Gelesene Bücher im April 2022

  • Hans Jürgen Balmes: Der Rhein – Biographie eines Flusses. Sachbuch, aus der Bibliothek. Von seinen Quellen bis zu seiner Mündung bereist Balmes den Rhein. Er erzählt von den Menschen, die dort leben oder gelebt haben, von historischen Ereignissen an seinen Ufern, von Tiern und Pflanzen, von Stromschnellen und Felsen. Ein sehr reichhaltiges Buch, das man nicht mal eben runterliest. Ich hätte es wahrscheinlich mehr genossen, wenn Balmes weniger um poetische Sprache mit diesem typisch anklagend-leidenden Unterton bemüht gewesen wäre. So nur 4/5, sonst wäre es die volle Punktzahl gewesen.
  • Christoph Elbern: Hafenmörder. Krimi, geschenkt bekommen. Carl-Jakob Melcher, seines Zeichens Bakteriologe, wird von seinem Freund, dem Polizisten Martin, zu den Ermittlungen in einem Mordfall herangezogen: in Hamburg wird ein Mann ermordet, der Cholera hat (der Roman spielt 1904). Melcher und seinem Freund geht im Laufe der Zeit auf, daß es sich tatsächlich um einen Serienmörder handelt, und die Ermittlungen führen die beiden bis nach Stettin. Melcher hat aber auch mit seinem Privatleben viel zu tun, denn er hat sich in das Dienstmädchen seiner Tante verliebt, doch zwischen der und seinem Onkel besteht auch ein mysteriöses Band… Obwohl sich der Roman flüssig las, ist bei mir der Funke nicht übergesprungen. 3/5.
  • Sir Gawain und der Grüne Ritter. Erzählung, aus der Bibliothek. Nachdem mein Mann und ich den Film geguckt hatten, der uns zwar eigentlich ganz gut gefiel, der aber die Geschichte in verzerrender Weise umgeschrieben hatte, habe ich das Buch nochmal gelesen (an der Uni hatte ich es in Versform gelesen, jetzt die Prosa-Ausgabe mit einem Essay von J.R.R. Tolkien). War wie immer nett. 4/5
  • Kenneth Grahame: Der Wind in den Weiden. Märchen, vor vielen Jahren gekauft. Eigentlich ist die Geschichte über die Tiere, die am Fluß leben, ganz reizend – wenn nicht der blöde Kröterich wäre 🙁 So gebe ich diesem Klassiker auch im Re-Read nicht mehr als 3/5. Kommt in den Bücherschrank.
  • Laura Spinney: 1918 – Die Welt im Fieber. Sachbuch, aus der Bibliothek. Spinney porträtiert in ihrem Buch die Spanische Grippe, deren Verlauf und geographische Ausdehnung, ihren Einfluß auf Politik, Forschung und Kunst und gibt auch einen (ziemlich gruseligen) Ausblick darauf, wie künftige Pandemien gehandhabt werden könnten. Das Buch erschien übrigens vor Corona und in diesem Zusammenhang liest es sich nochmal etwas beklemmender. 4/5.
  • Edward Abbey: Die Einsamkeit der Wüste. Sachbuch, aus der Bibliothek. In den 50er-Jahren arbeitete Abbey mehrere Sommer im Arches Nationalpark in Utah. In seinem Buch schildert er die karge und sich erst auf den zweiten Blick erschließende Landschaft, seine Begegnungen mit den wenigen Menschen, die dort wohnen und arbeiten, seine Gedanken über die touristische Erschließung der Nationalparks und die Tier- und Pflanzenwelt. Das Buch in ein Genre einzuordnen, ist ein wenig schwierig, weil neben den Landschaftsbeschreibungen auch viele sozialkritische und philosophische Gedanken einfließen. Ein wuchtiges, poetisches Stück Prosa. 5/5.
  • Christian Rupprecht: Churros um Mitternacht. Sprachlernbüchlein, Bibliothek. Eine nette Urlaubsgeschichte mit 200 spanischen Wendungen und deren Übersetzung, für Anfänger. Im Grunde völlig belanglos. 1/5.
  • Niklas Natt och Dag: 1793. Thriller, aus der Bibliothek. In Stockholm findet der Häscher Jean Michael Cardell eine stark verstümmelte Leiche und begibt sich zusammen mit dem schwindsüchtigen Juristen Cecil Winge auf die Suche nach dem Mörder. Zeitgleich wird die Geschichte von Anna Stina Knapp erzählt, einer jungen Frau, die unverschuldet im Spinnhaus, einer Art Besserungsanstalt für Frauen, landet. Düstere Geschichte, die mich mit ein paar Fragezeichen zurückgelassen hat. Ich fand keine der Figuren sympathisch. 4/5.
  • Marion Poschmann: Die Kieferninseln. Roman, aus der Bibliothek. Gilbert träumt, daß seine Frau ihn betrogen hat, und flüchtet nach einem Streit nach Tokyo, soweit weg er eben nur kann. Dort rettet er dem jungen Yosa am Bahnhof das Leben und entscheidet, gemeinsam mit diesem und inspiriert von den Gedichten des Pilgerdichters Bashō einen besseren Ort für dessen Selbstmord zu suchen und auf sich auf dieser Reise mit sich selbst zu konfrontieren. Bis hierher klingt das Buch sowas von gut! Und dann quält man sich 164 Seiten durch eine belanglose, groteske Erzählung, wird genervt von den beiden Protagonisten und ihrer Nöligkeit, und am Ende bleibt alles einfach nur vage. Keine Ahnung, vermutlich habe ich mal wieder Poesie und Tiefgang verpennt, aber mich hat das Buch nur genervt. Das Beste, was man darüber sagen kann, ist, daß es sich mit gerade mal 164 Seiten schnell lesen läßt und man sich nicht allzu lang herumärgern muß. 1/5.
  • Michael Finkel: Der Ruf der Stille. Biographie (?), aus der Bibliothek. Finkel berichtet in seinem Buch von Christopher Knight, der 1986 mit 20 Jahren im Wald verschwand und erst 27 Jahre später wieder auftauchte. In der Zwischenzeit lebte er allein im Wald, sprach mit niemandem, las viel und bestritt seinen Lebensunterhalt durch rund 1000 Einbrüche in Ferienhütten. Finkel hat es in meinen Augen versäumt, diese spannende Geschichte mit Mehrwert aufzuarbeiten (immerhin geht er darauf ein, daß Knight vermutlich Autist ist), daher nur 3,5/5.
  • Michael Puchner: Die Sprache der Vagabunden. Sachbuch, aus der Bibliothek. Eigentlich ist der Titel irreführend. Er sollte heißen: Michael Puchner hat ein schlechtes Gewissen, weil sein Opa Nazi war, und schreibt auch ein bißchen über Rotwelsch. Mir hat das Mißverhältnis zwischen der für mich völlig uninteressanten Familiengeschichte Puchners und den Informationen über Rotwelsch überhaupt nicht gefallen. 1/5.
  • Jérôme Loubry: Der Erlkönig. Thriller, aus der Bibliothek.  1949 werden die Leichen von zehn ertrunkenen Kindern an den Strand der Normandie gespült. Die Kinder stammen aus einem Ferienlager, welches auf einer der Küste vorgelagerten Insel errichtet wurde, um den Kindern, die alle den Krieg miterlebt haben, zu erlauben, psychisch zu gesunden. 1986 erfährt Sandrine, daß ihre Großmutter Suzette, die auf besagter Insel gearbeitet hat, verstorben ist und ihr alles hinterlassen hat, so daß Sandrine auf die Insel reist, wo sie die Leute kennenlernt, die damals auch mit den Kindern gearbeitet haben. Alle verhalten sich total merkwürdig und faseln vom Erlkönig, der die Kinder holen wird. Sandrine entkommt aber irgendwie und wird von der Polizei blutüberströmt aufgegriffen. Nun müssen der Polizist Damien und eine Psychologin Sandrines Geschichte entwirren, [Spoileralarm!] die in ein altes Bauernhaus führt, wo Sandrine viele Jahre gefangen gehalten wurde, bis sie sich mit ihrem Entführer verbündet und mit ihm gemeinsam weitere Kinder entführt. Ja, und dann, auf S. 394 von 396 stellt sich heraus – April, April! Verarscht! Das alles fand nur im Kopf von dem Polizisten statt, der nicht verkraftet hat, daß seine eigene Tochter entführt und ertränkt wurde. Es gibt gar keine Insel, keine Sandrine und auch keine anderen Kinder. Jahaha! Boar, ich hasse es, wenn Autoren so einen Schrott zusammenschmieren :evil: Dazu kommt noch, daß Loubry ein paar seiner Figuren falsch benennt, z.B. ist ein Victor kurzzeitig mal ein Vincent. Schlechtes Lektorat also auch noch. Das Buch hat mich richtig genervt. Da ich aber alle meine Bücher bei der Bewertung in Relation zueinander setze, bekommt es 2/5 Punkten. Grr!
  • Felix Bernhard: Dem eigenen Leben auf der Spur. Reisebericht, gebraucht gekauft. Bernhard schildert in dem Buch seine Pilgerreise im Rollstuhl auf der Vía de la plata, also von Südspanien nach Santiago. Meiner Ansicht nach verläßt er sich beim Pilgern viel zu sehr auf die Hilfe anderer und wenigstens ein Mitpilger hat ihm dafür auch die Meinung gesagt. Außerdem geht es viel um seine Behinderung, seine Familie und die Arbeit – Themen, die mich überhaupt nicht interessieren. Bernhard wirkt auf mich sehr unreif. Alles in allem 2/5. Kommt in den Bücherschrank.
  • Mats Wahl: Kaltes Schweigen. Jugendkrimi, aus dem Bücherschrank. Sirr, ein Junge mit Migrationshintergrund, wird erschossen aufgefunden. Inspektor Fors und sein Team ermitteln und bald schon zeigt sich, daß Sirr nicht nur gedealt, sondern auch geklaut und seine Mitschüler gemobbt hat. Für einen Jugendkrimi sehr solide und wer das typische skandinavische Elend mag, ist hier gut beraten. 3/5. Kommt wieder in den Bücherschrank.

