Gelesene Bücher im Juli 2021

  • Sebastian Fitzek: Der Heimweg. Thriller, aus der Bibliothek. Jules arbeitet bei einer Hotline, bei der Frauen anrufen können, die sich unterwegs unwohl oder gar verfolgt fühlen. Heute Nacht hat er Klara am Telefon, die nicht nur von ihrem sadistischen Ehemann gequält wird, sondern der auch noch der als Kalender-Killer bekannte Irre gedroht hat, sie just in dieser Nacht zu töten. Mehr zu verraten, könnte spoilern, darum mache ich das nicht. Der Thriller liest sich sehr schnell runter und wenn man die typischen Wendungen in den Büchern Fitzeks kennt, überrascht einen das Ende letztlich nicht. Solide Unterhaltung. 3/5.
  • Janine Schweitzer: Eine Frau räumt auf. Sachbuch, aus der Bibliothek. Schweitzer ist selbstständige Entrümplerin und Messie-Expertin. In ihrem Buch beschreibt sie das Messie-Syndrom und erzählt aus ihrer Berufspraxis. Sehr interessant. 4/5
  • Cornelia Franz: Ins Nordlicht blicken. Jugendbuch, vom Sohn geliehen. Jonathan Querido kehrt nach neun Jahren im deutschen Exil in seine Heimat Grönland zurück, doch den jungen Mann umgibt ein trauriges, dunkles Geheimnis. Was verbindet ihn mit dem Grab des gleichaltrigen Pakkutaq Wildhausen, und wird er seinen Vater wiederfinden, den er im Ungewissen über sein Wohlbefinden zurückließ? Ich fand das Buch überraschend spannend, nachdem der Sohn diese seine Schullektüre total verrissen hatte. 4/5.
  • Till Hein: Crazy Horse. Sachbuch, aus der Bibliothek. Hein liefert hier eine Monographie der Seepferdchen, die interessant und einfach zu lesen ist. Kritikpunkte wären für mich, daß es auch viele Dinge gibt, die meiner Ansicht nach nicht unbedingt in ein solches Buch gehören (z.B. ein Kapitel über den Hippocampus, also ein Areal im menschlichen Gehirn, das zufällig ähnlich wie ein Seepferdchen aussieht) und es teilweise unschöne Wiederholungen und allgemein etwas holprige Formulierungen gibt. 4/5.
  • Lydia Benecke: Sadisten. Sachbuch, aus der Bibliothek. Benecke erklärt anhand von einem Fallbeispiel die diversen Persönlichkeitsstörungen, die zur Formung von einvernehmlichen und nicht-einvernehmlichen Sadisten führen und untermauert ihre Thesen anhand der Analyse von einvernehmlichen Sadisten und sadistischen Straftätern. Da es ein populärwissenschaftliches Werk ist, lesen sich die über 500 Seiten sehr zügig runter. Alles in allem eine interessante Lektüre. 4/5.

Gelesene Bücher im Juni 2021

  • Nigel Barley: Traurige Insulaner. Sachbuch, aus der Bibliothek. Barley, seines Zeichens Ethnologe, hat für die BBC eine Dokureihe über das UK gedreht und faßt in diesem Buch seine Erkenntnisse zusammen. Er geht den Fragen nach, warum die Engländer heiraten, wie sie heiraten, welchen Stellenwert die Kirche hat und welche Begräbnisriten als unabdingbar gelten. Interessant und teilweise bitterböse. Hat mir richtig gut gefallen 🙂 4/5.
  • Bernd Galeski: Erziehung im Namen Gottes – wie Eltern Kindern Leid zufügen. Sachbuch, aus der Bibliothek. Galeski, der bis zu seinem 37. Lebensjahr bei den Zeugen Jehovas war, beschreibt in diesem Buch, welchen Einfluß die monotheistischen Religionen auf die Erziehung haben. Insbesondere widmet er sich der Betrachtung der Gewalt, die von Eltern auf ihre Kinder ausgeübt wird, um ihnen „Respekt und Gehorsam“ einzubleuen, und der Genitalbeschneidung bei Mädchen und Jungen. Eigentlich ein wichtiges Buch, aber Galeski wiederholt sich sehr oft und bringt dabei immer wieder dieselben Argumente, so daß die Lektüre etwas zäh ist. Auch finde ich, daß er verpaßt, neben den sich aufopfernd um ihre Kinder kümmernden und den despotisch-gewalttätigen Eltern noch wenigstens eine dritte Elterngruppe zu porträtieren: diejenigen nämlich, die sich nach Kräften bemühen, eigene Traumata zu überwinden und die bestmöglichen Eltern für ihre Kinder zu sein, dabei aber einfach manchmal Fehler machen. Daher nur 3/5.
  • Gabriel García Márquez: Zwölf Geschichten aus der Fremde. Kurzgeschichtensammlung, aus dem Bücherschrank. Ich mag Bellestristik nicht so besonders, aber ich wollte unbedingt mal was von García Márquez lesen – frage mich jetzt allerdings, wieso, hehe 🙂 Das Problem fiktionaler Literatur ist für mich immer dasselbe: alles, was nur angedeutet wird und numinos bleibt, ist für mich nicht nachvollziehbar, so auch hier. Es fühlt sich an, als würde ich das eigentliche Spektakel verpassen, und das ist unbefriedigend. Ich vermisse die Logik in den Geschichten, die Stringenz, den Zusammenhang. Habe versucht, mir die Kurzgeschichten (zum Teil) von Google erklären zu lassen, aber das half auch nicht viel weiter. Wie so oft verstehe ich nicht, warum ein Autor für so ein Stück Literatur gerühmt wird – für mich ist es undurchschaubar, unverständlich und daher langweilig. 1/5.
  • Gerry Kennedy und Rob Churchill: Der Voynich-Code: das Buch, das niemand lesen kann. Sachbuch, aus der Bibliothek. In diesem Buch, das 2004 erschienen ist, versuchen Kennedy und Churchill, den damals aktuellen Stand der Voynich-Forschung zusammenzufassen. Da ihnen jedoch die Ergebnisse der Datierung, die ein paar Jahre später vorgenommen wurde, noch nicht vorlagen, ist ein Großteil des Inhalts inzwischen obsolet. Abgesehen davon finde ich viele ihrer Ideen und Schlußfolgerungen bedenkenswert und interessant, doch leider ist die Lektüre teilweise etwas zäh. Abgerundet wird das Buch durch eine Vielzahl von Abbildungen. 3/5.
  • Julia Schnetzer: Wenn Haie leuchten – eine Reise in die geheimnisvolle Welt der Meeresforschung. Sachbuch, aus der Bibliothek. Schnetzer erzählt von leuchtenden Fischen und Albatrossen, die als Spione arbeiten. Von Meeresschnecken, die mit ihrem lindenblattartigen Rücken Phytosynthese betreiben können, und von Rauchschloten in der Tiefsee. Solche Bücher finde ich absolut faszinierend. Das Einzige, das mich etwas gestört hat, war die Mischung aus Wissenschaftlichkeit und Umganssprache – das paßte nicht so richtig zusammen. Alles in allem 4/5.
  • Sebastian Fitzek: Passagier 23. Thriller, aus der Bibliothek. Martin Schwartz, der als verdeckter Ermittler arbeitet, hat vor fünf Jahren seinen Sohn und seine Frau bei einem erweiterten Selbstmord auf einem Kreuzfahrtschiff verloren. Nun wird er von einer Frau kontaktiert, die behauptet, der Teddy seines Sohnes sei bei einem Mädchen auf genau demselben Kreuzfahrtschiff gefunden worden, nachdem es zwei Monate wie vom Erdboden verschwunden war. Offenbar hatte ein Serienkiller das Mädchen in seiner Gewalt. Schwartz beginnt, auf dem Kreuzfahrtschiff zu ermitteln, und stößt auf Ungeheures. Ich fand den Roman wie bisher alles, was ich von Fitzek gelesen habe, irgendwie wirr. Es werden sehr viele Fäden aufgenommen, teilweise aber nicht weiter- oder gar zuende geführt, so daß man sich beim Lesen fühlt, als habe man zuviele Spielkarten auf der Hand. Das Ende war überraschend, ja, aber auch wirklich krass an den Haaren herbeigezogen. Spoiler: Zehnjährige vergessen nicht, wer ihr Vater ist. Gut gefallen hat mir das begrenzte Setting auf dem Kreuzfahrtschiff.  4/5.
  • Merlin Sheldrake: Verwobenes Leben. Sachbuch, aus der Bibliothek. Sheldrake widmet dieses Buch den Pilzen und den sog. Mykorrhiza, also dem netzwerkbildenden Mycel. Er erzählt von Pilznetzwerken, die tausende von Jahren alt sind, von der symbiotischen Beziehung zwischen Pilzen und Pflanzen und zwischen Pilzen und Menschen, von Flechten, die viel mehr sind als „nur“ eine Kombination von Alge und Pilz, von neuen Ansätzen bei der Wiederbelebung verödeter Naturräume und von neuen Pilzprodukten wie dem Pilzleder oder Psychopharmaka auf Pilzbasis. Obwohl das Buch wissenschaftlich geschrieben ist, entwickelt es einen starken Sog, so daß man sich am Ende selbst ein wenig berauscht fühlt. 4,5/5.
  • Silvia K.: …doch helfen mußte ich mir selbst. Sachbuch, aus dem Bücherschrank, in den es auch zurückkehren wird. Silvia ist ein problematisches Kind. Ihre Mutter gibt sie an ihre Großeltern, mit neun Jahren wird sie von einem Bekannten vergewaltigt. Anstatt das Mädchen aufzufangen, schieben die Großeltern sie mehrfach ins Heim ab, von wo sie abhaut. Als sie mit 16 zu den Großeltern zurückkehrt, läßt sie sich auf die falschen Leute ein und landet schließlich als Sexsklavin bei einem sadistischen Ehepaar. Nach 15 Monaten gelingt ihr die Flucht, die Täter werden später verurteilt, doch Silvia fängt sich nicht mehr: zwei Kinder von zwei Männern, von denen sie einen heiratet, der sich dann aber als gewalttätiger Drogi entpuppt. Am Ende läßt sie sich von ihm nicht nur vermöbeln, sondern auch anfixen. Wenn man ein Buch darüber lesen möchte, wie man die dümmstmöglichen Entscheidungen trifft, wäre das hier perfekt. Ansonsten ist es schwer zu ertragen und mir mangelt es auch an Mitgefühl für jemanden, dem zig Hände gereicht werden, der aber keine ergreift. 1/5.

