WochenendRückblick #36

[Wetter] Es war warm, aber windig, und darum ließ es sich gut aushalten.

[Gemacht] Samstag waren mein Mann und ich beim Möbelhaus. In den letzten Wochen hatte ich einige Sessel ausprobiert und war jetzt nochmal zurückgekommen, um zu entscheiden, ob er der Richtige wäre oder nicht. Abends haben wir gegrillt und später DVD geguckt.

Sonntag habe ich gehaushaltet und gekocht. Abends waren der Mann und ich schwimmen und haben später noch DVD geguckt.

[Español] Ich hatte mir ein Grammatikübugsbuch gekauft, das leider ohne Lösungsheft gekommen ist. Mal sehen, was mir der Verkäufer schreibt. Ansonsten habe ich viele Vokabeln wiederholt und in der ECOS gelesen. Ich nehme einen großen Fortschritt beim Verständnis von Artikeln für Intermedio- und Avanzado-Studenten bei mir wahr, auch wenn ich noch längst nicht so formulieren könnte. Überhaupt finde ich es schwer, eigene Texte abwechslungsreich zu formulieren. Ich nehme an, dafür fehlt mir die Textarbeit, wie man sie aus der Schule kennt. Und natürlich fehlen auch noch Vokabeln – vielleicht kann ich bisher zwischen 1000 und 1200, von denen nicht alle aktiv abrufbar sind.

[Garten] Die Petunien wachsen und gedeihen. Die Chilis haben die ersten Blüten und eine aus dem Schuttberg gerettete Sonnenblume ebenfalls 🙂

[Gesportelt] 1000 m geschwommen.

[Gehört] Immer noch David Beckett: Totenfang. Das zieht sich wie Kaugummi.

[Gelesen] Einige Artikel in einer ECOS. Außerdem ein paar Kapitel in „Victim“ – habe ich neulich im Bücherschrank gefunden.

[Gesehen] Dexter. AVP 1.

[Gegessen] Am Samstag beim Grillen Nudelsalat, selbstgemachtes Baba Ganoush, Würstchen und Hühnchen. Beerentiramisu. Kirschen.

[Gekauft] Ein Grammatikübungsbuch.

[Ausblick auf die nächste Woche] Habe wenig geplant. Würde gern in meinem Buch weiterlesen, ein paar Lektionen bei Babbel machen und vielleicht Yoga.

Mein Camino #5

Die Nacht in unserem klaustrophobischen Bungalow war ruhig und gut, doch am nächsten Morgen waren wir sehr früh auf der Straße und ich brauchte eine Weile in der weiten, offenen Landschaft, um das Gefühl von Enge abzuschütteln. Gefrühstückt haben wir in Nájera unter alten Platanen mit Blick auf den Fluß.

weite Landschaft mit Regenwolken

Unser erstes Ziel war Santa Domingo de la Calzada. Ich muß gestehen, daß ich durch die Schilderungen in diversen Pilgerbüchern den Eindruck hatte, daß die meisten Ortschaften doch eher kleine Käffer sind. Diese gibt es auch, aber weder Nájera noch Santo Domingo zähle ich dazu. Es sind beides schöne Kleinstädte, in denen es jede Menge Geschäfte und Ausgehmöglichkeiten gibt.

Kathedrale von Santo Domingo

Ein Kuriosum an der Kirche von Santo Domingo ist, daß der Glockenturm auf der anderen Straßenseite als die eigentliche Kirche steht.

Hühnerkäfig und Fladenbrotbaum

Das andere Kuriosum ist natürlich das Hühnerpaar, das in der Kathedrale wohnt, und dessen Anwensenheit auf das „Hühnerwunder von Santo Domingo“ zurückzuführen ist. Das kleine Bäumchen, das da von der Decke hängt, ist übrigens mit bunt eingefärbten Tortillas bestückt – fand ich auch interessant 😉

Altar

Ein Besuch der Kathedrale und des angeschlossenen Museums für schlappe 3 € kann ich nur jedem empfehlen, dem sich die Gelegenheit bietet. Und wie es sich gehört, krähte der Hahn auch los, als wir dort waren 🙂

la Cartuja de Miraflores

Die nächsten kleineren Orte wie Castildeldago und Tosantos durchfuhren wir nur, denn unser eigentliches Ziel war die Cartuja de Miraflores: ein Karthäuserkloster außerhalb von Burgos. Die wenigsten Pilger verirren sich hierher, was verdammt schade ist, denn das Kloster ist wunderschön.