Und gehört habe ich:

  • D.B. John: Stern des Nordens. Die Zwillingsschwester von Jenna wurde nach Nordkorea verschleppt – das ist nun fast 20 Jahre her, doch Jenna hat die Suche nach ihr immer noch nicht aufgegeben. Da bietet ihr das CIA eine Stelle an… Zäher, mühsamer Plot, Charaktere ohne Identifikationspotential und alles in allem eine überflüssige Story. Hätte Dietmar Wunder nicht gelesen, hätte ich abgebrochen. 2,5/5.
  • Eva García Sáenz: Die Stille des Todes. In Vitoria geht ein Serienmörder um, der seine Opfer nach dem Vorbild einer Steinmetzarbeit in einer alten Kapelle ablegt. Inspektor Ayala und sein Team ermitteln. Solide und ich mochte, daß der Thriller in Vitoria spielt ♥ 4,5

Gelesene Bücher im März 2022

  • Ute Packheiser: Das Voynich-Manuskript. Roman, selbst gekauft. Okay, wenn man sich in der Faktenlage zum Voynich-Manuskript auskennt, erwartet man von einem Roman zu dem Thema jetzt nicht die Welt, doch ich hätte mir gewünscht, daß die Autorin sich etwas mehr einfallen ließe, als daß eine Analphabetin den Text verfaßt, zufällig fehlerfrei, aber eben nicht lesbar. Stöhn. Die beiden anderen Plots waren leider auch nicht viel besser: 1912 begleiten wir Voynich beim Auffinden des Textes und werden dann die nächsten 300 Seiten eigentlich nur noch mit seinen Ehestreitigkeiten mit seiner Frau Ethel „unterhalten“ und 2012 forschen wir mit dem deutschen Journalisten Paul am Codex, der sich mühsam seine Infos zusammenkratzen muß, die er auch einfach bei Wikipedia hätte nachlesen können. Stöhn! Die Figuren agieren total hölzern, die Dialoge sind oftmals unfreiwillig komisch bis absurd, und man wartet eigentlich nur darauf, daß endlich mal was passiert. Ein sorgfältigeres Lektorat hätte man dem Text auch gewünscht. 2/5.
  • Hilde Schmölzer: A schöne Leich – Der Wiener und sein Tod. Sachbuch, aus der Bibliothek. Schmölzer erzählt von der Anlage des Wiener Zentralfriedhofs, der dann 1874 eröffnet wurde, von den pompösen und extrem kostspieligen Bestattungen für die Reichen und den mehr oder weniger anonymen Beisetzungen in Schachtgräbern für die Armen, von Mumien in St. Michael und der Kaisergruft und vom zwiespältigen Verhältnis der Wiener zum Tod. Sehr interessant! 4/5.
  • Stuart Turton: Der Tod und das dunkle Meer. Roman, aus der Bibliothek. Im Jahr 1634 soll das Schiff Saardam den Generalgouverneur von Batavia (Indonesien) und seine Familie nach Amsterdam bringen. Mit an Bord ist der brilliante Ermittler Samuel Pipps – allerdings in Ketten gelegt und in eine winzige Zelle eingesperrt. Noch vor Beginn der Reise wird das Schiff von einem Aussätzigen verflucht, der im Anschluß an seinen Fluch in Flammen aufgeht und von Pipps Freund und Leibwächter Arent Hayes aus Barmherzigkeit von seinen Qualen erlöst wird. Direkt nach Beginn der Reise häufen sich merkwürdige Vorfälle: okkulte Zeichen werden an vielen Orten entdeckt, das mitgebrachte Vieh wird ermordet, ein Aussätziger geht auf dem Schiff um und des nachts hört man die Stimme eines Dämons, des Alten Tom, auf Seelenfang gehen… Das Buch wird meiner Meinung nach zurecht als Krimi gehandelt. Es liest sich schön flüssig und ist sehr unterhaltsam, allerdings kann man nach etwa einem Drittel schon wissen, wer für den Spuk verantwortlich ist, wenn man genau liest und mitdenkt. Das Ende fand ich nicht ganz befriedigend, obwohl die Auflösung logisch war. Alles in allem verdiente 4,5/5.
  • Jane Elliott: Ausgeliefert. Biographie, aus dem Bücherschrank. Jane ist vier Jahre alt, als sie aus einer Pflegefamilie genommen und zu ihrer Mutter und deren neuem Ehemann gebracht wird. Mehr als 17 Jahre lang ist sie von da an systematischem Terror und Mißbrauch ausgesetzt, bis sie es endlich schafft, sich ihrem Mann anzuvertrauen und rechtliche Schritte einzuleiten. Schön zu lesen ist so ein Buch gewiß nicht, aber die Geschichte von Jane macht Mut. 3/5.
  • Simon Winchester: Der wilde Strom – Eine Reise auf dem Jangtse. Reisebericht, aus der Bibliothek. Winchester bereiste 1995 den Jangtse von der Mündung zu einer seiner Quellen, teils mit dem Schiff, teils aber auch entlang des Ufers im Auto oder Bus. Er erzählt von Politik und Revolutionen, vom unmenschlichen Umgang Chinas mit seinen Bürgern und der Umwelt, insbesondere auch hinsichtlich des damals im Bau befindlichen drei-Schluchten-Damms, von den Interessen Europas und den Mandarinen. So entfaltet sich ein sehr facettenreiches Bild von China und seinem wichtigsten Strom. 4,5/5.
  • Marcus Paudler: „Schwule sind doch immer nett…“. Biographischer Roman, geschenkt bekommen. Ich verkürze mal die Rezension auf das Notwendige: es ist furchtbar. 0,5/5.
  • Zsuzsa Bánk: Die hellen Tage. Roman, geschenkt bekommen. Eigentlich ist es gar nicht richtig, daß ich dieses Buch im März gelesen habe, denn tatsächlich habe ich fast neun Monate dafür geackert, um es gelesen zu bekommen. Auf der Handlungsebene passiert nicht viel oder quasi nichts: drei Kinder und ihre Familien werden vierzig Jahre lang begleitet, während halt ihr Leben stattfindet. Mal passieren gute Sachen, mal nicht, mal kriegt man auch raus, daß ein Elternteil untreu war oder irgendwo ein Sack Reis umgekippt ist. Der Erzählstil ist wundervoll poetisch und wäre das Buch nur 200 Seiten lang gewesen, hätte es mir eine angenehme Leseerfahrung bereitet. Aber mit seinen 540 Seiten ist das Buch einfach zu lang und zu langweillig. Ich hatte über weite Strecken das Gefühl, die ich-Erzählerin würde mir mit ihren künstlich in die Länge gezogenen Sätzen ein Ohr abkauen, und das strapazierte meine Geduld schon sehr. Alles in allem habe ich es nur gelesen, weil ich ergründen wollte, warum es viele für ein so tolles Buch halten, aber die Zeit hätte ich besser in was anderes investiert. Verschnarchte 1/5.
  • Maryanne Wolf: Schnelles Lesen – langsames Lesen: warum wir das Bücherlesen nicht verlernen dürfen. Sachbuch, aus der Bibliothek. Wolf erklärt, wie Lesen auf physischer, neuronaler Ebene funktioniert und welcher wichtige Unterschied zwischen dem Lesen von Büchern und dem Lesen digitaler Medien besteht. Sie zeigt auf, wie sich unsere Aufmerksamkeitsspanne im Laufe unseres Leser-Lebens verringert und formuliert daraus Thesen für künftige Generationen von Lesern. Uns, die wir heute schon (oder noch?) Bücher lesen, kommt dabei laut Wolf die Aufgabe zu, künftigen Generationen das „zwiefache Lesen“, wie sie es nennt, beizubringen. Ein wundervolles Buch. Klug und interessiert geschrieben, ist es doch auch eine Ode an das Lesen an sich. 5/5.
  • Karen Dionne: Rabentochter. Thriller, aus der Bibliothek. Rachel befindet sich seit 15 Jahren in einer psychiatrischen Klinik, weil sie davon überzeugt ist, im Alter von elf Jahren ihre Eltern erschossen zu haben. Als der Bruder eines anderen Patienten, ein angehender Journalist, um ein Interview mit ihr bittet, beginnt sie, ihre Geschichte zu hinterfragen. Parallel zu Rachel erzählt deren Mutter Jenny die Geschichte ihrer Familie, von ihren beiden Töchtern, ihrer eigenen Schwester und den Verwicklungen, die am Ende zu ihrem Tod und dem Tod ihres Mannes führen. Im Grunde gibt es keine Überraschung, aber das Buch ist dennoch unterhaltsam. Logiklücken kann man einfach überlesen (vielleicht außer einer: Rachel betont mehrmals, daß sie Vegetarierin ist, und futtert dann eine Dose Hühnersuppe, nur um wenige Seiten später wieder zu sagen, daß sie ja Vegetarierin ist und gar nicht mehr weiß, wie Fleisch schmeckt, bevor sie sich Speck in die Pfanne haut :mrgreen:). 3/5.
  • Jessica Bruder: Nomaden der Arbeit – Überleben in den USA im 21. Jahrhundert. Sachbuch, aus der Bibliothek. Bruder hat die modernen Nomaden Amerikas, die sich meist aus der Mittelschicht rekrutieren und in Vans leben, weil sie sich die Mieten oder Hypotheken nicht mehr leisten können, über einen Zeitraum von mehreren Jahren begleitet und dabei viele interessante Menschen und Orte kennengelernt. Dennoch ist ihr Buch keine Abenteuerlektüre, sondern vielmehr ein knallhartes Porträt der Wirklichkeit von Millionen von Menschen, die sich in einem der reichsten Länder der Welt abgehängt und ungewollt fühlen. Sehr berührend, einfühlsam und für mich dann doch auch abenteuerlich zu lesen. 4,5/5.

