Use What You Have #15

Zur Zeit arbeiten meine Familie und ich uns quer durch unseren Dachboden und werden Zeug los. „Zeug“. So ein kleines Wort, soviel Platz, Energie, Geld und Zeit. Ich bin immer wieder überrascht davon, was alles auftaucht, und wie wenig ich von dem lange nicht mehr Gesehenen behalten möchte. Wenn man Kisten öffnet, die seit Jahren verschlossen und außer Sicht waren, ist das, als würde man in der Vergangenheit wühlen, und nicht alles, was man findet, ist schön oder wertvoll. Ich glaube, diesmal habe ich eine Menge Sachen losgelassen, die auf die eine oder andere Weise mit Schmerz, Scham, zerplatzten Träumen, aufgegebenen Hoffnungen und anderen eher nicht so angenehmen Erinnerungen verbunden sind. Ein großes Lehrwerk, das ich mir gekauft hatte, als ich in Betracht gezogen hatte, eine Ausbildung zum Heilpraktiker zu machen, nur daß sie mich damals ablehnten aufgrund meiner Körperbehinderung (die Begründung war: ich könnte mich ja nicht auf den Boden knien und einen Patienten aufheben oder wiederbeleben). Viele Bücher zum Thema Frauen- und Männerspiritualität, die alle nicht mehr passen, aus diversen Gründen. Göttinnenfigurinen, ein Schutzschild, das mir eine Frau gemacht hat, die längst nicht mehr meine Freundin ist. Das ist auch so ein Ding – Geschenke von Leuten, die nur einen Teil von mir mochten und gingen, als ich wirklich mal Unterstützung gebraucht hätte. An diesen Geschenken haften, wie ich finde: verständlicherweise, durchaus negative Emotionen. Also weg damit. Einen Schwung Bücher habe ich mir in mein Regal hier im Erdgeschoß reinsortieren lassen. Ich will sie im Laufe des Jahres ansehen und lesen und dann entscheiden, was mit ihnen passieren soll. Mit dabei ist einer der ersten Historienromane, den ich als Jugendlicher gelesen habe, die Geschichte von Königin Elizabeth I., die mich beeindruckt hat und in der ich vieles von mir selbst wiederfand. Auch hat mich damals beeindruckt, daß ich in der Lage war, so ein dickes Buch zu lesen, denn das war keine Erfahrung, die ich in meiner Herkunftsfamilie gemacht habe. Lesen war kein Bestandteil des Lebens meiner Eltern, mal abgesehen von Illustrierten oder der Fernsehzeitung. Also eine gute Erinnerung.

Um Weihnachten herum konnte ich eine Menge Dinge wiederverwenden, die ich bereits hatte, allem voran Weihnachtsschmuck und Baumkugeln. Meinen liebsten Türkranz hat es leider zerlegt und ich konnte ihn auch nicht reparieren. Gern hätte ich mir einen Ersatz gekauft, aber die angebotenen Kränze waren entweder häßlich oder viel zu teuer. Mal im kommenden Dezember gucken. 2016 haben wir bei Ikea zwei Sorten Baumkugeln und zwei Perlengirlanden gekauft und benutzen sie seitdem immer zum Schmücken des Weihnachtsbaumes. Die Kugeln sind aus Plastik und daher katzensicher, und ich mag, wie festlich der Baum immer in Rot und Silber aussieht. Da habe ich also keinen Wunsch nach etwas Neuem und mir ist das „Alte“ auch nicht langweilig.

Zu Weihnachten war ich mit einem interessanten Phänomen konfrontiert: meine Familie fragte seit Oktober, was ich mir denn wünschen würde, und ich wußte absolut nicht, was ich darauf antworten sollte. Nichts. Ich wünsche mir nichts. Oder nur Dinge, die man nicht einfach geschenkt kriegen kann wie funktionierende Schuhe, einen Umzug, absolute Stille oder so. Für mich war das eine gute Erfahrung, weil es zeigt, daß ich das habe, was ich brauche und haben will, und daß es in mir keinen Motor gibt, der immer wieder neue Wünsche nach oben schwemmt. Für meine Familie war das etwas komisch, denn ich sollte doch nicht der Einzige sein, der an Weihnachten nichts bekommt. Am Ende habe ich mir zwei Bücher von meiner Wunschliste bestellt, ein Wortschatzbuch C1 Spanisch und einen Russischkurs auf Englisch. Ich freue mich über sie, aber wirklich gebraucht hätte ich sie nicht.

Diese Erfahrung hat mich allgemein über Geschenke nachdenken lassen und ich habe meiner Familie eine „Geschenkeverordnung“ gegeben. Ich will nur noch Dinge, die ich mir wünsche oder die ich verbrauchen kann. Das heißt, mir wären ein Korb voller Gemüse, eine Schachtel Vokabelkarten oder sowas in jedem Fall lieber als Dekoartikel oder andere liebgemeinte Sachen, die ich nicht brauche. Vielleicht ist es unhöflich, das so klar zu formulieren, aber ich finde es mindestens genauso unhöflich, Freude über ein Geschenk zu faken und es dann wegzuwerfen. Für mich ist es aber komisch, daß mein Wunsch nach einer bestimmten Art von Geschenk sich für meine Familie so seltsam anfühlt, irgendwie brüsk und wie eine Zurückweisung, denn so ist das ja gar nicht gemeint. Ich habe nur klar kommuniziert, was ich wirklich haben möchte. Darum geht es doch beim Schenken, oder?

Auch in den letzten Wochen des Jahres konnten wir unser wöchentliches UWYH-Essen durchziehen. Es gab unter anderem eine phantastische Suppe mit roten Linsen, Spinat und Tomaten und mal wieder einen Tomatenkuchen mit Rohkost und Bratwürstchen. Sogar UWYH-Bratäpfel konnten wir einmal machen 🙂

Eine weitere Sache, die ich schon hatte und jetzt verwendet habe, sind Faserbällchen, mit denen ich mein Kissen auffüllen konnte.

Auf meiner UWYH-Liste für 2021 stehen unter anderem folgende Sachen:

  • Gewürze und Chilis
  • Bücher
  • Duschgele (obwohl ich mehrmals die Woche dusche, reicht mir eine Flasche immer etwa 6 Monate)
  • Filme

Alles in allem bin ich ziemlich zufrieden, wie das alles so läuft – abgesehen davon, daß ich immer noch schockierend viele Dinge besitze…

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