Kirche von außen

Ein freundlicher Mitarbeiter sperrte uns die beiden Flügel des alten, schweren Holzportals auf, damit ich mit dem Rolli einfacher in das Kloster hineinkam. Die Kirche erreicht man über den kleinen Innenhof, in dem leiser Mönchsgesang vom Band läuft.

Cartuja de Miraflores

Das Erste, was man bemerkt, wenn man die Kirche betritt, ist der herrliche Duft nach Rosen. Die Karthäusernmönche in der Cartuja, die selbst den Publikumskontakt meiden, bauen weltberühmte Rosen an und stellen aus ihnen u.a. Rosenöl, Seifen und auch echte Rosenkränze her. Nach der Besichtigung der Kirche habe ich mir im Shop ein Fläschchen Rosenöl und einen echten Rosenkranz gekauft. Natürlich benutze ich den nicht zum Beten, aber als Symbol finde ich Rosenkränze faszinierend.

verregnete Meseta

Auf dem Weg nach Castrojeriz, wo wir die Nacht verbringen wollten, begann es dann zu schütten. Das war schon Ironie des Schicksals, denn der Ort liegt inmitten der ansonsten sehr trockenen Meseta-Hochebene 🙂 Wir checkten ein und fuhren dann nach Burgos zurück, um dort zu Abend zu essen. Inzwischen goß es aus Kübeln. Nachdem wir ein Parkhaus gefunden hatten, vermummte ich mich mit Regencape und Mülltüten um die Füße, damit meine Schuhe, die im Rolli an recht exponierter Stelle stehen, nicht naß werden würden.

Kathedrale von Burgos

Wir gingen zur Kathedrale, die leider schon geschlossen war. Das burgähnliche Gebäude ist riesig – das kommt auf meinem Bild gar nicht richtig rüber. Jedenfalls hörte es zu regnen auf, kaum daß wir auf der Plaza standen, so daß wir in Ruhe Bilder machen konnten 🙂

Unser Abendessen nahmen wir in einer Tapas-Bar ein: kalte Kartoffeln mit Alioli (hatte ich vorher noch nie und war sehr lecker, wie eine Art Kartoffelsalat), gebratene Champignons, ein Bocadillo mit Manchego und ein Konstrukt aus Shrimp, Artischocke, Spargel, Schinken und Käse.

Mit gut gefüllten Bäuchen bummelten wir dann noch ein wenig durch die Altstadt, wobei ich natürlich an einem Bücherladen hängen blieb. Habe mir den Herrn der Ringe auf Spanisch gekauft 🙂

Auf dem Rückweg zum Auto schien dann wieder die Sonne. Wir fuhren nach Castrojeriz zurück – der ganze Ort gleicht einer Baustelle. Überall liegen Schutt- und Sandhaufen herum, Straßen enden vor einer Treppe oder fallen seitlich ab. Parkplätze gibt es nicht sehr viele, Restaurants schon mal gar nicht. Ich habe die Fußpilger jedenfalls nicht beneidet, die sich alle in einem Laden knubbelten. Unsere Nacht war war diesmal nicht gar so friedlich, denn nachtaktive Vögel und lautschnarchende Fußpilger bildeten einen dichten Klangteppich 🙂

WochenendRückblick #35

[Wetter] Es war ziemlich warm und sonnig. Ich nehme mal an, jetzt fängt der Sommer so richtig an und darauf habe ich absolut keine Lust. Das bedeutet für mich einfach nur zwei, drei Monate voller Nerverei und Leiden. Summer sucks.