Gelesene Bücher im Februar 2022

  • Hape Kerkeling: Pfoten vom Tisch! Sachbuch/Biografie, aus der Bibliothek. In seinem Buch erzählt Kerkeling von seinen eigenen Katzen und streut dabei Wissenswertes über Katzen im Allgemeinen ein. Unterhaltsam zu lesen, aber im Grunde absolut banal und irrelevant. 3/5.
  • TJ Klune: Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte. Roman, aus der Bibliothek. Linus Baker arbeitet bei der BBMM, der Behörde für die Betreuung magischer Minderjähriger. Er erhält einen Sonderauftrag: einen Monat lang soll er das Waisenhaus, welches von Arthur Parnassus geführt wird, sowie die dort ansässigen Kinder samt des Heimleiters beobachten und eine Empfehlung darüber aussprechen, wie die Behörde mit dem Waisenhaus verfahren soll. Er ist auf alles gefaßt, denn immerhin ist auch Lucifer, der Sohn Satans, dort zuhause. Worauf er nicht gefaßt ist, sind jedoch die warmherzigen Menschen, denen er dort begegnet, und der Mann, der ihm den Kopf verdreht… Der Roman hat mich gut unterhalten und zugleich mit seinen Plattitüden über eine offene Gesellschaft zutiefst genervt. Das ist das erste Mal, daß es mir wirklich richtig schwerfällt, eine Bewertung abzugeben. Irgendwas zwischen 2,5 und 4 von 5 🙂
  • Ian Urbina: Outlaw Ocean. Geschenkt bekommen. Urbina ist Journalist bei der New York Times und bereist die ganze Welt, um über die Ozeane zu berichten. In diesem Buch schreibt er von Sklaverei auf See, von Menschenraub, Verklappung, Waffendepots auf Schiffen, Walfang, dem Problem der verrostenden Ölplattformen und vielen anderen, drängenden Themen. Mir war überhaupt nicht klar, was für ein quasi-rechtsfreier Raum die Ozeane sind. Ein verstörendes, aufrüttelndes und sehr wichtiges Buch. 4,5/5.
  • Heinz W. Katzenmeier: Hole World. SciFi-/Wissenschaftsthriller, geschenkt bekommen. In einem technischen Institut arbeitet Arnim Meier an einem Verfahren, das unbegrenzt saubere Energie liefern soll, doch direkt nach einem Versuch kippt er tot um. Sein Kollege Pete und dessen Freundin Susanne wollen seinen Tod aufklären und entdecken dabei ein Loch im Raum. Wenig später zeigt sich, daß das Loch erschreckend viel Luft einsaugt und dabei auch noch wächst… Das Buch hat mich gut unterhalten, doch fehlte mir ein Bösewicht oder wenigstens ein echter Gegenspieler für Pete. Personen wurden teilweise erst sorgfältig eingeführt und kamen auf einmal nicht mehr vor. Alles in allem gut, aber unausgereift. Hätte gern komplexer und damit auch länger sein dürfen. 3,5/5.
  • Philip Hoare: Leviathan oder Der Wal – Auf der Suche nach dem mythischen Tier der Tiefe. Sachbuch, aus der Bibliothek. Die Idee, die Hoare mit seinem Buch verfolgt, finde ich sehr ansprechend: er porträtiert Wale bzw. „den Wal“ an sich, seine Nutzung durch den Menschen und inbesondere auch seine Darstellung in Melvilles Moby Dick. Das Problem ist nur, daß Hoare so eine Art eierlegende Wollmilchsau schaffen wollte. Er schweift immer wieder ab, nimmt Fäden auf, läßt andere fallen. Auf einmal ist seine sterbende Mutter ein Thema, dann wieder Melville, dann dessen vielleicht homosexuelle Beziehung zu Nathaniel Hawthorne. Dieses Gespringe ist anstrengend. Dazu kommt, daß Hoare einen leidenden Ton anschlägt, der mir ziemlich schnell auf die Nerven geht. Alles in allem daher leider nur 2/5.
  • Jürgen Kasten: Begraben in Wuppertal. Krimi, gekauft. Warum schießt jemand auf den alten Lehrer Kotthausen, der in den Hardthöhlen unter Wuppertal nach dem Bernsteinzimmer suchen möchte? Als Kommissar Fiebig und seine Kollegin Elke den Fall untersuchen, finden sie zwei Skelette in den Hardthöhlen, offenbar von jungen Mädchen, die seit über 15 Jahren vermißt werden. Unterhaltsamer Wuppertal-Krimi. 3,5/5.
  • Michael Malicke: Dunkle Geschichten aus Wuppertal. Sachbuch, gekauft. Malicke berichtet in seinem Buch über allerlei Wissenswertes aus dem Tal, z.B. warum der Ölberg so heißt, wann die ersten elektrischen Straßenlampen angeschafft wurden, von einem spektakulären Ausbruch aus dem alten Gefängnis und vielem mehr. Lesenswert, aber stilistisch etwas holprig. 4/5.
  • Sarah Marquis: Allein durch die Wildnis. Reisebericht, aus der Bibliothek. Marquis erzählt von ihrem Marsch, der sie von Sibirien nach Australien führt. Zweieinhalb Jahre zu Fuß, ein Mammutunternehmen. Ich hätte mir gewünscht, daß man mehr Einblicke in die inneren Prozesse der Wanderin erhält. Was mich etwas irritiert hat, waren die ständigen und sehr leidenschaftlichen Plädoyers für Vegetarismus und gegen das Essen von Tieren, weil doch jedes Tier Gefühle habe, die im Hinweis gipfelten, welche Fische denn ganz besonders lecker seien und sich gut angeln lassen. Hö? 3/5.
  • Stefan Gödde: Nice To Meet You Jerusalem. Reiseführer, aus der Bibliothek. Gödde nimmt den Leser an einige seiner Lieblingsplätze in Jerusalem mit: auf das Dach des Österreichischen Hospizes, in die uralte Kanalisation unter der Davidstadt, in einen der ältesten Tattoo-Läden der Welt, in ein multikulturelles Restaurant und an viele andere Orte mehr. Das Buch ist nett geschrieben und bietet auch noch eine Menge Interviews und zusätzliche Tips. 4,5/5.
  • Sören Urbansky: An den Ufern des Amur – Die vergessene Welt zwischen China und Rußland. Sachbuch/Reisebericht, aus der Bibliothek. Eigentlich kann man sich keinen besseren Reiseführer für Nordostasien wünschen, denn Urbansky hat sowohl in Rußland als auch in China studiert und spricht beide Landessprachen. Seine Reise führt ihn von Irkutsk mäandernd nach Wladiwostok, wobei er immer wieder die Grenze zwischen Rußland und China überquert und mit vielen Bekannten und Unbekannten ins Gespräch kommt. Trotzdem ist der Bericht einfach unfaßbar dröge und langweilig zu lesen – sehr schade, aber um es mit Urbanskys eigenen Worten zusammenzufassen: „So viel Trübsinn“ (S. 312). Für mich als westlichen Leser bleibt nur ein Fazit: der Region ist eigentlich nicht mehr zu helfen und die Menschen gehen dort an Wurschtigkeit ein – ihrer eigenen, aber auch der ihrer Staaten. 2,5/5.