Abgebrochen:

  • Caroline Rosales: Sexuell verfügbar. Sachbuch, aus der Bibliothek. Das Thema hat mich interessiert, aber der angeschlagene Ton ging mir eigentlich von der ersten Seite weg auf die Nerven. Ich weiß auch nicht, habe oft den Eindruck, Verfasser feministischer Literatur haben an sich den Selbstanspruch, so eine Art Quengelton zwischen Anklage, Moral und Trauerrede treffen zu wollen (falls ja, ist das jedenfalls gelungen). Abgesehen von diesem Ton bin ich es ein wenig müde, daß auch Feministinnen nichts Intelligenteres einfällt als daß der Mann (TM) für jede Misere in der Gesellschaft, insbesondere natürlich für die Misere der Autorin selbst, verantwortlich ist. Das ist mir zu klischeehaft, zu einseitig gedacht. Beispiel: die Autorin verweist darauf, daß sie Sex als junge Frau als Leistung gesehen hat, die sie für den Mann erbringen muß, und daß sie auch im Kreis anderer junger Frauen nur etwas zählt, wenn ihre „Fuckability“ groß genug ist, woran halt der Mann im Allgemeinen Schuld ist, weil die böse patriarchale Gesellschaft blabla undsoweiter. In diesem Szenarium ist die Frau (TM) auf die Rolle des durch männliche Sexvorstellungen infiltrierten Opfers reduziert, das quasi gar nicht selbst denken und fühlen kann und daher stumpf abliefert, was für männliches Publikum gedrehte Pornos als Norm hinklatschen, ohne das zu hinterfragen und vor allem ohne überhaupt die Idee zu haben, eine eigene Sexualität zu entwickeln. Wenn das echt so ist…also, da muß man sich schon fragen, was Rosales für ein Frauenbild hat… :twisted:

Gelesene Bücher im Mai 2021

  • Alexander Frater: Regen-Raga. Reisebericht, aus der Bibliothek. Frater, der seine ersten Lebensjahre auf Paami verbracht hat, wo im Haus seiner Familie ein Bild Cherrapunjis – eines der regenreichsten Orte der Welt – hing, beschließt, dem Monsun von Süd- bis nach Nordindien zu folgen und ebendiese Stadt zu besuchen. Leider bleiben seine Schilderungen etwas dröge, und daß alle Jahreszahlen (von denen gibt es viele) komplett ausgeschrieben wurden, sorgt nicht gerade für besseren Lesefluß. Ich hätte mir mehr Humor und weniger Daten gewünscht. 3/5.
  • Katharina Drexler: Ererbte Wunden heilen – Therapie der transgenerationalen Traumatisierung. Sachbuch, aus der Bibliothek. Ein eher kleines Büchlein, in dem die Autorin beschreibt, wie sie mit EMDR und Bildschirmtechnik Patienten hilft, denen traumatisierte Elternteile (Kriegsgeneration) zu schaffen machen. Sehr spannend. 4/5.
  • Michael Crammey: Die Unschuldigen. Roman, aus der Bibliothek. Die Geschwister Evered und Ada leben um 1800 mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester fernab der Zivilisation auf einer Insel in Neufundland. Um zu überleben, fängt die Familie den Sommer über Fisch, den sie einsalzt und trocknet, um ihn im Herbst gegen Dinge des täglichen Bedarfs einzutauschen. Als die Kinder 9 und 11 Jahre alt sind, sterben die kleine Schwester und die Eltern. Nun müssen sie allein zurechtkommen. Das Buch war interessant und trotzdem schwer zu lesen. Die Kinder sind extrem ungebildet und naiv und obwohl sie sich im Laufe der Jahre praktisches Geschick antrainieren, bleiben ihnen einfachste Zusammenhänge verborgen. Sie haben das Glück, daß niemand, der auf ihrer Insel anlandet, ihnen Böses will – da leidet man als Leser echt Höllenqualen 🙂 Am Ende schwängert Evered Ada, aber beide verstehen nicht, durch was die Schwangerschaft ausgelöst wurde. Die Geburt ihrer Tochter jedenfalls führt zu der Überlegung, die Insel zu verlassen. Insgesamt finde ich das Buch schwierig zu bewerten. Es war spannend, aber auch wirklich schmerzhaft zu lesen. Vielleicht 4/5?
  • Peter Tremayne: Nur der Tod bringt Vergebung. Teil 1 der Fidelma-Reihe. Vor etwa 18 Jahren gekauft, neulich auf dem Speicher entdeckt und jetzt mal wieder gelesen. Fidelma wohnt der Synode in Witebia bei, bei der entschieden werden soll, ob die Kirche Northumbriens fortan den Lehren Roms oder den Lehren Ionas folgen soll. Während dieser Synode wird Étain, eine Freundin Fidelmas, grausam ermordet, so daß Fidelma die Ermittlungen zusammen mit dem jungen sächsischen Mönch Eadulf übernimmt. Bald schon geschehen zwei weitere Morde und ein Staatsputsch scheint ebenfalls kurz bevorzustehen… Als ich das Buch mit Mitte 20 das erste Mal gelesen habe, sind mir viele Hinweise und Zusammenhänge entgangen, das war jetzt anders. Fidelma mag ich trotzdem nicht besonders, und das war auch der Grund dafür, warum ich damals nach ungefähr zehn Büchern auch aufgehört habe, die Bücher zu lesen. Alles in allem 4/5.
  • Peter Tremayne: Ein Totenhemd für den Erzbischof (Fidelma 2). Roman, vor vielen Jahren gekauft. Fidelma und Eadulf sind nach Rom gereist, mit unterschiedlichen Aufträgen. Aber noch bevor sie dazu kommen, wird Wighard, der in Rom zum Erzbischof von Canterbury geweiht werden sollte, ermordet aufgefunden. Der Schatz, den er dem Papst als Geschenk überreichen sollte, ist verschwunden. Fidelma und Eadulf ermitteln in den Katakomben, im arabischen Viertel und auch im Lateranpalast. Auch hier hatte ich wieder so meine Not mit Fidelma (liegt vielleicht an der Übersetzung?), obwohl ich die Geschichte gut fand. 4/5.
  • Peter Roitzsch: Das Voynich-Manuskript – ein ungelöstes Rätsel aus der Vergangenheit. Sachbuch, aus der Bibliothek. In diesem Buch geht Roitzsch der Frage nach, wer das Voynich-Manuskript geschrieben haben könnte, und porträtiert den aktuellen Stand der Forschung (2010). Die Zusammenfassung ist eigentlich sehr ernüchternd – wir wissen nur, wann das Werk entstanden ist -, aber der Autor recherchiert die einzelnen Theorien sehr gründlich, so daß am Ende zumindest einige Dinge ausgeschlossen werden können. Was mich an der Lektüre genervt hat, war das grauenhafte Lektorat, denn es wimmelte vor Fehlern. Trotzdem 4/5.
  • Joanne Adams: Grammar – know your shit or know you’re shit. Sachbuch, schon vor Jahren gekauft. In diesem Buch stellt Adams die gängigen Grammatik- und Orthographiefehler in der englischen Sprache vor. Kurzweilig zu lesen, kommt aber jetzt in den Bücherschrank. 3/5.
  • Shaun Bythell: Tagebuch eins Buchhändlers. Tagebuch, aus der Bibliothek. Bythell betreibt ein Antiquariat und hat irgendwann einfach damit angefangen, Tagebuch über sein Geschäft zu schreiben. Das Buch sind diese Auszeichnungen aus einem Jahr. Ich muß gestehen, daß ich mir unter dem Titel und aufgrund der vielen positiven Rezensionen mehr versprochen hatte, denn im Grunde ist das Buch weder besonders witzig noch besonders wichtig. 3/5.
  • Christine Preißmann: Glück und Lebenszufriedenheit für Menschen mit Autismus. Sachbuch, aus der Bibliothek. Preißmann, die selbst Asperger-Autistin ist, läßt in diesem Buch andere Betroffene zu Wort kommen, die erklären, was für sie Glück ist und woran es nur zu oft scheitert. Im zweiten Teil des Buchs erklärt sie dann, welche Faktoren das Glück autistischer Menschen beeinflussen und auf was man achten sollte/könnte. Die Idee des Buchs gefiel mir sehr, aber leider bleibt es auf mich selbst bezogen in weiten Teilen eine Utopie. Beispiel: natürlich wäre es meinem Glück förderlich, wenn mein Umfeld (Nachbarn, Ärzte, …) sich über Autismus bilden und mir mit mehr Wohlwollen begegnen würde, aber in der Realität passiert das nicht. Daher nur 2/5.

