besonders schwierig finde ich es, wenn ich nicht nur einmal eine bestimmte Zeit gewähren muß, sondern immer wieder unterbrochen werde, so daß sich meine Lernzeit in winzigste Einheiten aufsplittert (mal ein Beispiel: ich würde gern 10 Duolingo-Durchgänge à 20 Fragen am Stück erledigen, als eine Lerneinheit, aber de facto komme ich teilweise nicht mal durch einen einzigen Satz, geschweige denn durch eine Einheit von 20 Fragen und oft brauche ich auch Ohrstöpsel, weil nebenher gelärmt wird. Und ja, ein Küchenmixer oder ein Staubsauger lenken mich vom Lernen ab, ebenso wie Gesinge, Katzenklogescharre, Türgeknarze oder meine innig gehaßten Nachbarschaftsgeräusche wie Sägen und Hundekläffen).

Die zeitliche Struktur ist also ein Problem. Ein anderes ist, daß sich meine Lernerei nie wirklich strukturiert anfühlt. Ich meine damit, daß ich keinen echten Plan habe, was ich an welcher Stelle lernen sollte, damit ich Erfolg habe. Und ich tracke auch nur sehr ungenau, was ich lerne, z.B. mache ich mir Strichlisten mit den Lektionen von Duo oder Babbel, die ich gemacht habe, aber ich halte nicht fest, was diese beinhaltet haben. Manche Aktivitäten wie Lesen oder Zuhören kommen bei mir allgemein nur sehr sporadisch vor, weil ich sie als nicht besonders effektiv erlebe, und wenn ich mich dann mit anderen vergleiche, die ständig ein Buch in ihrer Zielsprache vor Augen haben oder jede Menge Podcasts anhören, zweifle ich an meiner Methode. Ganz schlimm wird es dann, wenn ich mitbekomme, wie andere Leute ihre Notizbücher zum Sprachenlernen führen. So mit Übersichten und Tracking von irgendwelchem Zeug, mit Bildchen und Aufklebern und bunten Stiften und Sternen und so. Das mache ich nämlich nicht. Ich habe ein Notizbuch für jede Sprache, die ich lerne. Es ist immer von derselben Marke, immer dasselbe Format und nur die Farbe ist anders. Ich schreibe diese Bücher einfach mit meinen Notizen voll und es gibt nur selten Unterstreichungen oder Kringel, mal ganz zu schweigen von Aufklebern, Kalligraphien oder anderen Dingelebummele. Meine Notizen sind eine dröge Sache und das Einzige, das ein wenig heraussticht, sind Haftnotizzettel in Schafform, die ich mal fälschlich zugeschickt bekommen hatte und behalten durfte und die jetzt jede Woche die Seite markieren, wo ich meine Strichlisten führe, damit sie verbraucht werden. In sich haben die Bücher nur eine Struktur, nämlich eine zeitliche. Ich schreibe jeden Tag das Datum rein und darunter folgen dann die Sätze, die mir notierenswert erscheinen, z.B. in Gesprächen oder von Duolingo oder Babbel. Wenn ich dann sehe, wie viel Mühe andere in ihre Notizen stecke, frage ich mich unwillkürlich, ob ich irgendwas falsch mache/ob ich mir mehr Mühe geben sollte/ob die mehr Spaß haben als ich/… und ob mir Struktur fehlt/ich keine andere Struktur brauche als die, die ich habe/ob ich mit deren Struktur effektiver lernen würde. Selbstzweifel.

Selbstzweifel sind beim Lernen richtige Stolpersteine. Das Blöde ist, daß es nicht weniger werden, je länger diese Lernreise andauert. Es werden eher mehr. Einen Grund dafür sehe ich darin, daß Sprachenlernen gerade total hip ist und daß man an vielen Stellen mit Sprachlerncontent und -werbung beballert wird. Ich fühle mich oft wie ein totaler Trottel in der erlesenen Gemeinschaft derer, die 12 Sprachen fließend sprechen (oder zumindest die Grundfarben nennen und bis 10 zählen können). Selbstzweifel sind eine Sache, mit der sich viele Hochbegabte herumschlagen und zumindest dieses Wissen hilft mir ein wenig, meine Zweifeleien etwas zu relativieren. Die Energie, die man braucht, um über dieses Gefühl von Unsicherheit zu klettern, geht allerdings für’s Lernen selbst flöten, und ich frage mich, ob mehr Struktur diesen Zweifel gleich lahmlegen könnte. Also, weil man durch mehr Struktur schon gelernt hat, daß der Zweifel kommt, und man sich einfach über ihn hinwegsetzt.