Gelesene Bücher im Januar 2022

  • Gusel Jachina: Suleika öffnet die Augen. Roman, aus der Bibliothek. Suleika lebt ihrem Mann und dessen Mutter treu ergeben und ausgebeutet in einem tatarischen Dorf, als die Entkulakisierung beginnt. Ihr Mann wird von Ignatow, einem Soldaten, erschossen, ihre Schwiegermutter bleibt zurückt, als Suleika aus ihrem eigenen Haus vertrieben wird. Zunächst wird sie in der Stadt eingekerkert, dann durchleidet sie eine mehrere Monate andauernde Reise in einem zugigen Güterwagen auf dem Weg nach Sibirien, bei der Ignatow der Kommandant ist und Suleika feststellt, daß sie schwanger ist. Zu ihrem Glück befindet sich ein Chirurg und Gynäkologe unter den anderen Deportierten. Mit knapper Not entgeht sie schließlich bei ihrer Verschiffung in die sibirische Taiga dem Tod durch Ertrinken und gebiert an einem Lagerfeuer ihren Sohn Jusuf, ihr viertes Kind. Ignatow, der für den Tod von fast 800 Menschen verantwortlich gemacht wird, obwohl ihm doch selbst die Hände gebunden waren, wird dazu abgestellt, eine Siedlung mitten im Wald aufzubauen. Den ersten Winter überleben die Verbannten nur mit knapper Not. Schließlich jedoch, während die Jahre ins Land gehen, entwickelt sich Semruk, wie die Siedlung genannt wird, prächtig weiter. Zwischen Suleika und Ignatow entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte, immer gebremst von deren Sorge um ihren Sohn und ihren Gewissensbissen ihrem Mann gegenüber. Für mich blieb das Buch an vielen Stellen ein wenig unbefriedigend. Das einzige Mal, daß Suleika etwas mehr als ein einziger Satz vergönnt ist, erzählt sie ihrem Sohn eine Geschichte. Das Buch wird als Frauenroman gefeiert, was ich nicht recht passend finde, denn es erzählt gleichermaßen die Geschichte Ignatows. Alles in allem hat es mich gut unterhalten. Solide 4/5.
  • Linwood Barclay: Kenne Deine Feinde. Thriller, aus der Bibliothek. Der 18jährige Jeremy soll im Vollrausch ein Mädchen überfahren haben, das noch am Unfallort seinen Verletzungen erlag. Die Strategie seines Verteidigers war es, ihn als „Riesenbaby“ darzustellen, das die Konsequenzen seiner Handlungen nicht überblicken kann. Der Plan geht auf: Jeremy kommt frei, leidet jedoch unter seinen Schuldgefühlen und dem Haß, der ihn in den sozialen Medien entgegengebracht wird. Seine Familie engagiert daraufhin Cal Weaver, einen Privatdetektiv, um den Jungen zu beschützen. Zeitgleich wird ein junger Mann entführt, zwei Tage lang narkotisiert gehalten und dann wieder freigelassen – mit einem Tattoo auf dem Rücken, das er vorher nicht hatte. Und dann ist da noch ein anderer junger Mann, ein Pädophiler, den ebenfalls jemand entführt und narkotiert hat, bevor ihm ein Hund ein paar Körperteile abgebissen hat. Wie hängen diese Fälle zusammen? Und wer ist hier schuldig, wer unschuldig? Solider Thriller, aber wenig überraschend. 3,5/5. Geht in den Bücherschrank.
  • Jonathan Kirchbichler: Aufzeichnung eines Unbekannten – Outlander Edition. Roman, geschenkt bekommen. Im Jahr 2133 ist die Erde ein lebensfeindlicher Ort geworden. Der Staatenbund ist zerbrochen und die paar Menschen, die es noch gibt, leben in Bunkern. Sophia, eine junge Frau, wird zusammen mit einer Gruppe von Menschen mit dem Auftrag losgeschickt, ein Raumschiff, in dem Kampfroboter hergestellt werden, zu vernichten, doch der Weg dorthin ist beschwerlich und gefahrvoll. Die Auflösung dieses Romans ist ganz anders als erwartet und hat mir gut gefallen. Meiner Ansicht nach hätte der Autor etwas mehr Sorgfalt auf die Ausarbeitung der Charaktere, die Rechtschreibung, Zeichensetzung und Wahl der Tempora verwenden dürfen. 2/5. Geht in den Bücherschrank.
  • Ann Bear: Die Farben des Jahres. Roman, gebraucht gekauft. Der Roman erzählt vom Alltag einer englischen Frau im Mittelalter, die der Leser durch ein Jahr begleitet. Hunger und Kälte, Krankheiten, Tod und andere Nöte gehören zum Alltag, und jeder in der kleinen Dorfgemeinschaft kennt seinen Platz ganz genau. Einen echten Spannungsbogen gibt es nicht; der Roman plätschert dahin – und genau darin liegt auch sein Reiz. Ich habe das Buch sehr gern gelesen. 4/5.
  • Tomás Bárbulo: Versammlung der Toten. Thriller, aus der Bibliothek. Guapo und seine Kumpels werden von einem Juwelier dafür angeheuert, aus einem Safe in Marrakesch 6 Millionen in Klunkern zu stehlen, wofür er ihnen auch gleich einen Maghreb-Araber vermittelt, der ihnen als ortskundiger Führer helfen soll. Noch auf spanischem Territorium ergeben sich die ersten Probleme, denn einer der Freunde hat gerade einen vierfachen Mord begangen, die Partnerin eines anderen Freundes ist ein Flittchen und der Araber scheint auch nicht so harmlos zu sein, wie er scheint. Das Ende war sehr überraschend, der Weg dahin allerdings etwas mühevoll, denn es gibt keine Hauptfigur und man identifiziert sich als Leser auch mit niemandem, weil alle unsympathisch sind. 2,5/5.
  • Alexander von Humboldt: Die Rußland-Expedition. 1829 unternimmt Humboldt seine zweite große Reise: auf die Einladung des russischen Zaren hin wird er 19.000 km auf russischem Gebiet reisen, um zu erfassen, mit welchen Bodenschätzen der Zar rechnen darf, der es vor allem auf Edelsteine, Gold und Platin abgesehen hat. Humboldt und sein Begleiter Rose dokumentieren diese Reise mit Tagebucheintragungen und Briefen in die Heimat, doch es wird ersichtlich, daß den Forschungsreisenden die Zensur im Nacken sitzt: überallhin werden sie begleitet und mit Festlichkeiten sollen sie davon abgelenkt werden, daß das Russland des Zarenzeit ein Staat ist, der auf Zwangsarbeit und Deportation ruht. Insbesondere die beiden Aufsätze, die den Aufzeichungen Humboldts und Roses angefügt sind, helfen bei der Einordnung der hier zusammengefaßten Dokumente. Das Buch ist schon interessant, läßt aber durch die Zensur russischerseits vieles missen. 3/5.
  • Joseph Finder: Nightmare. Thriller, aus dem Bücherschrank (dahin geht er auch wieder zurück). Jake muß für seinen Chef einspringen und an einer Klausur der Topmanager seiner Firma, einem Flugzeughersteller, teilnehmen, wo es um Teambildung gehen soll. Doch soweit kommen die Manager gar nicht, denn ein paar Männer dringen in die Lodge ein und wollen von ihren Geiseln 100 Mio. Dollar erpressen. Jake, der als Jugendlicher wegen gewalttätigen Verhaltens mal im Jugendknast gewesen war, kann natürlich alle Eindringlinge der Reihe nach ausschalten. Sehr vorhersehbar, trotzdem unterhaltsam. 3/5. Geht in den Bücherschrank.
  • Tim Winton: Die Hütte des Schäfers. Roman, geschenkt bekommen. Der 15-jährige Jaxie Clackton ist der, der nach dem Tod der Mutter die Schläge des Vaters abbekommt. Dann versteckt er sich, bis dieser betrunken genug ist, um einzuschlafen. Eines Abends jedoch entdeckt er seinen Vater tot in der Garage: offenbar hat der Wagenheber versagt und ihn zerquetscht. Jaxie fürchtet, daß er für den Tod des Vaters verantwortlich gemacht werden könnte und rennt daher Hals über Kopf in die westaustralische Wüste, wo er zwischen alten Goldgräberhütten und einem Salzsee auf den alten Fintan MacGillis stößt. Die beiden gehen eine Zweckgemeinschaft ein, bis Jaxie eines Tages eine riesige Marihuana-Plantage entdeckt, deren Besitzer sich auf die Suche nach dem Jungen und dem alten Mann machen… Das Setting und die Figuren waren spannend und das Buch hätte etwas Besonderes werden können, aber irgendwie hat es mich nicht erreicht. Die Sprache ist bemüht rotzig, die Beziehung der beiden Hauptfiguren zueinander erschließt sich mir nicht und das Ende war absehbar. 3/5. Geht in den Bücherschrank.
  • Alexander Sutherland Neill: Die grüne Wolke. Neill, der die Summerhill-Schule gegründet und geleitet hat, hat diese Geschichte einer Gruppe von Neunjährigen im Jahr 1938 erzählt. Das Besondere ist, daß die Kinder nach jedem Kapitel selbst zu Wort kommen. Mit diesem Buch sind für mich sehr schöne Kindheitserinnerungen verbunden und ich lese es immer mal wieder gern. 4/5.
  • Sebastian Fitzek: Noah. Thriller, geschenkt bekommen. Ein Mann, in dessen Handfläche das Wort Noah eintätowiert und dessen Schulter von einer Kugel getroffen wurde, wird von einem Obdachlosen gesund gepflegt. Eine schwangere Reporterin einer New Yorker Zeitung wird von ihrem Chef in ein verstecktes Verhörzimmer verschleppt. Eine Mutter, die ihr Baby nicht ernähren kann, versucht, aus einem der Slums in Manila zu flüchten. Auf einen Pharma-Mogul wird ein Attentat verübt. Zeitgleich grassiert die hochansteckende und hochlethale Manila-Grippe. Wie üblich verknüpft Fitzek Ereignisse, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, zu einem temporeichen und völlig abwegigen Thriller. Jedesmal, wenn ich etwas von ihm lese, schwöre ich mir, daß es das letzte Mal gewesen ist, und dann plumpst mir doch wieder eins seiner Bücher in den Schoß 😉 Alles in allem unterhaltsam, aber die fitzektypischen Logiklücken machen mir wie immer zu schaffen. 3/5. Geht in den Bücherschrank.

abgebrochen:

  • Jacek Hugo-Bader: Ins eisige Herz Sibiriens. Reisebericht, aus der Bibliothek. Ich habe einen schlüssigen, am besten auch noch chronologisch nachvollziehbaren Reisebericht erwartet und eine Art Drogentrip in eine dystopische Gesellschaft voller Korruption, Gewalt und Schmutz bekommen. Nö, danke. Abgebrochen auf S. 40.

Lesestatistik 2021

Im Jahr 2021 habe ich insgesamt 95 Bücher bzw. 28.454 Seiten gelesen. Fünf weitere Bücher habe ich abgebrochen (deren gelesene Seiten habe ich nicht mitgezählt).

Es hat sich herausgestellt, daß ich nur sehr wenige Bücher mit der vollen Punktzahl bewerte, daß es aber auch nur wenige gibt, die ich richtig schlecht finde.

Mein Lieblingsbuch 2021 war definitiv „Rendezvous mit einem Oktopus“ von Sy Montgomery und das schlimmste Buch war interessanterweise von Montgomerys Buch inspiriert: „Der neunte Arm des Oktopus“ von Dirk Rossmann.

Ich habe 44,09 € für gebrauchte Bücher ausgegeben, d.h. das Porto war teurer als die Bücher 🙂 Für Sprachlernbücher habe ich zusätzlich 121,92 € bezahlt, doch das hatte ich bereits im letzten Januar als Ausnahme festgelegt. Hätte ich alle Bücher, die ich mir aus den Bibliotheken ausgeliehen und gelesen habe, selbst bezahlt, hätte ich dafür unfaßbare 1394,80 € ausgegeben. Dieses Geld wanderte jedoch zumindest zum Teil das Jahr über in unsere Wohnungskasse :dance:

Im neuen Jahr würde ich natürlich gern auf 100 Bücher kommen – da hat mich jetzt schon der Ehrgeiz gepackt :mrgreen: Auch möchte ich nochmal versuchen, wirklich gar kein Geld für Bücher auszugeben (oder wenigstens weniger als 44,09 €) – die Ausnahme bilden nach wie vor Sprachlernbücher.

