WochenendRückblick #41

[Wetter] Nachdem es jetzt eine Woche recht kalt und regnerisch war, war das Wochenende wieder wärmer und sonniger, aber auch etwas windig. Ganz angenehm. Ich denke, den Juli habe ich ganz gut rumbekommen. Ich hoffe, August und September werden ähnlich kühl mit Regenphasen, dann wäre das der erste badische Sommer seit Jahren, in dem ich nicht eingegangen wäre…

[Gemacht] Samstag waren der Mann und ich nach dem Frühstück im Biergarten, wo wir nett gesessen und gelesen haben. Anschließend waren wir im Gartencenter. Nachmittags habe ich mich ein bißchen hingelegt, dann gekocht und Blümchen gepflanzt. Abends haben wir Photos gerahmt und aufgehängt, DVD geguckt und im Anschluß habe ich wieder gelesen.

Sonntag fing recht spät und mit einem steifen Nackenn an. Nach dem gemeinsamen Frühstück habe ich Spanisch gelernt und mit dem Sohn Rummykub gespielt. Es gab ein frühes Abendessen und dann sind der Mann und ich zum Schwimmen gefahren. Wieder daheim gab es Würstchen und DVD und später habe ich gelesen.

[Español] Ich habe mir per Fernleihe ein Buch ausgeliehen, das ich gerade durcharbeite. Es ist ein wenig anders als die anderen Bücher, weil es z.B. auch spanische Redewendungen listet.

[Garten] Mir ist die Nana-Minze eingegangen. Ich habe sie genauso behandelt wie alle anderen Minzen zuvor, die mir alle über den Kopf gewachsen sind, aber irgendwie wollte sie nicht. Bevor ich sie jetzt in den Kompost werfen kann, muß sie vollständig austrocknen. An ihrer Stelle habe ich zwei Marigolds in den Kasten gesetzt, die zusammen mit den violetten Petunien richtig nett aussehen 🙂

[Gesportelt] 1150 m geschwommen, trotz steifem Nacken.

[Gehört] Jeffery Deaver: Der faule Henker. Seit einer Weile hält Amazon die alten Deaver-Hörbücher unter Verschluß, indem sie sie nur über das dämliche Audible-Abo anbieten (oder für lachhafte 25 € für den Download). Audible finde ich aber zu teuer – 10 € für ein Hörbuch im Monat, da kann ich weitaus kostengünstiger an neue und gebrauchte Hörbücher incl. Versand rankommen oder auch mal in die Bibliothek fahren. Ich hatte jetzt aber das Glück, zwei von den Hörbüchern für einen normalen Preis zu ergattern, und das genieße ich gerade 🙂 Falls jemand, der hier mitliest, die Hörbücher „Der Insektensammler“ und „Das Gesicht des Drachen“ hat – biete sie mir doch mal zum Kauf an 🙂

[Gelesen] Erik Axl Sund: Narbenkind. Das ist der zweite Teil der Victoria-Bergman-Reihe, die ich neulich im Bücherschrank gefunden habe. Irgendwie finde ich die Bücher „annoying“ und weiß nicht recht, wieso. Aber jetzt will ich auch wissen, wie es ausgeht.

[Gesehen] Dexter.

[Gegessen] Reiswaffeln mit Auberginen und Tomatensauce. Salat mit Granatapfelkernen. Himbeeren. Brombeeren. Süßkartoffelchips. Würstchen. Kirschen.

[Gekauft] Zwei Blümchen.

[Ausblick auf die nächste Woche] Zwei Termine und sonst so der übliche Kram wie Einkaufen.

WochenendRückblick #40

[Wetter] Samstag war es heiß und schwül, Sonntag hatte es sich etwas abgekühlt und es war ein wenig windig.

[Gemacht] Samstag waren mein Mann und ich nach dem Frühstück beim Bücherschrank und einkaufen. Den Nachmittag habe ich mit Lesen und Musikhören vertrödelt, bevor wir abends gekocht und DVD geguckt haben.

