Mein Camino #4

Am Morgen des nächsten Tages wurden wir von unserem Herbergsvater mit einem Luxusfrühstück versorgt. Wie üblich in Frankreich war es süß-lastig: Teilchen, Konfitüre, Brioche etc. Für mich blieb leider nur Baguette und Marmelade sowie Tee, denn der Rest war laktosehaltig. Mein Mann jedoch freute sich über die vielen Leckereien 🙂

Unser erstes Ziel war der Ibañeta-Paß kurz hinter der spanischen Grenze. Die Fernsicht von dort oben ist phanömenal und mein lahmes Bild kann das überhaupt nicht wiedergeben. Überhaupt war der Teil unseres Urlaubs, den wir in Spanien verbracht haben, immer von wahnsinnig weiter Aussicht in alle Richtungen geprägt. Das Gefühl, unter endlosen Wolkenformationen durch die Landschaft zu „fliegen“, kann einen schon süchtig machen.

Ein paar Autominuten hinter dem Paß kamen wir durch Roncesvalles, wo der riesige Konvent den Ort dominiert. Aufgehalten haben wir uns hier allerdings nicht lang.

Wir kamen durch Burguete, wo ja schon Hemingway gepennt hat und wo das Hotel, in dem er das tat, nach ihm benannt ist. Hinter dem kleinen Ort bot sich mir dann ein Anblick, bei dem ich erst dachte, ich spinne. Mehr als 30 Adler kreisten über uns. Auch das kann mein Bild nicht vernünftig wiedergeben. Die Tiere waren riesig, zogen immer engere Kreise, um sich dann wieder voneinander zu entfernen. Einzelne Adler flogen Richtung Wald davon und kamen nah über uns vorbei – so nah, daß man jede einzelne Feder erkennen konnte. Leider war die Sonne so hell, daß ich nicht sehen konnte, was genau ich da eigentlich aufnehme, so daß die meisten Photos verwackelt sind. Manche Dinge kann man eben nicht knipsen, sondern muß sie im Herzen tragen.

Es ging weiter über die Hügel und Täler des schönen Navarra bis zum Erro-Paß. Hier legten wir eine Pause ein und aßen in Frankreich gekauftes Brot, Tabouleh, Sojajoghurt und Oliven. Bis nach Pamplona war es von dort aus nicht mehr. Wir hatten Glück und fanden einen tollen Parkplatz in der Nähe des Zentrums. Zur Erklärung: in Spanien sind die meisten öffentlichen Parkplätze gebührenpflichtig und auch nur begrenzt lang zu mieten. Behindertenparkplätze hingegen können mit einem entsprechenden Ausweis 24 Stunden kostenlos genutzt werden – doch sie sind leider rar.

Pamplona hat mir ausgesprochen gut gefallen. Eine tolle, lebendige Stadt. Hier habe ich auch das erste Mal meine Spanischkenntnisse auf Native Speaker losgelassen, indem ich diese beiden Iberico-Sandwiches gekauft und gefragt habe, ob Butter drauf ist 🙂 Später saßen mein Mann und ich auf der Plaza und haben gegessen, während die Stadt um uns herumwuselte.

ein Beispiel für eine Mariendistel an einem Haus

In einem Souvenirladen habe ich mir eine Jakobsmuschel gekauft, denn ich dachte, wenn schon pilgern, dann mit Muschel. An seinem Laden fiel mir ein Aufkleber mit einer Mariendistel auf und da ich im Baskenland und in Navarra sehr oft getrocknete Mariendisteln oder Abbildungen von ihnen an den Häusern gesehen hatte, fragte ich den Verkäufer, was das bedeute. Er erklärte mir, daß die Pflanze die „brujas y magos“, also Hexen und Zauberer abhalte, die ein Haus, das von Mariendistel geschützt wird, nicht betreten können. Ich liebe solches regionales Brauchtum 🙂

Bis zur Catedral de Santa María Real war es nicht weit. Wie in den meisten Kirchen und Kathedralen bezahlt man auch hier ein paar Euro Eintritt, kann dafür aber die Kathedrale und das angegliederte Museum anschauen.

im Inneren der Kathedrale von Pamplona

Die Kathedrale war beeindruckend. Die meisten Kirchen, die wir in Spanien gesehen haben, sind pompös und aufwendig ausgestattet, und angesichts dessen, woher die Kirche das ganze Geld und Gold hat, ist das schon irgendwie…makaber. Nichtsdestotrotz war ich wie so oft hingerissen von der sakralen Architektur und Kunst.