Gelesene Bücher im April 2021

  • Nigel Barley: Die Raupenplage. Barley beschreibt hier seine zweite Reise zu den Dowayos, wo er eigentlich die Beschneidungszeremonie beobachten möchte. Er erzählt vom Leben im Dorf, von den Zusammenhängen zwischen Regen, dem Töpferhandwerk und dem Aberglauben der Dowayos. Barley schreibt so unterhaltsam und lustig, daß es immer eine Freude ist. 4/5.
  • Anette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche. Roman, aus einem Nachlaß. Ich habe das Buch irgendwann mal in der Schule gelesen und wollte wissen, ob ich es heute anders bewerten würde. Nein, mache ich nicht. Ich finde die Geschichte wirr, merkwürdig zersplittert und wenig stringent. Warum das Buch ein Klassiker ist, erschließt sich mir nicht. 1/5.
  • Louise Welsh: Dunkelkammer. Roman, schon vor Jahren gebraucht gekauft. Rilke, ein Auktionator, wird von der Schwester eines kürzlich verstorbenen, reichen Mannes in dessen Haus gerufen und damit beauftragt, den gesamten Nachlaß in einer Auktion zu verkaufen – abgesehen von allen Dingen, die sich auf einem zweiten Boden unterm Dach befinden. Als Rilke die Kartons durchstöbert, findet er Bilder, auf denen – scheinbar? – der Mord an einer jungen Frau abgelichtet wurde. Daraufhin beginnt er, auf eigene Faust zu recherchieren. Es hieß, der Roman sei von dem Film „8mm“ inspiriert gewesen und ja, gewisse Parallelen erkennt man. Allerdings zieht sich der Mittelteil schon sehr in die Länge, wo man kapitelweise den Sex- und Saufabenteuern Rilkes beiwohnt, ohne daß die Handlung vorankäme. Dazu kommt, daß Rilke, der selbst ein lakonischer Säufer ist, sich in einem verwahrlosten, hoffnungslosen Umfeld bewegt, und das wirkt leider nicht interessant, sondern einfach irgendwie schäbig. 3/5.
  • Isabelle Autissier: Herz auf Eis. Roman, aus der Bibliothek. Louise und Ludovic, zwei junge Pariser, nehmen sich ein Jahr frei und wollen mit ihrem Segelboot einen langen Törn machen, vielleicht sogar die Welt umrunden. Auf Stormness stranden sie dann, als ihr Segelboot in einem Sturm ohne sie ablegt. In den kommenden acht Monaten kämpfen sie um ihr Überleben, schließlich kann Louise gerettet werden, während Ludovic stirbt. Wieder in Paris, wird Louise vom öffentlichen Interesse überspült, und als sie ein für sie schreckliches Geheimnis mitteilt, spürt sie, daß sie keine Aufmerksamkeit will, sondern in Stille heilen muß, und so verläßt sie Paris erneut. Das Buch hat mich sehr berührt. Ein schlichter, fast schon poetischer Erzählstil, rauhe Landschaften und mittendrin eine zerbrechlich wirkende Frau, die sich mit der Schuld der Überlebenden auseinandersetzen muß. 4/5.
  • Ruth Ware: Hinter diesen Türen. Thriller, aus der Bibliothek. Rowan wird als Nanny für vier Kinder von einer wohlhabenden Familie eingestellt, deren Haus in ein Smarthome umgebaut wurde. Noch am ersten Tag müssen die Eltern abreisen und Rowan sieht sich mit bockigen Kindern, einer spinnerten Technik und einer düsteren Legende allein gelassen: der Vorbesitzer des Hauses hat seine Tochter verloren, weil diese von den Früchten aus seinem Giftgarten genascht hat und angeblich geht nun sein ruheloser Geist im Haus um. Einziges Schmankerl ist der Hausmeister, der nicht nur nett, sondern auch attraktiv ist. Was ein interessanter Thriller hätte werden können, entpuppt sich am Ende als handfestes Familiendrama, und damit hat mich das Buch echt enttäuscht, mal abgesehen von den derben Logiklücken. 2/5.
  • Jan Fries: Visuelle Magie. Sachbuch, vor vielen Jahren gekauft. Das war eins der Bücher, die ich eigentlich schon aussortiert hatte und nur nochmal gelesen habe, weil das mit den Bücherschränken gerade nicht so klappt – in diesem Fall zum Glück. Fries faßt hier sehr anschaulich Techniken des „Freistilschamanismus“ zusammen. Bleibt jetzt doch bei mir, weil es mit Abstand eins der besten Bücher über Magie ist, die ich kenne. 4/5.
  • Markus Dewald: Kelten, Kürbis, Kulte – kleine Kulturgeschichte von Halloween. Sachbuch, aus der Bibliothek. Die negativen Rezensionen, die das Bändchen bekommen hat, kann ich verstehen, denn in weiten Teilen ergeht sich der Autor leider nur in leidend hervorgebrachter Konsumkritik (er nennt also keine Alternativen, sondern jammert nur darüber, wie sinnentleert unsere Gesellschaft geworden ist). Erst am Ende geht er dann auf das ein, was man eigentlich bei dem Titel erwarten würde, und das ist auch sehr spannend. Alles in allem kann ich aber nicht mehr Punkte vergeben als 2/5.
  • Steve Silberman: Geniale Störung. Sachbuch, aus der Bibliothek, abgebrochen auf S. 330. Das Buch erzählt die Geschichte der Entdeckung des Autismus‘ und berichtet auch, wie mit Autisten seit den 1930ern umgegangen wurde. Das ist auch der Grund dafür, warum ich abgebrochen habe, obwohl es sich um ein wichtiges Zeugnis handelt – ich habe es einfach nicht ausgehalten, davon zu lesen, wie Autisten im Namen der Wissenschaft und unter dem Deckmäntelchen der „Hilfestellung“ gequält worden sind. Trotzdem 5/5.

Und gehört habe ich:

  • Arno Strobel: Offline. Eine Gruppe von jungen Leuten hat eine Reise gebucht, bei der es darum geht, mal wieder Zeit ohne Handy zu verbringen. Alle geben also ihre Geräte ab, dann wandern sie vom Königssee aus zu einem riesigen, aber leerstehenden Hotel, das in weiten Teilen noch eine Baustelle ist. Nach der ersten Nacht finden sie einen aus der Gruppe so schwer verletzt auf, daß er bald darauf stirbt. Was ein interessanter Krimi im Stil von Agatha Christies „Zehn kleine Negerlein“ hätte sein können, ist leider nichts weiter als eine endlose Aneinanderreihung von immer denselben nicht zielführenden Gedanken und Handlungen, unterbrochen nur von den immer gleichen, langweiligen Gedanken, die sich in einem der Opfer abwickeln. Das Ende kommt dann schnell, eine Aufklärung erfolgt nicht (warum hat der Täter Leute getötet, die gar nichts mit seinem eigentlichen Anliegen zu tun haben? Wie konnte der Täter einen so dicken Mann überhaupt bewegen?). Ganz besonders habe ich Romane gefressen, in denen angeblich hochbegabte Leute agieren, die zu keinem einzigen rationalen, klaren Gedanken in der Lage sind. Laaaangweilig! 1/5.

Thrifty Thursday #8

Diese Woche habe ich mal ein anderes Thema, das auch mit Sparsamkeit zusammenhängt. Im Moment habe ich einige Bücher und CDs bei den Kleinanzeigen eingestellt. Eigentlich wären diese Sachen längst im Bücherschrank gelandet, aber durch Corona und meine Schuhscheiß-bedingte Laufunfähigkeit ist es für mich seit einer Weile nicht gerade einfach, zu einem hinzugelangen, also dachte ich, ich könnte es mal mit den Anzeigen probieren. Bei den Preisen habe ich mich an den gängigen Angeboten orientiert, die man online findet, bzw. bin stets ein paar Euro darunter geblieben, immer in Hinblick darauf, daß ich die Bücher ja eigentlich nur loswerden will, um Platz zu schaffen, und es nicht in erster Linie auf die Einnahmen abgesehen habe. Dazu muß ich sagen, daß ich das Prinzip der Bücherschränke absolut wundervoll finde, und weil ich selbst schon viele tolle Sachen darin gefunden habe, bin ich immer gern bereit, auch teure (Hör)Bücher dort einzustellen. Das Einzige, was mich echt sauer macht, sind Bücherdiebe, die die entnommenen Sachen verkaufen, weswegen ich dazu übergegangen bin, teurere Bücher exzessiv zu bestempeln („Bücherschrankbuch, Verkauf verboten!“). So weit, so gut.

Nun trudeln bei mir regelmäßig Nachrichten von potenziellen Käufern ein, die ich richtig unverschämt finde. Ich habe z.B. angegeben, daß es sich um Festpreise handelt, zu denen jeweils das Porto dazukommt. Quasi täglich bieten mir Menschen an, mir Bücher für weniger als zwei Drittel des angegebenen Preises zu bezahlen – inclusive Porto. Ich biete also günstigere Preise an als Online-Gebrauchtbücherhändler an, soll dann noch weiter runtergehen UND das Porto übernehmen?! Lehne ich kategorisch ab. Würde ich das Geld brauchen, würde ich es mir wahrscheinlich überlegen, aber so würde ich die Bücher eher vor meine Haustür legen, damit sie jemand mitnimmt, als mich auf diese Preisdrückerei einzulassen. Das ist für mich eine Prinzipienfrage und da bin ich stur 🙂 Ich glaube allerdings auch, daß ich da einfach nicht mehr dem modernen Konsumenten entspreche, denn ich finde es ganz schön erbärmlich, wenn Leute etwas haben wollen, aber nicht bereit sind, dafür einen angemessenen Preis zu zahlen. Diese Einstellung finde ich nicht nur den Rohstofflieferanten, den Produzenten und den Händlern gegenüber respektlos, sondern halte das ganze Preisdumping auch für einen großen Faktor hinsichtlich der Bereitschaft, Dinge schnell zu entsorgen, was natürlich den globalen Müllberg rapide anwachsen läßt. Wann haben wir eigentlich aufgehört, Dinge zu wertschätzen, zu pflegen und zu erhalten? *ätz*

Dazu paßt, daß ich diese Woche ein Video gesehen habe, in dem eine junge Frau eine ganze Palette von zurückgegebenen Waren gekauft hat. Vieles davon war entgegen der Angabe des Rückgabegrunds gar nicht defekt, sondern hätte nur Batterien, einen Tropfen Sekundenkleber oder – im Extremfall – einen neuen Schalter gebraucht. Daß das alles einfach weggeworfen wird, macht mich immer wieder fassungslos, auch wenn ich ja eigentlich weiß, daß es so ist. Besonders gefressen habe ich ja Leute, die nicht bereit sind, einen angemessenen Preis zu bezahlen, und die dann über die miese Qualität von Dingen jammern, die zu Dumpingpreisen hergestellt wurden…

