Use What You Have #3

In den letzten 10 Tagen habe ich vier Dinge gekauft: einen Rasierer, eine Kladde für Norwegisch, eine Wolldecke und Kleidung für meinen Sohn. Der Rasierer und die Kleidung waren nicht optional, denn der alte Rasierer war eher ein Blutrupfer, und mein Sohn paßte nicht mehr in seine alten Sachen rein (und die waren echt alt). Die Kladde und die Wolldecke hingegen waren optional.

Von der Kladde hatte ich schon erzählt und auch von meinem Dilemma mit ihr. Eigentlich hätte ich noch ein Notizbuch gehabt, aber es war ein ganz anderes als meine bisherigen Norwegisch-Kladden. Da gewann der Aspie in mir und ich habe mir das Notizbuch gekauft. Jetzt hat die liebe Seele Ruh, wie man so schön sagt. Ich habe tatsächlich gemerkt, daß mich das Thema total gestresst hat, und jetzt bin ich glücklich, daß ich mich dafür entschieden habe, das Buch zu kaufen.

Die Wolldecke war sogar noch optionaler, denn eigentlich habe ich eine. Aber von Dingen, die ich gern habe und die funktionieren, habe ich gern zwei (ich wünschte, ich hätte z.B. auch ein zweites Paar Schuhe gehabt…). In der Vergangenheit war es oft so, daß ich solche Zweitkäufe nicht getätigt habe, weil ich dachte, ich könnte ja zu einem späteren Zeitpunkt noch ein Exemplar von was auch immer kaufen – und ganz oft ging das nicht. Und da die Decke für mich essentiell ist, weil ich jeden Tag drunter liege, schien sie mir in eine ähnliche Kategorie zu fallen wie die Kladde.

Das führt mich zu der Frage, wie das denn so als Aspie ist mit dem „Use What You Have“. Ich finde mich ja eigentlich sehr genügsam, aber für bestimmte Dinge gibt es keinen Spielraum. Die funktionieren nur auf eine einzige Art, z.B. weil ich bei vielen Dinge Probleme mit der Textur, dem Geschmack oder der Verträglichkeit habe. Ich habe das übrigens lange Zeit für pure Zimperlichkeit gehalten, aber das ist es nicht – das ist einfach mein autistisches Gehirn. Und das reagiert leider auf Stress jeder Art ganz schön biestig.

Ganz im Sinne des UWYH war allerdings meine Freizeitgestaltung. Wir haben durchgängig Filme gestreamt (und keine gekauft oder geliehen), ich habe mehrere Bücher gelesen, die ich bereits hatte und die jetzt in den Bücherschrank wandern, und ich habe nur mit Lernmaterial gearbeitet, das bereits vorhanden war. Außerdem habe ich ziemlich viel mit meiner Familie gewürfelt (Kniffel oder 10.000). In der Bibliothek habe ich mir zwei Hörbücher geliehen, die ich schon ganz lange auf meiner Wunschliste hatte, und nachdem ich sie jetzt kenne, habe ich sie da runtergenommen. Ich habe mir auch noch einen Merkzettel mit Medien zusammengestellt, die ich mir nach und nach ausleihen möchte, damit ich sie mir nicht kaufen brauche. Mit dem Rolli ist es oft einfach bequemer, etwas für wenig Geld zu kaufen, anstatt in die Stadt zu fahren, aber das mehrt natürlich auch den Besitz, den man eigentlich gar nicht braucht. Meine/unsere Freizeitgestaltung war also komplett auf dem basiert, was wir schon hatten.

Mein Mann und ich haben jetzt beschlossen, daß wir den letzten Tag der Einkaufswoche mal als UWYH-Tag gestalten wollen. Das heißt, daß wir für diesen einen Tag in der Woche (meist dann wohl ein Dienstag) gar nichts einkaufen werden, sondern an diesem Tag in die Schränke gucken und ein Abendessen für vier Leute aus dem kochen werde, was eben gerade da ist oder weg muß. Bin mal gespannt, wie das wird. Das erste Mal wird es am 18.2. soweit sein.

In der kommenden Woche werde ich eine größere, von langer Hand geplante Anschaffung machen: einen neuen Ehering. Mein Mann und ich feiern in diesem Monat unser 25. Jubiläum und ich habe mir schon sehr lange einen neuen Ehering gewünscht, weil mir mein alter Ehering nicht mehr paßt (und der Ehering meines Mannes, den er nie trägt, zu groß ist für mich, aber ich will ihn auch nicht ändern lassen). Eigentlich war gedacht, daß wir gemeinsam in die Stadt zu einem Juwelier gehen und uns da beraten lassen.  Schlicht, ich kann das Haus nicht verlassen. Also haben wir jetzt Plan B und werden einen Ring online bestellen. Eigentlich kommt mir das sogar sehr entgegen – denn so muß ich nicht mit Verkäufern reden und mich bequatschen lassen. Ich weiß bereits, was ich möchte und ich freue mich ehrlich sehr darauf ♥ Der neue Ehering ist kein Impulskauf, sondern etwas, das ich als total notwendig und wichtig ansehe und mir auch schon lange gewünscht habe. Ginge es ohne? Absolut. Meine Ehe ist ja nicht der Ring an meinem Finger. Aber ich will den Ring.

In einem Anflug von Realismus habe ich dann noch zwei Dinge storniert, die ich schon vor längerem gebucht hatte. Einmal habe ich meine Karte für eine Veranstaltung zurückgegeben, die wir dem Sohn zum Geburtstag schenken werden. Ich bin aber froh, daß mein Mann mit ihm hingehen kann, denn es wäre echt verdammt schade gewesen, wenn das nicht geklappt hätte. Und dann habe ich auch meinen gebuchten Spanischkurs an der VHS storniert, denn bei den ständigen Schmerzschüben, die vom Tragen der doofen Schuhe ausgelöst werden, macht es einfach keinen Sinn, für relativ „unnötige“ Dinge das Haus in ebendiesen Schuhen zu verlassen (Arzt- oder Schuhmacherbesuche sind gerade das Einzige, das ich nicht als unnötig werte). Wenn der neue Schuhmacher geliefert hat, fängt dann hoffentlich auch mein Leben mal wieder an. Bis dahin scheine ich jedenfalls noch eine ganze Menge Geld zu sparen, wenn auch nur zum Teil freiwillig. So werden wir auch zum Geburstag vom Sohn nicht aushäusig essen gehen, obwohl wir das eigentlich geplant hatten. Ich habe meiner Familie auch angeboten, daß sie allein essen gehen können, aber das wollen sie nicht 🙂

Auf der Suche nach einem bestimmten Buch, das sich mal in meiner Sammlung befunden hat, habe ich am Wochenende mal unser Verzeichnis unserer Storage-Units (= Plastikkisten auf dem Dachboden) durchgeguckt. Deren Inhalt haben wir photographiert und ich habe auf den Bildern x Dinge entdeckt, die ich heute gar nicht mehr für aufbewahrungswürdig halten würde. Argh, nimmt das Decluttern denn nie ein Ende? Jedenfalls wollen der Mann und ich im Frühjahr nochmal alles durchgucken und uns weiter verschlanken. Das Tolle ist, daß ich das sogar vom Sofa aus erledigen kann.

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