Gelesene Bücher im Dezember 2021

  • Sally und Sarah Clarkson: The Life-Giving Home. Sachbuch, vor Jahren gebraucht gekauft. Die beiden christlichen Autorinnen – Mutter und Tochter – beschreiben, wie in ihrer Familie der Lauf des Jahres im Kontext ihres Glaubens zelebriert wird und sie geben viele Beispiele aus ihrem Familienleben, wie man was machen kann. Genau das ist der Haken. In Familie Clarkson ist alles heile Welt und ganz wunderbar und das ist für mich ziemlich gruselig zu lesen, denn in meiner Familie ist es das nicht, egal wie hübsch ich den Tisch decke. Vielleicht hilft es, das Buch zu mögen, wenn man an Gott glaubt, ich weiß es nicht. Von mir nur 2/5.
  • Oliver Pötzsch: Das Buch des Totengräbers. Krimi, aus der Bibliothek. Wien, 1896: mehrere junge Frauen werden grausig ermordet. Der Täter schneidet ihnen nicht nur die Kehle durch, sondern pfählt sie auch. Der junge Inspektor Leopold von Herzfeldt, frisch aus Graz eingetroffen, sieht sich bei seinem ersten Fall in Wien jedoch auch mit geköpften Leichen, Untoten und Vampiren konfrontiert, und mit einem Totengräber, der nicht nur fiedelt wie ein Profi, sondern auch noch wissenschaftliche Bücher schreibt. Und dann ist da noch der Skandal um einen unehelichen Halbbruder des Berühmten Johann Strauss jr., der möglicherweise etwas mit den anderen Verbrechen gemeinsam haben könnte… Toller Schmöker! Pötzsch schafft es, das Wien an der Schwelle des 20. Jahrhunderts für den Leser wachzurufen, und daß der Roman im Herbst spielt, ist natürlich gerade sehr stimmungsvoll. Rundrum gelungen. 4,5/5.
  • Hiro Arikawa: Satoru und das Geheimnis des Glücks. Roman, aus der Bibliothek. Satoru und sein Kater Nana machen eine Reise quer durch Japan. Sie besuchen Menschen, die Satoru von früher kennt, auf der Suche nach einem Ort, an dem Nana fortan leben soll. Obwohl sich doch bereits von Anfang an klar abzeichnet, was geschehen wird, hat das Buch mich kalt erwischt. Habe mir echt die Augen ausgeheult, vielleicht auch deswegen, weil ich mich und mein Miezchen so in der Beziehung zwischen Satoru und Nana wiedergefunden habe. 5/5.
  • Madison Smartt Bell: Die Farbe der Nacht. Roman, gebraucht gekauft. Als in New York die Twin Towers zusammenfallen, erfaßt eine Fernsehkamera Maes ehemalige Geliebte Laurel, mit der sie in einer Hippiecommune zusammengelebt und Menschen getötet hat. Mae macht sich auf, Laurel zu finden. Mehr möchte ich von diesem Hammerbuch gar nicht verraten. Es hat auf mich eine krasse Sogwirkung gehabt, vielleicht auch weil Traumata, PTBS und die dunklen Seiten der 60ies so meine Themen sind. 5/5.
  • Dirk Rossmann: Der neunte Arm des Oktopus. Thriller, aus der Bibliothek. Die Staatschefs der USA, von Rußland und China gehen eine G3 genannte Allianz zur weltweiten Durchsetzung des Klimaschutzes ein, nötigenfalls auch mit militärischer Intervention. Die Welt guckt zu bzw. findet das auch echt total toll, bloß Brasilien weigert sich erstmal, bis die G3 ein paar Flugzeugträger und Truppen hinschicken. Mann, was für ein Machwerk. Die Idee hätte ich noch nicht einmal schlecht gefunden, aber daß die Welt sich anguckt, wie diese „G3“ sich anmaßt, alle zu Klimafreundlichkeit zu zwingen, ist doch sehr utopisch, zumal auch nie erklärt wird, was bitte die Staatschef drei der größten Umwelsauländer weltweit dazu bewegt, plötzlich zu Ökodiktatoren zu werden. Die Erzählweise und der Stil dieses „Thrillers“ ist ebenfalls unterirdisch. Ständig werden neue Figuren eingeführt, deren Fäden überhaupt nicht weitergeführt werden oder die nur nochmal kurz in der Endzusammenfassung auftauchen. Es gibt also keinen „Held“, dem man folgen oder mit dem man mitfiebern könnte. Diese Rolle übernimmt quasi ein Schurke, den man natürlich nicht mag, und der am Ende das erste Mal in seinem Leben gleich drei Fehler auf einmal macht und daher stirbt. WTF. Auch agieren und kommunizieren Leute völlig hohl und beiläufig, nichts wirkt, als sei es ernstgemeint. Der Schreibstil hat mich auch genervt: in Szenen, die spannend sein könnten, verrennt sich der Autor plötzlich in merkwürdig unpassenden Details (er listet z.B. auf, welches Fertigfutter die amerikanischen Soldaten dabei haben) oder zoomt raus (anstatt in der Action-Szene zu bleiben, labert er plötzlich von den Sternen). Außerdem springt der Autor ständig in der Zeit, so daß man am Ende völlig verwirrt ist, zumal eine Handlung, die 80 Jahre in der Zukunft spielt, völlig losgelöst von allem existiert und auch keine Auflösung findet (noch ein Nerver: 80 Jahre in der Zukunft wissen die Menschen scheinbar plötzlich nicht mehr, was Frachtcontainer sind…). Am Ende entblödet Rossmann sich auch nicht, sich selbst in die Geschichte reinzuschreiben, natürlich als Kumpel von Altkanzler Schröder, dem er sein Lieblingsbuch – Sy Montgomerys „Rendezvous mit einem Oktopus“ – empfiehlt. Ja, Montgomerys Buch ist wunderbar, und daß Rossmann es mag, ist verständlich. Aber ich glaube, dieser „Thriller“ konnte nur publiziert werden, weil Rossmann bekannt ist. Kein Verlag wäre sonst auf die Idee gekommen, diesen Schwurbel zu veröffentlichen. In meiner Jahreswertung ist das das schreckliste Buch überhaupt und kriegt wohlverdiente 0/5.
  • Tessa Korber: Die Katzen von Montmartre. Krimi, aus der Bibliothek. Auf dem Montmartre lebt eine Gruppe von Streunern zusammen mit ihren Menschen. Da ist zum Beispiel Bonnard, der Friedhofskater, der den Trauernden Trost spendet. Oder Suzanne, die bei der Pattisière Mme Vallaron lebt und durch deren Sahnekreationen ein wenig dicklich geworden ist. Die schöne Routine der Menschen und ihrer Miezen wird jedoch jäh unterbrochen, als plötzlich viele Dinge gleichzeitig geschehen. Grisette, die getigerte Graue von Madame Chauchat, verschwindet. Ein schwarzer Junge taucht im Viertel auf. Ein obdachloser Maler lebt auf dem Friedhof. Und ein junges Mädchen wird ermordet. Korber erzählt die Geschichte sowohl aus Katzen- als auch aus Menschenperspektive. Ich wußte bis zum Schluß nicht, wer der Mörder des Mädchens ist. Hat mich gut unterhalten und war sehr einfühlsam und liebenswürdig erzählt. 4/5.
  • Christoffer Carlsson: Unter dem Sturm. Krimi, aus der Bibliothek. Isaks Onkel Edvard wird beschuldigt, seine Freundin erschlagen und dann mitsamt ihrem Haus angezündet zu haben. Isak, der viel Zeit mit seinem Onkel verbracht hat, entwickelt im Laufe seiner Pubertät den Gedanken, daß auch in ihm das Böse wirken könnte, und manchmal, wenn die Wut über die Lästereien über seinen Onkel zu arg werden, explodiert er. Vidar, der 1994, als der Mord geschah, Polizist war, es aber 2017, als der Roman endet, nicht mehr ist, hatte schon immer subtile Zweifel an Edvards Schuld. Parallel und manchmal gemeinsam mit Isak ermittelt er, bis er den wahren Täter findet. Warum dieser Krimi so stark gehyped wurde, weiß ich nicht, denn ich sehe in ihm einen absolut typischen skandinavischen Krimi mit einer gehörigen Portion Sozialkritik, den üblichen Depressionen und sogar Rassismus hat Carlsson noch einbauen können. Der Schreibstil ist träge und die 460 Seiten haben viele unnötige Längen. 2/5.
  • Donald Ray Pollock: Das Handwerk des Teufels. Roman, aus der Bibliothek. Pollock erzählt in diesem Roman die Geschichte des jungen Arvin, der in den 50er Jahren in Ohio bei seiner Großmutter aufwächst, nachdem seine Mutter an Krebs gestorben ist, worauf sein Vater Selbstmord begangen hat. Uns begegnen aber auch Roy und Theodore, zwei durchgeknallte Prediger, die Roys Frau getötet haben, um zu beweisen, daß Roy Tote wecken kann. Ihre Tochter Leonore wird zufällig von derselben Frau aufgezogen wie Arvin. Und dann sind da noch Carl und Sandy, zwei Serienkiller, die mit dem korrupten Sheriff verwandt sind. Der Leser taucht hier ein in die schwül-schmuddelige Welt des ländlichen Ohios Mitte des 20. Jahrhunderts, eine Welt, in der die Menschen es auch dann nicht schaffen, sich selbst aus ihrem Elend zu befreien, wenn sie im Grunde ihres Wesens nicht schlecht sind. Religiöser Fanatismus, Armut, Alkoholismus und nicht zuletzt eine essentielle Perspektivlosigkeit führen jedoch auf direktem Weg in die Verzweiflung. Mir hat die Verkettung der Einzelschicksale besonders gefallen, das war echt interessant. Pollock schreibt intensiv und packend, auch wenn das Ende keine Überraschung war. 4/5.
  • Burkhard Benecken und Christoph Wöhrle: Tatort Unterwelt – Ein Strafverteidiger gibt unzensierte Einblicke in kriminelle Parallelgesellschaften. Sachbuch, aus der Bibliothek. In diesem Buch werden allerlei Kriminelle verschiedener Ausrichtungen porträtiert – ein interessanter Einblick in die Parallelgesellschaften, die es hier in Deutschland so gibt. Das Buch hat mich wütend gemacht und ich glaube, es wird besser sein, Vergleichbares nicht zu lesen. 3/5.

