Japanisch – ja / nein / vielleicht / fuck

Im März habe ich damit angefangen, mich nebenher ein wenig mit Japanisch zu befassen. Da es hieß, man sollte erstmal die Hiragana lernen, habe ich das gemacht. Offensichtlich ist das auch das Erste, das japanische Schulkinder lernen und eine Weile lang benutzen, bevor das zweite Alphabet eingeführt wird. Erst wenn man auch die Katakana beherrscht, kommen dann nach und nach Kanji dazu. Derzeit gibt es rund 2200 Kanji in Japanisch und auch wenn das vielleicht erstmal viel klingt, glaube ich, daß ich realistisch betrachtet ungefähr ein bis anderthalb Jahre brauchen würde, um einen Gutteil davon zu beherrschen.

Nur, daß ich leider gar nicht an diesen Punkt kommen werde, wo ich Kanji brauchen werde, weil der Weg bis dahin so dermaßen frustrierend und dämlich unterrichtet wird. Bei Duolingo lernt man erstmal die Hiragana und auch ein paar kurze Worte, die sich gut memorisieren lassen (Haus, Katze etc.). Dazu kommen ein paar feste Wendungen wie guten Morgen, Entschuldigung und danke. Man hat das Gefühl, daß man schon ein bißchen was kann, vor allem weil man anfängt, Dinge wirklich lesen zu können. Und genau an diesem Punkt bekommt man die ersten Kanji serviert. Komplexe Kanji mit 10 bis 20 Strichen. Kanji, die ich nicht mal aufschreiben kann. Was zum Geier soll denn das? Vielleicht liegt es ja an mir, aber das ist dermaßen frustrierend, daß ich seit einer Weile nicht mehr bei Duolingo Japanisch weitergemacht habe. Didaktisch halte ich das für ziemlich mißglückt.

Ich habe mir dann also Japanese From Zero (JFZ) Band 1 gekauft. Es hat sehr gute Rezensionen bekommen und ich habe von vielen Leuten gelesen, die äußerst zufrieden mit der Vorgehensweise des Autorenehepaars sind. Man bekommt nämlich zu Beginn des Buches alles in lateinischer Schreibweise vorgesetzt und lernt dann durch das Buch hindurch die Hiragana. Jedes Zeichen, das man gelernt hat, ersetzt dann eine lateinische Silbe. Cooles Vorgehen, dachte ich. Als ich das Buch dann hatte, war mein Frust aber gleich wieder groß, denn vorm ersten Kapitel kommen vier „Vorkapitel“ dran, in denen man schon recht lange „Worte“ (es sind tatsächlich Sätze) lernen muß, deren Bedeutung sich einem nicht erschließt (Nansainimiemasuka = How old do I look? Schön. Und was genau sage ich da? Und warum erklärt mir das keiner, wenn ich mir schon ein Lehrbuch kaufe? Hilft das echt jemandem, wenn man sowas nur auswendig lernt?). Außerdem lernt man gleich, wie man bis 999 zählt und wie man sein Alter sagt. Wozu brauche ich das am Anfang, wo ich noch nicht mal Hallo sagen, mich vorstellen oder absolut grundlegende Dinge wie „das da = Katze“ sagen kann? Argh.

Ich habe mir dann einen Onlinekurs gekauft, wo die Lehrerin tatsächlich damit anfängt, wie man jemanden begrüßt und sich vorstellt und wie ein Basic-Aussagesatz aufgebaut ist. Na endlich. Allerdings bezweifle ich doch sehr, daß ich nach den fünf Kursen, die das Paket umfaßt, wirklich Niveaustufe B1 haben werde (womit der Kurs beworben wird), denn eigentlich lerne ich Zeug nur auswendig, ohne die Strukturen zu verstehen.

So ein Frust!

Das hat nun dazu geführt, daß ich bestimmt zwei Wochen gar nicht mehr in meine Japanischsachen reingeguckt habe. Es liegt also nicht daran, daß ich keine Zeit oder keine Lust hätte oder daran, daß es kein Lehrmaterial gibt. Daß ich nichts lerne, liegt nur daran, daß die vorhandenen Lehrmittel schrottig und unlogisch sind und keinen Spaß machen. Ich glaube nach wie vor nicht daran, daß Japanisch eine „schwere“ Sprache ist, aber ich glaube inzwischen fest daran, daß die unmögliche Lehrweise es stark verkompliziert, Japanisch zu lernen. Wer weiß, vielleicht ist das auch ein Aspie-Ding, daß ich nicht „einfach“ über diesen Frust hinweggehen und weitermachen kann, aber ich sehe nicht, wozu es mir nutzen sollte, lose Bröckchen von etwas zu lernen, von dem sich kein großes Bild entwickeln mag. Das ist sehr ineffektiv und obendrein stinklangweilig. Und Langeweile ist echt der Killer für mein Hirn. Und da ich noch andere Sprachen lerne, bin ich auch nicht bereit dazu, täglich mehrere Stunden in eine Sprache investieren zu müssen, weil das Lehrmaterial keinen schnellen Fortschritt zuläßt. Wenn ich an das Ende meiner Lernkapazität komme, etwas nicht verstehe oder etwas erstmal sacken muß – ok. Aber ausgebremst werden, weil das Material mies ist – nö.

Derzeit lagern meine Japanischbücher noch um mich rum, aber ich überlege, ob ich sie erstmal in den Schrank packe, weil ich das alles so viel zu nervtötend finde.

🙁

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