[Gemacht] Samstag habe ich eine Menge Haushaltskram erledigt und außerdem begonnen, meine nächste Reise zu planen. Sonntag sah nicht viel anders aus, außer daß wir abends noch schwimmen waren.

[Español] Ich habe ein paar Vokabeln wiederholt und ein paar Videos auf Spanisch geguckt.

[Garten] Blümchen und Chilis gegossen. Kommende Woche wird unser Mulch geliefert.

[Gesportelt] 1000 m geschwommen. Ich habe festgestellt, daß ich zwar dreimal die Woche schwimmen gehen kann, so kräftemäßig, aber daß es mir besser tut, wenn ich nur zweimal die Woche schwimme.

[Gehört] Immer noch Simon Beckett: Totenfang. Außerdem In Flames, Wumpscut und Untoten.

[Gelesen] Carls G. Fernández: 50 lugares mágicos de Galicia.

[Gesehen] Dexter.

[Gegessen] Den letzten Spargel der Saison. Erdbeeren. Blaubeeren. Himbeeren. Grillgemüse. Salat.

[Gekauft] Nix.

[Ausblick auf die nächste Woche] Wie gesagt kommt unser Mulch. Ansonsten habe ich nur einen Termin. Und ich möchte die Unterkünfte für den kommenden (eigentlich übernächsten) Urlaub buchen.

Mein Camino #4

Am Morgen des nächsten Tages wurden wir von unserem Herbergsvater mit einem Luxusfrühstück versorgt. Wie üblich in Frankreich war es süß-lastig: Teilchen, Konfitüre, Brioche etc. Für mich blieb leider nur Baguette und Marmelade sowie Tee, denn der Rest war laktosehaltig. Mein Mann jedoch freute sich über die vielen Leckereien 🙂

Unser erstes Ziel war der Ibañeta-Paß kurz hinter der spanischen Grenze. Die Fernsicht von dort oben ist phanömenal und mein lahmes Bild kann das überhaupt nicht wiedergeben. Überhaupt war der Teil unseres Urlaubs, den wir in Spanien verbracht haben, immer von wahnsinnig weiter Aussicht in alle Richtungen geprägt. Das Gefühl, unter endlosen Wolkenformationen durch die Landschaft zu „fliegen“, kann einen schon süchtig machen.

Ein paar Autominuten hinter dem Paß kamen wir durch Roncesvalles, wo der riesige Konvent den Ort dominiert. Aufgehalten haben wir uns hier allerdings nicht lang.

Wir kamen durch Burguete, wo ja schon Hemingway gepennt hat und wo das Hotel, in dem er das tat, nach ihm benannt ist. Hinter dem kleinen Ort bot sich mir dann ein Anblick, bei dem ich erst dachte, ich spinne. Mehr als 30 Adler kreisten über uns. Auch das kann mein Bild nicht vernünftig wiedergeben. Die Tiere waren riesig, zogen immer engere Kreise, um sich dann wieder voneinander zu entfernen. Einzelne Adler flogen Richtung Wald davon und kamen nah über uns vorbei – so nah, daß man jede einzelne Feder erkennen konnte. Leider war die Sonne so hell, daß ich nicht sehen konnte, was genau ich da eigentlich aufnehme, so daß die meisten Photos verwackelt sind. Manche Dinge kann man eben nicht knipsen, sondern muß sie im Herzen tragen.

Es ging weiter über die Hügel und Täler des schönen Navarra bis zum Erro-Paß. Hier legten wir eine Pause ein und aßen in Frankreich gekauftes Brot, Tabouleh, Sojajoghurt und Oliven. Bis nach Pamplona war es von dort aus nicht mehr. Wir hatten Glück und fanden einen tollen Parkplatz in der Nähe des Zentrums. Zur Erklärung: in Spanien sind die meisten öffentlichen Parkplätze gebührenpflichtig und auch nur begrenzt lang zu mieten. Behindertenparkplätze hingegen können mit einem entsprechenden Ausweis 24 Stunden kostenlos genutzt werden – doch sie sind leider rar.

