Norwegisch #81

Diese Lernwoche existierte nur halb, denn am Dienstag entzündete sich mal wieder spontan mein Knie und seither bin ich im Bett, wo ich nicht so wirklich lernen kann. Bis dahin habe ich Duolingo gemacht, Vokabeln wiederholt und mit meinem Lehrer geredet.

Derzeit wiederhole ich jeden Tag ein paar alte Skills bei Duolingo, mache aber nicht im Baum weiter, weil ich mir nicht so gut Notizen machen kann.

Die Tage habe ich mir einen norwegischen Adventskalender in Buchform gekauft und mich sehr darüber gefreut, daß ich den gefunden habe 🙂

Hola, ich bin übrigens Autist

Diese Woche starte ich mal ein Experiment: ich habe mir zwei Lehrkräfte gesucht, mit denen ich noch nicht zusammengearbeitet habe, und ihnen gleich geschrieben, daß ich Autist bin und daß das heißt, daß ich im direkten Kontakt oft so nervös bin, daß ich Worte vergesse, daß ich oft gar nicht auf den Bildschirm gucke bzw. mich unpassend bewege, daß das aber nicht heißt, daß ich nicht aufmerksam bin (das waren jetzt sehr viele „daß“ in einem Satz O.o). Warum habe ich das gemacht?

Bisher habe ich den Lehrern nie im Vorfeld mitgeteilt, daß ich Autist bin, was dazu führte, daß ich mich selbst in den Stunden aus mir selbst heraus dazu gezwungen sah, zu masken, was das Zeug hält. Masken beim Sprachenlernen kann man sich als neurotypischer Mensch ungefähr so vorstellen wie Lernen, während man einen Tintenfisch in ein Einkaufsnetz zu zwingen versucht, das von der Decke baumelt und hin- und herschwingt, während man jemandem am Telefon zu erklären versucht, wie genau unsere DNA gestrickt ist, und eine Horde Kinder im Garten rumbrüllt und Scheiben einschlägt. Man muß sehr viele Dinge gleichzeitig bewältigen, konkret: nachdenken, reden, zuhören, hingucken, den Blick des anderen/Klänge/Töne/Stimme/Gestik/Mimik/das Gefühl der Kopfhörer ertragen, sich Notizen machen, freundlich sein/wenigstens so tun als hätte man eine Art Mimik und dann auch noch sowas Grundlegendes wie atmen und ab und zu mal was trinken. Ich habe tatsächlich schon oft darüber nachgedacht, meine Stunden nur noch mit Audio-Verbindung abzuhalten, weil ich diese Auge-in-Auge-Situation total überfordernd finde, aber bisher war ich immer zu schüchtern dafür, darum zu bitten. Mir ist es wichtig, daß ich als höflich wahrgenommen werde, schließlich wünsche ich mir auch ein höfliches Gegenüber. Vielleicht fehlt mir da auch noch das autistische Selbstbewußtsein.

Ich will jetzt mal sehen, was sich an meiner Eigenwahrnehmung und am Erschöpfungszustand nach den Stunden verändert, wenn ich mir selbst  erlaube, „autistische Verhaltensweisen“ (Weggucken, mit Dingen in der Hand spielen, mich mehr bewegen) an den Tag zu legen. Das ist sehr neu – ich habe das eigentlich über 40 Jahre lang vermieden.

Mir ist diese Woche auch bewußt geworden, daß Konversation zwar eigentlich mein Hauptziel beim Sprachenlernen ist, aber daß ich am meisten Freude empfinde, wenn ich Grammatikübungen und Quizze machen kann. Ich liebe das einfach, wenn mein kolumbianischer Lehrer mich mit Grammatiklückentexten vollpflastert und dann noch als Hausaufgabe eine schier endlose Text- und Vokabelanalyse aus dem Hut zaubert, von der er behauptet, daß er sie keinem anderen Schüler auf’s Auge drücken kann, weil sie das alle so langweilig finden :o) Neulich habe ich mal gelesen, daß es offenbar eine Menge Aspies gibt, die Sprachen um ihrer Grammatik willen lernen und nicht so sehr zum Quatschen. Uh ja, das könnte schon sein… Ich denke, Konversation ist die Königsdisziplin, aber ich fühle mich im Thronsaal offensichtlich ein wenig unwohl. Das, was mich insbesondere glücklich macht, sind die Struktur und die innere Logik einer Sprache. Und das Gefühl, das sich einstellt, wenn ich echt elegante Sätze bauen kann.

