Allein Reisen #1

Diese Woche habe ich recht viel Zeit dafür aufgewendet, mir anzuschauen, was wir alles in Galicien anstellen können, wenn wir demnächst dort sind. Wenn ich Reiseplanung mache, rührt das immer an einen alten Wunsch von mir: allein reisen. Früher hat sich das nicht ergeben, dann hat es nicht mehr geklappt, aber jetzt fühle ich mich körperlich und mental durchaus imstande, das durchzuziehen, und darum wird es gerade für mich aktuell.

Die Gründe dafür, warum ich überall allein reisen will, sind schnell aufgezählt: weil es eine Herausforderung ist und weil ich denken würde, wie schade es ist, das nicht getan zu haben, wenn ich jetzt tot umfallen würde. Es ist einfach eine Erfahrung, die ich gern mal gemacht haben möchte. Vielleicht stelle ich ja auch fest, daß es langweilig ist, sich nicht mit jemandem austauschen zu können. Oder vielleicht lecke ich auch Blut und will dann öfter allein reisen.

Ich denke, wenn man allein unterwegs ist, muß man als Mensch mit Behinderung vermutlich öfter um Hilfe bitten. Für mich ist das eine Horrorvorstellung. Vielleicht reizt es mich gerade deswegen. Ich will, daß mein Aktionsradius sich drastisch vergrößert. Daß ich lerne, daß ich mir das zutrauen darf. Meine Comfortzone zu verlassen, ist schwierig für mich. Nicht nur wegen der Körperbehinderung, sondern auch wegen Autismus und kPTBS. Ich tue Dinge immer auf dieselbe Weise, in denselben Abläufen. Das zu durchbrechen und mich dem damit verbundenen Unbehagen zu stellen, klingt wie eine Herkulesaufgabe, an der ich wahrscheinlich wachsen könnte. Dazu kommt, daß ich, sollte ich so eine Reise machen, die Zeit gern dafür nutzen würde, meine Sprachkenntnisse zu vertiefen.

Wegen des letztgenannten Punktes kämen für mich eigentlich nur zwei Ziele in Betracht, nämlich England oder Spanien. Eine Flugreise nach Lateinamerika und dann auch noch allein….nee, das traue ich mir noch nicht zu. Ich würde also im eigenen Auto reisen. Das ist nämlich für mich mehr als ein Transportmittel. Es ist eher ein zweites Wohnzimmer, ein sicherer Hafen. Würde ich nach England reisen, wäre die Herausforderung nicht so groß wie bei einer Reise nach Spanien. Nach England brauche ich acht oder neun Stunden. Nach Spanien eher mal zwölf. Frankreich ist einfach überall im Weg 😉 Aber ob meine Ausdauer reicht, solche Strecken zu bewältigen? Nach meiner langen Krankheit habe ich viele Jahre gebraucht, um mich überhaupt wieder hinter das Lenkrad zu setzen. Inzwischen fahre ich zwei Stunden am Streifen einfach so weg. Aber acht? Oder zwölf? Plus Pausen wären das ja auch mehr Stunden….also immer mit Zwischenstop und Übernachtung? Ich denke, um diesen Punkt zu klären, werde ich den kommenden Urlaub nutzen und mal schauen, wie weit ich fahren kann. Dazu kommt, daß ich Englisch (derzeit) fließender spreche als Spanisch. Aber das wäre doch langweilig 🙂

Ich denke, ein Urlaub allein müßte sehr gut geplant sein. Am besten barrierefreie Hotels mit Parkplatz davor. Als wir letztes Jahr in A Coruña waren, war der hotelangeschlossene Parkplatz eine steile, enge Tiefgarage, aus der ich weder zu Fuß noch mit dem Rolli allein rausgekommen wäre. Sowas dürfte nicht passieren, idealerweise. Auch müßte ich noch effektiver packen, als ich das jetzt schon tue. Wenn man schlecht zu Fuß ist, kann man nicht mal eben fünfmal zum Auto, um Gepäck zu holen. Das hieße wohl, daß ich weniger Kleidung zum Wechseln und stattdessen eine größere Tube Rei mitnehmen würde. Oder eine große Tasche mit Klamotten im Auto lassen und nur ein schmales Handgepäck mit ins Hotel nehmen würde. Am besten wäre es auch, nicht dauernd das Hotel zu wechseln. Eine „Homebase“ erleichtert die Sache enorm.

Und die Reisedauer? Meine Therapeutin hat mich gefragt, warum ich nicht mal für ein Wochenende allein verreise, mit einer Übernachtung. Die Antwort ist: weil das langweilig ist. Es lohnt sich nicht. Da penne ich lieber im eigenen Bett. Seit unserem letzten Urlaub (gefahrene Kilometer: 6000) hat sich mein Verständnis für Strecken verändert. Früher erschien es mir eine Weltreise, sonntags von Wuppertal nach Karlsruhe zu fahren und freitags wieder zurück. Heute sitze ich dreieinhalb Stunden auf einer Backe ab, wie man so schön sagt (btw, die Panamericana zu fahren, das wäre auch mal ein Traum). Ich würde eher drei bis vier Wochen veranschlagen. Dann hätte ich genug Zeit, durch ganz Frankreich hin- und auch wieder zurückzuzockeln. Ich muß mich ja nicht hetzen. Aber drei, vier Wochen ohne meine Familie? Ohne meine Mieze? Ich denke, die mentale Herausforderung kann ich noch nicht wirklich einschätzen. Natürlich gibt es WhatsApp und alles, aber reicht das? Oder komme ich am Ende zurück und stelle fest, nicht ich habe mich verändert, aber alle anderen schon? Könnte ich damit umgehen?

Für den kommenden Urlaub habe ich mir nun erstmal einen kleinen Trolley gekauft. Er wiegt knapp drei Kilo und ist mit zwölf Kilo belastbar. Da kriegt man also schon ordentlich was rein. Ich schaue mir mal an, wie er sich bewährt, denn ggf. wäre er für einen solchen Trip schon ausreichend. Halt mit entsprechendem Kleidervorrat im Auto. Trolley plus Rucksack bekomme ich auch mit Gehstock in der einen Hand über kurze Strecke transportiert. Wäre echt eine Option.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.