Thrifty Thursday

Im letzten Jahr und Anfang diesen Jahres habe ich unter der Überschrift „Use What You Have“ darüber geschrieben, wie ich Dinge, die ich schon besitze, endlich/neu/anders/wieder benutze. Angefangen habe ich damit, weil es mich gestört hat, zwar vieles zu besitzen, aber nur einen Bruchteil davon wirklich regelmäßig zu benutzen, und dafür immer mal wieder neue Dinge zu kaufen, obwohl das Alte eigentlich noch gut war und man vielleicht nur ein wenig Arbeit hätte investieren oder umdenken müssen, damit es ausgereicht hätte. Dazu kommt, daß es mir nicht gefällt, viel zu besitzen. Ich mag es, wenn ich von einer Sache, die gut für mich funktioniert, mehr als ein Exemplar habe, und wenn ich von Dingen, die ich gern mag, eine gute Auswahl habe, wie z.B. bei Tee und Gewürzen, bei Tassen und Stiften. Ich mag es aber ganz und gar nicht, wenn ich das Gefühl habe, den Großteil meines Besitzes nicht zu kennen, nicht zu mögen oder nicht zu benutzen, sondern ihn nur zu verwalten und für Eventualitäten, die vermutlich niemals eintreten, aufzuheben.

Seit vielen Jahren bin ich inzwischen dabei, meine Besitztümer zu verschlanken. Angefangen hat es nach Tod meiner Mutter, wo auf einmal ihr gesamter Hausstand in meiner damaligen Wohnung aufgelaufen war. Etwas später zogen wir mit dem Mitbewohner zusammen, wo dann nochmal ein kompletter Hausstand dazukam. Insgesamt hatte ich also alles wenigstens in dreifacher Ausführung, manches war sogar noch öfter vertreten. Eigentlich widerstrebte es mir, gute Dinge wegzuwerfen, aber als ich einmal angefangen hatte, fühlte es sich nur noch gut und befreiend an. Bei vielen Sachen hatte und habe ich Skrupel, sie wegzuwerfen. So habe ich etwa von meiner Mutter eine Sammlung erstklassig erhaltener Gläser geerbt, die ich selbst ziemlich häßlich finde und nie verwenden würde. Sie stehen mit ein paar anderen Dingen auf der „will ich verkaufen“-Liste – ein Unterfangen, das seit anderthalb Jahren durch meine malade Verfassung ausgebremst wird, aber das kommt dann noch.

Je mehr Platz ich in meinem Haus und je mehr Überblick ich über meinen Kram bekomme, desto besser ging es mir. Ich weiß ja nicht, wie das für andere ist, aber für mich können Kisten, von denen ich nicht einmal mehr weiß, was sie enthalten, regelrechte Trigger-Bomben sein, wenn ich sie dann irgendwann mal wieder öffne und auf Dinge stoße, die mit negativen Erinnerungen verknüpft sind. Also weg damit. In unserem jetzigen Haus benutzen wir Dachboden und Keller, um Dinge zu lagern, aber mein Ziel wäre, nicht mehr auf solche Lagerstätten angewiesen zu sein. Und das bedeutet, daß immer noch eine Menge Zeug wegkann. Bei manchen Sachen bin ich auch einfach ratlos, was ich mit ihnen anstellen soll, aber ich hoffe, daß sich das noch finden wird.

Ende letzten Jahres habe ich dann angefangen, bei YouTube Leuten zu folgen, die über Sparsamkeit und clevere Haushaltsführung Videos machen. Eins haben sie alle gemein: sie haben ein Ziel, auf das sie hinsparen. Das konnte ich in den letzten 12+ Jahren nicht für mich sagen. Vor zwölf Jahren sind meine Familie und ich nach Baden gezogen und die Wahrheit ist, daß ich mich hier nicht wohlfühle. Dafür gibt es viele Gründe: Wetter, Dialekt, Straßenverkehr, die „Kaffigkeit“ der Region hier, die Art der Menschen, sogar die Produkte, die ich kaufen kann, und anderes mehr. Gute Dinge gibt es auch, ja, aber sie wiegen die problematischen Bereiche nicht auf. Bereits in der zweiten Woche nach Einzug in unser Haus stand ich im Garten und habe rumgebrüllt, daß ich es hier hasse. Das hat sich nicht geändert. Allerdings habe ich bis jetzt versucht, es durch schiere Willenskraft und Selbstbeherrschung und meiner Familie zuliebe zum Funktionieren zu bringen. Das hat mich unglaublich viel Kraft gekostet, zumal ich zu jedem Zeitpunkt bereit gewesen wäre, sofort meine Sachen zu packen und wegzugehen. Im Januar wurde mir also endlich klar, worin mein Ziel besteht: ich will umziehen. Ich will hier weg.

Damit habe ich endlich die Motivation gefunden, die mir solange fehlte. Sich eine barrierefreie Wohnung in der Stadt zu wünschen, ist ein super Anreiz dafür, noch ein bißchen besser auf seine Kröten zu achten als zuvor, zumal ich davon ausgehen muß, daß ich, wenn es soweit ist, einen Umzug (oder gar zwei) und ggf. auch ein paar Umbauten finanzieren muß. Und schnell läßt sich das Ganze sowieso nicht umsetzen, aus familieninternen Gründen. Ich gehe mal davon aus, daß das alles in frühestens fünf bis zehn Jahren spruchreif ist, also habe ich noch eine Menge Zeit, Geld dafür anzusparen 🙂 Jedenfalls hat sich mein Fokus von „use what you have“ auf Sparsamkeit generell verschoben, und darum gibt es ab sofort den „Thrifty Thursday“. Unter dieser Überschrift werde ich über unsere Versuche schreiben, sparsam zu wirtschaften, aber es wird auch allgemeinen Haushaltsklönschnack geben.

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