Sollte jedoch das Lernen mit einem Lehrer, sprich: die Konversation für mich entspannter werden, weil ich mir selbst mehr autistische Verhaltensweisen zugestehe, wäre das natürlich prima. Derzeit ist es noch immer so, daß ich nach einer Stunde klatschnaß geschwitzt bin und erstmal duschen muß, weil mich das so streßt und erschöpft. Das ist in drei oder vier Jahren kein bißchen besser geworden, und sowas wie einen Gewöhnungseffekt gibt es bei mir leider nicht.

WochenendRückblick #197

[Wetter] Kühler und grau.

[Gemacht] Samstag mußte ich nochmal mein Bett neu machen und habe bei der Gelegenheit gleich mein Zimmer geputzt. Abends haben wir einen Film geguckt und ich hatte Spanisch. Am Sonntag haben der Mann und ich noch einiges mit meinen Schuhen bzw. deren Einlagen probiert und ich denke, ich bin jetzt bereit für die nächste Runde mit dem Schuhmacher. Abends haben wir gekniffelt und einen Film geguckt und ich habe ein paar Tortletts mit Schokolade ausgepinselt. Die gibt’s dann die Woche mal.

[Español] Ich hatte eine Stunde mit einem Lehrer und habe ein paar Videos geguckt.

[Norsk] Duolingo, YouTube und eine Lehrerstunde.

[Gehört] Placebo. Die drei Fragezeichen. Elton John.

[Gelesen] Erika Fatland: Die Grenze.

[Gesehen] Dora und die goldene Stadt. Staatsfeind Nr. 1.

[Gegessen] Neben den Plansachen: Pecannüsse. Eine Currywurst.

[Gekauft] Ein Buch.

[Ausblick auf die nächste Woche] Vermutlich nur das Übliche.

Norwegisch #80

Diese Lernwoche hat mich ein Thema ganz besonders beschäftigt, nämlich der Unterschied und die Verwendung von for und til. Mein Lehrer und ich haben Folgendes mal so grob herausgearbeitet:

  • til umfaßt immer eine Bewegung oder einen Transfer. Englisch: to/for. Jeg selger frukt til den damen. Ich verkaufe Obst an die Dame.
  • for kann man am besten mit „on behalf of“ erklären, oder mit „im Auftrag von“. Jeg selger frukt for damen. Ich verkaufe Obst im Auftrag der Dame.

Leider hat das System Lücken, denn es gibt – natürlich – Ausnahmen, die man einfach lernen muß. Ein gutes Erklärvideo gibt es hier.

Ansonsten hatte ich meine Lehrerstunde, habe jeden Tag meine zehn Duolingolektionen gemacht und dreimal Vokabeln wiederholt.

Norwegisch, Einstufungstest, Lernprozeß, andere Sprachen

Neulich habe ich einen kostenlosen und meiner Meinung nach sehr ausführlichen und daher in seinem Ergebnis auch präzisen Einstufungstest der Volksuniversität in Schweden für Norwegisch gemacht. Insgesamt habe ich für den Test etwa eineinviertel Stunden gebraucht und mußte mich schon sehr konzentrieren. Zu Beginn des Tests wird man gefragt, wie man sich selbst einstuft, und da hatte ich B2 angegeben, doch nach einigen ersten Fragen wurde mir von der Website selbst vorgeschlagen, mich auf C1 einzustufen. Ich habe das nur zögerlich gemacht, weil ich davon ausging, daß ich dann auch schwierigere Aufgaben präsentiert bekommen würde – was auch so war -, aber alles in allem kam ich erstaunlich gut zurecht. Am Ende bekommt man das Ergebnis per E-Mail mitgeteilt und laut diesem Test habe ich in allen Bereichen Niveaustufe C1 erreicht bzw. überschritten.