Abgebrochen:

  • Ernest Cline: Ready Player Two. Roman, aus der Bibliothek.

Und gehört habe ich:

  • Ragnar Jónasson: Nebel (Hulda 3). Thriller, aus der Bibliothek. Das Ehepaar Einar und Erla lebt auf einem Bauernhof weitab des nächsten Dorfes. Im Winter sind sie immer wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten. Am Tag vor Weihnachten klopft ein Fremder an ihre Tür: Leo. Er behauptet, er sei mit Freunden jagen gewesen und habe sich verwirrt, doch wo ist sein Gewehr? Und warum schleicht der Mann nachts durch’s Haus? In diesem Thriller ist nichts, wie es anfangs scheint. Hat mir aus der Hulda-Reihe am besten gefallen. 4/5.

autorenbegleitete Lesung

Ich habe im November an einer autorenbegleiteten Lesung teilgenommen. Im Vorfeld habe ich gefragt, wie genau man vorgehen muß, und ich habe gesagt, da das die erste Aktion dieser Art für mich ist, hoffe ich, daß ich nichts falsch mache. Daraufhin wurde mir mitgeteilt, daß man nichts falsch machen könne. Jetzt, nachdem ich das Buch gelesen und fleißig kommentiert habe, stellt sich leider heraus, daß man offenbar doch einiges falsch machen kann: man soll keine Inhaltsangabe machen. Man soll Inhaltsangaben in Spoiler setzen (was denn jetzt?). Man soll einfach nur ein Leser bleiben und nicht so tun, als würde man in dem Thriller mitermitteln (der Autor hatte es zu Beginn so formuliert, daß man „die Ermittlungsakte“ = das Buch dann und dann bekäme). Und so.

Ah.

Schön, daß mir das im Nachhinein mitgeteilt wird.

NT-Kommunikation at its best.

Es ist ja nicht so, daß ich es darauf anlege, mit neurotypischen Menschen aneinanderzurasseln, aber wie sie kommunizieren, ist für mich immer wieder völlig undurchschaubar, überraschend (meist negativ) und unlogisch. Besonders frustrierend ist es auch, wenn ich versuche, gleich im Vorfeld zu klären, was gewünscht ist, damit ich mögliche Konflikte direkt vermeiden kann, und dann sowas passiert.

Fazit für mich? Ich mache das nie wieder. Übrigens nicht nur wegen der bescheuerten Kommunikation, sondern auch weil sowas die Verpflichtung mit sich bringt, auch ein schlechtes Buch zuende zu lesen, das man sonst direkt abgebrochen hätte. Und weil ich den Begriff „autorenbegleitet“ irreführend finde, wenn der Autor lediglich mitliest, aber nie etwas kommentiert, nicht mal am Ende. Hhhhh…

Gelesene Bücher im November 2021

  • Peter Vermeulen: Autismus als Kontextblindheit. Sachbuch, aus der Bibliothek. Daß Autismus als Kontextblindheit definiert wird, ist keine neue Idee, was der Autor auch einräumt. Er beleuchtet das Thema von verschiedenen Seiten, z.B. auf Grundlage seiner Erfahrungen als Leiter eines Zentrums für Menschen mit Autismus in den Niederlanden, auf Basis klinischer Tests und durch Anekdoten, die er von anderen Autismusforschern erzählt bekommen hat. Das Fazit lautet: auch Autisten können Kontext erkennen und Begebenheiten korrekt einordnen, sofern sie die Chance dazu erhalten, indem ihnen z.B. jemand auf die Sprünge hilft. Echte Kontextsensitivität, schreibt Vermeulen, werden Autisten niemals entwickeln, doch mit zunehmendem Alter entwickeln wir ein Gespür dafür. Das Buch hat mir gut gefallen, weil es kurzweilig und informativ war, auch wenn Vermeulen hier kein Neuland betritt. 4/5.
  • Wolf Serno: Tod im Apothekenhaus. Historischer Roman, aus dem Bücherschrank. Theodorus Rapp, seines Zeichens Apotheker in Hamburg, wird eines Nachts überfallen und seiner Kleider beraubt – doch damit fängt sein Unglück erst an, denn es stellt sich heraus, daß die Diebe es eigentlich auf seinen Thesaurus, also seine große Sammlung von Naturalien, abgesehen haben. Dazu haben sie sogar einen Doppelgänger Rapps aufgetrieben. Rapp, nun auch seiner Existenz beraubt, findet in der Näherin Mine, dem Boten Fixfööt und einigen anderen Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, Freunde und Verbündete. Wird er sich seine Sammlung zurückbeschaffen können? Mir hat das Buch trotz seiner Logiklücken gefallen, insbesondere auch durch das Hamburger Platt, das auch in meiner Familie gesprochen wurde. 4/5.
  • Erich Trüg und Marianne Kersten: Praxis der Kunsttherapie. Sachbuch, aus der Bibliothek. Die beiden Autoren legen hier eine umfassende Ideensammlung für kunsttherapeutisches Arbeiten vor. Abgerundet wird das Buch durch Anleitungen für die Beurteilung von Arbeiten, die in der Kunsttherapie entstanden sind, sowie für Phantasiereisen u.a. Die Ideensammlung gefällt mir gut, allerdings glaube ich, daß der Warnhinweis fehlt, daß vieles auch einfach sehr heftig triggern kann… 3/5.
  • Josephin Lorenz: Anders ist eine Variation von richtig – PEP und Kunsttherapie bei Autimus. Sachbuch, aus der Bibliothek. Lorenz berichtet von ihrer Arbeit mit autistischen Kindern und Jugendlichen und erzählt davon, wie sie belastende Erlebnisse und allgemeine Streßzustände mit Mitteln der Kunststherapie und der PEP (prozeß- und embodimentfokussierte Psychologie) behandelt. Für mich selbst war das „Klopfen“, das zur PEP gehört, absolut nicht aushaltbar, und das Lesen davon hat auch wieder Körperreaktionen getriggert, aber mir gefiel das positive Bild, das die Autorin von den Eigenheiten autistischer Menschen zeichnet: statt sich auf deren Defizite sowie deren Überwindung zu fokussieren, betrachtet sie lieber deren Vorzüge und Stärken. Abgerundet wird das Buch übrigens mit einer Liste von einigen Defiziten, die NTs haben :mrgreen: 4/5.
  • Andreas Winkelmann: Die Karte. Thriller, aus der Bibliothek. In Hamburg werden Frauen, die gern joggen und ihre üblichen Strecken in den sozialen Medien posten, von einem Unbekannten stranguliert. Gleichzeitig greift die Polizei einen alten Mann auf, der mit einem Unterschenkel auf dem Gepäckträger durch die Stadt radelt. Jens Kerner und seine Kollegen nehmen die Ermittlungen auf und schon bald zeichnet sich ab, daß diese Fälle irgendwie miteinander verknüpft sein könnten… Dieses Buch war für mich das erste aus der Reihe um Jens Kerner. Was mich überzeugt hat, war, daß es endlich mal einem Autoren gelungen ist, einen Polizisten Verstärkung rufen zu lassen :mrgreen: Auch war die Lösung nicht bereits ab der Hälfte des Romans vorhersehbar. 4/5.
  • Durian Sukegawa: Kirschblüten und rote Bohnen. Roman, aus der Bibliothek. Sentaro, ein vorbestrafter Trinker, arbeitet an einem Stand, wo er mit roter Bohnenpaste gefüllte Pfannkuchen verkauft, obwohl er davon träumt, Schriftsteller zu sein. Eines Tages steht die alte Tokue vor ihm und bittet ihn darum, für ihn arbeiten zu dürfen. Obwohl der junge Mann sie anfänglich ablehnt – auch weil er fürchtet, ihre von der Lepra gezeichneten Hände könnten Kunden abschrecken -, entwickelt sich zwischen den beiden und einer Schülerin eine behutsame Freundschaft. Das Buch hat mir nicht ganz so gut wie „Die Katzen von Shinjuku“ gefallen, mich aber doch sehr berührt. Insbesondere weil es oft um die kleinen Dinge geht. Ich glaube, Sukegawa könnte einer meiner Lieblingsautoren werden. 4,5/5.
  • Makoto Shinkai & Naruki Nagakawa: Das Geschenk eines Regentages. Roman, aus der Bibliothek. Der Roman erzählt die Geschichte von mehreren Menschen und Katzen, deren Leben miteinander verwoben sind. Hat mir gut gefallen – ein leises und schönes Buch. 4/5.
  • Olga Tokarczuk: Gesang der Fledermäuse. Roman, aus der Bibliothek. Frau Duszejko lebt in einem Haus auf einem Hochplateau, welches im Winter von nur drei Menschen bewohnt wird: ihr selbst und ihren beiden Nachbarn Bigfoot und Matoga. Sie vertreibt sich mit Astrologie und Übersetzungen von William Blake, die sie gemeinsam mit ihrem ehemaligen Schüler Dyzio anfertigt, die Zeit. Dann wird Bigfoot tot aufgefunden, doch es bleibt nicht bei dieser einen Leiche. Nach und nach trifft es noch andere Männer, und es scheint so, daß Frau Duszejko die Einzige ist, der auffällt, daß bei jedem Mord offensichtlich Tiere ihre Pfoten im Spiel haben… Dieser Roman hat mich völlig aus den Puschen gehauen. Die Heldin ist wundervoll schrullig, dabei weise. Sie hat einen messerscharfen Verstand und analysiert nicht nur sich selbst, sondern auch die Menschen in ihrer Umgebung ganz präzise. Ich habe mich – was echt selten passiert – in sehr vielen Zeilen wiedergefunden. Die Geschichte ist sehr berührend, obwohl die Auflösung mich nicht überrascht hat (ich tippte bereits im zweiten Kapitel richtig). Vielleicht ist das Buch darum nur umso wundervoller. Jedenfalls ist dieser Roman erst das zweite Buch in diesem Jahr, das von mir die volle Punktzahl erhält. 5/5.
  • Mark Franley: Der Angst verfallen. Thriller, geschenkt bekommen. In einem Dorf im Bayrischen Wald wird ein Junge tot unter dem Eis im Dorfweiher gefunden. Zeitgleich kontaktiert der Täter eine im Ort ansässige Autorin und zwingt sie dazu, über den Tod des Kindes eine Kurzgeschichte zu veröffentlichen. Und dann wird ein kleines Mädchen entführt…. Die Idee des Thrillers ist interessant, aber für mich waren klaffende Logiklücken und völlig abwegiges Verhalten der drei Ermittler ziemliche Stolpersteine. 3/5.