Gelesene Bücher Januar bis März 2021

  • Cressida Cowell: El Tiempo De Los Magos. Jugend-Fantasy-Roman, neu gekauft. In meinem letzten Spanienurlaub habe ich mir eine ganze Kiste an Büchern gekauft und das war eines davon. In einer Welt, in der die Zauberer und die Krieger in alter Feindschaft zueinander leben, ersteht plötzlich beider Feind: der König der Hexen. Xar, ein junger Magier ohne magische Fähigkeiten, und Wish, eine Kriegerin, die ein magisches Schwert besitzt, treffen zufällig aufeinander und erleben dann einen geradezu höllischen Tag miteinander. Die Geschichte ist für Kinder im Alter von 9 bis 11 Jahren, was aber nicht heißt, daß sie sich einfacher Sprache bedient. Immer wieder dachte ich, uff, Spanisch hat echt viele Verben 🙂 Mir hat’s gefallen, war aber durchaus herausfordernd zu lesen. 4/5.
  • Jules Vernes: Die Reise zum Mittelpunkt der Erde. E-Book, kostenlos bekommen. Gut, zur Geschichte brauche ich wohl nix sagen, weil sie jeder kennt 🙂 Mir hat ganz besonders gut gefallen, daß ich die gemeinfreie Version in altem Deutsch lesen konnte. Wie witzig und fundiert Verne geschrieben hat, hatte ich irgendwie vergessen. Hat mich super unterhalten. 4/5.
  • Carlos Fuentes: Aura. Phantastische Novelle, neu gekauft. Das ist auch eins der Bücher aus Spanien – gekauft in A Coruña am Feiertag der galicischen Literatur (da hatten alle Geschäfte außer den Buchhandlungen geschlossen…und es handelt sich um den 17. Mai, falls das irgendwen interessiert :)). Das Buch habe ich mir aufgrund seiner Gestaltung gekauft, denn ist es im viktorianischen Stil illustriert. Superschön. Allerdings kann ich phantastischer Literatur dieser Art nicht viel abgewinnen. Ein junger Geschichtsgelehrter nimmt eine Anstellung bei einer alten Witwe an: er soll den Nachlaß ihres Mannes editieren und publizieren. Dabei verliebt er sich in die junge Nichte der Dame. Zwischen den beiden Frauen scheint es aber eine merkwürdige Verbindung zu geben, und am Ende stellt sich heraus, daß beide ein- und dieselbe Person sind, während sich der junge Mann in den verstorbenen Ehegatten verwandelt. Tja, hm. So Zeug lese ich einfach nicht gern, denn ich kann es nicht ausstehen, wenn die in einem Buch dargestellte Realität so verwischt und bröckelt. Meine mexikanische Spanischlehrerin war allerdings sehr begeistert davon, daß ich das Buch lese, weil es überraschenderweise eine Menge mit der jüngeren mexikanischen Geschichte zu tun hat (es wurde 2001 verboten, weil darin Nacktszenen vorkommen, ist inzwischen aber wieder erlaubt). Trotz allem und trotz Nacktheit nur 1/5.
  • Aristoteles: Die nikomachische Ethik. Sachbuch/E-Book, kostenlos erhalten. In meiner Schulzeit und auch an der Uni habe ich Auszüge aus der NE gelesen, zum Teil übersetzt, aber ich hatte noch nie das ganze Werk am Stück gelesen. Ich fand es überraschend lustig, aber an vielen Stellen auch sehr bitter zu lesen, wenn man merkt, wie idealistisch der Autor war und wie übel unsere Politik im Deutschland des 21. Jahrhunderts ist. Sicherlich haben unsere Politiker nicht mehr die Glückseligkeit für alle im Kopf bei ihren Handlungen. Ach, Aristoteles. 4/5.
  • Theodor Storm: Der Schimmelreiter. Novelle, E-Book, kostenlos erhalten. Das Buch habe ich zuletzt in der fünften Klasse gelesen und es jetzt gratis bei Amazon gefunden. Ich muß sagen, daß ich das Buch heute ganz anders interpretiert und bewertet habe ohne die Anleitung eines Lehrers. Interessante Erfahrung. 4/5.
  • William Shakespeare: Macbeth. Drama, E-Book, kostenlos erhalten. Auch noch ein Gratisangebot von Amazon. Habe ich zuletzt im Englisch-LK gelesen und hat mir jetzt auch wieder viel Spaß gemacht. 4/5.
  • A.J. Jacobs: Britannica und ich. Sachbuch, aus dem Bücherschrank. Jacobs hat die gesamte Printausgabe der Britannica gelesen und dieses Unternehmen in seinem Buch dokumentiert. Interessant und teilweise zum Piepen komisch! Was mich besonders fasziniert hat, war, daß ich schon fast alles vorher wußte. Allerdings hat das Buch jetzt auch den alten Wunsch, mal eine ganze Enzyklopädie zu lesen, in mir wachgerufen, aber dazu später mal mehr 🙂 5/5.
  • James Patterson: Dead/Alex Cross 13. Thriller, gebraucht und sehr zerfleddert gekauft. Während in Washington D.C. ein Killer/Schauspieler Leute ermordet, bricht Cross‘ Erzfeind Kyle Craig aus dem Gefängnis aus. Solider Thriller ohne große Überraschungen. 4/5.
  • James Patterson: Fire/Alex Cross 14. Thriller, gebraucht gekauft. In Washington D.C. wird eine Familie brutal ermordet, mit dessen Mutter Cross auf der Universität liiert war. Die Spur führt nach Nigeria, wo Cross die Ermittlungen aufnimmt, und bald findet er sich in einem Flüchtlingslager in Darfur wieder. Als in Nigeria ein Bürgerkrieg ausbricht, muß er in die USA zurückkehren, doch der Mörder erwartet ihn dort bereits. Eins der spannendsten Bücher der ganzen Reihe! Allerdings auch sehr brutal und blutig. 5/5.
  • James Patterson: Heat/Alex Cross 15. Thriller, aus der Bibliothek. Alex‘ Nichte wird tot und zerschreddert aufgefunden (im zweiten Teil wurde eine andere Nichte bereits entführt und serien-vergewaltigt….man sollte also besser keine Nichte von Alex Cross sein…). Die Spur führt zu einem Privatclub/-bordell, in dem sich der Killer seine Opfer liefert. Cross wird in seinen Ermittlungen von allen Seiten behindert – es scheint so, daß sie Spur des Killers sich bis in die höchsten Reigunergskreise verfolgen läßt. Sehr solider Thriller, habe allerdings seine Lösung von Anfang an vermutet, was an ein paar auffälligen Formulierungen lag. So allmählich kenne ich Pattersons Stil 🙂 Was mir nicht so gut gefallen hat: Cross hat mal wieder eine Seelenverwandte getroffen und will sie jetzt heiraten. Mal sehen. Bree, die künftige Mrs Cross, wurde bisher als knallharte Polizistin umschrieben, in diesem Teil mutiert sie zum Hausmütterchen. Hm. 4/5.
  • James Patterson: Storm/Alex Cross 16. In Washington D.C. werden mehrere Personen des öffentlichen Lebens erschossen, die in fragwürdige Geschäfte verwickelt sind. Gleichzeitig werden Leichen aufgefunden, in die seltsame Formeln und Zahlen eingeritzt sind. Und obendrein ist Cross‘ schlimmster Feind, Kyle Craig, zurück. Wieder einmal handfeste Thrillerkost. 4/5.
  • Hans Dieter Stöver: Quintus geht nach Rom. Jugendbuch, im Bücherschrank gefunden. Der 14jährige Quintus kommt mit seiner Familie nach Verlust deren Hofes auf dem Land nach Rom, wo er schon bald Kontakt zu einer Bande von Jungs bekommt. Sie klären gemeinsam einen großangelegten Diebstahl auf, wodurch sich Quintus‘ Leben stark verändert. Eigentlich erzählt das Buch eine nette Geschichte im Stile der Caius-Reihe von Henry Winterfeld, aber es liest sich furchtbar zäh. 3/5.
  • Leora Stahl: Simon, das Asperger-Syndrom und unser alltäglicher Wahnsinn. Sachbuch, aus der Bibliothek. Simon ist der erwachsene Sohn der Autorin. In kleinen Kapiteln erzählt sie, wie sich das Leben mit ihm gestaltet und welche Schwierigkeiten Simon in der Bewältigung des Alltags und in der Kommunikation hat. Es war ein sehr interessanter Einblick in das Leben eines anderen Autisten, aber im Großen und Ganzen war für mich vieles nicht nachvollziehbar. 3/5.
  • Christian Nørlund: Das Sklavenmädchen. Jugendbuch, gebraucht gekauft. In meiner Kindheit habe ich das Buch in der Bibliothek ausgeliehen und es jetzt seit vielen Jahren gesucht – und nun endlich gefunden. Rosita wird aus ihrer Heimatstadt Bogotá entführt und als Sklavin an eine Kafeeplantage verkauft. Vier Jahre verbringt sie dort, bis ihr die Flucht gelingt. Dank eines dänischen Ingenieurs kann sie sich ein neues Leben aufbauen. Das ist auch die Fußangel an dem Buch: ohne westliche Hilfe wäre das Mädchen einfach auf der Straße geblieben. Der Autor betont, daß sich diese Geschichte wirklich zugetragen hat, aber so eine richtig hoffnungsvolle Perspektive gibt das Buch nicht. 3/5.
  • Alberto Álvarez Peña: Cuentos y Leyendas Asturianas de Árboles y Plantas. Eins meiner Bücher aus Spanien, neu gekauft. In dem Buch werden Geschichten und Legenden über magische Pflanzen erzählt. Wer Storl gelesen hat, findet vieles bereits Bekanntes wieder. Viele Zaubersprüche, Redenarten etc. wurden in Asturisch aufgezeichnet, das ich nicht so gut verstehe. Abgerundet wird alles mit Zeichnungen und vielen Photos. Das Buch wurde zum zehnjährigen Jubiläum des botanischen Gartens in Gijón vom botanischen Garten selbst erstellt und herausgegeben, so daß man es nicht im Handel bekommen kann 🙂 Mir hat’s gefallen, auch wenn ich nicht alles verstehen konnte. 4/5.
  • Petra Cnyrim: Das Buch der fast vergessenen Wörter. Sachbuch, aus der Bibliothek. Die Autorin listet bedrohte Wörter und erklärt ihren Ursprung. War sehr kurzweilig und irgendwie auch ein bißchen traurig. Und mir ist aufgefallen, wie viele alte Wörter ich benutze ♥ 4/5. Von derselben Autorin hatte ich mir auch noch das Buch der leider vergessenen Wörter ausgeliehen, das ich aber nur durchgeblättert habe und daher nicht in meine Leseliste aufnehme.
  • Guus Kuijer: Ich fühle mich wie Apfelmus. Kinderbuch, gebraucht gekauft. Jonathan denkt sich gern Geschichten aus und ist in seine Lehrerin verliebt. Das Buch hatte ich mal in meiner Kindheit gelesen, konnte mich aber nicht mehr wirklich an die Geschichte erinnern. Sie ist leise und nett und obendrein schön illustriert. 4/5.
  • James Patterson und Bill Gates: The President Is Missing. Thriller, aus der Bibliothek. Die Handlung dieses Thrillers setzt unmittelbar ein: der Präsident der USA befindet sich in einer Befragung im Kongress, die dazu führen könnte, daß er des Amtes enthoben wird. Hat er wirklich einen Deal mit einem Cyberterroristen gemacht? Kurz danach verschwindet der Präsident von der Bildfläche und seine Gegner vermuten, er sei geflohen. Nach und nach wird klar, daß er lediglich versucht, einen Cyberterrorangriff abzuwenden, der das Machtgefüge der Welt verändern könnte… Gut gefallen hat mir, daß die Handlung sich erst nach und nach entfaltet und man bis fast zum Schluß nicht recht weiß, worum es genau geht und wer der Verräter ist. Dann jedoch kommt man selber scheinbar schneller drauf als der Präsident und seine Berater. 4/5.
  • Nigel Barley: Auf den Spuren von Mr. Spock. Sachbuch/Reisebeschreibung, aus der Bibliothek. Barley erzählt von seiner ersten Reise nach Indonesien, wo er ethnologische Studien bei den Toraja betrieben hat. Im Anschluß bittet er vier Holzschnitzer, eine Reisscheune in einem Museum in London zu bauen. Superinteressant und echt zum Schreien lustig. Habe mich bestens unterhalten gefühlt. Definitiv mein Highlight im ersten Quartal! 5/5.
  • Nigel Barley: Traumatische Tropen – Notizen aus meiner Lehmhütte. Sachbuch/Reisebeschreibung, aus der Bibliothek. In diesem Buch beschreibt Barley seine erste Reise zu den Dawayo in Kamerun, wo er ein Jahr lang in einem kleinen Dorf lebt und versucht, die Traditionen und Rituale der Einheimischen zu durchleuchten. Dieses Buch ist wunderbar: lustig, ehrlich und unheimlich aufschlußreich, was den Beruf des Anthropologen angeht. 4/5.
  • Vegard Solheim: Våre tradisjoner. Solheim hat ein sehr interessantes Blog, wo er auf Norwegisch und Englisch schreibt, und so bin ich auf sein Buch gekommen. Hierin beschreibt er die ur-nordische Lebensweise anhand der heidnischen Feste, die er genauestens analysiert. Leider verpaßt er, über Ahnen- und Fruchtbarkeitskult hinauszugucken, so daß ich mir das letzte Viertel des Buches geklemmt habe. Schade. Das Norwegisch war trotzdem gut verständlich. 3/5.
  • Joshua Hammer: The Bad-Ass Librarians Of Timbuktu And Their Race To Save The World’s Most Precious Manuscripts. Sachbuch, aus der Bibliothek. Hammer erzählt in diesem Buch die Geschichte der fast 400.000 Codices, die ein Bibliothekar aus Mali ganz allein zusammengetragen hat. Die wertvollen Handschriften wurden in einer eigens erbauten Bibliothek in Timbuktu aufbewahrt, bis islamistische Extremisten 2012 in Mali einfielen und die Handschriften zerstören wollten. In Nacht- und Nebelaktionen wurden die Handschriften erneut gerettet und in den Süden des Landes gebracht, wo sie ohne westliche Hilfe dennoch verrotet wären. Hammer hat eigentlich eine unheimlich spannende Geschichte zu erzählen, verpaßt es aber komplett, sie interessant zu gestalten. Ich habe mich regelrecht durch das Buch hindurchgequält. Sehr schade! 2/5.
  • Jean-Christophe Grangé: Die letzte Jagd. Thriller, aus der Bibliothek. Niémans und seine Assistentin Ivana ermitteln im Schwarzwald, wo der Sproß einer der reichten Familien Deutschlands im Wald ermordet aufgefunden wird. Seine Leiche erinnert an die Zurichtung des getöteten Wilds bei Pirschjagden. Die beiden Ermittler befassen sich daraufhin mit Hilfe ihrer deutschen Kollegen mit der Familie von Geyersberg und werden dabei mit einer Hunderasse, die seit dem zweiten Weltkrieg ausgestorben ist, und den Schwarzen Jägern, einer Gruppe von Nazis, konfrontiert. Ja, und das ist auch einer der beiden Gründe, warum ich das Buch ziemlich schlecht fand. Ernsthaft – schon wieder die Nazis in Deutschland? Das ist leider wenig originell. 2/5.
  • Christoph Ransmayr: Die Schrecken des Eises und der Finsternis. Roman, aus der Bibliothek. Ransmayr erzählt in diesem Buch zwei Geschichten parallel, nämlich einmal die der österreichisch-ungarischen Nordpolexpedition von 1872-74 und dann die von Josef Mazzini, einem Lastwagenfahrer, der mehr als einhundert Jahre später, nämlich 1981, von der Payer-Weyprecht-Expedition inspiriert, selbst in die Arktis reist, wo er nach dem gescheiterten Versuch, das Kaiser-Franz-Josef-Land zu erreichen, auf Spitzbergen verschwindet. Die parallele Erzählweise und der depressiv anmutende Stil haben mir nicht gut gefallen (das war schon bei anderen Ransmayr-Büchern so). Hätte er nur die Geschichte der Expedition erzählt, wäre das Buch ein Knaller gewesen, aber so fühlte sich die für mich interessante Geschichte fragmentiert an. 3/5.

