Gelesene Bücher im April 2021

  • Nigel Barley: Die Raupenplage. Barley beschreibt hier seine zweite Reise zu den Dowayos, wo er eigentlich die Beschneidungszeremonie beobachten möchte. Er erzählt vom Leben im Dorf, von den Zusammenhängen zwischen Regen, dem Töpferhandwerk und dem Aberglauben der Dowayos. Barley schreibt so unterhaltsam und lustig, daß es immer eine Freude ist. 4/5.
  • Anette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche. Roman, aus einem Nachlaß. Ich habe das Buch irgendwann mal in der Schule gelesen und wollte wissen, ob ich es heute anders bewerten würde. Nein, mache ich nicht. Ich finde die Geschichte wirr, merkwürdig zersplittert und wenig stringent. Warum das Buch ein Klassiker ist, erschließt sich mir nicht. 1/5.
  • Louise Welsh: Dunkelkammer. Roman, schon vor Jahren gebraucht gekauft. Rilke, ein Auktionator, wird von der Schwester eines kürzlich verstorbenen, reichen Mannes in dessen Haus gerufen und damit beauftragt, den gesamten Nachlaß in einer Auktion zu verkaufen – abgesehen von allen Dingen, die sich auf einem zweiten Boden unterm Dach befinden. Als Rilke die Kartons durchstöbert, findet er Bilder, auf denen – scheinbar? – der Mord an einer jungen Frau abgelichtet wurde. Daraufhin beginnt er, auf eigene Faust zu recherchieren. Es hieß, der Roman sei von dem Film „8mm“ inspiriert gewesen und ja, gewisse Parallelen erkennt man. Allerdings zieht sich der Mittelteil schon sehr in die Länge, wo man kapitelweise den Sex- und Saufabenteuern Rilkes beiwohnt, ohne daß die Handlung vorankäme. Dazu kommt, daß Rilke, der selbst ein lakonischer Säufer ist, sich in einem verwahrlosten, hoffnungslosen Umfeld bewegt, und das wirkt leider nicht interessant, sondern einfach irgendwie schäbig. 3/5.
  • Isabelle Autissier: Herz auf Eis. Roman, aus der Bibliothek. Louise und Ludovic, zwei junge Pariser, nehmen sich ein Jahr frei und wollen mit ihrem Segelboot einen langen Törn machen, vielleicht sogar die Welt umrunden. Auf Stormness stranden sie dann, als ihr Segelboot in einem Sturm ohne sie ablegt. In den kommenden acht Monaten kämpfen sie um ihr Überleben, schließlich kann Louise gerettet werden, während Ludovic stirbt. Wieder in Paris, wird Louise vom öffentlichen Interesse überspült, und als sie ein für sie schreckliches Geheimnis mitteilt, spürt sie, daß sie keine Aufmerksamkeit will, sondern in Stille heilen muß, und so verläßt sie Paris erneut. Das Buch hat mich sehr berührt. Ein schlichter, fast schon poetischer Erzählstil, rauhe Landschaften und mittendrin eine zerbrechlich wirkende Frau, die sich mit der Schuld der Überlebenden auseinandersetzen muß. 4/5.
  • Ruth Ware: Hinter diesen Türen. Thriller, aus der Bibliothek. Rowan wird als Nanny für vier Kinder von einer wohlhabenden Familie eingestellt, deren Haus in ein Smarthome umgebaut wurde. Noch am ersten Tag müssen die Eltern abreisen und Rowan sieht sich mit bockigen Kindern, einer spinnerten Technik und einer düsteren Legende allein gelassen: der Vorbesitzer des Hauses hat seine Tochter verloren, weil diese von den Früchten aus seinem Giftgarten genascht hat und angeblich geht nun sein ruheloser Geist im Haus um. Einziges Schmankerl ist der Hausmeister, der nicht nur nett, sondern auch attraktiv ist. Was ein interessanter Thriller hätte werden können, entpuppt sich am Ende als handfestes Familiendrama, und damit hat mich das Buch echt enttäuscht, mal abgesehen von den derben Logiklücken. 2/5.
  • Jan Fries: Visuelle Magie. Sachbuch, vor vielen Jahren gekauft. Das war eins der Bücher, die ich eigentlich schon aussortiert hatte und nur nochmal gelesen habe, weil das mit den Bücherschränken gerade nicht so klappt – in diesem Fall zum Glück. Fries faßt hier sehr anschaulich Techniken des „Freistilschamanismus“ zusammen. Bleibt jetzt doch bei mir, weil es mit Abstand eins der besten Bücher über Magie ist, die ich kenne. 4/5.
  • Markus Dewald: Kelten, Kürbis, Kulte – kleine Kulturgeschichte von Halloween. Sachbuch, aus der Bibliothek. Die negativen Rezensionen, die das Bändchen bekommen hat, kann ich verstehen, denn in weiten Teilen ergeht sich der Autor leider nur in leidend hervorgebrachter Konsumkritik (er nennt also keine Alternativen, sondern jammert nur darüber, wie sinnentleert unsere Gesellschaft geworden ist). Erst am Ende geht er dann auf das ein, was man eigentlich bei dem Titel erwarten würde, und das ist auch sehr spannend. Alles in allem kann ich aber nicht mehr Punkte vergeben als 2/5.
  • Steve Silberman: Geniale Störung. Sachbuch, aus der Bibliothek, abgebrochen auf S. 330. Das Buch erzählt die Geschichte der Entdeckung des Autismus‘ und berichtet auch, wie mit Autisten seit den 1930ern umgegangen wurde. Das ist auch der Grund dafür, warum ich abgebrochen habe, obwohl es sich um ein wichtiges Zeugnis handelt – ich habe es einfach nicht ausgehalten, davon zu lesen, wie Autisten im Namen der Wissenschaft und unter dem Deckmäntelchen der „Hilfestellung“ gequält worden sind. Trotzdem 5/5.

Und gehört habe ich:

  • Arno Strobel: Offline. Eine Gruppe von jungen Leuten hat eine Reise gebucht, bei der es darum geht, mal wieder Zeit ohne Handy zu verbringen. Alle geben also ihre Geräte ab, dann wandern sie vom Königssee aus zu einem riesigen, aber leerstehenden Hotel, das in weiten Teilen noch eine Baustelle ist. Nach der ersten Nacht finden sie einen aus der Gruppe so schwer verletzt auf, daß er bald darauf stirbt. Was ein interessanter Krimi im Stil von Agatha Christies „Zehn kleine Negerlein“ hätte sein können, ist leider nichts weiter als eine endlose Aneinanderreihung von immer denselben nicht zielführenden Gedanken und Handlungen, unterbrochen nur von den immer gleichen, langweiligen Gedanken, die sich in einem der Opfer abwickeln. Das Ende kommt dann schnell, eine Aufklärung erfolgt nicht (warum hat der Täter Leute getötet, die gar nichts mit seinem eigentlichen Anliegen zu tun haben? Wie konnte der Täter einen so dicken Mann überhaupt bewegen?). Ganz besonders habe ich Romane gefressen, in denen angeblich hochbegabte Leute agieren, die zu keinem einzigen rationalen, klaren Gedanken in der Lage sind. Laaaangweilig! 1/5.

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