Französisch #5

Diese Lernwoche war ziemlich besonders, weil ich das Wochenende in Paris verbracht habe. Ich hatte mir vorgenommen, möglichst viel Französisch zu reden, und habe das auch durchgezogen. Und selbst, wenn es um komplexe Situationen ging, in denen ich mit meinem bißchen Französisch nicht weit gekommen wäre, habe ich zumindest den Anfang auf Französisch versucht und dann eben gefragt „Parlez-vous anglais?“.

Ich habe dabei festgestellt, daß ich fast keine Scheu mehr habe, mich in einer Fremdsprache auch mit völlig Unbekannten von Angesicht zu Angesicht zu unterhalten. Ja, ich mache Fehler und muß zum Teil noch lange nachdenken, aber das kratzt mich überhaupt nicht mehr. Das viele Sprachenlernen hat mir da eine dicke „Hornhaut“ auf der Peinlichkeitsseite wachsen lassen 🙂

Es gab immer wieder saulustige Situationen, wo ein französisches Gegenüber mitbekam, daß ich eben um Worte rang, und es dann seinerseits mit ähnlich miesem Englisch versucht hat. Am Ende hat es jedoch immer gepaßt. Bis auf einmal. Da sprach mich eine Frau auf Französisch an und redete sehr viel und auch sehr schnell und ich lächelte nur, bis sie dann endlich mal Luft holte, und ich sagen konnte, daß es mir sehr leid täte, daß ich aber kein Wort verstanden habe, weil ich eben nur Deutsch kann, und daß ich — ja, da war sie schon kalkweiß angelaufen und ergriff die Flucht *lol* [das war gewiß schlecht für’s Sprachlernkarma, aber ich fand das sehr witzig].

Wie ich vermutet hatte, kamen in Paris x Worte und Satzbruchstücke zu mir zurück, die lange eingemottet waren. Sowas wie „Il y en a“, von dem ich noch nicht mal genau weiß, was es heißt (vielleicht „davon gibt es“ oder so?). Auch habe ich bemerkt, daß ich recht viel Französisch verstehe, sofern ich keinen Nuschler oder Wortabschneider vor mir habe. Sätze, in denen ich zentrale Vokabeln nicht kenne, erschließen sich mir dennoch nicht, aber das halte ich für normal.

In kultureller Hinsicht ist ein Aufenthalt im europäischen Ausland für mich ja immer wieder ein kleiner Schock. Fahnen schwenken. Stolz auf das Vaterland sein. Stolz auf die eigene Nationalität sein. Solche und derlei Dinge mehr gehen in Deutschland nicht, und da berührt es mich schon merkwürdig, wenn ich sehe, daß die Franzosen allen Ernstes fähnchenschwingend zur Europawahl antreten. Das würde in Deutschland nur gehen, wenn die Europawahl ein Fußballspiel wäre…

Was mich bei unserem Besuch in Paris diesmal sehr schockiert hat, waren die Horden von Flüchtlingen, die z.B. auf den Autobahnzubringern in winzigen Zelten und unter übelsten sanitären Umständen kampieren. Sie betteln die Autofahrer in halsbrecherischen Aktionen an und hinterlassen einen unfaßbaren Müll, den aber auch niemand wegräumt. Solche Bilder habe ich nun aus Deutschland noch nicht gesehen (aber ich gucke ja auch seit Jahren keine Nachrichten mehr), jedenfalls denke ich dann schon, wie merkwürdig es ist, daß Deutschland es auf die Kette kriegt, viel mehr Flüchtlinge als Frankreich aufzunehmen UND sie dann auch noch zu versorgen. Aber gut, hier geht es ums Sprachenlernen und nicht um Politik.

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