Norwegisch #28

Gestern Abend ist etwas passiert, das meinen Plan, bestimmte Skill-Level abzuschließen und dann Norwegisch zugunsten von Französisch erstmal ruhen zu lassen, völlig verändert hat. Schon seit einer Weile arbeitete das Duolingo-Team für den Norwegischkurs im Hintergrund an einer ganz neuen Struktur des Baumes (wie so ein Kurs auch genannt wird). Zu dem Zeitpunkt, als ich mich dort registrierte, wurde der Hälfte der neuen User der alte und der anderen Hälfte der User der neue Baum zugeteilt. Ich befand mich in der Gruppe mit dem alten Baum und habe mit diesem jetzt 77 Tage gearbeitet.

Gestern gab es dann ohne Ankündigung die Umstellung. Seither gibt es nur noch den neuen Baum. Da er in seiner Struktur vollkommen anders ist (Skills wurden gesplittet, andere zusammengefaßt, und außerdem gibt es auch noch ganz neue Skills), existiert die Ordnung, die ich in meinem Baum gepflegt habe, nicht mehr. Level, die ich beendet hatte, sind nun gesplittet. Andere Level sind freigeschaltet, auf die ich vorher keinen Zugriff hatte – und zwar bis in den sechsten Bereich des Baumes hinein (ich war zuletzt im zweiten und wollte Norwegisch machen, bis ich den dritten erreicht hätte, um dann zu pausieren). Ich hatte alle meine bearbeiteten Skills komplett beendet, bis auf die beiden, an denen ich zuletzt gearbeitet hatte. Jetzt ist der ganze Baum also zersplittert, unordentlich, unstrukturiert.

Warum schreibe ich das? Ich möchte aufzeigen, was für eine große Sache so eine neue Struktur für einen Asperger Autisten ist. Ich habe nun keine Panikattacke bekommen oder so, aber ich fühle mich gerade so, als habe mir jemand etwas kaputtgemacht oder gar weggenommen. Es ist nicht „richtig“ so, wie es jetzt ist – auch wenn mir klar ist, daß ich mich daran gewöhnen werde und daß das Wichtigste immer noch da ist, nämlich meine Kladde mit den Aufzeichnungen.

Wo ich nun allerdings eine Grenze ziehen soll für eine Pause, um mich erstmal wieder Französisch zu widmen, weiß ich nicht. Eigentlich fühlt sich diese absolute Unordnung in meinem Norwegisch-Baum so an, als müsse ich sie erstmal wieder unter Kontrolle bringen, was ein paar Monate dauern dürfte. Das läuft aber meinem Plan zuwider und das ruft Ärger bei mir hervor. Ja, wir Aspies sind wahnsinnig flexibel 😛 ich muß allerdings gestehen, daß es mir schon guttut, daß sich einige Menschen ähnlich fühlen mit diesem neuen Baum – auch Neurotypische.

Abgesehen von dieser etwas bösen Überraschung war meine Lernwoche ganz ergiebig. Ich habe einen ganzen Skill zum Thema Fragen abgeschlossen und angefangen mit dem Skill Präsens 2 (der jetzt irgendwie weg ist…). Ich merke deutlich, daß ich öfter auf Norwegisch denke, und ich bin total erfreut darüber, was ich schon alles ausdrücken könnte.

Gleichzeitig merke ich aber auch, daß Spanisch in meinem Gehirn nach hinten gerutscht ist. Wenn ich mit meiner Austauschfreundin aus Argentinien texte oder rede, muß ich öfter nach Worten suchen. Sie sind nicht mehr im direkten, aktiven Zugriff. Das macht mir ein wenig Sorge, andererseits ist das bei mir mit Englisch nicht anders. If I had to, I could switch to English seamlessly, but of course I have spoken and written way more English than Spanish throughout my life. Pero como me encanta español no quiero perder la lengua. Darum ist es wohl ganz gut, daß demnächst mein Spanischkurs an der VHS wieder losgeht 🙂 Wie ich immer schon sagte: eine Sprache zu erlernen, ist nur die halbe Miete. Erhalten muß man sie auch.

Bei Norwegisch komme ich immer wieder auf die Frage zurück, wozu in aller Welt ich es überhaupt lerne. Ja, es macht Spaß, und ich könnte mir auch vorstellen, mal nach Norwegen zu reisen. Aber im Grunde sprechen alle Skandinavier gutes Englisch und ich würde nun auch nicht nach Norwegen ziehen wollen. Die meisten norwegischen Bücher kann man in Deutschland nicht kaufen (ich weiß es, weil ich es versucht habe – aber nicht einmal, als ich die Autorin direkt anschrieb, kam dabei irgendwas rum) und die, die mich wirklich sehr interessieren, werden per se ins Deutsche übersetzt (Jo Nesbø zum Beispiel). In Norwegisch werden auch nicht total tolle Filme gedreht, die ich unbedingt sehen müßte. Im Grunde ist es also ganz überflüssig, Norwegisch zu lernen. Vielleicht abgesehen davon, daß es eben Spaß macht und es cool ist, wenn man plötzlich merkt, daß man tatsächlich auch Dänisch und Schwedisch versteht 🙂

Was das Lesen norwegischer Bücher angeht, so hatte ich mir überlegt, mir einen Kindle zuzulegen. Mein Mann hat einen und seit er ihn hat, liest er deutlich mehr als zuvor. Bei Amazon bekommt man einige norwegische Kindle-Bücher für einen guten Preis, aber der Großteil ist zum einen nicht das, was ich lesen wollen würde, und zum anderen unverschämt teuer (Kindle-Download für einen schnöden Thriller schlappe 53 € – da muß man sich schon fragen, wie das zustande kommt…). Da sehe ich nicht, daß mir die Anschaffung so eines Dings irgendwas bringen würde.

 

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