Solche Tests sind natürlich immer so eine Sache. Die Audiodateien waren z.B. für mich besser zu verstehen als so mancher Podcast, weil die Leute sehr deutlich und auch nicht so schnell geredet haben. Im wahren Leben fällt es mir oft richtig schwer, Norweger zu verstehen, vor allem wenn sie einen Dialekt sprechen, in den sich viel Nynorsk reinmischt. Ich habe eben Bokmål-Norwegisch gelernt und mich immer am Dialekt, den man in Oslo spricht, orientiert. Außerdem werden in den Lückentexten mögliche Antworten vorgegeben, was natürlich einfacher ist, als wenn man selbst herausfinden müßte, was da reingehört. Das Testergebnis genieße ich also mit Vorsicht. Ja, ich würde mir zutrauen, den Bergenstest zu bestehen, werde mir jedoch den Streß und das Geld sparen (habe ja auch nie die DELE-Prüfung für Spanisch abgelegt). Allerdings ist mir auch klar, daß ich noch am Hörverständnis arbeiten muß und daß man sowieso nie an den finalen Punkt einer Sprachreise anlangt. Wie gut ich in Norwegen klarkäme, sei auf jeden Fall mal dahingestellt.

Im Kontext mit diesem Einstufungstest habe ich nochmal allgemein darüber nachgedacht, wie ich Sprachen lerne. Gerade bei YT findet man viele Leute, die sagen, daß sie acht, zwölf, 20 oder mehr Sprachen lernen – aber was heißt das? Es ist leicht, Videos darüber zu drehen, welche Lernmethoden man verwendet oder welche Bücher man benutzt, aber – wie man in England sagt – the proof of the pudding is in the eating. Viele, die z.B. sagen, daß sie Deutsch lernen, sprechen ein sehr schlechtes Deutsch, sowohl von der Aussprache als auch von der Grammatik her. Da ich das inzwischen auch für Englisch, Spanisch und Norwegisch beurteilen kann, fällt mir einfach auf, daß „eine Sprache lernen“ ungleich „eine Sprache sprechen“ ist. Es klingt imposant, wenn man sagt, daß man zwölf Sprachen lernt, aber wie effektiv im Sinne der Akquirierung und Aufrechterhaltung einer Sprache kann das sein? Der Tag hat ja nur 24 Stunden (ich bemängele das auch :)) und die meisten Leute müssen einer Lohnarbeit nachgehen und/oder haben eine Familie und/oder auch noch andere Hobbies. Selbst wenn man praktisch jede Einheit „toter“ Zeit (dazu gehört sowas wie Busfahren, Kartoffelschälen, Sport, Duschen etc.) zum Berieselnlassen nutzt (was kein aktiver Spracherwerb ist btw), stößt man da logistisch an seine Grenzen – und auch von der eigenen Fähigkeit her, neue Inhalte aufzunehmen.

Vielleicht mache ich hier aber auch den Fehler, von meinen eigenen Ansprüchen auszugehen. Mein Anliegen beim Lernen einer Sprache ist es, sie möglichst schnell möglichst effektiv zu beherrschen, weil ich nämlich meine bereits gelernten Sprachen weiterhin pflegen und auch noch anderen Tätigkeiten nachkommen möchte – und weil die nächste interessante Sprache garantiert schon wartet. Für mich hat sich erwiesen, daß ich die meisten Sprachen in etwa zwei Jahren fließend beherrschen kann (Norwegisch war mit anderthalb Jahren eine Ausnahme), allerdings zum Preis von rund 3 bis 6 Stunden Lernaufwand täglich (dazu zähle ich passives wie aktives Lernen). Den Lernprozeß länger hinzuziehen, weil ich mehrere Sprachen gleichzeitig von Grund auf lerne, hat sich für mich als ineffektiv erwiesen. Zum einen verhindert das Splitten meiner vorhandenen Zeit auf zwei oder mehr Sprachen, die ich von der Pieke auf erfassen will, die Immersion/das Abtauchen in diese Zielsprachen. Zweimal drei bis sechs Stunden täglich kann ich mich nicht gleichwertig auf zwei unterschiedliche Sprachen konzentrieren, mal abgesehen davon, daß irgendwann mit der Konzentration eh Schluß ist (und mit der Lust). Zum anderen finde ich es sehr frustrierend, beim Lernen von Sprachen das Gefühl zu haben, auf der Stelle zu treten bzw. nicht schnell genug voranzukommen, weswegen Anfängerkurse für mich z.B. auch nicht funktionieren. Würde ich zwei oder mehr Sprachen von A bis Z lernen wollen, würden sich folglich ihre Lernprozesse gegenseitig behindern und dadurch künstlich verlängern. Aus diesem Grund werde ich nie in die Situation kommen, in der ich von mir sagen kann, daß ich acht oder zwölf Sprachen lerne. Wer weiß, vielleicht komme ich mal dahin, daß ich sagen kann, daß ich acht Sprachen spreche und nun eine Neunte lerne – aber das ist was anderes.

