Polyglot Gathering 2021 #7 – Nachklang

Heute Mittag ging das Polyglot Gathering zuende. Ich bin noch ganz voll von allem, von den Gesprächen, den Sprachen, den vielen lustigen und lehrreichen Begegnungen, auch von der Art des Miteinanders. Wenn man das so sagen kann, fühle ich mich wie beschwippst. Oder betrunken. Es war das Abtauchen in eine diverse, bunte Parallelwelt. Wie ein riesiges, verlockendes Buffet, das den einen Hunger stillt und einen anderen entfacht. Mir schwirrt der Kopf von den Impulsen und Eindrücken, von den ganzen Möglichkeiten und Ideen, die mir das Treffen geschenkt hat. Ich weiß, daß es noch eine Weile brauchen wird, bis sich das alles geordnet hat. Im Moment fühle ich mich, als wäre ich von einem Karussell gestiegen: eben noch flog mir die Luft um die Ohren und alles war bunt und drehte sich, und jetzt ist es still und ruhig. Als wenn man aus einem Sturm nach drinnen kommt.

Was ich insbesondere vom PG mitnehme, ist, daß jede Motivation dafür, eine Sprache zu lernen, jede Lernreise und alle Methoden gültig sind und daß jeder Weg mit einer Sprache ganz individuell ist. Ich glaube, das PG hat mir auch Mut gemacht, mich in der Zukunft auf Minderheitensprachen einzulassen – etwas, das ich bisher eher vermieden habe (ich fand bereits die Materialmenge für Norwegisch sehr übersichtlich). Es war schön, zu erleben, daß auch andere Menschen sich aus rein emotionalen Gründen für eine Sprache entscheiden – weil sie sie anspricht, etwas in ihnen zum Klingen bringt, auch wenn sie erstmal gar nicht „nützlich“ scheint.

Das Miteinander so vieler verschiedener Menschen aus so vielen verschiedenen Kulturen war sehr leicht, jedenfalls für mich persönlich. Konflikte habe ich gar nicht erlebt, nicht einmal andeutungsweise. Wie überall gab es auch hier Menschen, die mir spontan sympatischer waren als andere, aber der respektvolle Umgang miteinander war eine Konstante auf dem gesamten Treffen. Die Begeisterung für andere Kulturen und Bräuche schwang immer mit und ich kann mir jetzt umso besser vorstellen, wie schön Events wie das gemeinsame Essen von Spezialitäten aus unterschiedlichen Ländern in der Vergangenheit beim realen PG gewesen sein müssen.

Das Kontrastprogramm dazu hatte ich heute Nachmittag. Ich weiß nicht einmal, welcher Teufel mich geritten hat, aber nach Monaten war ich heute das erste Mal wieder auf der Seite einer Österreicherin, die in Deutschland lebt und sich in der linken Szene bewegt. Sie schrieb davon, sie sei auf einer Demonstration gewesen und habe da „Deutschland muß sterben“ gesungen. Nach den letzten Tagen voller schöner Begegnungen fühlte sich das widerwärtig und verletzend an. Als hätte man den Tisch schön gedeckt und sie kotzt über das Porzellan. Ich wußte direkt wieder, warum ich ihr nicht mehr folge – so jemand hat nichts zu sagen, das für mich von Gültigkeit sein könnte. Ich würde sie gern fragen, warum sie in Deutschland wohnt und hier bleibt, wenn sie dieses Land haßt, und wieso sie nicht nach Österreich zurückgeht oder sonstwohin. Mir ist auch klar geworden, daß dieser linke Haß auf Deutschland, den Personen wie sie verbreiten, wie Gift für mich ist. Es kommt mir so bigott und dumm vor, daß solche Leute die Meinungsfreiheit, die ihnen dieses Land garantiert, dafür nutzen, ins eigene Nest zu kacken. Wahrscheinlich fällt denen das nicht mal auf.

Als Deutscher lebt man irgendwie immer in dieser Bredouille: alle Welt findet Deutschland toll, aber man selbst traut sich das quasi nicht (schon mal gar nicht öffentlich), weil der Linksdruck dafür sorgt, daß man sich dann fast reflexartig als Nazi fühlt. Auch in dieser Hinsicht war das PG ein Augenöffner für mich. Es ist vollkommen okay, Deutschland zu lieben und für seine Grundwerte zu schätzen, und das macht einen nicht zum Nazi, auch wenn der linke Mob das gern so hätte.

Diese Erfahrung heute hat mir gezeigt, daß es für mich, für meine seelische Gesundheit und mein Lebensgefühl wichtig ist, mich in einem weltoffenen, intelligenten und respektvollen Milieu zu bewegen. Ich brauche Leute um mich her, die sich auf die positiven Aspekte des Miteinanders und der Unterschiede zwischen uns fokussieren, um gemeinsam etwas zu lernen. Für mich kann Veränderung nur durch einen Dialog angestoßen werden, nicht nur das Gröhlen irgendwelcher Parolen. Und welchen schöneren Weg kann es dafür geben als durch das Lernen von Sprachen?

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