365 Tage Duolingo

Heute habe ich meinen 365. Tag bei Duolingo. Ich habe keinen einzigen Tag ausgesetzt, für Norwegisch 40293 XP und 684 Kronen erhalten und alle Skills bis zum 9. Turm vergoldet. Soweit die Statistik. Und was hat’s gebracht?

Norwegisch ist keine große Sprache. Es gibt so etwa 4,5 Millionen Muttersprachler in Norwegen selbst und dann nochmal ungefähr genauso viele in den USA. Dementsprechend gibt es zwar durchaus Lehrmaterial, aber eine Fülle wie bei großen Sprachen findet man nicht. Ich habe ja mit Babbel angefangen, Norwegisch zu lernen, aber der Kurs wird zu schnell zu schwierig, so daß man nicht gut folgen kann. Diese Lücke schloß Duolingo. Der Norwegischkurs dort ist wirklich toll, weil er eine große sprachliche Vielfalt und die Möglichkeit bietet, Dinge oft zu wiederholen. Das Forum ist ebenfalls gut gepflegt und man bekommt in den meisten Fällen binnen kurzer Zeit eine hilfreiche Antwort, wenn man eine Frage hat. Für mich war und ist das ideal.

Bei Duolingo lernt man mit der Satz-Methode. In den Tips bekommt man die Grammatik kurz erklärt und dann eine Liste von neuen Vokabeln, aber die Lektionen bieten praktisch nur Sätze an, die man entweder von Norwegisch zu Englisch übersetzt oder umgekehrt. Einzelne Vokabeln werden nur äußerst selten abgefragt. Ich habe von vielen anderen Duo-Benutzern gelesen/gehört, daß diese Satz-Methode ihnen überhaupt nicht hilft, eigenständig zu sprechen, weil sie nur die auswendiggelernten Phrasen reproduzieren können, doch für mich persönlich ist sie superhilfreich. Da man von Anfang an den Satzbau lernt, ist es meiner Meinung nach sehr leicht, die gelernten Sätze mit neuen Vokabeln umzubauen. Am Anfang ist man vielleicht noch etwas unsicher, aber nach und nach klappt es zumindest bei mir immer besser.

Was ich nie recht nachvollziehen kann, ist die Kritik, daß man mit Duolingo überhaupt nicht fließend sprechend lernt und daß dieses Programm daher eine reine Zeitverschwendung ist, denn meiner Ansicht nach lernt man Sprechen nur, indem man spricht (surprise!). Ein Programm zu verkonsumieren und dann zu erwarten, daß es wie von Zauberhand die Fähigkeit, mich flüssig verbal auszudrücken, in mein Gehirn installiert, ist einfach Quatsch. Aber das ist allgemein etwas, das ich in der Sprachlerncommunity etwas komisch finde, also, daß es immer neue Apps und Programme gibt, die so tun, als müßte man sich nur sein Handy an den Kopf halten, damit man eine Sprache lernt.

Für Norwegisch bin ich mit Duolingo also rundherum zufrieden. Bei anderen Sprachen, die dort angeboten werden, sehe ich aber, daß es Ausbaubedarf gäbe. So findet man z.B. keine Grammatikerklärungen bei Spanisch für Deutschsprachige und viele Kurse decken gerade einmal die absoluten Basics ab oder gehen auch zu schnell vor. Da Duolingo aber ein kostenloses Angebot ist und die Kurse von Freiwilligen in ihrer Freizeit eingepflegt und betreut werden, ist die Unhöflichkeit, mit der teilweise Kritik in den Foren an Duolingo selbst hervorgebracht wird, meiner Meinung nach nicht fair. Schließlich hätte jeder die Möglichkeit, selbst an den Kursen mitzubauen oder neue zu erstellen. Aber scheinbar gibt es nicht viele Leute, die dazu Lust haben.

Alles in allem hat mir Duolingo sehr dabei geholfen, stabile Sprachkenntnisse aufzubauen, die ich auch in Gesprächen anwenden kann. Umgangssprache lernt man dort nicht, aber dafür gibt es ja den persönlichen Austausch und auch einige YouTuber. Sprichwörter und Redensarten sind im Kurs enthalten, so daß man befähigt wird, ein lebendiges Norwegisch zu sprechen.

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