Pamplona hat mir ausgesprochen gut gefallen. Eine tolle, lebendige Stadt. Hier habe ich auch das erste Mal meine Spanischkenntnisse auf Native Speaker losgelassen, indem ich diese beiden Iberico-Sandwiches gekauft und gefragt habe, ob Butter drauf ist 🙂 Später saßen mein Mann und ich auf der Plaza und haben gegessen, während die Stadt um uns herumwuselte.

ein Beispiel für eine Mariendistel an einem Haus

In einem Souvenirladen habe ich mir eine Jakobsmuschel gekauft, denn ich dachte, wenn schon pilgern, dann mit Muschel. An seinem Laden fiel mir ein Aufkleber mit einer Mariendistel auf und da ich im Baskenland und in Navarra sehr oft getrocknete Mariendisteln oder Abbildungen von ihnen an den Häusern gesehen hatte, fragte ich den Verkäufer, was das bedeute. Er erklärte mir, daß die Pflanze die „brujas y magos“, also Hexen und Zauberer abhalte, die ein Haus, das von Mariendistel geschützt wird, nicht betreten können. Ich liebe solches regionales Brauchtum 🙂

Bis zur Catedral de Santa María Real war es nicht weit. Wie in den meisten Kirchen und Kathedralen bezahlt man auch hier ein paar Euro Eintritt, kann dafür aber die Kathedrale und das angegliederte Museum anschauen.

im Inneren der Kathedrale von Pamplona

Die Kathedrale war beeindruckend. Die meisten Kirchen, die wir in Spanien gesehen haben, sind pompös und aufwendig ausgestattet, und angesichts dessen, woher die Kirche das ganze Geld und Gold hat, ist das schon irgendwie…makaber. Nichtsdestotrotz war ich wie so oft hingerissen von der sakralen Architektur und Kunst.

die „königliche Maria“ von Pamplona, das Herzstück der Kathedrale

Anders als in Deutschland und auch Frankreich darf man in Spanien praktisch überall photographieren (in Kirchen und Museen immer ohne Blitz). Man muß auch keine speziellen Photographierrechte (wie z.B. im Kloster Maulbronn) erwerben.

der riesige Seitenaltar bestand aus Holz und Gold

Was mich an Kirchen immer besonders interessiert, sind schräge, erschreckende, häßliche und gruselige Dinge. Ich habe keine Ahnung, warum, aber ein Großteil meiner Urlaubsbilder ist verwackelt oder verrauscht, obwohl das nicht an der Kamera liegt. Im ersten Moment war ich darüber etwas enttäuscht, aber es sind auch echte Perlen dabei wie das Bild oben. Durch das Verwischte erhalten viele Bilder eine richtig interessante Atmosphäre 🙂

Zeitbrücke

An die Kathedrale angeschlossen ist wie gesagt ein Museum. Unter dem Fundament der Kirche fand man Mauerreste und Gebrauchs- sowie Kultgegenstände, die darauf hindeuten, daß das Gelände schon seit Tausenden von Jahren für sakrale und profane Zwecke benutzt wurde. Unter einem Gewölbe kann man über die oben gezeigte „Brücke“ gehen, auf der durch Aussparungen und Beleuchtung von unten ein Zeitstrahl abgebildet ist. Rechts und links dieser Brücke kann man einen Blick auf die älteren Schichten unterhalb der Kathedrale werfen.

Teil des Altars im Kapitelsaal

Auch der Kapitelsaal gehört zum Museum. Er ist beeindruckend groß und hat einen beeindruckend kleinen, aber fein gearbeiteten Altar, von dem ich nur eine Szene geknipst habe.

die berühmten Pilgerfiguren auf dem Alto del Perdón

Nach dem Besuch der Kathedrale sind wir gemütlich zum Auto zurückgeschlendert und zu unserem nächsten Etappenziel gefahren. Etwa 20 Autominuten hinter der Stadt erhebt sich der Alto del Perdón über die Ebene. Der Alto ist wie viele andere Berggipfel in Nordspanien mit Windrädern bestückt, was ihm ein leicht surreales Aussehen verleiht. Ist man erst oben, kann man rechts und links vom Berg hinabschauen und genießt eine schier endlose Fernsicht.

