Thrifty Thursday #52

Das hier ist die 52. Ausgabe meines Thrifty Thursdays und das heißt, daß ich seit einem Jahr versuche, möglichst sparsam zu leben, um soviel Geld wie möglich anzusparen. Zeit für ein erstes Fazit 🙂

Angefangen hat mein Interesse am Frugalismus eigentlich nur aufgrund meiner verschlechterten Gesundheit. Seit Herbst 2019 kann ich nicht mehr gehen und habe am laufenden Band Entzündungen. Im ersten Jahr, das vor allem durch Corona geprägt war, habe ich mich auf meine Sprachen fokussiert, aber als sich abzeichnete, daß meine gesundheitlichen Probleme allenfalls sehr langfristig gelöst werden können, suchte ich auch noch etwas anderes, mit dem ich mich vom Sofa aus beschäftigen könnte. Thematisch war ich ganz offen und guckte daher auch bei YouTube in viele Videos rein, die ich mir sonst wohl eher nicht angesehen hätte. Dabei stieß ich auf ein Paar mittleren Alters, das „frugal“ lebt und über seinen Alltag berichtet und auch darüber, wie es Geld spart. Der Begriff frugal war für mich bis dahin nicht eben positiv besetzt, aber das, was die beiden erzählten, interessierte mich brennend, insbesondere weil mir Anfang 2021 klar geworden ist, worin mein Ziel besteht: ich wünsche mir eine barrierefreie und bitteschön sehr geile Neubauwohnung in der Stadt, in NRW. Etwas, das die beiden sagten, machte mich extrem nachdenklich, nämlich sinngemäß: „wir werden niemals im Lotto gewinnen und können nur entscheiden, was wir mit dem Geld machen, das verläßlich hereinkommt“. Ok, auf einen Lottogewinn hätte ich mich jetzt auch nicht verlassen, aber meine Finanzen schienen immer etwas Schwammiges zu sein, das sich meiner Kontrolle entzog. Der Umgang dieses Paars mit Geld machte mir Mut und er machte mich auch neugierig. Ich wollte wissen, ob mein Mann und ich es auch schaffen würden, frugal zu leben, um auf Dauer soviel zu sparen, daß wir uns diese Traumwohnung in der Zukunft leisten können.

Als ich meinem Mann das Konzept unterbreitete, war er nicht wirklich begeistert. Es klang vor allem nach Umdenken und Arbeit, also irgendwie unbequem und alles in allem ganz schön kraß. Unser Mitbewohner lehnte das Konzept rundweg ab, mit einer Begründung, die ich nicht nachvollziehen konnte: er sei in einem Alter, wo er sich Dinge leisten und nicht versagen wolle. Also begannen mein Mann und ich, nach und nach gewisse Schritte umzusetzen. Wir stellten z.B. Friseur- und Podologenbesuche vollständig ein – allein das macht nämlich fast 1200 € im Jahr aus! Wir entschieden, auch nicht mehr in Restaurants essen zu gehen, vor allem auch deswegen, weil wir daheim exzellent kochen und die meisten Speisen, die man in Restaurants bekommt, ehrlich gesagt weniger lecker sind. Eine vierköpfige Familie zu ernähren, ist nicht billig, aber wir haben es geschafft, unsere durchschnittlichen monatlichen Ausgaben für Lebensmittel unter Hartz-4-Niveau zu senken (wir rechnen drei Mahlzeiten und einen Snack pro Person und Tag). Der Widerstand innerhalb der Familie war groß, aber nachdem ich für die Planung des wöchentlichen Speisezettels zuständig bin und mit meinem Mann einkaufen gehe, blieb der restlichen Familie nichts anderes übrig als mitzuziehen  :twisted: Inzwischen hat sich der Widerstand übrigens gelegt und alle sind zufrieden. Wie ich vermutet hatte, war vor allem Bequemlichkeit ein Faktor und auch die Sorge, es könnte fortan nicht mehr lecker genug sein.

Im Laufe der Zeit bemerkten wir immer mehr Aktivitäten, bei denen wir früher Geld ausgegeben hatten, meist allerdings ohne nennenswerten Mehrwert zu erzielen, wie man zugeben muß. Von Corona begünstigt entschieden wir uns also gegen Kino- und Museumsbesuche, gegen Caféaufenthalte und derlei mehr. Viel Geld hatten wir in den letzten Jahren ohnehin nicht für neue elektronische Spielzeuge wie Handys ausgegeben, aber jetzt stellten wir das auch ganz ein und entschieden, nur noch Defektes zu ersetzen. Damit hatten wir schon einige große Ausgabequellen identifiziert.

Doch auch die kleinen Dinge haben einen immensen Einfluß auf das, was wir monatlich zurücklegen können. Als wir damit anfingen, Gefrierbeutel nach dem Gebrauch auszuwaschen, damit wir sie erneut benutzen konnten, fühlte sich das für mich seltsam an. Ja, ich sah den wirtschaftlichen Nutzen und auch den Vorteil für die Umwelt, aber ist das nicht irgendwie „asi“? Mittlerweile habe ich solche Bedenken abgeschüttelt und benutze auch Alufolie, Backpapier etc. mehr als einmal, sofern es Sinn macht (wenn diese mit rohem Fleisch Kontakt hatten, ist mir das z.B. nicht angenehm). Gummibänder, mit denen Radieschen oder Frühlingszwiebeln zusammengehalten werden, bewahre ich auf und benutze sie für Vokabelkarten, stabile Plastikdosen wie z.B. von Keksen wasche ich aus und verwende sie wie Tupperdosen. Manche Sachen wie Shampoos, Duschgel, Spüli und Co. lassen sich herunterdosieren und manche Produkte wie Weichspüler oder Trocknertücher braucht man gar nicht.

In den vergangenen zwölf Monaten hat sich tatsächlich unser Müllberg reduziert. Das finde ich einen schönen Nebeneffekt. Auch haben wir vermehrt auf Dinge zurückgegriffen, die wir bereits besitzen, anstatt etwas Neues anzuschaffen. So ist beispielsweise meine Mieze bei einem Sprung vom Schrank herunter auf unserer Reispapierlampe gelandet und hat sie völlig zerlegt, doch statt sie zu ersetzen, verwenden wir jetzt eine alte Salzlampe, die wir noch im Keller hatten.

Und was ist das monetäre Fazit dieses Jahres? Einen konkreten Betrag mag ich nicht nennen, aber für uns hat es sich mehr als gelohnt, und unser Jahresergebnis macht uns Lust, diesen Lebensstil weiterzuführen.

Was mir darüber hinaus auch noch gut gefällt, ist, daß sich durch den Frugalismus meine Wertschätzung für das, was ich bereits habe, und die wenigen Dinge, die neu hinzukommen, massiv gesteigert hat. Ich fühle mich sehr dankbar für alles, was ich besitze, und alles, was ich mir kostenfrei oder kostengünstig leisten kann (ich liebe die Bibliotheken!). Es geht hier also auf dem Blog weiter mit dem Thrifty Thursday.

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