Und gehört habe ich:

  • Ragnar Jónasson: Dunkel (Hulda 1). Die Kommissarin Hulda wird von ihrem Chef in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Als „Akt der Gnade“ gewährt er ihr eine Übergangsfrist von zwei Wochen, in denen sie einen alten, ungelösten Fall ihrer Wahl bearbeiten darf, und Hulda entscheidet sich dafür, den Tod einer russischen Asylantin zu untersuchen, die tot in einer Bucht gefunden wurde. Die Geschichte umfaßt drei Erzählstränge, die am Ende miteinander verknüpft werden. Ich fand, daß die Auflösung am Ende etwas jämmerlich und auch dumm war (Spoiler: warum nimmt eine Kommissarin einen Übersetzer mit zu einem eventuellen Tatort, wo die Tat bereits zwei Jahre zurückliegt?), aber vor allem die tolle Stimme von Katje Bürkle hat das Hörbuch für mich zu einem angenehmen Erlebnis gemacht. 3,5/5.
  • Ragnar Jónasson: Insel (Hulda 2). In diesem Band lernen wir einen 15 Jahre jüngere Hulda kennen, die auf der Suche nach ihrem Vater ist. Beruflich muß sie sich mit einem komplizierten Fall auseinandersetzen: auf einer kleinen Insel, auf der sich nur vier Personen aufgehalten haben, wird eine Leiche gefunden. Solide, aber nicht überraschend (viele Möglichkeiten blieben ja auch nicht). 3,5/5.

Gelesene Bücher im Oktober 2021

  • Richard Panek: Das Auge Gottes – Das Teleskop und die lange Entdeckung der Unendlichkeit. Sachbuch, gebraucht gekauft. Panek skizziert in seinem Buch die Erfindung des Teleskops und schildert den Weg, den Wissenschaftler und Laien von der Entdeckung einzelner Planeten zur Entdeckung von Milliarden von Galaxien zurückgelegt haben. Sehr informativ, aber ein bißchen drög 🙂 4/5.
  • Anna Ruhe: Die Duftapotheke 1 – Ein Geheimnis liegt in der Luft. Jugendbuch, aus der Bibliothek. Luzie, ihr Bruder Benno und ihre Eltern ziehen in ein altes Haus, die „Villa Evie“. Direkt nach dem Einzug merken die Kinder, daß es überall im Haus stark nach Parfum riecht, und nachdem sie einen Schlüssel in einem Geheimfach gefunden haben, finden sie auch den Zugang zur Duftapotheke. Hier stehen magische Parfums in deckenhohen Regalen aufgereiht und manche können offenbar schlechtes Wetter machen. Und die anderen? Doch bevor die Kinder das herausfinden können, erinnern sich ihre Eltern plötzlich nicht mehr an sie und überhaupt verhalten sich alle auf einmal ganz merkwürdig. Steckt Willem, der griesgrämige Gärtner dahinter? Oder die Baronin mit den seltsam leeren Augen? Ich fand, das Buch erfüllte alle Wünsche, die ich als Kind an einen Roman gehabt hätte, und vor 30 Jahren hätte er von mir 5 Sternchen bekommen. Heute gebe ich ihm allerdings nur 3/5.
  • Durian Sukegawa: Die Katzen von Shinjuku. Roman, aus der Bibliothek Der Protagonist der Geschichte, Yama-chan, schlägt sich als Autor für Quizsendungen des japanischen Fernsehens durch, obwohl er lieber ein Filmdrehbuch schreiben würde. Sein Chef drangsaliert und mißachtet ihn, so daß er eines Tages in einer kleinen Bar in Shinjuku landet. Dort spielt man „Miau-jongg“, ein Wettspiel, bei dem man erraten muß, welche Katze als erstes im Fenster auftaucht. Am Kühlschrank hängt ein handgemalter „Katzenplan“, der Yama-chan in seinen Bann zieht. Yume-chan, die Köchin, die ein ganz besonderes Band mit den Katzen verbindet, interessiert ihn allerdings noch mehr. Dann jedoch kommt es in der kleinen Bar zu einer Gewalttat und Yume-chan wendet sich von Yama-chan ab, obwohl sie doch vereinbart hatten, gemeinsam einen Gedichtband über die Katzen von Shinjuku zu schreiben… Ein leiser, poetischer Roman, der mir ausgesprochen gut gefallen hat – vielleicht auch, weil Sukegawa es schafft, dem Leser das Gefühl zu geben, die Welt sei doch überschaubar. 4,5/5.
  • David G. Haskell: Das verborgene Leben des Waldes. Sachbuch, aus der Bibliothek. Haskell, seines Zeichens Professor für Biologie, beobachtete ein Jahr lang einen Quadratmeter Wald in Tennessee, und berichtet über alles, was er in dieser Zeit beobachtet: Moose und Farne, Bäume und Blumen, Salamander, Würmer und Insekten, Säugetiere und Vögel. Das Buch ist gleichzeitig wissenschaftlich als auch kontemplativ – hat mich sehr gut unterhalten. 4,5/5.
  • Ben Hubbard: Gift – Die Geschichte der Giftmörder und Gifte von Arsen bis Zyankali. Sachbuch, aus der Bibliothek. Mit 175 Seiten ist das Buch ziemlich übersichtlich und Tiefgang darf man da wahrscheinlich nicht erwarten. Es ist ein populärwissenschaftliches Werk, das einen schnellen Abriß über die bekanntesten bzw. spektakulärsten Gifte und Giftmörder gibt, und dann ist das Buch auch schon gelesen. Die großen, oft ganzseitigen Illustrationen verkürzen das Leseerlebnis zudem. Ich hätte mir irgendwie mehr gewünscht, z.B. ausführliche Erklärungen zur Biochemie und Wirkweise der porträtierten Gifte und insbesondere Ausführungen zu „exotischeren“ Giften wie Pfeilgiftfroschhautsekret, Spinnengift etc. So wirkte das Buch auf mich unfertig und unrund. 3,5/5.
  • Alexis Henderson: Das Jahr der Hexen. Roman, aus der Bibliothek. In Bethel gilt das Wort der Propheten, einer langen Reihe von Männern, die die gesamte Stadt in eisernem Griff halten. Frauen gelten nicht viel, allenfalls als Ehefrauen und Mütter. Immanuelle, die uneheliche Tochter einer Frau aus Bethel und einem Mann aus den „Vororten“, wird von ihrer puritanischen Familie aufgezogen und spürt doch immer wieder den Ruf der verbotenen Wälder in sich, wo Hexen und andere Spukgestalten umgehen. Eines Tages betritt sie den Wald und erhält von einer der Hexen das Tagebuch ihrer Mutter. Bei einem weiteren Besuch im Wald hat sie ihre erste Regelblutung und löst damit vier Plagen aus, die Bethel vernichten werden, wenn Immanuelle keinen Weg findet, sie aufzuhalten. Ich fand, das Buch war interessant geschrieben und doch völlig verschwurbelt (warum sollten die Hexen ihr ein Tagebuch geben, wenn sie dabei riskieren, selbst ausgelöscht zu werden?). Ich habe erwartet, daß das Ende irgendwie interessant wird, aber es gab keinen Aha-Effekt. Daß man nicht einmal weiß, in welcher Welt und zu welcher Zeit man sich befindet, war für mich unangenehm. Alles in allem nur 3/5.
  • Philippe Claudel: Die grauen Seelen. Roman, aus der Bibliothek. 1917, der erste Weltkrieg wütet 20 Kilometer von V. entfernt, wo der Roman spielt, wird Belle, die zehnjährige Tochter des Wirts, erdrosselt und in einem Kanal treibend aufgefunden. Die Untersuchungen werden bald vom sadistischen Richter Mieck und dessen Spießgesellen, einem Oberst, beendet und für die Tat wird ein Deserteur hingerichtet. Der Polizist jedoch, aus dessen Perspektive der Roman abgefaßt ist, ermittelt weiter und erzählt dabei von den „grauen Seelen“ in V.: dem einsamen Staatsanwalt, der schönen und traurigen Lehrerin, von den Verwundeten, den Verrückten und auch von seiner eigenen verstorbenen Ehefrau. Die Auflösung dieses Kriminalfalls ist wenig überraschend, aber in ihrer Melancholie sehr anrührend. Das Buch hat mir gut gefallen. 4,5/5.