Ich glaube, ich werde ab sofort monatlich meinen Bücherrückblick veröffentlichen…bei der Menge wird es allmählich unübersichtlich…

Gelesene Bücher 2020, Quartal IV

  • Arthur Conan Doyle: Eine Studie in Scharlachrot. E-book, gekauft. In London findet man eine Leiche, deren Todesumstände verdächtig sind. Die Polizei bittet Sherlock Holmes um Hilfe und es stellt sich heraus, daß die mit dem Mord verbundene Geschichte zwanzig Jahre zurückreicht. Das Buch ist Teil der günstigen Gesamtausgabe, die ich mir gekauft hatte, und ich genieße es, daß sie in altertümlichem Deutsch erschienen ist 🙂 5/5.
  • Rudi Palla: In Schnee und Eis – Die Himalaja-Expedition der Brüder Schlagintweit. Sachbuch, aus der Bibliothek. Palla skizziert in diesem Buch die mehrjährige Reise der Brüder Adolph, Hermann und Robert Schlagintweit im Gebiet des Himalaya. Das Thema an sich wäre wohl sehr spannend, aber das Buch reiht Orte und Daten einander und verpaßt die Gelegenheit, den Leser mit interessanten Geschichten zu versorgen (ironischerweise wirft Palla auch gerade das den Schlagintweits in Hinblick auf ihre Veröffentlichungen vor…). So war die Lektüre eher etwas zäh. 2/5.
  • George Yule: The Study Of Language. Sachbuch, geschenkt bekommen. In 20 Kapiteln skizziert Yule die wichtigsten Themen der Sprachwissenschaft, gespickt mit vielen Beispielen und abgerundet mit Anregungen zur Vertiefung. War für mich eine schöne Auffrischung des Wissens aus Studientagen, und da Yule auch sehr anschaulich und lustig schreibt, hat es viel Spaß gemacht, das Buch zu lesen. 5/5.
  • Kathy Hoopmann:  Lisa And The Lace Maker – An Asperger Adventure. Gebraucht gekauft. Ein Psychiater, dem ich seit einer Weile folge und deren Bücher über Autimus ich regelrecht verschlungen habe, hatte das Buch in einem Interview erwähnt, so daß ich es mir kurzerhand gekauft habe. Es handelt von einem jungen Mädchen mit Asperger Autismus, das auf einer langweiligen Familienfeier ihrer Großtante begegnet. Noch am selben Tag entdecken sie und ihr ebenfalls aspergeriger Freund in dessen Garten ein altes Cottage. Es stellt sich heraus, daß ihre Großtante einst in diesem Haus als Bedienstete gelebt und gearbeitet hat. Ein Geist und eine alte Liebe spielen auch noch eine Rolle. Die Geschichte war nett zu lesen, aber mehr auch nicht. 3/5.
  • Alex Rawlings: How To Speak Any Language Fluently. Sachbuch, neu gekauft. Rawlings, der selbst mehrere Sprachen spricht, hat hier kompakt eine große Anzahl an Techniken und Ideen zum Lernen von Fremdsprachen zusammengetragen und versorgt den Leser zusätzlich mit unzähligen Links zu Websites und Programmen, die das Lernen vereinfachen können. Ich fand das Buch großartig und denke, man sollte es nicht allzu weit wegstellen, sondern immer mal wieder durchblättern, um sich neue Anregungen zu holen. 5/5.
  • Erik Fosnes Hansen: Ein Hummerleben. Roman, aus der Bibliothek. Bis etwa Seite 300 weiß man nicht recht, worum es sich nun handelt – eine Erzählung? Ein Krimi? Eine Art moderne Version der Buddenbrooks? Auf den letzten 80 Seiten jedoch nimmt das Buch Fahrt auf und die Auflösung ist zwar letztlich wenig überraschend, aber sehr originell. Obendrein erzählt Hansen die Geschichte mit wunderbarem, leisen Humor. Ich mußte an vielen Stellen laut loslachen. Tolles Buch! 5/5.
  • Überseemuseum Bremen (Hg.): Lebende Tote – Totenkult in Mexiko. Sachbuch, gebraucht gekauft. Das Buch hatte ich mir schon vor ein paar Jahren gekauft und wollte es im Zusammenhang mit meinen Spanischstudien und den días de los muertos lesen, aber tatsächlich komme ich erst dieses Jahr dazu. Im Grunde ist das Buch eine Sammlung von Artikeln unterschiedlicher Autoren zum Thema Tod und Totenkult in Mexiko und Deutschland, gespickt mit zahlreichen Photos und Abbildungen. Sehr lohnend! 5/5
  • Mirjam Pressler: Zeit am Stiel. Jugendroman, gebraucht gekauft. Ich hatte das Buch als Jugendlicher schon mal gelesen und es vor ein paar Monaten für wenige Cent gebraucht gekauft. Die Hauptfigur, ein Mädel um die 15, lebt bei ihrer Mutter, die am laufenden Band neue Liebhaber hat, von denen sie zum Teil belästigt wird, und ihr Hund hat Krebs, soll aber nicht mehr operiert werden, so daß sie nun darauf wartet, daß er stirbt. Wer zum Geier will denn sowas lesen!? Ich habe das Buch nach 20 Seiten für den Bücherschrank abgestellt. Also ehrlich mal. 0/5.
  • Werner Skalla: Alfred. Sachbuch, neu gekauft. Vom selben Autor habe ich das Norwegisch-Lehrbuch „Nils“ bearbeitet und mir dann im Sommer eben „Alfred“ zum Schwedischlernen gekauft. Das Buch entwickelt Vokabular und Grammatik anhand einer Geschichte, die in 27 kleinen Kapiteln erzählt wird. Die Erklärungen sind einfach zu verstehen (Nachteil: wenn man gern Grammatik mag, sind sie teilweise etwas zu kurz) und in jedem Kapitel gibt es Übungen, deren Lösungen sich hinten Im Buch finden. Gefällt mir total gut! 5/5
  • Alva Gehrmann: I did it Norway. Sachbuch/Reisebericht, aus der Bibliothek. Die deutsche Journalistin ist seit vielen Jahren in Skandinavien unterwegs. In diesem Buch schildert sie ihre ausgedehnten Reisen in Norwegen, wo sie mit den Einheimischen ins Gespräch kommt, an der Nobelpreisverleihung teilnimmt, Festivals besucht, Rentiere bei ihrem Zug in die Wintergebiete begleitet und der Rückkehr von Amundsens Schiff „Maud“ beiwohnt. Sehr stimmungsvoll und interessant geschrieben, macht das Buch Lust, selbst einmal nach Norwegen zu reisen. 4/5.
  • Andrew Mellen: Unstuff Your Life. Sachbuch, vor längerer Zeit neu gekauft. Mellen gilt als der „most organized man in America“ und begleitet den Leser in diesem Buch sozusagen von Raum zu Raum und hilft ihm, seine Besitztümer neu zu bewerten und zu sortieren. Ich habe viele hilfreiche und pointierte Gedanken in diesem Buch gefunden und bringe es, ganz im Geiste des Autors, demnächst mal in den Bücherschrank, damit mein Haus aufgeräumt bleibt 🙂 4/5.
  • Raynor Winn: Der Salzpfad. Reisebericht, aus der Bibliothek. Raynor und ihr Mann Moth verlieren ihren Hof und dann wird ihnen auch noch mitgeteilt, daß Moth an einer Krankheit leidet, die ihn langsam umbringen wird. Die beiden haben nichts mehr zu verlieren und entschließen sich daher, den West Coast Path zu gehen, auf der Suche nach einer Zukunft. Ich muß gestehen, daß ich die Listung der ganzen Ortsnamen nur mäßig spannend fand; interessant wurde es immer dann, wenn Winn von ihren Begegnungen mit anderen Menschen schrieb, doch irgendwie springt der Funke nicht recht über. 3,5/5.
  • Inka und Markus Brand: Im Keller der Geheimnisse. Exit-Spiel-Buch, gebraucht gekauft. Leider lag dem Buch kein Codex bei, aber den hat mir der Verlag kostenlos zugeschickt. Bei einer Spendengala in einer Schule werden die Spenden gestohlen. Drei Monate später findet man sich in Gestalt von Luca, einem Schüler der zehnten Klasse, zusammen mit zwei weiteren Schülern im Keller des Gebäudes wieder, und nun gilt es, sich durch das Lösen diverser Rätsel aus der Lage zu befreien und den Dieb zu entlarven. Die Story und die Rätsel haben mir gut gefallen, der einzige echte Minuspunkt waren die Tips, denn die Silberfolie, unter der sie verborgen sind, läßt sich kaum entfernen, ohne die Schrift mitzuzerfetzen. 4/5.
  • Anne L. Boedecker: The Transgender Guidebook – Keys To A Successful Transition. Sachbuch, vor Jahren neu gekauft und jetzt endlich mal gelesen. Boedecker ist Therapeutin und arbeitet seit vielen Jahren mit Transmenschen. Immer hat ihr ein gutes Buch zu dem Thema gefehlt, bis sie es selbst geschrieben hat. Es geht um die typischen Transthemen, vom Coming Out über die möglichen Konflikte mit dem sozialen Umfeld, der Hormontherapie, eventuellen Operationen bis hin zum Einleben in der neuen Rolle. Ein solides Buch, das vor allem Amerikanern helfen wird, denn die Autorin nennt jede Menge Ärzte, Kliniken, Hilfeseiten, Notfallnummern etc. in den USA. 5/5.
  • Morten A. Strøksnes: Das Buch vom Meer. Sachbuch/Erzählung, aus der Bibliothek. Strøksnes und sein Freund Hugo, der auf den Lofoten wohnt, beschließen, einen Eishai zu fangen. Dafür brauchen sie ein Jahr und während sie auf das richtige Wetter warten und unterschiedliche Köder ausprobieren, erzählt Strøksnes vom Leben am Meer, vom Meer an sich und von seinen Bewohnern. An sich ist das alles sehr interessant, wenn mir nicht der üble Beigeschmack des gesamten Vorhabens das ganze Buch über erhalten geblieben werde. Eishaifleisch ist im Grunde ungenießbar, weil giftig, sofern es nicht auf besondere Weise präpariert wird, und eigentlich will Hugo bloß die Leber des Tiers verwenden, um daraus Farbe herzustellen. Eishaie werden gut und gerne 200 Jahre alt. Den Gedanken, was für eine Idiotie daher die Idee ist, einen Eishai zu jagen, kann ich nicht ablegen. Am Ende haben die Freunde tatsächlich einen an der Angel, den sie eine Weile lang entkräften, bis er sich losreißt und mit einem großen Angelhaken, sechs Metern schwerer Kette und den entsprechenden Wunden entkommt. Und wofür das Ganze? 1/5.
  • John Howe: Reise durch Mittelerde. Kunstbuch, neu gekauft. Howe, der an den Sets für die Verfilmungen von Der Herr der Ringe und Der Hobbit mitgearbeitet hat, nimmt den Leser in diesem Buch mit auf eine Reise an die wichtigsten Orte Mittelerdes. Im Grunde ist das Buch eine einzige große Gallerie von Gebäuden, Landschaften, Ausrüstungsgegenständen und Wesen. Viel Text gibt es nicht, aber den vermißt man auch nicht. 5/5.