Sonntag haben wir nach dem Frühstück ein paar Bilderleisten montiert und Urlaubsbilder zum Nachmachen rausgesucht. Abends haben wir gemeinsam gekocht und waren schwimmen.

[Español] Seit Ende der Woche mache ich eine kleine Lernpause.

[Garten] Zum ersten Mal ist mir eine Minze eingegangen. Da die ja eigentlich total unverwüstlich ist, muß ich schon einen sehr schwarzen Daumen haben….

[Gesportelt] 1100 m geschwommen.

[Gehört] Jeffery Deaver: Der Knochenjäger.

[Gelesen] Erik Axl Sund: Krähenmädchen. Stand im Bücherschrank rum.

[Gesehen] Dexter.

[Gegessen] Neben den Plansachen: Melone. Brombeeren. Amaranth-Müsli.

[Gekauft] Nix.

[Ausblick auf die nächste Woche] Keine Termine. Die Sommerferien fangen für den Sohn an.

Mein Camino #7

Obwohl die Nacht in Ponferrada auch nicht länger als fünf Stunden war, starteten wir am nächsten Tag recht entspannt. Unterwegs frühstückten wir auf einem Parkplatz mit spektakulärer Aussicht über die galizischen Berge: Baguette, gekochten Ibérico-Schinken (der ganz anders schmeckt als der rohe) und veganen Streich. Unsere erste Etappe führte uns über die Autobahn nach O Cebreiro, einem Bergdorf, das ganz aus grauem Schiefer erbaut ist, und wo man auch welche der traditionellen galizischen Rundhäuser bewundern kann.

Rundhaus in O Cebreiro

Hinter O Cebreiro sahen wir und am Alto San Roque die berühmte Statue eines Pilgers an, der sich gegen Wind und Wetter zu stemmen scheint.

Alto San Roque

Die Landschaft, die nur allmählich wieder abfällt, erinnerte meinen Mann und mich stark an den Schwarzwald, so daß, als wir kurz vor Sarria eine kleine Rast einlegten, fast schon Heimatgefühle aufkamen. Unser nächstes Ziel war Portomarín. Das eigentliche Städtchen wurde zugunsten eines Stausees aus einem Tal an die Bergflanke verlegt – und dabei wurde sogar die Kirche Stein für Stein ab- und später wieder aufgebaut. Der Ort ist malerisch, doch wir entschieden uns nur für die Besichtigung vom Auto aus. Überhaupt war es uns gar nicht möglich, auch nur ansatzweise alle Kultur- und Besichtigungsangebote wahrnehmen zu können. Würde man das wollen, könnte man Jahre auf dem Camino Francés zubringen.

Ausblick über Portomarín

Auf unserem Weg Richtung Santiago sahen wir das Ortsschild nach Vilar de Donas. Von diesem ehem. Nonnenkloster hatte ich in einem Buch gelesen. Da es ein wenig abseits des Camino liegt, kommen hier nur sehr wenige Fußpilger hin, und so hatten wir das Kloster samt der spanischsprachigen Wächterin für uns. Die Dame war so nett, mir einen Sello in mein Tagebuch zu drucken, und sie und ich hatten eine Unterhaltung über das Pilger, die mich berührt und nachdenklich gemacht hat. Sie merkte nämlich, daß ich niedergeschlagen war, und ich erzählte ihr, daß ich mich so fühle, als würde ich „nicht richtig“ pilgern, weil ich eben nicht zu Fuß gehen kann. Daraufhin baute sie mich fürsorglich wieder auf und meinte zum Schluß lapidar, daß, hätten die „Erfinder“ des Pilgerns schon Autos gehabt, sie sicher auch mit dem Auto gefahren wären, wenn sie zu Fuß keine Chance gehabt hätten. Das Gespräch mit der Señora hat mir unheimlich gut getan und ich blickte ein wenig versöhnlicher in die Welt.