Ich frage mich allerdings schon, warum sich meine Vorgehensweise, eine Sprache nach der anderen zu lernen, so stark von der Methode der meisten anderen, die mehrere Sprachen gleichzeitig lernen, unterscheidet, und ob es da einen Kausalzusammenhang zwischen meinem recht hohen Sprachniveau und der manchmal nicht so hohen Niveaustufe anderer gibt. Final beurteilen kann ich das nicht, aber ich vermute, daß die Immersion der entscheidende Faktor ist. Tatsächlich fiel und fällt es mir sehr schwer, in Norwegisch genauso abzutauchen, wie das für Spanisch möglich war, einfach weil es gemessen an der Vielzahl und Vielfalt spanischsprachiger Medien so verschwindend wenige norwegische Angebote gibt (ja, es gibt das ein oder andere Kochvideo und mit etwas Glück findet man auch mal ein Hörbuch, aber schon allein die Beschaffung norwegischer Bücher abgesehen von Harry Potter ist gelinde gesagt pain in the ass). Das ist übrigens auch ein Grund dafür, warum ich mir nicht sicher bin, wie befriedigend es für mich wäre, eine kleine Sprache mit nur wenigen Sprechern zu lernen. Ich glaube ja, daß ich beim Lernen sehr genau spüre, wann es Zeit für eine neue Sprache und damit für eine neue Herausforderung ist. Wenn ich in einer Sprache noch unsicher bin und zum Teil recht lange überlegen muß, wie ich etwas sage, und mir Worte fehlen und Natives gucken, als würden sie Zahnschmerzen bekommen, während sie mir zuhören, ist sicher nicht der richtige Zeitpunkt 🙂

Ich merke zur Zeit, daß ich schon wieder angefangen habe, mit anderen Sprachen zu liebäugeln. Es fing im Juni an, als ich mich neben Norwegisch auch Schwedisch zugewendet habe (ein Schwedisch-Update schreibe ich demnächst mal). Dann fand ich heraus, daß ich durchaus einen Gutteil Isländisch verstehe, und das möchte ich mir eigentlich auch mal näher angucken. Eine Bücherliste dafür existiert bereits, aber noch zögere ich, das ernsthaft anzugehen, weil es nämlich noch ein paar andere Kandidaten gibt. Da wäre zum einen Französisch, mit dem ich 2019 zugunsten von Norwegisch aufgehört habe. Ich möchte definitiv eines Tages fließend Französisch sprechen können, das ist so ein altes Schultrauma 🙂 Dann sind da Katalanisch und Irisch-Gälisch. Katalanisch wäre relativ einfach, weil ich Spanisch kann, und Irisch-Gälisch ist so ein Projekt, das seit rund 20 Jahren auf Halde liegt, weil damals die Quellen einfach mies waren. Drängt sich die Frage auf, was man denn bitteschön mit Irisch und mit Katalanisch anstellt, wenn man eh nicht viel reisen kann. Andererseits…was will ich denn mit Norwegisch? Naja, und zum anderen wären auch Sprachen wie Gallego, Portugiesisch und Italienisch nicht total weit weg. Oder Russisch? Oder …… ? Argh.

Aber für welche Sprache ich mich auch entscheide, ich versuche jetzt erstmal, bis Februar noch mein Norwegisch zu verankern. Dann sind zwei Jahre rum und dann müßte es eigentlich so gefestigt sein, daß ich mich ernsthaft einer anderen Sprache zuwenden kann. Welcher auch immer.

WochenendRückblick #196

[Wetter] Kühler!

[Gemacht] Samstag haben der Mann und ich einen unserer beiden Vorratsschränke durchgeguckt. Wir haben ein paar Dinge beiseite gelegt, die wir gleich in den nächsten Wochen aufbrauchen wollen, aber insgesamt wurden nur drei Tütchen Tortengußpulver vom Mitbewohner entsorgt. Freut mich! Danach habe ich Norwegisch und Schwedisch gelernt. Abends nach dem Essen haben der Mann und ich wieder ein Exit-Game gespielt und waren diesmal sehr schnell durch. Im Anschluß haben wir noch Tee getrunken und einen Film geguckt. Später habe ich dann wieder gelernt und gelesen.

