Mein Camino #3

Nach einem frühen Aufbruch fuhren wir etwa fünf Stunden, um unser erstes Etappenziel zu erreichen: die Dune du Pilat, Europas größte Wanderdüne. Vom Parkplatz aus, wo es auch Behindertenparkplätze gibt, führte ein asphaltierter und sehr sandiger Weg durch einen Pinienwald. Überhaupt fiel mir auf, wie sehr die Gegend dort in der Nähe von Bordeaux meiner badischen Heimat ähnelt: Pinienwälder, viel vertrocknetes Gras und eine Bullenhitze. Also ganz wie daheim 🙂

null Barrierefreiheit an der Dune du Pilat

Leider endete der Asphaltweg mitten im Wald. Danach gab es ausschließlich losen Sand, der eigentlich nur für Fußgänger geeignet ist. Ich blieb also mit dem Rolli dort stehen und wartete auf meinen Mann, der zum Photographieren weiterging. Mit einem Bild der beeindruckenden Düne kann ich also leider nicht aufwarten, aber im Netz gibt es dazu viel Material.

Während ich da also stand und wartete, ging mir meine Behinderung mal wieder prächtig auf den Wecker, und ich fragte mich, ob das jetzt den ganzen Camino lang so sein sollte.

Später gingen wir in der Nähe in einem Hypermarché einkaufen: Brot, Tomaten, Rouille, Käse und veganen Kokosmilchreis. Es war noch wärmer geworden und die Sandwiches, die wir während der Fahrt ins Baskenland essen wollten, schmolzen uns praktisch weg.

In den Hügeln des Baskenlands herrschte etwas milderes Klima. Was uns direkt auffielen, waren die Callas, die dort als Unkraut in den Bachläufen wuchsen. Hübsches Unkraut 🙂 Unsere Unterkunft lag sehr ländlich zwischen St. Jean Pied le Port und St. Jean le Vieux. Es gab nur einen Nachbarn in Sichtweite und ansonsten hügeliges Gras- und Weideland, das von Wäldern durchbrochen und von unzähligen Bächen durchzogen war. In der Ferne konnte man die schneebedeckten Berge der Pyrenäen sehen. Unser Herbergsvater empfing uns herzlich und störte sich auch nicht daran, daß unser Französisch mies bis nicht vorhanden war. Er half uns beim Tragen des Gepäcks und diktierte endlose Monologe in den Google-Übersetzer, der daraus fabelhaft sinnlosen Kram generierte *lol* Am Ende kapierten wir aber doch auch so, daß wir kommen und gehen konnten, wie es uns beliebte, und daß man die Haustür nicht abzuschließen brauchte. Sehr unvertraut für uns.

St. Jean Pied le Port

Unser Abendessen nahmen wir in St. Jean Pied le Port auf einem Parkplatz oberhalb der Stadt stehend ein: Baguette, Tomaten, Käse und eben die ganzen Reste vom Nachmittag.

Hauptstraße in St. Jean

Der kleine Ort an sich ist eher unspektakulär. Was ihn natürlich für Pilger so bedeutsam macht, ist, daß die meisten hier den Camino francés beginnen. Mitte Mai allerdings waren hier nicht allzu viele Pilger unterwegs. Wir bummelten durch die Altstadt und nach und nach überkam mich eine bleischwere Traurigkeit, denn ich hatte diesen Weg gehen und nicht fahren wollen.

St. Jean

Später erkundeten wir noch mit dem Auto den Nachbarort und einen herrlichen Aussichtspunkt, von dem ich leider kein Photo gemacht habe. Geschlafen haben wir in der absoluten Stille einfach himmlisch.

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