Gelesene Bücher 2020, Quartal II

  • Paul Marchal: Spurlos verschwunden. Sachbuch, aus dem Bücherschrank. Der Vater von An Marchal, eines der Opfer von Marc Dutroux, schildert in diesem Buch die Suche nach An und ihrer Freundin Eefje und den durch die schlampige Arbeit der belgischen Ermittler ausgelösten Skandal. Ich hatte den Fall damals, Mitte der 90er, mitbekommen und fand es daher interessant, diesen Bericht zu lesen. Allerdings ist das Buch nicht eben leichte Kost. 4/5
  • Jeffery Deaver: Der Komponist. Hörbuch, schon vor zwei Jahren gekauft. Ein Serienmörder, der keiner ist, führt Lincoln Rhyme, Amelia Sachs und Thom Reston nach Neapel, wo der Fall dann nochmal eine sehr merkwürdige Wendung nimmt. Ich liebe ja eigentlich die Romane um Lincoln Rhyme, aber das war jetzt schon der zweite oder dritte in Folge, der fürchterlich zäh war, was an mehreren Faktoren liegt. Deaver ist dafür bekannt, daß seine Bücher immer sehr konstruiert sind, woran ja eigentlich nichts auszusetzen ist. Aber der Fall des Komponisten ist so schräg und hanebüchen, daß es auch mir als Fan der ersten Stunde schwerfällt, die Geduld aufzubringen, das Buch zu beenden. Rhyme verkommt in diesem Buch zu einem mürrisch-grantigen Beiwerk, weil ein italienischer Forstpolizist mit Amelia zusammen die ganze Arbeit erledigt. Die Beziehung zwischen Lincoln und Amelia hinterläßt immer mehr Fragezeichen, je länger sie andauert, weil sich mir überhaupt nicht erschließt, was die beiden abgesehen von ihrer Arbeit verbindet. Cringe-Momente hatte ich auch bei der Schilderung der Arbeit der italienischen Polizei und der Flüchtlingssituation in Europa. Gut, das alles stammt eben aus der Feder eines Amerikaners, aber dennoch fühlte ich mich eher genervt als gut unterhalten. 2/5
  • Michael Connelly: Das zweite Herz. Hörbuch, aus der Bibliothek. Der ehemalige FBI-Ermittler Terry McCaleb wird von einer Frau beauftragt, den Mord an ihrer Schwester aufzuklären. Pikantes Detail: er hat deren Herz erhalten. Ein ganz typischer Ermittler-Krimi, absolut solide. 4/5
  • Domingo Villar: Ojos de agua. E-Book, schon im Herbst gekauft, auf Spanisch. Inspektor Caldas und sein bärbeißiger Assistent Rafael Estévez werden zum Tatort eines Mordes gerufen. Der homosexuelle Saxophonspieler Luis Reigosa wurde durch eine Formaldehyd-Injektion in den Unterleib ermordet. Wenig später verschwindet ein Zeuge und ein weiterer wird erschossen aufgefunden. Ich mochte den Krimi, weil er in Galicien spielt, in einer Gegend, in der ich auch schon war. Das Spanisch war gut zu lesen, auch wenn ich viele Worte nicht kannte. Der Plot ist trotzdem relativ simpel und man fragt sich nach zwei Dritteln des Buchs, warum der Inspektor nicht den richtigen Schluß zieht. Alles in allem unterhaltsam, aber kein Kracher. 4/5.
  • Ian McGuire: Nordwasser. Aus der Bibliothek. Dieses Buch habe ich mir ausgeliehen, weil es zu den ganzen anderen Büchern über Arktis- und Antarktisfahrten paßt, die ich in den letzten Monaten gelesen habe und weil ich es an unterschiedlichen Stellen empfohlen fand. Der unehrenhaft aus der Armee entlassene Arzt Patrick Sumner heuert um 1880 auf einem Walfangschiff an. Mit an Bord befindet sich ein ruchloser Mörder, den Sumner zwar überführen kann, der aber dennoch entkommt, nachdem das Schiff gesunken ist. Sumners Überlebenskampf in der Arktis führt ihn und seinen Kontrahenten jedoch später wieder zusammen. Das Buch war sehr intensiv und hat mir ausgesprochen gut gefallen, ich kann aber verstehen, daß viele Leser finden, es sei zu brutal. 5/5.