Und gehört habe ich:

  • Jeffery Deaver: Das Gesicht des Drachen. Hörbuch, gebraucht gekauft. Das dazugehörige Buch hatte ich vor vielen Jahren schon einmal gelesen und nun habe ich das Hörbuch gebraucht gekauft. Seit einer Weile bekommt man viele tolle Hörbücher entweder gar nicht mehr oder nur für rund 25 €, was ich auf keinen Fall bezahlen würde. Hintergrund erscheint mir, daß ein großer Onlinehandel seine Hörbuch-Abo-Tochterfirma pushen will, doch deren Angebot (10 € monatlich für ein Hörbuch) ist für mich nicht interessant. So schlage ich also bei gebrauchten Hörbüchern zu, wenn es sich ergibt. In diesem vierten Teil der Lincoln-Rhyme-Serie geht es um illegale chinesische Einwanderer, die von einem Schlepper gesucht werden, der sie töten will. Die Handlung spielt komplett in New York und Umland, also in dem Umfeld, in dem der behinderte Ermittler und seine Partnerin Amelia Sachs am besten sind. Der Plot ist raffiniert aufgebaut, die Atmosphäre ist toll und Dietmar Wunder liest wie immer ganz fabelhaft. 5/5.
  • Linda Castillo: Quälender Haß. Hörbuch, aus der Bibliothek. Im elften Teil der Reihe um die Polizeichefin Kate Burkholder geht es um eine amische Großmutter, die ermordet wird, während das behinderte Mädchen, auf das sie aufgepaßt hat, entführt wird. Wenn man schon andere Bücher aus derselben Reihe kennt, weiß man spätestens nach einem Drittel der Geschichte, worauf alles hinauslaufen wird. Solide Krimikost, aber eben wenig überraschend oder originell. 3/5.
  • Jeffery Deaver: Schule des Schweigens. Hörbuch, gebraucht gekauft. Drei Gefängsnisausbrecher nehmen sechs gehörlose Mädchen und ihre beiden Lehrerinnen als Geiseln. Sie verschanzen sich in einem alten Schlachthof. Arthur Potter, ein FBI-Agent, soll nun um die Freilassung der Geiseln verhandeln. Erschwert wird das durch Ränke, die x Leute schmieden, die eigentlich auf seiner Seite sein sollten. Die Idee zu dem Buch ist super, aber es ist unheimlich zäh. Erst im letzten Sechstel nimmt es endlich Fahrt auf, aber das Ende ist irgendwie nicht so richtig befriedigend, zumal Deaver Potter kein weiteres Buch gewidmet hat. 2/5.
  • James Patterson: Alex Cross 1-10. Die Romane um Psychologe/Polizist/FBI-Agent Alex Cross erscheinen seit den 90ern (inzwischen gibt es 24) und sind einfach solide Thriller-Kost. Dietmar Wunder hat Teile 1-12 gelesen und da höre ich mich gerade durch. Die zwei letzten Folgen dann im neuen Jahr 🙂 5/5.

Bücher, Informationen, Raum

Zur Zeit hat mein Mann Urlaub und ich hatte ihn schon vor Monaten gebeten, mir in den Ferien ein paar Stunden seiner Zeit zu schenken, um nochmal Zeug loszuwerden. Am Wochenende haben wir losgelegt und seitdem jeden Tag zwischen 8 und 15 Kisten durchgeschaut. Den Großteil unserer Dinge, die wir nicht im direkten Zugriff haben wollen/brauchen, lagern wir in großen Plastikkisten mit Rollen und Deckeln. Sehr praktisch, weil staubgeschützt, hygienisch und stapelbar. Der Inhalt jeder Kiste wird photographiert und dann werden die Bilder in eine Storage-Datenbank eingepflegt, die wir angelegt haben. Wenn Kisten kaputtgehen, geleert oder zusammengefaßt werden, muß das entsprechend in der Datenbank aktualisiert werden. Das kostet zwar Zeit, aber in jedem Fall weniger, als es kosten würde, ständig Dinge zu suchen.

Als wir vor fast zehn Jahren in unser Haus gezogen sind, mußte ich eine ganze Bibliothek in ein Bücherregal quetschen (und zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits tausende Bücher rausgeworfen), und da ich nicht bereit war, mich gleich von noch mehr Büchern zu trennen, bedeutete das, daß viele in blauen Kisten landeten. Vor zwei Jahren haben wir unser Wohnzimmer ein wenig umgestaltet, und im Zuge dieser Aktion mußte auch das eine Bücherregal weichen. Es steht jetzt im Flur, doch die Hälfte ist bereits mit Sprachlernbüchern belegt. Einen Teil der Bücher packten wir in ein anderes Regal, auf das ich selbst nicht direkt zugreifen kann, weil es auf dem Treppenabsatz steht. Der Rest wurde ebenfalls in Kisten verpackt. Im Zuge unserer Aufräumaktion diese Woche kamen also kistenweise Bücher bei mir an, die ich eine ganze Weile nicht gesehen hatte. Und wie das so oft mit Dingen ist: wenn man sie erstmal eine Zeitlang nicht in der Hand hatte, braucht man sie irgendwie nicht mehr. Ich habe also diese Woche wieder rund 500 (!!!!) Bücher rausgeworfen. Vermehren die sich eigentlich heimlich? Ich meine, seit Jahren kaufe ich kaum noch Bücher, sondern greife gern auf die Bibliotheken hier zurück. Und wenn ich mal was kaufe, lese ich es und es landet danach im Bücherschrank. Wie kann das sein, daß ich noch immer so viele habe?

Diese Woche dachte ich darüber nach, wie viel Geld ich wohl schon an Bücher „verloren“ haben. Es müssen tausende und abertausende Euros sein. Ich lese seit 37 Jahren und abgesehen von ein paar Jahren, wo mir das Lesen sehr schwerfiel, lese ich schnell und viel. Was genau kauft man aber eigentlich, wenn man ein Buch kauft? Für mich lautet die Antwort in 90-95% aller Fälle: Informationen. Klar gibt es Bücher, die ich mir gekauft habe, weil ich sie schön finde, wie etwa einen großen Bildband vom Jakobsweg, einen Ausstellungskatalog von einem Museum oder sowas. Aber eigentlich bin ich vor allem scharf auf die Informationen aus Büchern, und daher denke ich, daß ich im Grunde auch nur für die Infos bezahle. Jedenfalls macht mir diese Denkweise den finanziellen Aspekt der ganzen Sache etwas erträglicher 🙂 E-Books lese ich inzwischen ab und zu auch, allerdings ziehe ich ganz klar Papierbücher vor. Manchmal bekomme ich aber ein Buch weder in der Bibliothek/von der Fernleihe noch gebraucht, und dann kann ein E-Book eine gute Lösung sein.