das ehem. Kloster in Vilar de Donas

Über Arzúa und den Monte do Gozo kamen wir schließlich nach Santiago und waren mal wieder nach dem Tag in Einsamkeit und Stille (ja, wir fahren ohne Radio und meist auch ohne viel zu quatschen) ganz schön überrumpelt von dem ganzen Trubel. Zunächst mal mußten wir einkaufen. Die anschließende Hotelsuche gestaltete sich trotz Navi wirklich schwierig, denn es stellte sich heraus, daß wir absolut treffsicher gerade in dem Teil der Altstadt unser Quartier gebucht hatten, in den man nicht mit dem Auto einfahren durfte. Zum Glück fanden wir aber einen Behindertenparkplatz in relativer Nähe zum Hospedaje und wurden dort unheimlich herzlich empfangen. Wir hatten sehr schöne, moderne Zimmer mit bequemen Betten – was kann man sich mehr wünschen?

in den Straßen von Santiago

Nachdem wir uns kurz frisch gemacht hatten, machten wir uns auf die Socken. Auf einem der Plätze der Stadt hatte eine Buchhandlung anläßlich der galizischen Literaturtage einen Aktionstisch aufgebaut und dort habe ich mir mehrere Bücher über interessante Reiserouten durch Galizien gekauft, auch das Buch „50 lugares mágicos de Galicia“. Ich hatte kurz mit dem Gedanken gespielt, mir eine mehrbändige galizische Grammatik zu kaufen, ließ es aber bleiben, was ich bis heute bereue 🙁

die Hinterseite der Kathedrale

Obwohl man meinen sollte, daß alles in Santiago zur Kathedrale strömt und diese daher leicht zu finden sein sollte, war dem nicht so. Tatsächlich mußten wir mehrmals nach dem Weg fragen, bis wir sie endlich fanden. Durch einen nicht barrierefreien Eingang ging es hinein. Ich fühlte mich einfach schrecklich: nicht nur, daß ich nicht auf dem Platz vor der Kathedrale angelangt war, sondern sie durch den Hintereingang betrat, ich war mit meinem Rollstuhl allen im Weg. Das war auch der Moment, wo ich dachte: was in aller Welt tue ich hier? Um mich herum waren lauter genervte Menschen und von den christlichen Tugenden war absolut nichts zu spüren, während sie darauf warten mußten, daß ich die Treppen herunterkam, während mein Mann den schweren Rollstuhl nach unten bugsierte. Ätzend war’s.

Teile der Fassade waren in Gerüsten eingepackt

Endlich unten angekommen, sahen wir uns in der Kathedrale um. Sie war gesteckt voll, da bald ein Gottesdienst beginnen sollte, und daher habe ich persönlich auch nur den einen Teil (nämlich den mit dem Apostel darin) angucken können. Ich fühlte mich hundeelend und wäre am liebsten geflohen, aber das verbat sich eigentlich – nachdem ich so viele Jahre hatte warten müssen, um endlich hier zu sein – von selbst! Ich stellte mich also mit Rollstuhl in die Schlange derer, die die Stufen zum Apostel erklimmen wollten. Da ich nicht lange auf einer Treppe stehen kann, mußte ich warten, bis diese vor mir frei war. Was die Leute hinter mir schier in den Wahnsinn trieb. Nicht, daß sie ohne mich schneller zum Apostel gekommen wären, aber allein das Gefühl, warten zu müssen, während die Treppe frei war und nur so ein Dummbeutel im Rollstuhl den Zugang blockiert, schien für sie kaum auszuhalten. Am Ende erklomm ich die Treppen recht zügig und legtem dem Apostel meine Hände auf die Schultern.