  • Simon Beckett: Die ewigen Toten. Hörbuch, aus der Bibliothek. In einem stillgelegten Krankenhaus, das eigentlich abgerissen werden soll, wird die Leiche einer Schwangeren gefunden, doch dabei bleibt es nicht. Bei der Durchsuchung des Gebäudes werden weitere Tote gefunden. David Hunter, forensischer Anthropologe, ist an den Untersuchungen beteiligt, hat aber – mal wieder – mit seiner Stalkerin und einer scheiternden Beziehung zu tun. Am Ende ist die einzige Person, die von Anfang an verdächtig war, der Mörder. Für mich selbst gab es nur eine einzige Überraschung in diesem Buch, aber die reichte nicht, um es interessant zu machen. Der Plot entwickelt sich absolut träge und erscheint völlig beliebig aus den üblichen Versatzstücken solcher Thriller zusammenbastelt. Für mich war es das letzte David Hunter Buch, das ich angehört/gelesen habe, denn schon die letzten zwei Bände fand ich gerade mal mittelmäßig. 2/5.
  • Frank Goldammer: Der Angstmann. Krimi, aus der Bibliothek. Im Winter 1944/45 geht ein Mörder in Dresden um, der seine Opfer grausam zurichtet, aber nicht direkt tötet. Kriminalinspektor Max Heller ermittelt, behindert von den Nazis, von Menschen mit undurchsichtigen Absichten, von seinen Vorgesetzten und nicht zuletzt von den Bomben, die die Alliierten auf die Stadt werfen. Ich habe diesen Krimi an einem Abend gelesen. Der eigentliche Plot ist gar nicht so besonders, wohl aber das Milieu, in dem der Roman spielt. Hat mir total gut gefallen, auch weil die Hauptfigur es schafft, inmitten der Kriegswirren ihre Menschlichkeit zu bewahren. 5/5.
  • Frank Goldammer: Tausend Teufel. Krimi, aus der Bibliothek. Zwei Jahre nach seinem ersten Fall ermittelt Max Heller wieder. Dresden ist inzwischen an die Russen gefallen und im Volk regt sich Unwillen gegen deren Führungsstil. Just in diesem Augenblick werden mehrere russische Offiziere ermordet, doch damit endet es nicht: auch ein Gastwirt und ein ehemaliger Nazi werden tot aufgefunden. Hat die Gruppe elternloser Kinder, die in der Dresdner Heide leben, etwas damit zu tun? Der zweite Teil dieser Serie las sich für mich ähnlich spannend wie der erste. Heller ist eine interessante Figur, weil er trotz der Zerrissenheit zwischen seinem Wunsch, ein guter Mensch zu sein, und dem Versuch, unter der neuen Obrigkeit zu funktionieren, sehr menschlich und nahbar bleibt. 5/5.
  • Frank Goldammer: Vergessene Seele. Krimi, aus der Bibliothek. Im Sommer 1948, als sich die Trennung zwischen West- und Ostdeutschland immer stärker herauskristallisiert, werden in Dresden zwei Tote gefunden: ein Mann und ein Junge. Als Oberkommissar Max Heller und sein Spezi Werner Oldenbusch die Ermittlungen aufnehmen, stoßen sie nur auf Menschen, die sich ausschweigen. In der Familie des toten Jungen, der selbst schwer mißhandelt worden ist, in der Schule des Jungen, wo es noch mehr geschlagene Kinder gibt, und im Umfeld der beteiligten Personen. Dazu quälen Heller persönliche Probleme, denn Anni, die er und seine Frau Karin adoptiert haben, könnte ihnen weggenommen werden, falls ihre leiblichen Eltern auftauchen, und sein Sohn Klaus verwandelt sich zusehends in einen braven Gefolgsmann der Russen. Las sich wieder sehr spannend. 5/5.
  • Julia Rau: Hochbegabte Erwachsene – ähnlich und doch irgendwie anders. Sachbuch, aus der Bibliothek. In dem Buch faßt Rau knapp und präzise die Besonderheiten und Probleme Hochbegabter zusammen und gibt praxisorientierte Tips, wie ein besseres Zusammenleben zwischen Hoch- und Normalbegabten funktionieren kann. Ich habe gerade angefangen, mich näher mit dem Thema zu befassen, und fand, daß das Buch einen guten ersten Einblick in die Materie bietet, vor allem weil viele Betroffene zu Wort kommen. 5/5.
  • Sebastian Fitzek: Der Insasse. Psychothriller, aus der Bibliothek. Als sein Sohn verschwindet, geht Till davon aus, daß er Opfer eines Serienkillers geworden ist. Dieser wird gefunden und in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, ohne daß Tills Sohn gefunden worden wäre. Er entscheidet sich unter Mithilfe seines Schwagers, eines Polizisten, dazu, sich selbst unter falschem Namen auch in die Anstalt einweisen zu lassen und auf eigene Faust den Verbleib seines Kindes zu ermitteln. Der Thriller las sich flüssig, aber es kam keine Spannung auf. Vermutlich habe ich schon zu viele Bücher gelesen, die einen ähnlichen Plot um Persönlichkeitsstörungen bauen. 3/5.
