Unterrichtspreise

Ich hatte neulich schon mal über Unterrichtspreise bei Sprachlehrern gebloggt und geschrieben:

Ich muß allerdings sagen, daß ich es unethisch finde, einem Lehrer schlappe 7 € für eine Stunde zu bezahlen (das betrifft vorrangig Menschen aus Südamerika, jedenfalls was Spanisch angeht), schließlich will der von seinem Verdienst sein Leben bestreiten und muß ja auch noch die Kosten für Strom und Internet von den Einnahmen einer Stunde runterrechnen.

Was ich dabei nicht bedacht hatte, ist Folgendes: viele Sprachlehrer aus Ländern mit geringem Durchschnittseinkommen bieten ihren Unterricht für an deutschen Maßstäben gemessen wenig Geld an, weil sie damit dem normalen Lohn eines Sprachlehrers in ihrem Land entsprechen. Hierzulande würde ich das niemals bekommen – hier liegt der Schnitt eher so bei 20-30 € und viele nehmen auch mehr. Durch das Internet jedoch kann ich eine Dienstleistung in Anspruch nehmen, die in Lateinamerika bereitgestellt wird und daher sehr günstig ist. Als ich schrieb, daß ich das unethisch finde, habe ich aber nicht bedacht, daß die Sprachlehrer dort ja aber auch etwas verdienen wollen und müssen, wenn sie ihr Leben bestreiten wollen, und daß sie mit den 5 bis 8 € in ihren Ländern weiterkommen, als das hier in Deutschland der Fall wäre. Buche ich nun keine Stunden bei ihnen, nehmen sie zumindest von mir kein Geld ein, welches ihnen dann möglicherweise fehlt. Bei so günstigen Preisen könnte ich es mir aber theoretisch leisten, zwei oder mehr Stunden die Woche zu buchen, und damit könnte ich entsprechend zwei oder mehr Leute unterstützen.

Dieses Dilemma läßt sich für mich noch nicht ganz auflösen, vor allem weil mir meine mexikanische Lehrerin neulich stolz erzählt hat, daß unser Gespräch über faire Preise sie dazu veranlaßt hat, ihre Preise deutlich um über 200% nach oben zu korrigieren. Für den Preis, den sie nun verlangt, könnte ich tatsächlich sogar bis zu 5 andere Leute buchen. Mein Vorteil läge darin, daß ich statt 60 dann stolze 300 Minuten die Woche Spanisch reden könnte (de facto würde ich das gar nicht so machen, weil mir das schon zuviel wäre, aber 2 oder 3×60 Minuten die Woche wären schon cool).

Ich bin mir nicht wirklich sicher, wie ich das alles sehe und was ich tun werde. Einen freiwilligen Obolus kann man Lehrern auf italki jedenfalls nicht zukommen lassen, was echt schade ist. So eine „Trinkgeldkasse“ fände ich sehr praktisch, einfach um einem Lehrer, den man besonders gern mag und mit dem man prima klarkommt, eine Freude zu machen und sich zu bedanken. Jetzt gerade bin ich sehr unentschieden und weiß nicht, was ich tun soll.

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