A Perfect Lehrer

In den letzten Wochen gab es bei YouTube schon ein paar der neuen Songs von A Perfect Circle zu hören und seither läuft Talk Talk bei mir eigentlich in der Dauerschleife. Was Songs von Keenan so an sich haben, daß ich sie dauernd (ich meine, auch über Jahrzehnte hinweg) hören kann, kann ich nicht beschreiben, aber er ist so ziemlich der einzige Musiker, dessen Sachen ich immer und immer wieder hören kann. Ich höre mich nie satt. Für einen kurzen, irren Moment habe ich in Betracht gezogen, mir ihr Konzert in Luxemburg anzugucken, aber das mache ich nicht. Aber ich finde es schon sehr schade, daß sie nur in Berlin spielen. Wären sie nach Stuttgart oder Frankfurt gekommen, hätte ich das gemacht. Hach.

Eigentlich wollte ich über was anderes schreiben, nämlich über Spanisch (aber jetzt schreibe ich halt über zwei Sachen, die ich liebe, in einem Eintrag^^).

Ich habe jetzt seit letztem August Einzelstunden bei einer Spanischlehrerin genommen. Am Anfang hatte ich mit ihr immer kleine Texte besprochen, die ich ja auch hier gepostet hatte. Später haben wir dann auf freie Konversation umgeschwenkt, weil ich gemerkt habe, daß mein Schriftspanisch sich gut entwickelte – im Gegensatz zum gesprochenen Wort. Mit ihrer Hilfe hat mein Spanisch echt einen Schuß nach vorn gemacht. In den letzten Wochen allerdings habe ich etwas bemerkt, das mir vorher nicht so klar war. Sie ist ein sehr lebendiger Mensch und ich brauche, wenn ich eine Sprache halt noch nicht wirklich beherrsche, etwas mehr Ruhe zum Nachdenken. Ich denke eben noch auf Deutsch und muß dann erst ins Spanische übertragen, was ich sagen will. Das führte öfter mal dazu, daß ich mich im Anschluß an unsere Stunden regelrecht gehetzt fühlte. Nicht weil sie mich tatsächlich gehetzt hätte, sondern weil ich das Gefühl hatte, ich hätte nicht immer sagen können, was ich hatte sagen wollen. Bevor ich meine Gedanken um die Worte wickeln konnte, hatte sie schon das Thema gewechselt. Ich habe das dann mal angesprochen, was zu einer mittleren Krise geführt hat. Das ist Autismus pur. Grunderfahrung: ich sage und meine A, mein Gegenüber versteht drAmA und bastelt daraus eine Krise, die ich dann wieder gar nicht verstehe *lol*. Wenn ich darüber reden und das klären will, wirke ich aus irgendeinem Grund unsensibel, was in der Regel zu mehr drAmA führt. Ja mei. Wir haben uns danach wieder ganz gut zusammengerauft, aber ich spürte eben auch eine gewisse Unzufriedenheit. Es ist ja mein Lernprozeß (und letztlich auch mein Geld), und ich möchte, daß er so abläuft, daß er mir maximalen Nutzen bringt. Kurz und gut, ich hatte in der letzten Zeit mal die Augen offengehalten nach einer Alternative. Diese habe ich nun durch Zufall bei YouTube gefunden.

Viele Sprachlehrer, die Onlinekurse oder Stunden in Skype anbieten, sind ja inzwischen bei YouTube, um sich selbst zu promoten. Ich habe über YT z.B auch Gordon und Cynthia gefunden, von denen ich schon mal erzählt habe. Ich finde das eine geniale Sache. Ich als Schüler kann mir anschauen, welcher Lehrer zu mir paßt und wie er unterrichtet, und der Lehrer hat eine recht große Plattform. Ich merke inzwischen auch schon recht gut, mit wem ich gut lernen kann und mit wem nicht. Ich brauche Struktur und Ordnung, wenn ich was lernen will, und manche unterrichten Sprachen eher….sagen wir….organisch. Chaotisch. Ich habe jetzt eine Lehrerin gefunden, die sehr viel Wert auf Struktur und Ordnung legt, und von ihren Videos hatte ich schon eine Menge gelernt. Weil ich aber immer superschüchtern bin, habe ich es noch ein paar Wochen rausgezögert, bis ich ihr tatsächlich schrieb. Wir vereinbarten eine Probestunde. Und die hatte ich heute.

Ich habe dabei gemerkt, daß ich meinen Streßpegel relativ gut in den Griff kriege. Jedenfalls besser als noch vor einem Jahr. Da hat mich allein der Anblick eines anderen Menschen völlig aus der Fassung gebracht. Jetzt geht der Blutdruck hoch, aber ich kann noch halbwegs klar denken. Das hilft 🙂 Aber es ist trotzdem frustrierend, wie viel Übung ich brauche, um solche Situationen besser durchzustehen. Wir haben heute eine halbe Stunde lang geredet. Am Ende sagte sie mir, ich habe einen einzigen Fehler gemacht, den ich auch noch selbst korrigiert habe (für mich ist „coche“, also „Auto“, einfach ein weibliches Wort, egal wie oft ich mich daran erinnere, daß es männlich ist…). Sie sagte, ich habe Niveau B2 und es sei schon echt unglaublich und irre, wie gut mein Spanisch sei, dafür, daß ich gerade mal 18 Monate lerne und mir das alles selbst beigebracht habe. Ich liebe Schmeicheleien, haha 🙂 Nein, es freut mich einfach ehrlich, das mal von jemandem zu hören, der beruflich mit Spanischschülern zu tun hat.

Ich habe dann heute noch eine Weile darüber nachgedacht, ob ich denke, daß ich mit ihr arbeiten kann. Nachdem ich heute schwimmen war (dabei kriege ich immer den Kopf so schön frei), habe ich ihr gemailt und ihr geschrieben, daß ich gern mit ihr zusammenarbeiten möchte. Darauf freue ich mich ehrlich. Sie ist sehr ruhig und eben strukturiert. Hört zu, gibt Zeit. Das gefällt mir sehr.

Jetzt stehe ich aber noch vor der Aufgabe, meiner alten Lehrerin zu sagen, daß ich erstmal keine weiteren Stunden buchen möchte. Ich bin richtig schlecht in sowas, aber ok. Ich sehe das als Übung, ganz im Sinne meiner Verhaltenstherapie. Aber eben auf Spanisch.

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