Eine Sache, die noch mehr Struktur für mich sehr unattraktiv macht, ist die Langeweile. Langeweile kommt in meinem Kopf sehr schnell auf, z.B. wenn das Lernangebot zu kleinschrittig oder monoton ist, wenn in einer Klasse über ein Thema geredet werden soll, das ich öde finde, wenn mein Gegenüber eine einschläfernde Stimme hat oder wenn eine Geschichte/ein Film eine Story erzählt, die mich nicht interessiert. Sobald ich Langeweile empfinde, fühlt sich mein Gehirn wie von Watte verstopft an, und nichts geht mehr. Würde ich mir meine Lernzeit z.B. in Einheiten von 20 Minuten aufteilen, würde ich definitiv dabei eingehen, wenn ich versuchen „müßte“, 20 Minuten lang Vokabeln zu wiederholen oder einen Podcast anzuhören oder so. Lernen muß für mich bunt und vielfältig sein und ich muß Sprachenlernen und irgendwas anderes tun miteinander kombinieren können.

Ein weiterer Stolperstein ist die (natürlich nicht wirklich existente) „Beweispflicht“. Wenn man eine Sprache lernt, dann soll man auch beweisen, daß man sie spricht [diese Plattitüde gönne ich mir jetzt mal]. Ich fühle mich natürlich geschmeichelt, wenn mir Leute sagen, daß ich eine Sprache toll beherrsche, aber ich weiß auch immer, daß mein Schriftniveau immer viel höher liegt als mein aktives Sprachniveau und daß in meinem Kopf immer ein ziemlicher White Out herrscht, sobald ich ein menschliches Gegenüber habe. Mein Spanisch in meinem VHS-Kurs z.B. ist richtig grottig. Worte und Formen purzeln durcheinander, ich verhaspele mich mitten im Satz und vergesse vor lauter Aufregung, was ich sagen wollte. Gruppensituationen sind einfach ganz mies und auch wenn ich mich ihnen bewußt zur Abhärtung aussetze, werden sie nicht geiler. Mein Niveau fällt schlagartig von C1 auf B1. Wenn ich einen Text schreibe oder einen Film gucke, ist mein Spanisch brilliant und wirklich elegant. Nur daß es dann halt keiner mitkriegt. Leider bezweifle ich, daß irgendeine Struktur etwas an diesem White Out verändern könnte, denn es ist der Aufregung geschuldet, die im Kontakt mit Menschen entsteht.

Fazit? Vermutlich habe ich die ganze Struktur, die ich brauche, schon etabliert. Aber irgendwie macht mein Gehirn mir weis, beklebte Notizbücher mit Dingelebummele drin wären toller als das, was ich mache, und alle anderen können alles viel besser als ich. Und sowieso.

Schlafende Sprachen

Ich habe seit Februar 2019 nicht viel Spanisch gemacht, verglichen mit den zweieinhalb Jahren zuvor, wo ich mich jeden Tag mehrere Stunden mit der Sprache beschäftigt hatte. Seither habe ich mich Norwegisch (und zeitweise Französisch) gewidmet und zwischendrin immer mal wieder Abstecher in andere Sprachen gemacht. Videos, Filme oder Bücher habe ich seither praktisch nicht auf Spanisch konsumiert und ich hatte auch keinerlei Einzelunterricht, wohl aber seit Anfang dieses Jahres nahezu wöchentlich Gespräche mit Tandempartnern. Diese sind aber erfahrungsgemäß immer ganz anders als Unterrichtsstunden, weil man sich halt nicht auf sich selbst konzentrieren kann, sondern dem Austauschpartner ja auch ein angenehmes Lernerlebnis bereiten möchte (jedenfalls ist das meine Maxime).