Am Sonntag mußte ich mein Bett machen und der Mann hat in der Zwischenzeit eine Schultüte für den Sohn gebastelt. Zum Ausbildungsbeginn hat er nochmal eine bekommen 🙂 Nachmittags habe ich gelernt und hatte meine erste Schwedischstunde mit einem Lehrer, abends haben wir Essen vom Mexikaner geholt und einen Film geguckt.

[Español] Nada.

[Norsk] Duolingo.

[Gehört] Die drei Fragezeichen. Placebo. Heilung.

[Gelesen] Kurt Braunmüller: Die skandinavischen Sprachen im Überblick.

[Gesehen] Auf der Jagd. Der letzte Kaiser.

[Gegessen] Neben den Plansachen: Milchreis mit Äpfeln und Zimt. Brötchen.

[Gekauft] Drei BlueRays. Wir haben beschlossen, unsere Filmsammlung um einige Schätzchen aus den 90ern zu erweitern, die uns noch fehlen.

[Ausblick auf die nächste Woche] Der Unterricht bei meinem neuen Spanischlehrer beginnt. Ich habe noch zwei weitere Stunden Spanisch mit anderen Leuten verabredet. Ansonsten werde ich Norwegisch und Schwedisch lernen. Würde gern ein bißchen haushalten.

Virtuelles Entrümpeln

Neulich fiel mir auf, daß ich jeden Tag mehrmals auf das Freundschaftsarmband sah, das ich für meine Freundin und mich gemacht hatte. Diese Freundschaft existiert seit Anfang des Jahres nicht mehr und das Bändel hat mich immer ziemlich ratlos gemacht. Wegwerfen wollte ich es nicht, auch aus dem Grund, weil das verwendete Material (Lava-, Edelstein- und Silberperlen) nicht billig war. Außerdem mag ich, wie es aussieht, und es kann ja nix dafür, daß die Freundschaft beendet wurde. Ich habe das Band also in meine Schmuckschatulle gelegt und ich hoffe, daß ich es eines Tages nicht als Symbol für eine weitere vergeigte Beziehung zu einem anderen Menschen, sondern als Zeichen dafür sehen kann, daß ich sehr wohl in der Lage bin, mich auf einen Freund einzulassen.

Nachdem das erledigt war, fielen mir plötzlich noch andere Dinge auf, die ich mit dieser Freundin verbinde. Manches davon wollte ich nicht weggeben (ich hatte mir z.B. eine Fleecejacke gekauft, die ihr so gut gefallen hat, daß ich ihr genau das gleiche Modell auch geschenkt habe), aber von anderen Sachen habe ich mich getrennt. Die Linie, die ich da gezogen habe, war ganz subjektiv auf einem Bauchgefühl begründet: was mir gefällt, das bleibt, und der Rest kommt weg. Dann bemerkte ich, daß immer, wenn ich mir selbst eine Mail schreiben wollte, ihr Name vorgeschlagen wurde, also habe ich sie aus meinen Kontakten gelöscht. Während ich das tat, sprangen mir die ganzen anderen Adressbucheinträge ins Auge, die ich schon lange nicht mehr benutzt habe. Das Ganze endete dann damit, daß ich meine Kontaktliste gesundgeschrumpft habe.

Bei der Gelegenheit dachte ich an alte Briefe, die ich auch noch auf dem Rechner abgespeichert hatte. Auch die habe ich gelöscht. Zusammen mit Uni-Dokumenten von vor über 20 Jahren, alten Gedichten, Geschichten und Notizen. Eigentlich hätte ich auch gleich gern meine Photos durchgeguckt, aber das ist etwas, das ich nicht in ein paar Stunden hinkriege, und ich habe tatsächlich gerade einfach keine Lust auf so ein Mammutprojekt. Kommt dann noch.