Kochbücher sind auch eine große Leidenschaft von mir, aber dankenswerterweise bin ich da auch inzwischen mit der Bibliothek gut versorgt. Die Einzigen, die ich mir echt immer ungesehen kaufe, sind die von Jamie Oliver, denn da weiß ich, daß es sich für uns als Familie lohnt. Es gibt viele toll gestaltete Kochbücher, die ein bestimmtes Lebensgefühl vermitteln sollen, aber die Rezepte sind manchmal echt nutzlos (ich brauche nicht das zweihundertachzigste Rezept für ein Gemüsecurry oder eine Anleitung für ein Spiegelei). Wir haben z.B. einige Bücher von Hugh Fearnley-Whittingstall und so sehr ich seine Sendungen liebe – ich koche kaum was aus seinen Büchern. Er kocht oft total aufwendig und ich bin jetzt niemand, der sich anderthalb Stunden in die Küche stellt für einen Snack. Aber sein Konzept ist schön, weil es die Art von gemütlichem Landleben vermittelt, das ich toll finde. Allerdings kann ich das nicht haben, weil ich nicht gärtnern oder Schweine halten oder sonstwas Körperliches tun kann. Es zeigt mir also immer wieder, was ich nicht habe. Toxisch. Und es gibt auch noch andere Kochbücher in meinem Kochbuchschrank (oh ja, sowas habe ich…), deren Besitz für mich inzwischen zweifelhaft ist, zum Beispiel weil ich sie nie verwendet habe oder weil die Rezepte zu einfach, zu kompliziert oder zu [mäh] sind. Mal sehen, wie es damit weitergeht.

Bücherreihen sind auch so ein Problem. Mein Mann und ich haben vor ungefähr 20 Jahren angefangen, die Sister Fidelma Romane zu lesen, und hatten davon bestimmt zwanzig Stück, die wir aber nie wieder gelesen haben. Jefferey Deaver, Linda Castillo, Chris Carter…herrje, es gibt echt viele Reihen, die ich lese (oder mir vorlesen lasse). Hörbücher sind allerdings kein Storage-Problem, Papierbücher schon. Wir haben uns jetzt also von solchen Bücherreihen getrennt, und das ging seltsam leicht, dabei ist doch gerade Sister Fidelma mit einer schönen Zeit in unserem Leben verbunden und war ein wichtiger Teil von uns. Hm. Ich schätze, wir brauchen diesen Teil nicht mehr in physischer Form. Auch habe ich zig Magical Almanacs und andere Spiribücher rausgeschmissen. Sie waren mir mal wichtig, aber die Wahrscheinlichkeit dafür, daß ich bei Vollmond einen Kerzenzauber mache, ist gering. Und wenn, dann brauche ich dafür keine Anleitung. Man wächst also auch aus Informationen raus, die man früher mal brauchte, aber inzwischen entweder verinnerlicht und weiterenwickelt hat oder als nicht mehr wichtig erachtet. Der Raum, der frei wird, ist mir wichtiger. Ich glaube, es geht dabei nicht nur um Raum auf meinem Dachboden, den ich de facto gar nicht betreten kann, sondern um Raum in meinem Leben und in mir. Mein Leben hat sich schon so oft so radikal verändert, daß ich nicht immer alles festhalten kann, was mit einer bestimmten Phase verbunden ist (habe übrigens auch zwei Kisten Kleidung aus einem anderen Leben entsorgt). Was mir immer am schwersten fällt, sind Erinnerungen an Menschen. Ein Buch, das jetzt im Bücherschrank landen wird, enthielt z.B. eine sehr persönliche Widmung aus einer Ex-Beziehung. Die Beziehung war Kacke und diese vertraute Schrift und diese Worte zu lesen, war gleich wieder ätzend. Sowas brauche ich nicht mehr, auch wenn das Geschenk mal lieb gemeint gewesen war / sein sollte.

Ich stelle alle aussortierten Bücher in Bücherschränke. Die Mühe, sie einzeln zu photographieren und irgendwo online anzubieten, mache ich mir nicht mehr. Meistens lohnt es nicht, wenn ich Zeit und Aufwand gegen Ertrag aufrechne, und es ist mir auch wichtig, daß Leute kostenlos Zugang zu Büchern / Bildung haben. Ich nutze schließlich auch gern und oft kostenlose Bildungsangebote, da ist es nur fair, wenn ich was zurückgebe. Nachdem mein Mann und ich allerdings schon öfter Zeugen wurden, wie raffgierige Arschlöcher im großen Stil Bücher aus den Bücherschränken entfernen, um sie zu verkaufen, habe ich mir einen Stempel anfertigen lassen, der sagt „Bücherschrankbuch! Verkauf verboten!“. Mit diesem Stempel tobe ich mich an allen Büchern aus, die potentiell noch was wert sind. Sie bekommen dunkelviolette Stempel auf den Schnitt, in den Einband und auf die ersten Seiten im ersten Kapitel. So sind sie weiterhin les-, aber eben nicht verkaufbar. Bücherdiebbashing!

Durch das ganze Aussortieren, das 2007 anfing und seitdem irgendwie nicht mehr aufhört, hat sich auf jeden Fall mein Shoppingverhalten verändert. Ich kaufe sehr viel weniger und sehr viel zögerlicher. In zehn Jahren möchte ich auf einem Stand sein, der es mir erlaubt, relativ problemlos in eine kleinere Immobilie umzuziehen. Bis dahin ist der Sohn auch ausgezogen und dem werde ich auf jeden Fall eine Menge Zeug auf’s Auge drücken, wenn er geht 🙂

Bookshelf-Videos

Ich habe diese und letzte Woche eine Menge Videos von Polyglotten geguckt, die ihre Bücherregale filmen und dazu erklären, welche Bücher sie benutzen. Manche geben auch kurz an, wie sie ein Buch finden und warum sie es gekauft haben. Dabei ist mir aufgefallen, daß viele Menschen eine Menge Bücher besitzen, einfach nur, um sie zu haben oder zu archivieren. Wie ich schon öfter schrieb, bin auch ich bei der Anschaffung von Büchern zum Sprachenlernen SEHR sterblich. Ich merke aber in diesem Jahr, wo ich meinen Fokus auf das ausrichte, was ich bereits besitze, daß es sich für mich traurig anfühlt, solche Arbeits- und Übungsbücher nur im Regal stehen zu haben, denn eigentlich hat es überhaupt keinen Nutzen, ein solches Buch zu haben, aber nicht zu bearbeiten.

Als ich angefangen habe, Spanisch zu lernen, habe ich mir wirklich sehr viele Bücher gekauft. Meine Motivation dahinter war, daß ich absolut sichergehen wollte, von genug unterschiedlichen Quellen zu lernen, damit ich am Ende ein gutes bis sehr gutes Spanisch spreche. Das ist mir auch gelungen, aber das lag nicht an der breiten Auswahl an Büchern 🙂 Tatsächlich habe ich viele davon nur gekauft und danach nie wieder zur Hand genommen, und sofern es nicht eine mystische und arbeitsfreie Buch-zu-Hirn-Wissensübertragung gibt, hat mir die Tatsache, diese Bücher im Regal stehen zu haben, gar nichts gebracht. Der Teil von mir, der am liebsten jedes Sprachlernbuch haben möchte, das es so gibt, argumentiert dann, daß die Anschaffung vieler Bücher zu der Sprache, die man aktiv lernt, immerhin beweist, wie ernst es einem damit ist. Und in gewisser Weise stimmt das auch. Aber solange man diese Bücher nicht auch wirklich durcharbeitet, ist ihr Kauf weiterhin sinnlos und nimmt eigentlich nur Platz weg. Und Geld auch. Ressourcen also, die man, wenn man mehr als eine Sprache lernt oder auch noch andere Hobbies hat (so Leute soll es ja geben…), anderweitig nutzen könnte. Ich denke, mit der Binge-Anschaffung von Büchern, wenn man beginnt, eine neue Sprache zu lernen, ist auch die Unsicherheit verbunden, mit welchem Autor/System/Buch man am besten klarkommt, also „am besten mal alles kaufen, dann wird schon was dabeisein!“. Auch das hilft beim eigentlichen Lernprozeß überhaupt nicht, zumal man ja auch noch ein anderes Buch kaufen könnte, wenn man beim ersten Werk feststellt, daß es nichts für einen ist. Ich glaube, daß eine Menge Geld mit diesem Verhalten im Fremdsprachen-Sektor gemacht wird, weil Leute hoffen, daß sie eine Sprache tatsächlich lernen werden, wenn sie nur genug Geld dafür ausgeben. Aber die Wahrheit ist nunmal, daß man eine Sprache nur lernt, wenn man sich wirklich aktiv mit ihr befaßt – auch wenn das ganz kostenlos ist… Das gilt natürlich auch für Online-Kurse, die in den letzten zehn Jahren echt wie Pilze aus dem Boden geschossen sind.

Etwas, das ich sehr gut verstehe, auch wenn es vollkommen irrational ist, ist etwas, das ich mal „das Wohlgefühl der Archivare“ nennen will. Schließlich kann das Wissen in einem Buch, das man im Regal stehen hat, nicht so einfach verloren gehen, und sollte man es irgendwann einmal brauchen, hat man es gleich zur Hand. Ich habe dieses Gefühl für alle Genres abgesehen von Sprachlernbüchern ablegen können – sogar Kochbücher kann ich inzwischen weiterziehen lassen, sofern ich sie nicht wirklich supergern mag (meine Jamie Olivers bleiben alle da, wo sie sind^^). Aber Sprachlernbücher sind irgendwie anders. Sie zu besitzen, heißt, daß ich das Wissen in ihnen besitze und daß es mir niemand streitig machen oder wegnehmen könnte. Wenn ich also in 40 Jahren plötzlich nochmal meine Subjuntivo-Kenntnisse auffrischen wollte, könnte ich das problemlos machen. An dieser Stelle rolle ich beim Schreiben übrigens mit den Augen, weil mir klar ist, wie irrational das Horten von Büchern hier ist. Schon heute gibt es mehr über das Subjuntivo, das ich mal als ganz beliebiges Beispiel rausgegriffen habe, im Internet zu finden als in meinen Büchern dazu steht. Ich nehme an, in 40 Jahren wäre das wohl noch genauso. Und natürlich könnte auch etwas ganz Unvorhergesehenes passieren, wodurch meine Bücher zerstört werden könnten. Ich glaube allerdings, daß mein Wunsch, Wissen physisch zu besitzen, möglicherweise auch mit meinem Autismus verknüpft sein könnte, denn bei unseren Spezialinteressen sind wir Aspies ziemlich obszessiv. Mir tut es einfach gut, mich mit meinem Spezialinteresse zu beschäftigen und mich mit ihm zu umgeben. Schon der Anblick meiner Sprachlernsachen (nicht nur der Bücher) erfreut und beruhigt mich. Sie sind eben eine Welt für sich. Nichtsdestotrotz versuche ich, mir immer wieder klarzumachen, daß ich nicht dafür verantwortlich bin, dieses Wissen für andere zu archivieren, weil es dafür Bibliotheken und Online-Portale gibt.

Mir ist wichtig, daß die Anschaffungen neuer Bücher nicht eskalieren, aus der Erfahrung heraus, in den letzten 10 Jahren tausende von Büchern abgegeben zu haben. Mein Ziel war es früher mal, in einer regelrechten Privatbibliothek zu leben, was ich mit Anfang 30 auch erreicht hatte, aber de facto hat mich soviel Besitz einfach nur erschlagen, zumal es eher mehr als weniger Bücher wurden. Dahin will ich nie wieder zurück.