Ich hatte mir dann seit dem Sommer 2019 drei VHS-Kurse gebucht, die aber wegen der üblichen VHS-Semestereinteilungen nicht regelmäßig jede Woche seit Juli stattfanden. Insgesamt werden das bisher so etwa 16×90 Minuten in einer kleinen Gruppe gewesen sein. Ich habe diesen Kurs gebucht, weil ich dachte, daß er mir dabei helfen würde, die Basics aufzufrischen, denn da ich Spanisch sehr liebe, wäre es schon eine Tragödie für mich gewesen, viel davon zu vergessen. Das Ding ist aber, daß man in solchen Kursen allgemein nicht wirklich zum Sprechen kommt. Das hat mehrere Gründe und ich denke, über meine Erfahrung mit so einem Kurs schreibe ich mal gesondert.

Nun habe ich vor ein paar Wochen das Gefühl entwickelt, daß mein Norwegisch jetzt auf einem so sicheren Stand ist, daß ich mich wieder anderen Sprachen zusätzlich widmen kann. Ich bin offensichtlich ganz schlecht darin, mehrere Sprachen gleichzeitig von der Pieke auf zu lernen, und brauche immer so zwischen anderthalb und zweieinhalb Jahren, um mich so sicher zu fühlen, daß sich die Sprachen nicht ins Gehege kommen. Die Frage war nun aber: wie ist das, wenn ich eine Sprache – in diesem Fall Spanisch – von grundauf gelernt habe und dann, gerade mal zweieinhalb Jahre nach dem Beginn, eine längere Pause von anderthalb Jahren einlege? Kann ich sie dann immer noch fließend sprechen oder hakt es an allen Ecken und Enden? Die Erfahrungen im Kurs ließen mich das Schlimmste befürchten. Im Kurs habe ich ständig Aussetzer, erinnere mich z.B. nicht an Vokabeln oder Formen oder kann mich allgemein nur sehr holprig ausdrücken. Gefühlt Niveaustufe B1 und nicht C1.

Ich habe mir jetzt also eine Lehrerin gesucht, mit der ich wöchentlich 60 Minuten Spanisch reden kann. Über meine Themen, in meinem Tempo und in möglichst relaxter Atmosphäre. Für mein Aspie-Gehirn ist die Exposition Menschen gegenüber immer Streß und tatsächlich bin ich nach einem Austauschgespräch oder Kurs immer klatschnaß geschwitzt. Reduzieren kann man den Streß nur, indem man sich Menschen sucht, die in sich selbst ruhen und das auch ausstrahlen, und indem man eine gewisse Regelmäßigkeit und Vertrautheit miteinander entwickelt. Gerade Erstgespräche sind immer zittrig und machen mich total nervös.

Heute hatte ich meine erste Stunde mit der neuen Lehrerin, einer Frau aus Mexiko. Bislang hatte ich eigentlich nur Spanier als Lehrer und dachte, es wäre gewiß interessant, mal ein wenig mehr lateinamerikanisches Spanisch zu machen. Die Stunde war richtig cool. Noch am Nachmittag hatte ich mir einen abgebrochen bei meinem VHS-Kurs (der gerade online stattfindet) und als sich dann zwischen der Mexikanerin und mir ein Gespräch entspann, war quasi alles schlagartig wieder da. Hätte ich nicht gedacht und es macht mich sehr glücklich.

Ich stelle mir vor, daß Sprachen, die man nicht dauerhaft benutzt, einschlafen, aber daß man sie wecken kann. Dazu braucht man aber auch das passende Umfeld und die passenden Reize, die die Sprache wieder hervorlocken. Ich glaube, das hängt möglicherweise bei mir auch mit der Langeweile zusammen, die ich sehr schnell empfinde und nur schwer aushalte, wenn ein Thema mich anödet. Wenn es um Themen geht, die mich nicht reizen, drifte ich gedanklich sehr schnell ab und beschäftige mich mir Interessanterem. In der 1:1-Situation mit der Lehrerin kann ich besser steuern, worüber ich reden möchte, als in einem Kurs, und das trägt sicher dazu bei, daß mein Gehirn dann schneller/effizienter Vokabeln ausspuckt.