das Ziel aller Pilger: der Apostel Jakob

Und in dem Moment brach alles aus mir heraus: der Frust darüber, den Weg nicht gegangen zu sein, der Frust über die Behinderung allgemein, der Frust über alles, was nie wieder sein wird. Ich habe geheult wie ein Schloßhund. Da ich normalerweise nicht zu emotionalen Ausbrüchen oder Heulen neige, hat mich das ganz schön mitgenommen, und mit wackligen Beinen stieg ich die Treppen auf der anderen Seite wieder hinab, wo mein Mann mit dem Rolli wartete. Leider bekam er nicht wirklich mit, wie es mir ging, weil er von den Leuten so genervt war. Wir einigten uns darauf, daß ich in den Kathedralenshop gehen und shoppen würde, während er schon mal das Pilgerbüro suchen sollte. Ich hatte gelesen, daß jedem, der die Kathedrale besucht, die Besuchscompostela zustünde, die nicht mit der normalen Compostela, die den Pilgern vorbehalten ist, verwechselt werden darf. Beim Shopping bekrabbelte ich mich einigermaßen und deckte mich mit lauter kitschigem Krempel ein: Compostela-Tassen, ein Medaillon mit dem Apostel darin, ein Armband, ein Lesezeichen und anderes.

das galizische Nationalgericht – Pulpo, also Tintenfisch – bekommt man praktisch überall

Als ich meinen Mann auf dem Platz seitlich der Kathedrale (übrigens durch den Shop doch barrierefrei erreichbar) wiedertraf, war er noch genauso genervt wie vorher. Das Pilgerbüro war nicht auffindbar gewesen. Also gurkten wir quer durch die Altstadt, aber wirklich niemand wußte, wo das verflixte Pilgerbüro war. Das war echt verhext! Am Ende quatschten wir eine junge Frau auf Englisch an, die wußte, wo das Büro war, und die uns auch noch ein großes Stück begleitete. Auf dem Weg stellte sich dann heraus, daß sie selbst auch Deutsche war und gar nicht weit von uns entfernt wohnt 🙂 Als wir endlich da waren, fühlte ich mich immer noch elend. Eine Besuchscompostela, naja, besser als nichts, aber nicht das, wofür ich gekommen war. Als ich an der Reihe war, fragte mich die Mitarbeiterin nach meinem Pilgerpaß, den ich natürlich nicht hatte. Ich stöpselte mir auf wildem Spanisch etwas zurecht, das sie scheinbar nicht so ganz verstand, denn sie holte eine englischsprechende Kollegin. Der schilderte ich meine Reise, dann holten sie noch einen anderen Kollegen dazu. Am Ende drückte man mir ein Verzeichnis in die Hand, in das ich eintragen sollte, wie ich heiße, woher ich komme und wo ich zu pilgern begonnen habe. Wahrheitsgemäß trug ich St. Jean ein. Die Pilgerbürofrau guckte kurz drüber, nickte dann, gab das alles an die Kollegin weiter, ich mußte einen Moment warten und dann bekam ich meine Compostela in die Hand gedrückt. Als ich ungläubig auf das Formular guckte, grinste die Mitarbeiterin und erklärte mir, daß Rollstuhlfahrern das Privileg der Compostela zugebilligt wird, wenn sie aus eigener Kraft einen einzigen Kilometer auf dem Jakobsweg zurücklegen. Da ist mir dann wirklich die Kinnlade runtergefallen.

in Galizien gibt es in den Innenstädten viele Arkaden, unter die sich die Menschen bei plötzlichen Regenbrüchen flüchten können

Nachdem ich noch schnell eine Transporthülle für das Dokument gekauft hatte, bin ich erstmal auf dem Klo verschwunden, um noch eine Runde hemmungslos zu heulen. Ich hätte mit allem gerechnet. Und ich hätte damit leben können, abgewiesen und nicht wie ein Pilger behandelt zu werden. Aber damit, angenommen zu werden und zu erleben, daß meine Pilgerschaft nicht als minderwertig angesehen wird, mußte ich erstmal klarkommen. Für mich hat sich an der Stelle mein ganz persönliches Pilgerwunder ereignet. Später feierten wir die Ankunft in Santiago mit einem fabelhaften Essen in einem sehr schönen Restaurant in der Altstadt. Was für ein Triumph das für mich war!