Konkret halte ich mich also an folgende Regeln:

  1. es werden nur Bücher zu Sprachen angeschafft, mit denen ich mich ernsthaft befassen möchte (auch wenn ich sie dann nur verstehen und nicht aktiv nutzen will)
  2. wo es geht und wo es sich ok anfühlt, greife ich auf gebrauchte und daher günstigere Bücher zurück oder nutze das Angebot der Bibliotheken
  3. keine Spontankäufe
  4. vorm Kauf genau sondieren, wie sinnvoll das Buch tatsächlich ist

Zum ersten Punkt: bei den oben erwähnten Bookshelf-Videos habe ich gesehen, daß viele polyglotte Menschen dazu neigen, sich Bücher für Sprachen zu kaufen, die sie gar nicht wirklich lernen können oder wollen (z.B. weil ihnen die Zeit dafür fehlt oder die Sprache sie gar nicht wirklich interessiert), einfach um sie zu besitzen. Und auch, wenn ich das sowas von gut nachvollziehen kann, habe ich das nie gemacht und werde damit auch nicht anfangen. Für mich war es schon mit einem schlechten Gefühl verbunden, mir einige Japanisch-Bücher gekauft, aber nie ernsthaft Japanisch gelernt zu haben, und wenn das nun für mehr als eine Sprache der Fall wäre, würde mich das echt stressen. Es nimmt dann nur wieder Platz weg und irgendwie scheinen solche Bücher bzw. unfertige oder nicht einmal angefangene Projekte allgemein ein sehr schlechtes Gefühl in mir auszulösen. Ich schließe gern ab, was ich anfange, auch wenn es sich zum Teil über einen langen Zeitraum hinzieht, wie das beim Sprachenlernen eben so ist. Für Schwedisch wußte ich z.B., daß ich es nicht wirklich aktiv benutzen können möchte, aber mich störte, daß ich nicht so viel verstand, wenn ich es irgendwo hörte. Ich habe mir also ein Lehrbuch für A1/A2 und eine Kurzgrammatik gekauft (ok, sind wir ehrlich: über die drei festlandskandinavischen Sprachen ist mit einer Kurzgrammatik ja auch alles gesagt…) und habe beides immer noch in Arbeit. Mein Ziel, Schwedisch zu 80% zu verstehen, habe ich längst erreicht, aber ich schließe diese Bücher noch ab, bevor ich sie in den Schrank räume. Dann kann ich einen Haken an die Sache machen und habe nicht mehr das Gefühl, daß da noch etwas unerledigt ist.

Zum zweiten Punkt: viele Sprachlernbücher sind meiner Ansicht nach unnötig teuer, vielleicht weil Menschen zu denken scheinen, wenn sie etwas mehr dafür ausgeben, zaubert ihnen ein Buch magisch die Sprache auf die „Festplatte“. Wenn man sich für viele Sprachen interessiert, kann das also echt richtig teuer werden. Daher gucke ich gern mal nach gebrauchten Büchern oder benutze das Angebot der Bibliotheken. Isländisch war so ein Fall. Da habe ich nur zwei Bücher aus der Bib ausgeliehen, um mir in groben Zügen beizubringen, wie Isländisch funktioniert, und da ich nicht vorhatte, mehr daraus zu machen, hat das auch gereicht. Gebrauchte Bücher zu kaufen, ist für mich allerdings manchmal heikel. Ich habe schon etliche Sprachlernbücher gebraucht gekauft, von denen es hieß, sie hätten ein paar Anstreichungen drin; am Ende stellte sich heraus, daß Dreiviertel der Seiten eng mit Kugelschreiber beschrieben waren. Das ist natürlich besonders ärgerlich, wenn man die Übungen eigentlich gern noch selbst gemacht hätte. Dazu kommt, daß gebrauchte Bücher manchmal nicht gerade geliebt wurden und dann irgendwie knittrig, miefig oder sonstwie unangenehm sind. Würde ich ein Buch nicht mit ins Bett nehmen, kann ich damit auch nicht arbeiten – jedenfalls trifft das auf Sprachbücher zu. Bei Unterhaltungsliteratur bin ich da viel weniger pingelig und leihe mir auch dann gern etwas im Bücherschrank aus, wenn es zerfranst ist, weil ich weiß, daß ich es danach wieder dort einstelle. Da ist mir das egal.

Zum dritten Punkt: Spontankäufe waren früher ein ganz großes Problem, zum einen monetär, zum anderen aber auch, weil dieses impulsive Shopping-Verhalten dazu führte, daß der Platz und meine freie Zeit unnötig abnahmen. Heute packe ich mir alles, was ich gern haben will, erstmal auf einen Wunschzettel, also nicht nur Bücher. Und dann warte ich ein paar Wochen ab. Viele Wünsche erledigen sich von selbst und am Ende bin ich immer froh, das Ding nicht direkt gekauft zu haben. Von dieser Regel mache ich nur dann eine Ausnahme, wenn ich ein echtes Schnäppchen finde. Ein Beispiel: neulich interessierte ich mich für ein Buch, das es nur noch gebraucht für 50 € aufwärts gab. Einen Tag später bot ein Antiquariat es für schlappe 3 € an. Da mußte ich einfach zuschlagen. Sollte das Buch dann doch nicht meine Erwartungen erfüllen, kommt es in den Bücherschrank, ohne daß es ein großer finanzieller Verlust für mich wäre. In besagten Bookshelf-Videos konnte ich auch mal einen Blick in die Sprachabteilungen von ausländischen Buchhandlungen werfen und war zum Teil echt überwältigt von deren Angebot, weil man dort wirklich von einer „Abteilung“ reden konnte. In meiner Region kann ich schon froh sein, wenn dem Sprachenlernen mehr als ein verschämtes Regalbrett gewidmet wird, und daß dann noch etwas anderes als Deutsch als Fremdsprache, Englisch, Französisch und Italienisch darin steht, kommt nur selten vor (und wenn, dann vielleicht Wörterbücher im Winzformat, damit das Geschäft sagen kann, daß es was in vielen Sprachen vorrätig hat). Insofern verstehe ich andere Polyglotte durchaus, die sich beim Besuch eines solchen Buchladens zu Spontankäufen verleiten lassen. In einer physischen Buchhandlung der Verlockung zu verstehen, erfordert echt eine Menge Willenskraft 🙂

Zum vierten Punkt: viele Bücher, die hübsch aufgemacht sind oder aufgrund ihrer Dicke den Eindruck vermitteln, daß man mit ihnen gut versorgt sei, sind bei näherer Betrachtung dann doch vielleicht nicht so gut, zum Beispiel weil man das, was sie vermitteln, bereits kann, oder weil sie eine für einen selbst unpassende Lehrmethode verfolgen. Diese Bücher sind nicht hilfreich und daher wäre es reine Geldverschwendung, sie anzuschaffen. Auch wenn sie ganz toll im Regal aussähen, einen wichtig klingenden Titel haben oder weil „jeder“ sie hat. Ich habe da so eine Erfahrung mit einer amerikanischen Sprachlernreihe gemacht, von der offenbar so ziemlich jeder begeistert ist außer mir 🙂 Ich habe mir insgesamt drei Bücher für zwei Sprachen gekauft und fand sie alle doof, weil sie sehr oberflächlich sind und die enthaltenen Übungen ein Witz waren. Es ist ganz egal, wie super andere Sprachenthusiasten diese Buchreihe finden – für mich lohnt sie sich nicht. Ich denke, wenn man schon länger Sprachen lernt, weiß man selbst am besten, was einem hilft, und kann dann besser bei der Anschaffung darauf achten. Allerdings gibt es auch immer wieder den Moment, wo ich feststelle, daß es das, was ich eigentlich gern hätte, überhaupt nicht gibt, weil noch niemand dieses Buch geschrieben hat 🙂

Ein bißchen Isländisch

Neulich habe ich einen Bericht über Daniel Tammet gesehen. Er ist ein Savant-Autist und spricht mehrere Sprachen fließend. Für die Doku wurde ihm die Herausforderung gestellt, innerhalb einer Woche Isländisch zu lernen, und am Ende dieser Woche ein Interview im isländischen Fernsehen zu geben, natürlich auf Isländisch. Mal abgesehen davon, wie beeindruckend sein Fortschritt innerhalb dieser einen Woche war (leider wurde das nur relativ kurz gezeigt) und wie flüssig er mit den beiden Reportern am Ende reden konnte, hat mich das ein wenig angefixt, denn ich habe etwa 60-70% von dem, was gesagt wurde, verstanden. Eigentlich heißt es, daß man Isländisch nicht so einfach verstehen kann, selbst wenn man eine andere skandinavische Sprache spricht, weil es sehr ursprünglich ist und in den letzten 1000 Jahren nicht viele Veränderungen durchlaufen hat, aber mit Norwegisch im Gepäck ließ es sich machen. Überhaupt denke ich oft, daß Norwegisch die neutralste der skandinavischen Sprachen ist und es einem dadurch ermöglicht, die anderen relativ gut und einfach zu verstehen.

Ich habe dann mal nach Lehrwerken geguckt und eins gefunden, das Isländisch von Deutsch aus unterrichtet, und das durch eine Grammatik und ein Übungsbuch ergänzt wird. Da das alles recht teuer ist, habe ich mal bei der Stadtbibliothek angefragt, ob es nicht möglich wäre, diese Bücher anzuschaffen (es gibt extra den Hinweis, daß man gern Anschaffungsvorschläge machen kann), und tatsächlich waren sie wenige Wochen später verfügbar. Ich habe also in den letzten sechs Wochen ein wenig Isländisch angeguckt. „Gelernt“ kann man das nicht nennen, weil ich nur wissen wollte, wie Isländisch für mich ist, nachdem ich nun recht gut Norwegisch spreche. Vieles ist tatsächlich sofort verständlich, inbesondere in schriftlicher Form, denn die Aussprache ist schon ein wenig speziell. Die Syntax/Satzstruktur finde ich auch sofort eingängig. Etwas gewöhnungsbedürftig ist für mich, daß Substantive dekliniert werden – in dem Zusammenhang ist mir aufgefallen, daß ich noch nie eine Sprache gelernt habe, die das tut, mal abgesehen von meiner Muttersprache 🙂 Was mich besonders berührt hat, war die Frage „hvað syngur í þer?“. Wörtlich übersetzt heißt das „was singt in Dir?“ und das fragt man, wenn man wissen will, wie es jemandem geht ♥ Auf Norwegisch hieße das übrigens „hva synger i deg“ und ich denke, da sieht man schon die Sprachverwandtschaft.

Alles in allem war das sehr interessant und ich freue mich, daß ich diese Möglichkeit dank der Bibliothek hatte, allerdings werde ich wohl nicht anfangen, Isländisch ernsthaft zu lernen.