Mich bestätigt diese Erfahrung jetzt darin, wie ich lerne. Statt einer Sprache 15 Minuten täglich zu widmen, werde ich ziemlich Maniac und setze mich ihr einige Stunden lang täglich aus, vor allem im ersten Lernjahr. Dadurch schaffe ich mir eine gute Basis, auf die ich mich später verlassen kann. Neue Vokabeln und Formulierungen kann ich später immer noch dazulernen, aber ich muß eine Sprache systematisch und sehr fundiert erlernen, damit das ganze nicht auf tönernen Füßen steht. Wenn das Fundament stimmt, geht bei mir nichts mehr schief. Das finde ich eine sehr beruhigende und schöne Erkenntnis.

Schwedisch mit System, Übungen aus Kapitel 1

Übung 1

  1. Kalle talar svenska. Han kommer från Stockholm.
  2. Pauls mormor kommer från Italia. Hon heter Gina.
  3. Danmark är ett land. Det gränsar till Sverige.
  4. Peter och Åsa bor i Frankrike. De studerer i Paris.
  5. Hej, varifrån kommer ni? Vi kommer fra Polen.
  6. Vad heter du? Jag heter Göran.
  7. Var bor Linda? Hon bor på rum sex.

Übung 3

  1. Peter bor i Stockholm.
  2. Hon förstår lite finska.
  3. De kommer från Danmark.
  4. Vi dricker glögg.
  5. Han läser en bok.
  6. Carl Gustaf är Sveriges konung.
  7. De talar franska och engelska.
  8. Jag studerar i Paris.

Übung 4

A: Hej, jag heter Paul.

B: Hej, jag heter Linda.

A: Varifrån kommer du?

B: Jag kommer från Finland. Och du?

A: Jag kommer fra Polen. Vad gör du i Sverige?

B: Jag studerar svenska. Studerar du också svenska?

A: Nej, men jag förstår lite.

Übung 5

  1. Vad heter du?
  2. Varifrån kommer du?
  3. Vad heter Danmarks huvudstad?
  4. De bor på rum fem.
  5. Han er från Köln.
  6. Talar de italienska?
  7. Vem er skogens kongung?
  8. Vilket land gränsar Sverige till?

Übung 6

  1. Vad heter du?
  2. Varifrån kommer du?
  3. Talar du svenska?
  4. Var bor du?

Japanisch – ja / nein / vielleicht / fuck

Im März habe ich damit angefangen, mich nebenher ein wenig mit Japanisch zu befassen. Da es hieß, man sollte erstmal die Hiragana lernen, habe ich das gemacht. Offensichtlich ist das auch das Erste, das japanische Schulkinder lernen und eine Weile lang benutzen, bevor das zweite Alphabet eingeführt wird. Erst wenn man auch die Katakana beherrscht, kommen dann nach und nach Kanji dazu. Derzeit gibt es rund 2200 Kanji in Japanisch und auch wenn das vielleicht erstmal viel klingt, glaube ich, daß ich realistisch betrachtet ungefähr ein bis anderthalb Jahre brauchen würde, um einen Gutteil davon zu beherrschen.

Nur, daß ich leider gar nicht an diesen Punkt kommen werde, wo ich Kanji brauchen werde, weil der Weg bis dahin so dermaßen frustrierend und dämlich unterrichtet wird. Bei Duolingo lernt man erstmal die Hiragana und auch ein paar kurze Worte, die sich gut memorisieren lassen (Haus, Katze etc.). Dazu kommen ein paar feste Wendungen wie guten Morgen, Entschuldigung und danke. Man hat das Gefühl, daß man schon ein bißchen was kann, vor allem weil man anfängt, Dinge wirklich lesen zu können. Und genau an diesem Punkt bekommt man die ersten Kanji serviert. Komplexe Kanji mit 10 bis 20 Strichen. Kanji, die ich nicht mal aufschreiben kann. Was zum Geier soll denn das? Vielleicht liegt es ja an mir, aber das ist dermaßen frustrierend, daß ich seit einer Weile nicht mehr bei Duolingo Japanisch weitergemacht habe. Didaktisch halte ich das für ziemlich mißglückt.