die „königliche Maria“ von Pamplona, das Herzstück der Kathedrale

Anders als in Deutschland und auch Frankreich darf man in Spanien praktisch überall photographieren (in Kirchen und Museen immer ohne Blitz). Man muß auch keine speziellen Photographierrechte (wie z.B. im Kloster Maulbronn) erwerben.

der riesige Seitenaltar bestand aus Holz und Gold

Was mich an Kirchen immer besonders interessiert, sind schräge, erschreckende, häßliche und gruselige Dinge. Ich habe keine Ahnung, warum, aber ein Großteil meiner Urlaubsbilder ist verwackelt oder verrauscht, obwohl das nicht an der Kamera liegt. Im ersten Moment war ich darüber etwas enttäuscht, aber es sind auch echte Perlen dabei wie das Bild oben. Durch das Verwischte erhalten viele Bilder eine richtig interessante Atmosphäre 🙂

Zeitbrücke

An die Kathedrale angeschlossen ist wie gesagt ein Museum. Unter dem Fundament der Kirche fand man Mauerreste und Gebrauchs- sowie Kultgegenstände, die darauf hindeuten, daß das Gelände schon seit Tausenden von Jahren für sakrale und profane Zwecke benutzt wurde. Unter einem Gewölbe kann man über die oben gezeigte „Brücke“ gehen, auf der durch Aussparungen und Beleuchtung von unten ein Zeitstrahl abgebildet ist. Rechts und links dieser Brücke kann man einen Blick auf die älteren Schichten unterhalb der Kathedrale werfen.

Teil des Altars im Kapitelsaal

Auch der Kapitelsaal gehört zum Museum. Er ist beeindruckend groß und hat einen beeindruckend kleinen, aber fein gearbeiteten Altar, von dem ich nur eine Szene geknipst habe.

die berühmten Pilgerfiguren auf dem Alto del Perdón

Nach dem Besuch der Kathedrale sind wir gemütlich zum Auto zurückgeschlendert und zu unserem nächsten Etappenziel gefahren. Etwa 20 Autominuten hinter der Stadt erhebt sich der Alto del Perdón über die Ebene. Der Alto ist wie viele andere Berggipfel in Nordspanien mit Windrädern bestückt, was ihm ein leicht surreales Aussehen verleiht. Ist man erst oben, kann man rechts und links vom Berg hinabschauen und genießt eine schier endlose Fernsicht.

Nach einem ausgiebigen Photo-Stopp ging es weiter zum Kloster von Irache. Das ansässige Kloster samt Weinmuseum spendet den Pilgern täglich 180 Liter Rotwein und unbegrenzt viel Wasser. Beides kann man im kameraüberwachten Brunnen zapfen. Als wir da waren, war der Wein leider schon leer, also füllten wir unsere Flaschen mit eiskaltem Wasser. Leider war das – wie für Leitungswasser in Spanien üblich – gechlort, so daß wir beide es nicht trinken mochten.

Bars in der Calle Laurel

Tagesziel war das schöne Logroño. Hier hatten wir einen Bungalow auf einem Campingplatz gemietet und auch wenn alles sauber war, stellten wir doch fest, daß wir einfach zu groß und zu breit für Camping sind. Vom Klo kam ich beispielsweise nur wieder hoch, indem ich die Tür öffnete und den Rahmen als Haltegriff benutzte *lol* Nachdem wir eingekauft hatten, parkten wir in der Nähe der Innenstadt und gingen zur Calle Laurel. Sie bietet unzählige Tapas-Bars. Menschen stehen draußen an den Tischen oder sitzen im Inneren, trinken Wein und essen….nun ja, eben Tapas. Wir hatten hier übrigens Patatas Bravas und huevos fritos con jamón (Spiegeleier mit Schinken).

Santa María de la Redonda

Im Anschluß bummelten wir noch durch die Stadt und genossen den lauschigen Abend und die entspannte Stimmung. Wir setzten uns auf den Platz vor der Catedral Santa María de la Redonda (für eine Besichtigung waren wir leider zu spät). Für eine Cola, einen Rotwein und ein Mineralwasser zahlten wir übrigens 3,70 €. Ich nehme an, wenn die Preise bei uns vergleichbar wären, würde ich auch öfter ausgehen…

Alles in allem haben wir in Logroño vermutlich am meisten die entspannte spanische Lebensart erfahren. Ich wäre gern für immer dort sitzen geblieben, aber unser Campingplatz schloß um 23 Uhr die Tore. Und was lernen wir daraus? Camper sind kleine, schlanke Frühaufsteher 😛

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.