  • Søren Sveistrup: Der Kastanienmann. Thriller, aus der Bibliothek. Als die Politikerin Rosa Hartung aus einer Pause, die sie sich nach der Ermordung ihrer Tochter genommen hat, in ihr Amt zurückkehren will, erschüttert eine grausige Mordserie Koppenhagen. Mehrere Frauen werden ermordet und teilamputiert. An den Tatorten findet man immer aus Kastanien gebastelte Männchen und sie alle tragen Fingerabdrücke von Rosas Töchter auf sich. Was sich als ziemlich typischer Thriller anhört, war so spannend, daß ich die 600 Seiten in einem heruntergelesen habe. Sveistrup baut seine Geschichte sehr interessant auf, legt falsche Fährten und verwirrt den Leser sehr geschickt. Am Ende fügt sich aber alles. Mein einziger Kritikpunkt ist, daß man sich ab einer bestimmten Stelle leicht denken kann, wer denn die Möglichkeit gehabt hat, Beweise zu platzieren, aber ok, irgendwie muß man eine Geschichte ja auch wieder auflösen 🙂 5/5
  • Alicia Gaspar de Alba: The Mystery Of Survival and other stories. Schon vor einigen Jahren gebraucht gekauft. Das Buch ist eine Kurzgeschichtensammlung der mexikanisch-amerikanischen Autorin. Vorrangig geht es in den Geschichten um die Frage der kulturellen Zugehörigkeit und um die Konflikte, die zwischen mexikanischem Brauchtum/Aberglauben und der Kultur der Conquistadores entstanden sind. Zwei der Geschichten sind zudem auf Spanisch verfaßt. Die Geschichten haben mich nicht besonders angesprochen, vielleicht weil sie mir bemüht politisch/feministisch vorkamen und ich keinen Bezug zu der Frage nach kultureller Zugehörigkeit habe. 3/5.
  • Marc Elsberg: Gier. Thriller, aus der Bibliothek. Wie kann man Gewinn maximieren und dabei gleichzeitig eine gerechtere Gesellschaft formen? Im Grunde ist das die Frage, der sich der gesamte Thriller widmet, und wer die Antwort nicht selbst schon auf Seite fünf gefunden hat, muß sich durch weitere 440 Seiten verschwurbelter Handlung quälen, gekrönt von einem enervierend schlechtem Deutsch. Der Roman wirkt, als hätte Elsberg schnell etwas abliefern müssen. Die Figuren bleiben völlig konturlos, viele wichtige Fragen ungeklärt. Für mich das mit Abstand irrelevanteste Buch des Autors bisher. 1/5.
  • Richard Dawkins: Der Gotteswahn. Sachbuch, aus der Bibliothek. In zehn Kapiteln legt Richard Dawkins dar, warum der Glaube an Gott – womit er alle Phänomene meint, die als göttlich definiert werden – überholt hat. Klug und witzig seziert er Argumente von Theisten und Deisten und nennt Maßstäbe, um ein ethisches Leben ohne einen Gott zu führen. Das Buch hat mich schwer begeistert und war auch sehr unterhaltsam zu lesen. 5/5.
  • Rachel Carson: Der stumme Frühling. Sachbuch, aus der Bibliothek. Das Buch erschien erstmals 1962 und bezieht Stellung gegen den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden. Carsons poetische Sprache steht in krassem Kontrast zur Botschaft ihres Buches und hat mich irgendwie merkwürdig berührt. Nichtsdestotrotz ist das Buch immer noch aktuell in seiner Aussage und es ist besonders interessant, mit dem zeitlichen Abstand auf die Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten zu schauen. 5/5.
  • Stephan Zantke: „Wenn Deutschland so scheiße ist, warum sind Sie dann hier?“ – Ein Strafrichter urteilt. Sachbuch, aus der Bibliothek. Zantke schildert in diesem Buch einige seiner Fälle und erklärt, wie er zum jeweils vollstreckten Urteil gekommen ist. Der parataktische Stil des Buches gefiel mir nicht ganz so gut, aber die geschilderten Fälle waren interessant zu lesen. 4/5.

