Rezension: Ny i Norge

Auf das Lehrwerk Ny i Norge bin ich aufmerksam geworden, weil es in einem Kurs benutzt wird, den ich gern besucht hätte. Da es Lehr- und Arbeitsbuch wenigstens seit einem Jahr nicht neu zu kaufen gibt, habe ich dann auch nicht lang gefackelt, als ich beides gebraucht in einer Kleinanzeige fand. Tja, und dann stellte sich heraus, daß mir niemand verläßlich darüber Auskunft geben kann, ob der Kursraum für mich im Rollstuhl erreichbar ist oder nicht, so daß ich mich letztlich dagegen entschied, ihn zu buchen. Das Lehrwerk habe ich dann allein durchgearbeitet.

Text- und Arbeitsbuch sind vollständig auf Norwegisch verfaßt, was es, sofern man es als einzige Quelle nutzen möchte, für das Selbststudium ungeeignet macht. Tatsächlich wurde es für mich auch erst interessant, als ich auf einem Wissensstand war, der ungefähr Kapitel 9 im Buch entspricht. Insgesamt gliedert sich das Lehrbuch in 27 Lektionen, welche immer mit einem Dialog oder einem Text beginnen (in späteren Lektionen oft auch mehrere Texte/Dialoge). Daran schließen sich Grammatikerklärungen mit vielen Beispielen an und zuletzt folgt immer ein Artikel, in dem das Leben in Norwegen erklärt wird (z.B. wie das Schulsystem funktioniert oder warum der 17. Mai Norwegens Nationalfeiertag ist). Parallel dazu findet man im Arbeitsbuch Übungen, die helfen, das Gelernte zu vertiefen. Ein Lösungsschlüssel ist enthalten. [Mir leuchtet auch nicht ein, warum es neuerdings so viele Sprachlehrwerke gibt, für die man einen separaten Lösungsschlüssel braucht – denn wie sinnlos ist so ein Kurs in Buchform, wenn man seine Lösungen nicht korrigieren kann? Aber gut, Sprachen zu lernen ist gerade in, und da wird gern Geld gemacht…]

Beide Bücher wirken gemütlich, wenn man das so sagen kann. Sie sind reich bebildert und viele der Illustrationen sind auch für mich als Autisten gut interpretierbar, weil die Bildersprache klar und eindeutig ist. Die Themen decken nicht nur die üblichen Dinge wie Vorstellen, Befinden benennen und nach dem Weg fragen ab, sondern bieten auch Material für andere Alltagssituationen wie den Kauf eines Autos, eine Schwangerschaft etc. Da das Lehrwerk nicht nur die Sprache, sondern auch die norwegische Kultur vermitteln soll, lernt man quasi nebenher noch so einiges, was andere Bücher nicht bieten. Gut gefallen hat mir, daß in den späteren Kapiteln nicht nur „normale“ Vokabeln, sondern auch idiomatische Ausdrücke vorkommen.

Wenn man das Buch gewissenhaft durcharbeitet und am Ende alles versteht und nachvollziehen kann, wird man sicherlich irgendwo zwischen Niveau B1 und B2 stehen und in der Lage sein, Norwegisch profund zu verstehen und sich flüssig auszudrücken (insbesondere wenn man einen Kurs belegt hat, wo man sprechen kann, oder sich einen Lehrer online dazubucht).

Einen echten Kritikpunkt gibt es meinerseits nicht, sofern man beachtet, daß es kein Lehrwerk zum Selbststudium ist (oder nur mit soliden Vorkenntnissen). Allerdings ist es kein Norwegischkurs, den ich nach dem Durcharbeiten nun nochmal zur Hand nehmen würde, um etwas nachzuschlagen. Interessant wäre er wohl erst wieder, wenn ich in einigen Jahren mein Norwegisch von grundauf auffrischen wollte.

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