Ich habe mir dann also Japanese From Zero (JFZ) Band 1 gekauft. Es hat sehr gute Rezensionen bekommen und ich habe von vielen Leuten gelesen, die äußerst zufrieden mit der Vorgehensweise des Autorenehepaars sind. Man bekommt nämlich zu Beginn des Buches alles in lateinischer Schreibweise vorgesetzt und lernt dann durch das Buch hindurch die Hiragana. Jedes Zeichen, das man gelernt hat, ersetzt dann eine lateinische Silbe. Cooles Vorgehen, dachte ich. Als ich das Buch dann hatte, war mein Frust aber gleich wieder groß, denn vorm ersten Kapitel kommen vier „Vorkapitel“ dran, in denen man schon recht lange „Worte“ (es sind tatsächlich Sätze) lernen muß, deren Bedeutung sich einem nicht erschließt (Nansainimiemasuka = How old do I look? Schön. Und was genau sage ich da? Und warum erklärt mir das keiner, wenn ich mir schon ein Lehrbuch kaufe? Hilft das echt jemandem, wenn man sowas nur auswendig lernt?). Außerdem lernt man gleich, wie man bis 999 zählt und wie man sein Alter sagt. Wozu brauche ich das am Anfang, wo ich noch nicht mal Hallo sagen, mich vorstellen oder absolut grundlegende Dinge wie „das da = Katze“ sagen kann? Argh.

Ich habe mir dann einen Onlinekurs gekauft, wo die Lehrerin tatsächlich damit anfängt, wie man jemanden begrüßt und sich vorstellt und wie ein Basic-Aussagesatz aufgebaut ist. Na endlich. Allerdings bezweifle ich doch sehr, daß ich nach den fünf Kursen, die das Paket umfaßt, wirklich Niveaustufe B1 haben werde (womit der Kurs beworben wird), denn eigentlich lerne ich Zeug nur auswendig, ohne die Strukturen zu verstehen.

So ein Frust!

Das hat nun dazu geführt, daß ich bestimmt zwei Wochen gar nicht mehr in meine Japanischsachen reingeguckt habe. Es liegt also nicht daran, daß ich keine Zeit oder keine Lust hätte oder daran, daß es kein Lehrmaterial gibt. Daß ich nichts lerne, liegt nur daran, daß die vorhandenen Lehrmittel schrottig und unlogisch sind und keinen Spaß machen. Ich glaube nach wie vor nicht daran, daß Japanisch eine „schwere“ Sprache ist, aber ich glaube inzwischen fest daran, daß die unmögliche Lehrweise es stark verkompliziert, Japanisch zu lernen. Wer weiß, vielleicht ist das auch ein Aspie-Ding, daß ich nicht „einfach“ über diesen Frust hinweggehen und weitermachen kann, aber ich sehe nicht, wozu es mir nutzen sollte, lose Bröckchen von etwas zu lernen, von dem sich kein großes Bild entwickeln mag. Das ist sehr ineffektiv und obendrein stinklangweilig. Und Langeweile ist echt der Killer für mein Hirn. Und da ich noch andere Sprachen lerne, bin ich auch nicht bereit dazu, täglich mehrere Stunden in eine Sprache investieren zu müssen, weil das Lehrmaterial keinen schnellen Fortschritt zuläßt. Wenn ich an das Ende meiner Lernkapazität komme, etwas nicht verstehe oder etwas erstmal sacken muß – ok. Aber ausgebremst werden, weil das Material mies ist – nö.

Derzeit lagern meine Japanischbücher noch um mich rum, aber ich überlege, ob ich sie erstmal in den Schrank packe, weil ich das alles so viel zu nervtötend finde.

🙁