Dann habe ich noch ein Buch angefangen, aber nicht beendet, und zwar „Vom Inder, der mit dem Fahrrad nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden“ von Per J. Andersson. Der Beschreibung nach hatte ich mit einer Art Reisebericht gerechnet, aber als es auf Seite 100 immer noch darum ging, wie ungerecht die Welt ist, habe ich es drangegeben.

WochenendRückblick #187

[Wetter] Heiß und feucht am Samstag und dann schön kühl am Sonntag.

[Gemacht] So das Übliche. Mit den neuen Schuhen kann ich noch nicht wirklich gehen, aber ich halte es zumindest länger in ihnen aus. Da kann ich dann auch mal auf die Terrasse raus oder etwas haushalten. Am Samstag habe ich außerdem gelernt und abends haben wir einen Filmabend mit dem Sohn gemacht. Sonntag habe ich gelernt und gelesen, bevor wir abends ein paar kurze Dokus geguckt haben.

[Español] Ein paar Duolingo-Lektionen.

[Norsk] Duolingo, ein Austauschgespräch und Vokabeln wiederholt.

[Gehört] Placebo. Die drei Fragezeichen.

[Gelesen] Frank Goldammer: Vergessene Seelen.

[Gesehen] Die Goonies. Dokus.

[Gegessen] Neben den Plansachen zuviel. Eine Nußschnecke. Baklava. Bauernfrühstück. Kirschen.

[Gekauft] Eine neue Sommerbettdecke.

[Ausblick auf die nächste Woche] Ich habe jeden Tag ein Austauschgespräch oder einen Kurs. Abgesehen davon würde ich gern einmal vor die Tür.

Norwegisch #70

Diese Woche habe ich neben den üblichen Duolingo-Lektionen mal wieder einen Podcast angehört, was ich wirklich lange nicht gemacht habe. Ich konnte richtig viel verstehen, vielleicht 85-90%, und hätte im Anschluß auch eine Zusammenfassung geben können. Ansonsten habe ich Vokabeln wiederholt und hatte auch meine beiden Austauschgespräche.