WochenendRückblick #39

Mir ist gerade aufgefallen, daß ich den WochenendRückblick von letzter Woche vergessen habe. #38 wird es also nicht geben 🙂

[Wetter] Recht kühl und grau mit wenig Sonne. Ich mag das.

[Gemacht] Samstag haben wir spät gemeinsam gefrühstückt. Im Anschluß waren mein Mann und ich einkaufen und am Bücherschrank. Daheim haben wir Tabouleh und Zaziki gemacht, dann gegrillt. Abends habe ich ein bißchen in einen Film reingeguckt, dann YouTube geschaut.

Die Nacht zu Sonntag war mal wieder unterirdisch und irgendwann mittags habe ich mich müde aus dem Bett gequält. Nach dem Frühstück haben wir den Film zuende geguckt, dann habe ich mein Bad und mein Zimmer geputzt. Abends haben wir gemeinsam gekocht, dann waren der Mann und ich schwimmen.

[Español] In der letzten Woche war ich sehr fleißig, darum habe ich an diesem Wochenende nur spanische Videos geguckt und ein bißchen was gelesen.

[Garten] Die aus dem Schuttberg gerettete Sonnenblume blüht und die Chilis tragen erste Schoten.

[Gesportelt] 1000 m geschwommen.

[Gehört] Jeffery Deaver: Der Knochenjäger

[Gelesen] Ein bißchen in einer ECOS.

[Gesehen] Everest. Werde ich nie verstehen, warum Leute sich in Lebensgefahr begeben, um ihr Fähnchen in einen Berg zu pieken, wo es eh wieder runtergeweht wird.

[Gegessen] Beim Grillen Würstchen und Huhn, Tabouleh, Brot und Zaziki. Ansonsten recht viele Beeren und einen Brombeerpfannkuchen.

[Gekauft] Nix.

[Ausblick auf die nächste Woche] Ich möchte ins Kino, habe Therapie und werde einkaufen gehen.

Speiseplan #39

Diese Woche fiel es mir leicht, unseren Speiseplan zu erstellen. Habe in einer älteren Zeitung geblättert 🙂

  • Donnerstag: geröstete Auberginen mit Dukkha und Granatapfel, dazu Fladenbrot
  • Freitag: Tomatenspaghetti
  • Samstag: Grillen
  • Sonntag: gefüllte Zucchini mit Aprikosen und Pinienkernen, dazu Wedges
  • Montag: Pasta mit Pilzrahm
  • Dienstag: Pasta mit Pesto und Huhn
  • Mittwoch: Brotzeit

Mein Camino #6

Die Nacht in Castrojeriz war aufgrund der Nachtvögel und der schnarchenden Fußpilger nicht so erholsam wie andere Nächte, so daß ich ein wenig verspannt und müde in den Tag startete. Wenn man den Camino zu Fuß geht, muß man kurz vor Castrojeriz unter den Bögen der Klosterruine San Anton hindurch. Da wir nun aus der entgegengesetzten Richtung kamen, mußten wir erstmal dorthin fahren, um Bilder zu machen.

Klosterruine San Anton bei Castrojeriz

Nach Frómista sind wir dann quer durch die Meseta über endlos geradeaus führende Straßen gefahren – bei Dauerregen und Gewitter. Vom Elsaß hier in unserer Nähe sind wir ja schon lange gerade Strecken gewohnt, aber das war nochmal ganz anders. In Frómista hat mein Mann die Kirche San Martin mit ihren 300 Fabelfiguren photographiert, während ich Brot und Obst eingekauft habe. An diesem Tag merkte ich, daß mein Spanisch sich schlagartig verbessert hatte. Ich bin natürlich noch weit von fließend entfernt, aber ich wurde einfacher verstanden und verstand auch mehr von den Antworten.

mal eben schnell im Vorbeigehen geknipst: die Kirche in Frómista, auf dem Weg zur panadería