Nach einem ausgiebigen Photo-Stopp ging es weiter zum Kloster von Irache. Das ansässige Kloster samt Weinmuseum spendet den Pilgern täglich 180 Liter Rotwein und unbegrenzt viel Wasser. Beides kann man im kameraüberwachten Brunnen zapfen. Als wir da waren, war der Wein leider schon leer, also füllten wir unsere Flaschen mit eiskaltem Wasser. Leider war das – wie für Leitungswasser in Spanien üblich – gechlort, so daß wir beide es nicht trinken mochten.

Bars in der Calle Laurel

Tagesziel war das schöne Logroño. Hier hatten wir einen Bungalow auf einem Campingplatz gemietet und auch wenn alles sauber war, stellten wir doch fest, daß wir einfach zu groß und zu breit für Camping sind. Vom Klo kam ich beispielsweise nur wieder hoch, indem ich die Tür öffnete und den Rahmen als Haltegriff benutzte *lol* Nachdem wir eingekauft hatten, parkten wir in der Nähe der Innenstadt und gingen zur Calle Laurel. Sie bietet unzählige Tapas-Bars. Menschen stehen draußen an den Tischen oder sitzen im Inneren, trinken Wein und essen….nun ja, eben Tapas. Wir hatten hier übrigens Patatas Bravas und huevos fritos con jamón (Spiegeleier mit Schinken).

Santa María de la Redonda

Im Anschluß bummelten wir noch durch die Stadt und genossen den lauschigen Abend und die entspannte Stimmung. Wir setzten uns auf den Platz vor der Catedral Santa María de la Redonda (für eine Besichtigung waren wir leider zu spät). Für eine Cola, einen Rotwein und ein Mineralwasser zahlten wir übrigens 3,70 €. Ich nehme an, wenn die Preise bei uns vergleichbar wären, würde ich auch öfter ausgehen…

Alles in allem haben wir in Logroño vermutlich am meisten die entspannte spanische Lebensart erfahren. Ich wäre gern für immer dort sitzen geblieben, aber unser Campingplatz schloß um 23 Uhr die Tore. Und was lernen wir daraus? Camper sind kleine, schlanke Frühaufsteher 😛

Mein Camino #3

Nach einem frühen Aufbruch fuhren wir etwa fünf Stunden, um unser erstes Etappenziel zu erreichen: die Dune du Pilat, Europas größte Wanderdüne. Vom Parkplatz aus, wo es auch Behindertenparkplätze gibt, führte ein asphaltierter und sehr sandiger Weg durch einen Pinienwald. Überhaupt fiel mir auf, wie sehr die Gegend dort in der Nähe von Bordeaux meiner badischen Heimat ähnelt: Pinienwälder, viel vertrocknetes Gras und eine Bullenhitze. Also ganz wie daheim 🙂

null Barrierefreiheit an der Dune du Pilat

Leider endete der Asphaltweg mitten im Wald. Danach gab es ausschließlich losen Sand, der eigentlich nur für Fußgänger geeignet ist. Ich blieb also mit dem Rolli dort stehen und wartete auf meinen Mann, der zum Photographieren weiterging. Mit einem Bild der beeindruckenden Düne kann ich also leider nicht aufwarten, aber im Netz gibt es dazu viel Material.

Während ich da also stand und wartete, ging mir meine Behinderung mal wieder prächtig auf den Wecker, und ich fragte mich, ob das jetzt den ganzen Camino lang so sein sollte.

Später gingen wir in der Nähe in einem Hypermarché einkaufen: Brot, Tomaten, Rouille, Käse und veganen Kokosmilchreis. Es war noch wärmer geworden und die Sandwiches, die wir während der Fahrt ins Baskenland essen wollten, schmolzen uns praktisch weg.