 

WochenendRückblick #186

[Wetter] Recht warm. Muß nicht wärmer werden.

[Gemacht] Das Übliche. Gehaushaltet, gelernt, gekniffelt, was geguckt.

[Español] Mit meiner Kurshausaufgabe begonnen.

[Norsk] Duolingo, ein Austauschgespräch.

[Gehört] Die drei Fragezeichen.

[Gelesen] Rachel Carson: Stummer Frühling.

[Gesehen] Trapped. Flashpoint.

[Gegessen] Neben den Plansachen: eine Waffel mit Kirschen und Sojasahne. Baklava.

[Gekauft] Ein Buch.

[Ausblick auf die nächste Woche] Wahrscheinlich nur das Übliche.

Norwegisch #69

Diese Woche hat sich total kurz angefühlt, in jeder Hinsicht. Ich bin froh, daß ich mir aufschreibe, was ich jeden Tag lerne, denn ansonsten würde ich wohl behaupten, daß ich zu gar nichts gekommen bin 🙂 Tatsächlich habe ich duolingo’isiert, Vokabeln wiederholt, hatte meine Lehrerstunde und habe gelesen.

Ich habe auch mal wieder meinen Gesamtbestand an Vokabelkarten für Norwegisch durchgeguckt und war überrascht, wie viele ich noch konnte. Jetzt habe ich meine kleine Vokabelkiste geleert und dafür eine größere Keksdose mit den Karten gefüllt und in den Schrank gestellt. So ist die kleine Kiste an meinem Platz wieder startklar.

Schwedisch lerne ich weiterhin, mit Babbel, Duolingo und zwei Büchern. Bisher alles recht leicht und es fühlt sich nicht an, als würde ich eine andere Sprache lernen 🙂 Es ist mehr wie eine Variante von Norwegisch und daher auch nicht sehr fordernd.

365 Tage Duolingo

Heute habe ich meinen 365. Tag bei Duolingo. Ich habe keinen einzigen Tag ausgesetzt, für Norwegisch 40293 XP und 684 Kronen erhalten und alle Skills bis zum 9. Turm vergoldet. Soweit die Statistik. Und was hat’s gebracht?

Norwegisch ist keine große Sprache. Es gibt so etwa 4,5 Millionen Muttersprachler in Norwegen selbst und dann nochmal ungefähr genauso viele in den USA. Dementsprechend gibt es zwar durchaus Lehrmaterial, aber eine Fülle wie bei großen Sprachen findet man nicht. Ich habe ja mit Babbel angefangen, Norwegisch zu lernen, aber der Kurs wird zu schnell zu schwierig, so daß man nicht gut folgen kann. Diese Lücke schloß Duolingo. Der Norwegischkurs dort ist wirklich toll, weil er eine große sprachliche Vielfalt und die Möglichkeit bietet, Dinge oft zu wiederholen. Das Forum ist ebenfalls gut gepflegt und man bekommt in den meisten Fällen binnen kurzer Zeit eine hilfreiche Antwort, wenn man eine Frage hat. Für mich war und ist das ideal.

Bei Duolingo lernt man mit der Satz-Methode. In den Tips bekommt man die Grammatik kurz erklärt und dann eine Liste von neuen Vokabeln, aber die Lektionen bieten praktisch nur Sätze an, die man entweder von Norwegisch zu Englisch übersetzt oder umgekehrt. Einzelne Vokabeln werden nur äußerst selten abgefragt. Ich habe von vielen anderen Duo-Benutzern gelesen/gehört, daß diese Satz-Methode ihnen überhaupt nicht hilft, eigenständig zu sprechen, weil sie nur die auswendiggelernten Phrasen reproduzieren können, doch für mich persönlich ist sie superhilfreich. Da man von Anfang an den Satzbau lernt, ist es meiner Meinung nach sehr leicht, die gelernten Sätze mit neuen Vokabeln umzubauen. Am Anfang ist man vielleicht noch etwas unsicher, aber nach und nach klappt es zumindest bei mir immer besser.