Nachdem wir im Auto gefrühstückt hatten, fuhren wir über diverse kleine Orte bis nach Carrión de los Condes. Hier hätte ich per se gern im Parador von San Zoilo übernachtet, aber das Hotel war neun Monate im Voraus ausgebucht. Die Türen zum Kloster waren noch geschlossen, also blieben wir zehn Minuten im Auto sitzen, bis sie sich öffneten. Nachdem wir den Rollstuhl und mich über die Schwellen bugsiert hatten, standen wir allerdings wieder vor verschlossenen Türen. Es gab lediglich eine Klingel, die man benutzen sollte, um einen Sello, also einen Stempel in den Pilgerpaß zu bekommen. Ich schellte probehalber und eine nette Señora öffnete uns. Ich fragte, ob das Kloster geschlossen sei, doch sie sagte, es sei geöffnet, und sperrte die Flügeltür auf, so daß ich direkt mit dem Rolli durchfahren konnte.

zu Fuß zu pilgern war an diesem Tag sicher auch kein reines Vergnügen…

Der Eintritt kostete 2 € und dafür konnte man die Kirche und den herrlichen sowie absolut nicht barrierefreien Kreuzgang besichtigen. Dieser war so uneben, daß ich nur einen kurzen Blick hineinwarf, weil ich Angst hatte, auf der Buckelpiste umzuschlagen.

Kreuzgang im Kloster San Zoilo

Im Anschluß fuhren wir weiter nach León. Das Wetter hatte sich inzwischen aufgeklart und die Sonne brutzelte vom wolkenlosen Himmel. Die Altstadt wird überragt von der herrlichen Kathedrale, doch leider waren wir gerade zur Siesta dort angekommen, wo das Gotteshaus geputzt und gesaugt wird. Also keine Besichtigung. Stattdessen bummelten wir ein bißchen durch die Altstadt und setzten und später im bekannten Barrio Húmedo in eine kleine Tapasbar.

im Barrio Húmedo reiht sich Tapas-Bar an Tapas-Bar

Das war das erste und einzige Mal, daß ich auf der gesamten Reise einen richtigen Gemüseteller vor mir hatte, und ich hätte nicht glücklicher sein können 🙂 Überhaupt ist das etwas, das ich mir für künftige Spanienurlaube merken werde: iß Gemüse, wann immer Du kannst 🙂 Die Bedienung war sehr zuvorkommend und wir unterhielten uns nett auf Spanisch und Englisch. Wieder einmal zeigte sich, wie schwer es die Spanier haben, die eben nicht wie wir in Deutschland Englisch in der Schule lernen, sondern sich privat um Fremdsprachen kümmern müssen. Mir fiel allgemein in Spanien auf, daß es in jeder größeren Ortschaft wenigstens eine Sprachschule gibt.

die Plaza Mayor von León

Unser nächste Station war Astorga, wo wir die Kathedrale und den von Gaudí erbauten Bischofspalast von außen bewunderten.

der Bischofspalast von Astorga

Am Nachmittag kamen wir am Cruz de Ferro an, dem höchsten Punkt auf dem Camino Francés, wo traditionell jeder Pilger einen von daheim mitgebrachten Stein abwirft. Ich hatte keinen Stein dabei, weil ich das Gefühl hatte, daß das, was mich tatsächlich beschwert, eher der Rollstuhl sei. Dort oben, inmitten von Heidekraut und verkrüppelten Eichen, fühlte ich mich plötzlich wieder verloren und genervt von der Behinderung. Die Traurigkeit, die ich in St. Jean verspürt hatte, war schlagartig zurück.

das Cruz de Ferro

Der Weg bis Ponferrada zog sich ein wenig, zumal es in Serpentinen bergab ging. Zum ersten Mal sahen wir hier streunende Hunde. Ihr Anblick hat mich nachdenklich gemacht. Ich hatte recht klare Vorstellungen davon, in welchem Elend diese Streuner leben würden und daß sie wohl auch eher aggressiv wären, doch beides hat sich, übrigens auf der gesamten restlichen Reise durch Spanien, nicht bewahrheitet. Die Streuner, denen wir begegnet sind, sahen alle wohlgenährt und fit aus, waren überaus autofest und sehr freundlich. Nichtsdestotrotz wäre es natürlich wünschenswert, daß die spanische Regierung Kastrations- und Gesundheitsprogramme für diese Tiere starten würde. Derzeit läuft das wohl ausschließlich über private Organisationen.

