Thrifty Thursday #50

Diese Woche habe ich einige interessante Videos darüber gesehen, wie frugale Menschen mit der Energiekrise bzw. den steigenden Energiepreisen umgehen. Etwas, das oft angeführt wurde, war der ganz andere Umgang mit Ressourcen noch während der 70er und 80er. Ein Beispiel, das mir von den Videos insbesondere in Erinnerung geblieben ist, war, daß eine Frau sagte, sie hätte früher nicht nur bei sich selbst, sondern auch bei ihren Kindern kleine Flecken so auf der Hand rausgewaschen und nicht direkt das ganze Kleidungsstück in die Maschinenwäsche gegeben. So kenne ich das tatsächlich auch und so mache ich es auch noch immer. In der Regel trage ich z.B. Unterziehshirts, mit denen ich daheim auch auf dem Sofa sitze, auch dann noch, wenn sie bereits kleine Flecken haben. Wichtigstes Kriterium ist für mich der Geruch, denn ich es mag es überhaupt nicht, wenn Kleidung z.B. nach Essen/Bratendünsten riecht, aber mit einem kleinen Fleck habe ich kein Problem, wenn ich daheim bin. Wenn ich das Haus verlasse, ist das was anderes.

Ich habe den subjektiven Eindruck, daß unser Verhältnis zu Besitz und Ressourcen im Laufe der 90er Jahre im Zuge der Globalisierung gekippt ist, weg von einem wertschätzenden und bewahrenden Umgang hin zu der Einstellung, daß wir das Recht dazu hätten, uns quasi uneingeschränkt Dinge zu gönnen bzw. sie ständig verfügbar zu haben. Bei so mancher Werbung, die dieses Gönnen („die Gönnung“) ins Zentrum stellt, frage ich mich, was aus dem Konzept geworden ist, daß man erstmal was leisten muß, bevor man belohnt wird oder sich selbst belohnt oder sich halt was gönnt. Damit will ich nicht sagen, daß man sich selbst gegenüber nicht großzügig oder freigiebig sein soll – aber das Gefühl, sich etwas für eine getane Arbeit oder ein erreichtes Ziel zu gönnen, ist für mich etwas essentiell Anderes als das ständige sich Gönnen, das mit einem Anspruch auf Belohnungen/Extras verknüpft ist, weil man es geschafft hat, sein Wasserglas an den Mund zu führen. Sehe ich halt nicht.  Mein Sohn möchte z.B. stets Belohnungen dafür, daß er seine Arbeiten im Haus verrichtet, was ich komplett abbiege. Ich kriege auch keine Belohnung dafür, daß ich meine Jobs erledige. Ich glaube, da bin ich doch sehr ein Kind der 70er/80er-Jahre geblieben, wo man für besondere Sachen eine Belohnung bekam – und nur dafür. Ich finde es sogar in sozialer Hinsicht total verkümmert, wenn Kinder und Erwachsene gleichermaßen heute ständig Belohnungen erwarten (Dinge oder Unternehmungen), anstatt daß man sich gegenseitig (oder sich selbst) dankt und bei besonderen Leistungen auch noch lobt und fertig.

Wie viel Energie und Ressourcen kann ich einsparen, wenn ich mir diese unausgesetzen „Gönnungen“ verkneife und dazu übergehe, mich nur noch für besondere Leistungen zu belohnen? Wie viel Zeug schafft ein Durchschnittseuropäer im Laufe seines Lebens als „Gönnung“ an, angefangen von besonderen Lebensmitteln bis hin zu teuren Elektronikgeräten? Und wie lange nutzt er diese Dinge, bevor er ihrer überdrüssig wird und sie wegwirft? Und was sind kostenfreie Alternativen?

Für mich gehört dazu, ein ausgewogenes Verhältnis zu dem zu entwickeln, was ich brauche (auch für mein Wohlbefinden) und was ich nicht brauche, aber mag. Nichts, was notwendig ist, definiere ich als Extra, das ich mir gönne. So betrachte ich den günstigen Tee vom Discounter als etwas Normales, wohingegen ein edler Tee, dessen Kilopreis astronomisch weit über dem des Billigtees liegt, ein besonderes Goodie ist, von dem ich nicht viel konsumiere, aber dafür jede Tasse echt genieße. Überhaupt glaube ich, daß Genuß heute nicht mehr automatisch von den ganzen sogenannten Extras ausgelöst wird bzw. mit ihnen verbunden ist. Vielleicht weil vieles, das etwas Besonderes sein sollte, es nicht mehr ist. Eine Belohnung sollte aber etwas Besonderes sein, sowohl in sich als auch von der Häufigkeit her, in der man sie erhält oder sich selbst gibt.

Ich finde es schön, wenn man so alltägliche Dinge wie eine Tasse Discounter-Tee genießen kann und für sie Dankbarkeit empfindet, aber das ist in meinen Augen eine ganz andere innere Haltung als die Überzeugung, daß man quasi für den kleinsten Handschlag eine Belohnung verdient habe.

Für mich, so hat sich erwiesen, ist meine frugale Reise auch immer die Auseinandersetzung damit, wie ich die normalen Dinge des Alltags betrachte. Dankbarkeit zu kultivieren, überbrückt für mich das Gefühl davon, etwas kaufen oder mir leisten zu „müssen“, um mich selbst und das, was ich mache, wertschätzen zu können (oder de facto wertzuschätzen). Es hat sich aber auch gezeigt, daß es mir persönlich mehr wie eine Belohnung oder ein Extra vorkommt, wenn ich mir ganz punktuell mal was Besonderes kaufe. Allein die seltene Frequenz dieser Gelegenheiten sorgt dafür, daß ich sie dann als etwas Außergewöhnliches wahrnehme, auch wenn ich vielleicht gar kein oder nur wenig Geld für die Dinge ausgebe, die ich mir dann gönne.

Das, was ich eigentlich immer als größten Luxus empfinde, ist Zeit für mich und dann auch die Stille, die mich atmen läßt. An meinen eigenen Projekten arbeiten, lernen, lesen, in Ruhe einen Film sehen und dergleichen mehr.

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