In den Hügeln des Baskenlands herrschte etwas milderes Klima. Was uns direkt auffielen, waren die Callas, die dort als Unkraut in den Bachläufen wuchsen. Hübsches Unkraut 🙂 Unsere Unterkunft lag sehr ländlich zwischen St. Jean Pied le Port und St. Jean le Vieux. Es gab nur einen Nachbarn in Sichtweite und ansonsten hügeliges Gras- und Weideland, das von Wäldern durchbrochen und von unzähligen Bächen durchzogen war. In der Ferne konnte man die schneebedeckten Berge der Pyrenäen sehen. Unser Herbergsvater empfing uns herzlich und störte sich auch nicht daran, daß unser Französisch mies bis nicht vorhanden war. Er half uns beim Tragen des Gepäcks und diktierte endlose Monologe in den Google-Übersetzer, der daraus fabelhaft sinnlosen Kram generierte *lol* Am Ende kapierten wir aber doch auch so, daß wir kommen und gehen konnten, wie es uns beliebte, und daß man die Haustür nicht abzuschließen brauchte. Sehr unvertraut für uns.

St. Jean Pied le Port

Unser Abendessen nahmen wir in St. Jean Pied le Port auf einem Parkplatz oberhalb der Stadt stehend ein: Baguette, Tomaten, Käse und eben die ganzen Reste vom Nachmittag.

Hauptstraße in St. Jean

Der kleine Ort an sich ist eher unspektakulär. Was ihn natürlich für Pilger so bedeutsam macht, ist, daß die meisten hier den Camino francés beginnen. Mitte Mai allerdings waren hier nicht allzu viele Pilger unterwegs. Wir bummelten durch die Altstadt und nach und nach überkam mich eine bleischwere Traurigkeit, denn ich hatte diesen Weg gehen und nicht fahren wollen.

St. Jean

Später erkundeten wir noch mit dem Auto den Nachbarort und einen herrlichen Aussichtspunkt, von dem ich leider kein Photo gemacht habe. Geschlafen haben wir in der absoluten Stille einfach himmlisch.

WochenendRückblick #34

[Wetter] Schön war’s und ordentlich warm.

[Gemacht] Samstag haben mein Mann und ich nach dem Frühstück Ciabatta gebacken und Salate für das Grillen vorbereitet. Ich habe Spanisch gelernt, ein bißchen gehaushaltet und abends haben wir eben im Garten gesessen und gegrillt. Später waren mein Mann und ich noch am Bücherschrank und ein Eis essen, bevor wir DVD geguckt haben.

Sonntag habe ich mein Bad und die Terrasse geputzt, Bügelwäsche erledigt und Spanisch gelernt. Nach dem Abendessen, das mein Mann gekocht hat, ging es zum Schwimmen. Und danach haben wir Wein getrunken und DVD geguckt.

[Español] Ich lese gerade viel in der ECOS, auch in alten Ausgaben, von denen ich noch nicht soviel verstanden hatte. Ich habe einige Übungen zum Imperfecto und zum Indefinido gemacht und Vokabeln geübt.

[Garten] Die Terrasse mußte mal von Staub und Spinnweben befreit werden. Ansonsten habe ich die Blumen und Chilis gegossen. Der Mann hat fleißig im Garten gewerkelt und ist nun dabei, Folie auf dem bereinigten Beet auszulegen.

[Gesportelt] 1000 m geschwommen. Das sind 40 Bahnen.

[Gehört] Simon Beckett: Totenfang. Bisher baut sich nicht so recht Spannung auf, aber ich mag das Hörbuch trotzdem.

[Gelesen] In der ECOS.

[Gesehen] Vor allem Dexter.

[Gegessen] Beim Grillen: Tabouleh, Pilze und Bananen mit Harissa, Hühnchen und Würstchen. Und natürlich das frische Ciabatta. Ein Gedicht!

[Gekauft] Ein Hörbuch, das aber erst im September kommt.