Was ich nie recht nachvollziehen kann, ist die Kritik, daß man mit Duolingo überhaupt nicht fließend sprechend lernt und daß dieses Programm daher eine reine Zeitverschwendung ist, denn meiner Ansicht nach lernt man Sprechen nur, indem man spricht (surprise!). Ein Programm zu verkonsumieren und dann zu erwarten, daß es wie von Zauberhand die Fähigkeit, mich flüssig verbal auszudrücken, in mein Gehirn installiert, ist einfach Quatsch. Aber das ist allgemein etwas, das ich in der Sprachlerncommunity etwas komisch finde, also, daß es immer neue Apps und Programme gibt, die so tun, als müßte man sich nur sein Handy an den Kopf halten, damit man eine Sprache lernt.

Für Norwegisch bin ich mit Duolingo also rundherum zufrieden. Bei anderen Sprachen, die dort angeboten werden, sehe ich aber, daß es Ausbaubedarf gäbe. So findet man z.B. keine Grammatikerklärungen bei Spanisch für Deutschsprachige und viele Kurse decken gerade einmal die absoluten Basics ab oder gehen auch zu schnell vor. Da Duolingo aber ein kostenloses Angebot ist und die Kurse von Freiwilligen in ihrer Freizeit eingepflegt und betreut werden, ist die Unhöflichkeit, mit der teilweise Kritik in den Foren an Duolingo selbst hervorgebracht wird, meiner Meinung nach nicht fair. Schließlich hätte jeder die Möglichkeit, selbst an den Kursen mitzubauen oder neue zu erstellen. Aber scheinbar gibt es nicht viele Leute, die dazu Lust haben.

Alles in allem hat mir Duolingo sehr dabei geholfen, stabile Sprachkenntnisse aufzubauen, die ich auch in Gesprächen anwenden kann. Umgangssprache lernt man dort nicht, aber dafür gibt es ja den persönlichen Austausch und auch einige YouTuber. Sprichwörter und Redensarten sind im Kurs enthalten, so daß man befähigt wird, ein lebendiges Norwegisch zu sprechen.

Dingelebummele

Ich habe mich in den letzten paar Wochen mal ein wenig damit auseinandergesetzt, wie andere Leute, die mehrere Sprachen lernen und sprechen, ihre Zeit und ihre Arbeit strukturieren. Für mich fühlt es sich oft gar nicht so besonders effektiv an, wie ich lerne, auch wenn ich offensichtlich vom Fleck komme und es eine Entwicklung gibt. Das größte Problem ist, daß meine Zeiteinteilung nicht mit der meiner Familie übereinstimmt. Es ist immer sehr unvorhersehbar, wann ich während des Tages in Ruhe lernen kann, und oftmals fühle ich mich abends, wenn alle in ihren Zimmern verschwunden sind und Ruhe einkehrt, einfach zu müde, um stundenlang effektiv zu lernen. Ich weiß, daß ich kein großes Interesse an sozialer Interaktion habe, aber ich finde, ich muß meiner Familie schon die Gelegenheit bieten, sich an mich zu wenden. Ich weiß nur nie so wirklich, wieviel ok ist und wann das dann stattfinden sollte. Bei der Asperger-Diagnostik wurde ich gefragt, wie viele Stunden am Tag ich idealerweise gern für mich allein hätte, und ich sagte 20, weil ich nicht unhöflich klingen wollte (22 wäre meine ehrliche Antwort gewesen) – das ist wohl ziemlich vielsagend. Besonders schwierig finde ich es, wenn ich nicht nur einmal eine bestimmte Zeit gewähren muß, sondern immer wieder unterbrochen werde, so daß sich meine Lernzeit in winzigste Einheiten aufsplittert (mal ein Beispiel: ich würde gern 10 Duolingo-Durchgänge à 20 Fragen am Stück erledigen, als eine Lerneinheit, aber de facto komme ich teilweise nicht mal durch einen einzigen Satz, geschweige denn durch eine Einheit von 20 Fragen und oft brauche ich auch Ohrstöpsel, weil nebenher gelärmt wird. Und ja, ein Küchenmixer oder ein Staubsauger lenken mich vom Lernen ab, ebenso wie Gesinge, Katzenklogescharre, Türgeknarze oder meine innig gehaßten Nachbarschaftsgeräusche wie Sägen und Hundekläffen).

