Mein Camino #5

Die Nacht in unserem klaustrophobischen Bungalow war ruhig und gut, doch am nächsten Morgen waren wir sehr früh auf der Straße und ich brauchte eine Weile in der weiten, offenen Landschaft, um das Gefühl von Enge abzuschütteln. Gefrühstückt haben wir in Nájera unter alten Platanen mit Blick auf den Fluß.

weite Landschaft mit Regenwolken

Unser erstes Ziel war Santa Domingo de la Calzada. Ich muß gestehen, daß ich durch die Schilderungen in diversen Pilgerbüchern den Eindruck hatte, daß die meisten Ortschaften doch eher kleine Käffer sind. Diese gibt es auch, aber weder Nájera noch Santo Domingo zähle ich dazu. Es sind beides schöne Kleinstädte, in denen es jede Menge Geschäfte und Ausgehmöglichkeiten gibt.

Kathedrale von Santo Domingo

Ein Kuriosum an der Kirche von Santo Domingo ist, daß der Glockenturm auf der anderen Straßenseite als die eigentliche Kirche steht.

Hühnerkäfig und Fladenbrotbaum

Das andere Kuriosum ist natürlich das Hühnerpaar, das in der Kathedrale wohnt, und dessen Anwensenheit auf das „Hühnerwunder von Santo Domingo“ zurückzuführen ist. Das kleine Bäumchen, das da von der Decke hängt, ist übrigens mit bunt eingefärbten Tortillas bestückt – fand ich auch interessant 😉

Altar

Ein Besuch der Kathedrale und des angeschlossenen Museums für schlappe 3 € kann ich nur jedem empfehlen, dem sich die Gelegenheit bietet. Und wie es sich gehört, krähte der Hahn auch los, als wir dort waren 🙂

la Cartuja de Miraflores

Die nächsten kleineren Orte wie Castildeldago und Tosantos durchfuhren wir nur, denn unser eigentliches Ziel war die Cartuja de Miraflores: ein Karthäuserkloster außerhalb von Burgos. Die wenigsten Pilger verirren sich hierher, was verdammt schade ist, denn das Kloster ist wunderschön.

Kirche von außen

Ein freundlicher Mitarbeiter sperrte uns die beiden Flügel des alten, schweren Holzportals auf, damit ich mit dem Rolli einfacher in das Kloster hineinkam. Die Kirche erreicht man über den kleinen Innenhof, in dem leiser Mönchsgesang vom Band läuft.

Cartuja de Miraflores

Das Erste, was man bemerkt, wenn man die Kirche betritt, ist der herrliche Duft nach Rosen. Die Karthäusernmönche in der Cartuja, die selbst den Publikumskontakt meiden, bauen weltberühmte Rosen an und stellen aus ihnen u.a. Rosenöl, Seifen und auch echte Rosenkränze her. Nach der Besichtigung der Kirche habe ich mir im Shop ein Fläschchen Rosenöl und einen echten Rosenkranz gekauft. Natürlich benutze ich den nicht zum Beten, aber als Symbol finde ich Rosenkränze faszinierend.

verregnete Meseta

Auf dem Weg nach Castrojeriz, wo wir die Nacht verbringen wollten, begann es dann zu schütten. Das war schon Ironie des Schicksals, denn der Ort liegt inmitten der ansonsten sehr trockenen Meseta-Hochebene 🙂 Wir checkten ein und fuhren dann nach Burgos zurück, um dort zu Abend zu essen. Inzwischen goß es aus Kübeln. Nachdem wir ein Parkhaus gefunden hatten, vermummte ich mich mit Regencape und Mülltüten um die Füße, damit meine Schuhe, die im Rolli an recht exponierter Stelle stehen, nicht naß werden würden.

Kathedrale von Burgos

Wir gingen zur Kathedrale, die leider schon geschlossen war. Das burgähnliche Gebäude ist riesig – das kommt auf meinem Bild gar nicht richtig rüber. Jedenfalls hörte es zu regnen auf, kaum daß wir auf der Plaza standen, so daß wir in Ruhe Bilder machen konnten 🙂

Unser Abendessen nahmen wir in einer Tapas-Bar ein: kalte Kartoffeln mit Alioli (hatte ich vorher noch nie und war sehr lecker, wie eine Art Kartoffelsalat), gebratene Champignons, ein Bocadillo mit Manchego und ein Konstrukt aus Shrimp, Artischocke, Spargel, Schinken und Käse.

Mit gut gefüllten Bäuchen bummelten wir dann noch ein wenig durch die Altstadt, wobei ich natürlich an einem Bücherladen hängen blieb. Habe mir den Herrn der Ringe auf Spanisch gekauft 🙂

Auf dem Rückweg zum Auto schien dann wieder die Sonne. Wir fuhren nach Castrojeriz zurück – der ganze Ort gleicht einer Baustelle. Überall liegen Schutt- und Sandhaufen herum, Straßen enden vor einer Treppe oder fallen seitlich ab. Parkplätze gibt es nicht sehr viele, Restaurants schon mal gar nicht. Ich habe die Fußpilger jedenfalls nicht beneidet, die sich alle in einem Laden knubbelten. Unsere Nacht war war diesmal nicht gar so friedlich, denn nachtaktive Vögel und lautschnarchende Fußpilger bildeten einen dichten Klangteppich 🙂

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