[Ausblick auf die nächste Woche] Zwei Termine, die mich beide nicht stressen. Und ich werde ins Kino gehen.

Mein Camino #2

Bei der Planung war uns klar gewesen, daß wir einen Zwischenstopp irgendwo mitten in Frankreich brauchen würden. Frankreich ist erstaunlich groß, vor allem wenn man es einmal von Nordost nach Südwest durchqueren muß 🙂 Um uns Tagesetappen in vernünftiger Länger einzuteilen, war unsere Wahl für den ersten Übernachtungsort auf Mer gefallen, das etwa eine halbe Autostunde südlich von Orléans entfernt liegt.

St. Urban Basilika in Troyes

Wir starteten am frühen Morgen und kamen sehr gut durch. Französische Autobahnen – das hatten wir schon bei unseren letzten Englandreisen festgestellt – lassen sich absolut entspannt fahren. Viele Phänomene, mit denen man praktisch sofort konfrontiert ist, wenn man sich auf einer deutschen Autobahn befindet, kommen da so gut wie nie vor (Raserei, Drängelei, riskante Fahrmanöver etc.). Außerdem sind die französischen Autobahnen auch wochentags fast lastwagenfrei, außer im Einzugsgebiet großer Städte. Für das entspannte Fahren bin ich auch gern bereit, Maut zu entrichten.

Unser erster Halt war Troyes, wo wir die malerische Innenstadt besichtigten. Direkt als wir aus dem Parkhaus kamen, fiel uns die St. Urban Basilika auf, die wir umrundeten. Leider war sie nicht geöffnet.

In der Altstadt von Troyes bestimmen alte Fachwerkhäuser das Bild

Die Innenstadt mit ihren Fachwerkhäusern wirkt sehr einladend, aber da wir noch einen weiten Weg vor uns hatten, setzten wir uns in keinen der unzähligen Biergärten. Stattdessen suchten wir die berühmte Kathedrale. Ihr Vorplatz ist leider gerade eine große Baustelle und mit grobem Schotter ausgestreut, den ich weder mit dem Rollstuhl noch zu Fuß hätte bewältigen können. Sehr schade, aber ich wollte keinesfalls einen Unfall riskieren.

Die Kathedrale von Troyes samt Baustelle

Unsere nächste Station war Orléans, wo ich ebenfalls die weltberühmte Kathedrale sehen wollte. An dieser fand gerade ein Mittelaltermarkt statt, doch wir hatten Glück und konnten etwa 50 Meter von einem Nebeneingang entfernt parken.

Rosette in der Kathedrale von Orléans

Die Kathedrale ist ein echtes Juwel. Ihre Apsis besteht aus mehreren kleinen Altären und seitlich des Querschiffes befindet sich ein Schrein für Johanna von Orléans, wo Gläubige ein ganzes Meer von Kerzen entzündet haben.

Der Schrein von Jeanne d’Arc

Vielleicht muß ich an dieser Stelle etwas zu meinem Glauben schreiben. Ich habe keinen. Ich hatte immer das Gefühl, daß es hilfreich und schön wäre, zu echtem Glauben fähig zu sein, aber für mich scheitert das an einer bloßen Tatsache: ich halte Spiritualität für eine Art Eigenheit, zu der ausschließlich wir Menschen fähig sind, weil wir einen Neokortex besitzen. Dieser Neokortex befähigt mich aber auch zum Objektivieren und dann verliert Glauben seinen Reiz bzw. seinen Sinn. Mich faszinieren sakrale Rituale und Symbole aller Religionen, ohne daß sie bei mir einen Funken zum überspringen bringen. Warum dann der Jakobsweg? Das ist eine verdammt gute Frage 🙂

Nachdem wir uns die Kathedrale angesehen hatten, fuhren wir weiter nach Mer. Unser Ferienhaus da war modern und großzügig und da wir uns Kartoffelgulasch zum Aufwärmen von Zuhause mitgebracht hatten, konnten wir den Abend geruhsam ausklingen lassen.