Die zeitliche Struktur ist also ein Problem. Ein anderes ist, daß sich meine Lernerei nie wirklich strukturiert anfühlt. Ich meine damit, daß ich keinen echten Plan habe, was ich an welcher Stelle lernen sollte, damit ich Erfolg habe. Und ich tracke auch nur sehr ungenau, was ich lerne, z.B. mache ich mir Strichlisten mit den Lektionen von Duo oder Babbel, die ich gemacht habe, aber ich halte nicht fest, was diese beinhaltet haben. Manche Aktivitäten wie Lesen oder Zuhören kommen bei mir allgemein nur sehr sporadisch vor, weil ich sie als nicht besonders effektiv erlebe, und wenn ich mich dann mit anderen vergleiche, die ständig ein Buch in ihrer Zielsprache vor Augen haben oder jede Menge Podcasts anhören, zweifle ich an meiner Methode. Ganz schlimm wird es dann, wenn ich mitbekomme, wie andere Leute ihre Notizbücher zum Sprachenlernen führen. So mit Übersichten und Tracking von irgendwelchem Zeug, mit Bildchen und Aufklebern und bunten Stiften und Sternen und so. Das mache ich nämlich nicht. Ich habe ein Notizbuch für jede Sprache, die ich lerne. Es ist immer von derselben Marke, immer dasselbe Format und nur die Farbe ist anders. Ich schreibe diese Bücher einfach mit meinen Notizen voll und es gibt nur selten Unterstreichungen oder Kringel, mal ganz zu schweigen von Aufklebern, Kalligraphien oder anderen Dingelebummele. Meine Notizen sind eine dröge Sache und das Einzige, das ein wenig heraussticht, sind Haftnotizzettel in Schafform, die ich mal fälschlich zugeschickt bekommen hatte und behalten durfte und die jetzt jede Woche die Seite markieren, wo ich meine Strichlisten führe, damit sie verbraucht werden. In sich haben die Bücher nur eine Struktur, nämlich eine zeitliche. Ich schreibe jeden Tag das Datum rein und darunter folgen dann die Sätze, die mir notierenswert erscheinen, z.B. in Gesprächen oder von Duolingo oder Babbel. Wenn ich dann sehe, wie viel Mühe andere in ihre Notizen stecke, frage ich mich unwillkürlich, ob ich irgendwas falsch mache/ob ich mir mehr Mühe geben sollte/ob die mehr Spaß haben als ich/… und ob mir Struktur fehlt/ich keine andere Struktur brauche als die, die ich habe/ob ich mit deren Struktur effektiver lernen würde. Selbstzweifel.

Selbstzweifel sind beim Lernen richtige Stolpersteine. Das Blöde ist, daß es nicht weniger werden, je länger diese Lernreise andauert. Es werden eher mehr. Einen Grund dafür sehe ich darin, daß Sprachenlernen gerade total hip ist und daß man an vielen Stellen mit Sprachlerncontent und -werbung beballert wird. Ich fühle mich oft wie ein totaler Trottel in der erlesenen Gemeinschaft derer, die 12 Sprachen fließend sprechen (oder zumindest die Grundfarben nennen und bis 10 zählen können). Selbstzweifel sind eine Sache, mit der sich viele Hochbegabte herumschlagen und zumindest dieses Wissen hilft mir ein wenig, meine Zweifeleien etwas zu relativieren. Die Energie, die man braucht, um über dieses Gefühl von Unsicherheit zu klettern, geht allerdings für’s Lernen selbst flöten, und ich frage mich, ob mehr Struktur diesen Zweifel gleich lahmlegen könnte. Also, weil man durch mehr Struktur schon gelernt hat, daß der Zweifel kommt, und man sich einfach über ihn hinwegsetzt.