Las Medulas

In Ponferrada checkten wir erstmal ein. Diesmal hatten wir ein vier-Sterne-Hotel gebucht und entsprechend schön waren die Zimmer und die Bäder. Nach zwei Nächten an nicht so heimeligen Orten war das Balsam für die Seele. Wir machten uns kurz frisch, dann ging es direkt weiter. Unser Ziel waren Las Medulas, eine Landschaft etwas südlich von Ponferrada. Die Römer haben hier Gold abgebaut und dabei die Hügel entwaldet und zum Teil abgetragen. Davon zeugen bis heute die Medulas. Um zu ihnen zu gelangen, muß man übrigens einen sehr steilen Weg hinauf, was mit dem Rollstuhl schon eine echte Herausforderung war. Ist man erstmal oben angelangt, ist der große Mirador barrierefrei befahrbar und bietet die schönste Aussicht, die man sich wünschen kann.

Als wir später am Abend wieder in Ponferrada waren, mußten wir feststellen, daß es dort praktisch keine Tapas-Bars gibt. Oder vielleicht nur sehr gut versteckt. Jedenfalls kehrten wir bei einem Asiaten ein, der ein riesiges Buffet aufgebaut hatte. Die meisten Dinge waren leider kalt, so daß wir uns Gemüse und Fleisch zusammenstellten und das vom Koch für uns zubereiten ließen.

WochenendRückblick #37

[Wetter] Das Wochenende war total grau, verregnet und kühl. Eigentlich in meinem Sinne. Doof nur, daß wir grillen wollten.

[Gemacht] Samstag habe ich bis in die Puppen geschlafen. Ich glaube, das liegt am etwas kühleren Klima, bei dem ich direkt die Grätsche mache. Wir haben gemeinsam gefrühstückt, dann habe ich Spanisch gelernt. Mein Mann und ich waren in der Bahnhofsbuchhandlung, dann beim Bücherschrank. Den Nachmittag habe ich musikhörenderweise in meinem Zimmer verbracht, später habe ich gekocht. Abends haben wir dann noch DVD geguckt.

Der Sonntag war einfach nur müde, denn ich habe ultramies geschlafen Nach einem verpennten Frühstück habe ich YT geglotzt und war später mit dem Mann unterwegs, denn wir hatten etwas zu bequatschen. Abends haben wir Nudelsalat gemacht und halb drinnen und halb draußen gegrillt. Danach waren wir schwimmen und obwohl ich müde und genervt war, habe ich es geschafft, mein Pensum zu schwimmen. Yeh. Gerade haben wir Dexter geschaut und jetzt werde ich YT glotzen und hoffentlich dann besser pennen.

[Español] Ich habe die Babbel-Lektionen zum Konditional II abgeschlossen.

[Garten] Da es geregnet hat, gab es nicht viel zu tun.

[Gesportelt] 1000 m geschwommen.

[Gehört] Sopor Aeternus. Wumpscut.

[Gelesen] Nur in ein paar spanischen Zeitungen geblättert.

[Gesehen] Dexter.

[Gegessen] Neben den Plansachen: gratinierte Nektarinen mit veganem Eis. Kirschen. Erdbeeren. Auberginensugo auf Toast.

[Gekauft] Nix.

[Ausblick auf die nächste Woche] Ich habe drei Arzttermine und kann hoffentlich ein paar offene Fragen klären. Und ich würde sehr gern ein Anti-Dumpftroll-Spray kaufen.