Auch bei WhatsApp und Skype habe ich radikal ausgedünnt. Mir leuchtet nicht ein, wozu man Kontakte behält, mit denen man seit Monaten oder gar Jahren nicht mehr geredet hat, vor allem wenn sich Menschen mit einem „ich melde mich dann“ verabschieden und sich de facto nie wieder melden. Einer Person, die sehr engagiert versucht hat, mit mir befreundet zu sein, habe ich unverblümt geschrieben, daß ich ihr keine Freundschaft bieten kann. Die Entscheidung ist mir schwergefallen, denn wie vermutlich jeder Aspie mache ich nicht eben die Erfahrung, daß sich Leute darum reißen, mit mir befreundet zu sein, aber ich merke halt deutlich, welche Kontakte einfach eine Menge Energie ziehen und welche mir guttun.

In den letzten drei Monaten habe ich bei zwei Plattformen, die ich oft (meist täglich) nutze, ein Experiment gewagt: ich habe in mein Profil reingeschrieben, daß ich kein Interesse an Kontakt habe und man mich bitte nicht anschreiben soll. Tatsächlich bekomme ich seither weniger Nachrichten, aber es sind immer noch etwa fünf pro Woche. Fünf! Pro! Woche! Das finde ich schon sehr abgefahren. Was für eine Reaktion erwarten Leute denn, wenn sie jemanden antexten, der klar schreibt, daß er keine Nachrichten haben will? Wie auch immer deren Wunschvorstellung aussieht, tatsächlich ignoriere ich sie vollkommen und reagiere nicht mehr auf Messages. Ich habe dadurch rausgefunden, wie viel Energie und Zeit es gefressen hat, diese unerwünschten Kontakte zu „bedienen“, denn ich war bei aller Genervtheit immer sehr höflich geblieben. Verrückt. Das mache ich jedenfalls weiter so.

Bei YouTube bin ich auch immer noch fleißig dabei, meine „später ansehen“-Liste abzubauen. Inzwischen bin ich bei unter 350 Videos angekommen. Einige davon werden in der Liste verbleiben, als Erinnerung an Kanäle, denen ich früher mal gefolgt bin und bei denen ich gern alle Jubeljahre mal vorbeigucke, oder auch als Hilfe zum Tracken meiner Lernfortschritte. Es ist cool, wenn man zu Beginn einer Lernreise ein Video anguckt und nix versteht, und ein Jahr später fast alles begreift. Den Großteil der Videos aber gucke ich mir an und lösche sie dann. Ich habe noch sehr viele Spanisch-Videos in der Liste und weiß nicht, was ich mit denen machen soll. Eigentlich brauche ich keine Grammatikübungen mehr – uneigentlich finde ich die aber hinreißend 🙂 Vielleicht reduziere ich das einfach ein wenig.

Das Gefühl, dieses virtuelle Gerümpel ausgedünnt zu haben, ist wirklich cool und befreiend (dabei finde ich, daß es gar nicht sooo viel war).

Norwegisch #79

Diese Woche war sehr produktiv, weil ich praktisch schmerzfrei war. Neben zehn Duolingo-Lektionen jeden Tag habe ich mehrmals Vokabeln wiederholt, Videos geguckt und mit meinem Lehrer geredet. Mir fiel dabei auf, daß der Umstieg von einer Sprache in eine andere für mich immer ein ziemlicher Stolperstein ist. Nachdem ich in den letzten zwei Wochen soviel Spanisch geredet habe, benutzte ich einige spanische Begriffe während meiner Norwegischstunde, aber zum Glück konnten mein Lehrer und ich darüber lachen.

Schwedisch lerne ich nach wie vor täglich, was einen Effekt auf mein Norwegisch hat: manchmal verwechsle ich Worte oder mir fallen Vokabeln nicht mehr ein, die ich eigentlich kenne. Trotzdem kommen sich Norwegisch und Schwedisch insgesamt nicht so ins Gehege wie z.B. Spanisch und Italienisch das bei mir taten. Warum, weiß ich nicht.

Ich denke gerade darüber nach, mir eine 30-minütige Unterrichtseinheit bei einem Schwedischlehrer zu buchen, einfach um mal zu gucken, wie mein Schwedisch so ist, wenn ich es benutzen „muß“. Eigentlich war mein Ziel ja bloß, es zu verstehen, aber es wäre auch cool, wenn ich mich bis zu einem gewissen Grad ausdrücken könnte… Für Schwedisch benutze ich größtenteils Duolingo, habe aber auch in dem Alfred-Buch weitergemacht und Videos auf Schwedisch geguckt. Kein Ziel zu haben und nicht fokussiert darauf hinzuarbeiten, tut mir gerade ganz gut.