Eine Sache, die noch mehr Struktur für mich sehr unattraktiv macht, ist die Langeweile. Langeweile kommt in meinem Kopf sehr schnell auf, z.B. wenn das Lernangebot zu kleinschrittig oder monoton ist, wenn in einer Klasse über ein Thema geredet werden soll, das ich öde finde, wenn mein Gegenüber eine einschläfernde Stimme hat oder wenn eine Geschichte/ein Film eine Story erzählt, die mich nicht interessiert. Sobald ich Langeweile empfinde, fühlt sich mein Gehirn wie von Watte verstopft an, und nichts geht mehr. Würde ich mir meine Lernzeit z.B. in Einheiten von 20 Minuten aufteilen, würde ich definitiv dabei eingehen, wenn ich versuchen „müßte“, 20 Minuten lang Vokabeln zu wiederholen oder einen Podcast anzuhören oder so. Lernen muß für mich bunt und vielfältig sein und ich muß Sprachenlernen und irgendwas anderes tun miteinander kombinieren können.

Ein weiterer Stolperstein ist die (natürlich nicht wirklich existente) „Beweispflicht“. Wenn man eine Sprache lernt, dann soll man auch beweisen, daß man sie spricht [diese Plattitüde gönne ich mir jetzt mal]. Ich fühle mich natürlich geschmeichelt, wenn mir Leute sagen, daß ich eine Sprache toll beherrsche, aber ich weiß auch immer, daß mein Schriftniveau immer viel höher liegt als mein aktives Sprachniveau und daß in meinem Kopf immer ein ziemlicher White Out herrscht, sobald ich ein menschliches Gegenüber habe. Mein Spanisch in meinem VHS-Kurs z.B. ist richtig grottig. Worte und Formen purzeln durcheinander, ich verhaspele mich mitten im Satz und vergesse vor lauter Aufregung, was ich sagen wollte. Gruppensituationen sind einfach ganz mies und auch wenn ich mich ihnen bewußt zur Abhärtung aussetze, werden sie nicht geiler. Mein Niveau fällt schlagartig von C1 auf B1. Wenn ich einen Text schreibe oder einen Film gucke, ist mein Spanisch brilliant und wirklich elegant. Nur daß es dann halt keiner mitkriegt. Leider bezweifle ich, daß irgendeine Struktur etwas an diesem White Out verändern könnte, denn es ist der Aufregung geschuldet, die im Kontakt mit Menschen entsteht.

Fazit? Vermutlich habe ich die ganze Struktur, die ich brauche, schon etabliert. Aber irgendwie macht mein Gehirn mir weis, beklebte Notizbücher mit Dingelebummele drin wären toller als das, was ich mache, und alle anderen können alles viel besser als ich. Und sowieso.

Speiseplan #186

  • Dienstag: Köfte im Fladenbrot, dazu Tomatensugo und ein gemischter Salat mit Feta
  • Mittwoch: Carbonara mit geröstetem Blumenkohl, Haselnüssen und Rucola
  • Donnerstag: Pastapizza mit Lauch und getrockneten Tomaten
  • Freitag: Würstchenpizza mit Paprika und Zwiebeln, dazu Salat
  • Samstag: kreolischer Mais, dazu Rösti und Würstchen
  • Sonntag: spanische Suppe mit Spinat, Kichererbsen und Chorizo, dazu Brot
  • Montag: UWYH