Und abgebrochen habe ich:

  • Constanze Köpp: Aufgeräumt leben. Sachbuch (?), aus der Bibliothek. Die Autorin hat einen ganz schrecklichen Stil mit sehr vielen Ausrufezeichen. Das Buch liest sich wie ein Telefonat mit meiner tüddeligen Tante Irma (die es nicht gibt) – sorry, aber jemand, der über das Aufräumen schreibt, sollte auch ein bißchen Ordnung in seinen Gedanken halten können. Auf S. 100 abgebrochen. 0,5/5.

Gelesene Bücher im September 2021

  • Peter Tremayne: Der Tote am Steinkreuz (Fidelma 5). Historischer Roman, vor fast 20 Jahren gekauft. Fidelma und Eadulf machen sich auf den Weg nach Araglin, wo der Stammesfürst und dessen Schwester von einem blinden, taubstummen jungen Mann ermordet worden sein sollen. Im rath sagt jedoch niemand die Wahrheit und alle scheinen ihr eigenes Süppchen zu kochen: die Nachfolgerin des Fürsten (seine Tochter), deren Mutter, der Priester und der Pferdewirt. Und dann ist da noch ein jungen Paar, das um sein Erbe klagt, zu dem nicht nur ein Hof, sondern auch ein Berg gehört, während hier und da in Araglin ein paar Rinder verschwinden. Der fünfte Fall von Schwester Fidelma hat mir gut gefallen – auch wenn Bruder Eadulf diesmal fast ums Leben gekommen wäre…. 4/5.
  • Peter Tremayne: Tod in der Königsburg (Fidelma 6). Historischer Roman, vor 19 Jahren gekauft. Während Fidelma ihren Bruder, den König Colgú, in Cashel besucht, wird auf ihn und einen Stammesfürsten, mit dem ein Friedensabkommen ausgehandelt werden sollte, ein Anschlag verübt. Die beiden Attentäter werden schnell gestellt und ermordet. Zeitgleich wird in Imleach aus dem dortigen Kloster ein Reliquienschrein entwendet, der eine besondere Bedeutung für das Königreich hat. Fidelma und Eadulf machen sich auf die Reise, um eine bis in die Königsfamilie reichende Verschwörung aufzudecken. Ganz solide wie immer. 4/5.
  • Peter Tremayne: Tod auf dem Pilgerschiff (Fidelma 7). Historischer Roman, vor 19 Jahren gekauft. Fidelma, die mit der Situation zwischen sich und Eadulf unzufrieden ist, beschließt, nach Santiago de Compostela zu pilgern, und schifft sich dazu ein. Doch kaum hat das Schiff die offene See erreicht, geht eine Mitschwester bei einem Sturm über Board. Oder doch nicht? Und was verbindet die jungen Ordensleute miteinander? Zu allem Unglück befindet sich auch noch Cian unter ihnen, mit dem Fidelma eine stürmische und traurige Affäre während ihres Studiums hatte. Dann geschieht noch ein Mord und sogar Fidelma ist sich ihres Lebens nicht mehr sicher… Tremaye hat es wieder einmal geschafft, mich bis zum Schluß zu verwirren, wozu recht ähnliche Namen beitragen. Die Auflösung war schlüssig und insgesamt ließ sich der Roman gut lesen. 4/5.
  • Andrea Haase: Kreativtagebücher selbst gestalten. Sachbuch, aus der Bibliothek. Haase zeigt in ihrem Buch unterschiedliche Art Journaling Techniken und ermutigt dazu, das Ganze als spielerischen Prozeß zu betrachten. Hat mir gut gefallen. 4/5.
  • Giovanna Torrico und Amelia Wasiliev: The Zero Waste Cookbook. Kochbuch, gebraucht gekauft. Das Anliegen der beiden Autorinnen ist, daß auch sog. Küchenabfälle noch gut verwendet werden können, und so gibt es Rezepte mit Tomatenhaut, Bohnenhülsen und dergleichen mehr. Ein sehr interesssantes, kreatives Kochbuch! 4,5/5.
  • Lize Spit: Und es schmilzt. Roman, aus der Bibliothek. Spit erzählt hier die Geschichte von Eva, aufgeteilt in zwei Erzählstränge. Der eine spielt im Sommer 2002, der andere in der Gegenwart. Bis das letzte Fünftel des Buchs anbricht, weiß man nicht so recht, worum es geht – es ist tatsächlich so entsetzlich langweilig, daß ich das Buch bereits auf S. 75 abgebrochen hätte, wenn ich nicht überall in den Rezensionen gelesen hätte, wie hammermäßig das Ende sei. Spoiler! Hammermäßig fand ich das, was passiert ist, nun nicht, zumal sich in der Schilderung der Geschehnisse im Sommer 2002 Sex als roter Faden durchzieht. Eva wird also von ihren beiden besten Freunden mit Gegenständen vergewaltigt, später von der einzigen Frau, die ihr immer sowas wie Wärme und Hilfe zukommen ließ, fallen gelassen, und bleibt mit ihren Verwundungen und ihrer Ideenlosigkeit allein zurück (echte Hilflosigkeit ist es nicht, eher Wurschtigkeit). Ihre Eltern, zwei passiv-aggressive Alkoholiker, springen ihr nicht bei und kriegen auch nichts mit. Ihr Bruder und Eva beschließen am Tag der Vergewaltigung, ihrer kleinen Schwester Hilfe zu suchen. Jeder, der handeln könnte, tut es nicht, und das schließt Eva ein. Als sie sich am Ende auf einem Eisblock stehend erhängt, ist man als Leser eigentlich froh, daß damit der belanglos-eklige Wortschwall endet. Sympathien habe ich für keine der Gestalten aus dem Buch entwickelt. Nach dem Zuklappen hatte ich eigentlich nur das Gefühl, ich würde gern duschen und mir diesen Roman wieder abwaschen. 1/5.
  • Ulrich Wickert: Alles über Paris. Sachbuch, aus dem Bücherschrank. Wickert nimmt den Leser hier mit durch Zeit und Raum, erzählt von den ursprünglichen Parisern auf der Île de la cité, von Königen und Kardinälen, von Künstlern, Huren und Restaurantbesitzern. Anekdoten verknüpft er mit historischen Fakten und das alles wird mit vielen Fotos und ein paar Gedichten abgerundet. Ein tolles Buch! Das Einzige, was mich etwas genervt hat, war, daß es neben dem normalen Text auch noch sehr klein gedruckte Ergänzungen gab, so daß man quasi ständig hin- und herblättern mußte, was den Lesefluß sehr gestört hat. Trotzdem macht das Buch Lust auf Paris ♥ 4,5/5.
  • Simona Vinci: Von den Kindern weiß man nichts. Roman, gebraucht gekauft. Das Buch erzählt von einem Sommer, in dem eine Gruppe von Kindern zwischen zehn und 15 erste sexuelle Erfahrungen macht, die im Tod eines Mädchens gipfeln. Für mich war es inhaltlich verwandt mit „Und es schmilzt“ von Lize Spit, aber alles in allem besser zu lesen. Schockiert hat mich das Buch nicht, ich blieb nur mal wieder an der Frage hängen, wie Eltern insgesamt so einen schlechten Job machen und so gleichgültig sein können. 2/5.
  • Anton S. Lavey: Die satanische Bibel. Ausgeliehen. Habe das Buch zuletzt vor etwa 20 Jahren gelesen, als ich noch Theologie studiert habe 🙂 Es mit soviel Abstand und mehr Lebenserfahrung nochmal zu lesen, war gleichzeitig interessant und ernüchternd. 3/5.
  • Sarah Moss: Die Geisterwand. Roman, aus der Bibliothek. Sil nimmt zusammen mit ihrer Mutter ihrem gewalttätig-arschigem Vater zuliebe, der eigentlich Busfahrer ist, sich aber sehr für Archäologie interessiert, an einem archäologischem Experiment teil: für einige Tage lebt die Familie zusammen mit einem Professor und dreien seiner Studenten wie in der Eisenzeit. Die Gewalt des Vaters gegen seine Tochter droht zu eskalieren, doch anders als bei anderen Romanen, die ich diesen Monat gelesen habe, greift hier jemand ein, bevor es zum Schlimmsten kommen kann. Liest sich einfach und schnell, aber ich wünschte, jemand würde mal wieder Anführungszeichen verwenden 🙂 3/5.

Und gehört habe ich:

  • Fiona Cummins: Der Knochenmann 2 – Die Rache. Aus der Bibliothek. Der als Knochenmann bekannte Serienmörder, der Menschen tötet, um ihre Knochen zu sammeln, taucht in einem kleinen Küstenstädchen wieder auf, wo auch prompt ein Mädchen verschwindet. Zeitgleich lernt der Zuhörer Saul kennen, der von seiner alkoholkranken Mutter stark vernachlässigt wird und somit eine leichte Beute für den Knochenmann ist, der hofft, ihn als seinen Nachfolger anwerben zu können. Die Hauptfiguren aus dem ersten Band sind auch wieder mit von der Partie: Etta, die Ermittlerin, die doch endlich schwanger ist, Jakey, der behinderte Junge, und sein Vater Erdman. Der ganze Plot ist stark konstruiert und daher auch nicht wirklich spannend. Erst mit dem allerletzten Satz des Buches (!) hat es Cummins geschafft, aus dem Schema auszubrechen und dem Zuhörer eine Gänsehaut zu bescheren, aber da es keine Fortsetzung geben wird, verpuffte dieser Effekt irgendwie. Insgesamt 3/5, auch wegen der großen Logiklöcher.