Norwegisch #57

Eine superschöne Lernwoche liegt hinter mir. Ich habe das Buch über Nils den Elfen beendet und wäre jetzt eigentlich sehr scharf darauf, mir den zweiten Band zu kaufen. Dieser kostet schlappe 35 € und diese Anschaffung würde mal so gar nicht zu meinem Use What You Have Jahr passen. Gut, es ist kein No Spend Jahr, aber ich habe bisher lediglich 10 € ausgegeben und das soll eigentlich auch noch eine Weile so bleiben. Ich habe also stattdessen mal geguckt, was ich schon in meinem Fundus habe, und habe dort ein Buch für das Niveau B1 und B2 gefunden, das ich mir schon vor recht langer Zeit gekauft habe. Es ist sozusagen die Fortsetzung von „Complete Norwegian“, an dem ich gerade noch arbeite (5 Kapitel noch), und heißt „Enjoy Norwegian“. Gemessen an „Enjoy Spanish“ aus derselben Reihe, das ich als E-Book besitze, wird dessen Niveau jetzt auch nicht überragend sein, nehme ich an, aber ich werde es zuerst durcharbeiten, bevor ich mir ein weiteres Buch kaufe.

Ich habe diese Woche drei Babbel-Kurse durchgearbeitet und war auch da mit dem Problem von Unterforderung konfrontiert. Viele Grammatikstrukturen wie den „double definite“ (dafür fehlt mir eine griffige deutsche Bezeichnung) habe ich schon verinnerlicht und da sind kleinschrittige Wiederholungen eben etwas öde. Rasend viel gibt es allgemein nicht mehr für mich bei Babbel zu lernen und ich denke, mein Plan, bis August mit dem gesamten Norwegischkurs dort durch zu sein, wird locker aufgehen. Ich merke allerdings auch, daß das Gefühl der Langeweile zum Teil dazu verführt, zu schnell durch die Lektionen zu huschen. Da muß ich aufpassen, daß mir nichts entgeht.

Vokabeln habe ich wieder nur zwei- oder dreimal angeguckt, aber die größeren Abstände beim Lernen tun mir gut. Ich kann effektiv ungefähr 70 bis 100 Vokabeln pro Woche lernen. Das klingt erstmal viel, aber wenn man das auf die einzelnen Tage runterbricht, sind das auch nur 7 bis 10 am Tag. Die Empfehlungen, die von 3 Vokabeln pro Tag ausgehen, richten sich meiner Meinung nach an Menschen, die allgemein kein so hohes Lerntempo haben. Ich sage das ohne Wertung. Aber für mich ist es wichtig, in kurzer Zeit einen sehr großen Vokabelschatz aufzubauen. Ich bin jetzt auch an einem Punkt angekommen, wo ich norwegische Worte raten kann. So habe ich z.B. die Worte kaotisk, medier, vi går gjennom teksten und noch ein paar andere nie gelernt, konnte sie aber im letzten Gespräch mit meinem Lehrer verwenden.

Überhaupt helfen mir die Stunden bei ihm enorm. Er ist ein sehr ruhiger Mensch und da ist mein Streßpegel generell nicht so hoch wie er z.B. bei einem extrovertierten Menschen wäre (autismusbedingt). Bei unserem letzten Gespräch konnten wir ziemlich entspannt über Corona und den Einfluß der Medien reden, was ich nach einem Jahr Lernzeit schon mal sehr geil finde. Ja, doch, da bin ich stolz auf mich. Ich merke aber auch, daß es gut war, daß ich mir jetzt nur noch 30 statt 60 Minuten wöchentlich buche – wenn ich komplett auf Norwegisch rede, ist eine Stunde einfach viel zu anstrengend und danach bräuchte ich lange, um mich wieder zu entstressen.

Diese Woche habe ich dann noch ein interessantes Video gesehen, indem Steve Kaufmann darüber redet, daß er oft gefragt wird, ob er seine ganzen Sprachen denn nicht vergißt, wenn er sie nicht benutzt (er spricht viel mehr Sprachen als ich). Er sagt darin, daß er sie nicht vergißt, daß er aber eine gewisse Zeit braucht (3 Tage etwa), um sich wieder in eine Sprache einzufinden, wenn er ihr wieder mehr ausgesetzt ist. So geht es mir auch. Ich vergesse nicht wirklich, aber ich würde sagen, derzeit ist z.B. Spanisch nicht „so weit vorn“ in meinem Gehirn. Es wurde tiefer in die Rumpelkammer verfrachtet, kann von dort aber bei Bedarf wieder hervorgeholt werden. Die einzige Fremdsprache, die immer sofort da ist, ist Englisch, aber die braucht man ja im Grunde auch täglich.

Ich habe außerdem noch einen Einstufungstest gemacht und der hat allen Ernstes behauptet, mein Norwegischlevel würde zwischen B2 und C1 liegen. Finde ich ja süß. Glaube ich aber kein Stück. Ich selbst halte B1 für realistisch. Für B2 fehlen mir noch ein paar Dinge (wie z.B. der Irrealis und der sichere Umgang mit Grammatikformen bzw. mehr Sicherheit in der Kommunikation). Ich möchte eigentlich im Herbst bei B2 angekommen sein, damit ich bis Februar 2021 auf Niveau C1 hinarbeiten kann – das war mein erklärtes Ziel für zwei Jahre Lernzeit.

So ganz allmählich gucke ich in den Lernpausen auch schon nach einer Sprache, die ich im Anschluß lernen möchte, allerdings denke ich, daß ich ungefähr ab dem Spätherbst erstmal wieder mehr Spanisch machen möchte. Die zwei, drei Stunden Konversation pro Woche sind sehr hilfreich, aber ich muß auch mal ein bißchen Vokabular und Grammatik wiederholen. Gerade Formen, die man nicht sooo oft benutzt, sind eben sehr weit hinten in meinem Kopf. Jedenfalls liebäugle ich mit Japanisch, Koreanisch, Russisch, Holländisch, Französisch und noch ein paar anderen. Mal sehen.

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