Meine Erfahrungen mit Sprachkursen

In den letzten Jahren hatte ich mehrere Spanisch-Sprachkurse belegt und wollte mal rekapitulieren, wie diese Erfahrung für mich war. Bis auf einen Kurs, der wegen Corona online stattfinden mußte, waren es immer physische Kurse in einem Seminar- oder Klassenraum. Neben der Lehrkraft gab es jeweils zwischen vier und sieben Schüler. Die CEFR-Niveaustufe, die diese Kurse abdeckten, war B2 bzw. C1, so daß ich nichts über Anfängerkurse sagen kann. Auch habe ich niemals einen Intensiv- oder Wochenendkurs gebucht, sondern lediglich Angebote wahrgenommen, die im Wochenrhythmus stattfanden.

Motivation

Als ich mich das erste Mal für einen Kurs angemeldet habe, hatte ich im Vorfeld schon etwa 30 oder 40 Einzelstunden online bei einer Lehrerin absolviert. Ich wollte an diesem Punkt meiner Lernreise gern wissen, wie es um meine Spanischkenntnisse bestellt ist, wenn ich mich einer Gruppe aussetze, denn erfahrungsgemäß bedeutet diese soziale Situation mit fremden Menschen für mich eigentlich nur Streß. Wenn man so will, war das eine Asperger-bezogene Herausforderung für mich. Außerdem war ich sehr daran interessiert, zu sehen/hören, wie andere Menschen mit derselben Niveaustufe wie ich eine Fremdsprache beherrschen. Zuletzt dachte ich auch, daß es mir guttäte, wenn ich einen Termin in der Woche hätte, der mich aus meiner Routine herausheben würde (Aspies ♥ Routine).

Kriterien für die Kurswahl und Kosten

Ein Sprachkurs an einer öffentlichen Einrichtung ist immer günstiger als dieselbe Anzahl Stunden bei einem Lehrer im Einzelgespräch. Für einen Kurs muß man etwa 12 bis 15 € pro Einheit (= meist 90 min.) rechnen, während ein Einzelgespräch im Normalfall rund 20 € für 60 min. kostet. Es gibt auch Online-Lehrer, die nur 7 € für 60 min. verlangen, und andere, die bis zu 80 € für 60 min. veranschlagen. Ich habe tatsächlich mal 42 € für eine Stunde ausgegeben, weil ich wissen wollte, worin der Unterschied zu einem günstigeren Lehrer besteht. Das Ergebnis: es gibt keinen. Ich muß allerdings sagen, daß ich es unethisch finde, einem Lehrer schlappe 7 € für eine Stunde zu bezahlen (das betrifft vorrangig Menschen aus Südamerika, jedenfalls was Spanisch angeht), schließlich will der von seinem Verdienst sein Leben bestreiten und muß ja auch noch die Kosten für Strom und Internet von den Einnahmen einer Stunde runterrechnen. Wie gut man mit einem Lehrer klarkommt, wie entspannt das Gespräch abläuft, wie gut ein Lehrer etwas erklären kann und wie interessant die Stunde ist, hängt nicht von dem Geld ab, das man bezahlt, sondern von der Chemie zwischen Schüler und Lehrer. Menschen, die eine Sprache studiert haben, ja sogar Muttersprachler sind nicht immer automatisch die besten Lehrer für einen, wenn man einfach nicht miteinander kann.

Anders als bei Online-Plattformen kann man bei einem Kurs einer öffentlichen Einrichtung keine Probestunde vereinbaren, um zu schauen, ob die Chemie zwischen einem selbst und dem Lehrer (oder den anderen Teilnehmern) stimmt, und ist daher schon gezwungen, die Katze im Sack zu kaufen. Andererseits ist ein Kurs eben günstiger und bietet auch den Vorteil, daß man so ein wenig in der Masse untergehen kann, wenn man das möchte, aber dazu später mehr. Ein Nachteil ist sicherlich, daß man dem Lehrer eines physischen Kurses nur eher schwierig ein Feedback geben kann, weil es ja keine Bewertungsplattform gibt wie bei Online-Lehrervermittlungen, und daß man, wenn man einen Kurs einmal gebucht hat, ihn auch komplett bezahlen muß, selbst wenn er einem nicht gefällt.

Bei der Auswahl meiner Kurse habe ich eigentlich immer nur zwei Kriterien berücksichtigt, nämlich die Niveaustufe und Kursort/-zeit. Nicht alle Kurse finden in barrierefreien Umgebungen statt und zum Teil werden auch mal ausgeschilderte Behindertenparkplätze als Schulleiterparkplätze zweckentfremdet, lol. Leider steht bei der öffentlichen Einrichtung, bei der ich die Kurse gebucht hatte, nicht dabei, welcher Veranstaltungsort im Rollstuhl erreichbar ist und welcher nicht, so daß man da im Vorfeld noch bei den Hausmeistern anrufen muß, die oftmals gar nicht einschätzen können, ob der Raum nun barrierefrei ist oder nicht. Mein Highlight war ein als für Rollstuhlfahrer geeignet gekennzeichneter Schulraum, für den ich im Rolli schlappe 12 Treppen hätte überwinden müssen, um zum Aufzug zu gelangen, in den mein Rolli gar nicht reingepaßt hätte. Mir leuchtet auch nicht ein, warum nicht einfach alle Kurse an Örtlichkeiten stattfinden, die tatsächlich barrierefrei sind. Menschen im Rollstuhl sind ja nun keine Exoten mehr.

Kurserfahrungen

Im Grunde habe ich zwei verschiedene Arten von Kursen kennengelernt, nämlich einmal solche, wo man ein Buch durcharbeitet, und solche, wo mehr Wert auf freie Konversation gelegt wird, wo der Lehrer also z.B. einen Zeitungsartikel zur Diskussion stellt oder man sich über ein aktuelles Thema austauscht. Für mich persönlich waren zweitere Kurse deutlich schwieriger zu meistern, was jedoch nicht am Sprachniveau lag, sondern an meiner Unkenntnis der Nachrichten und Entwicklungen der letzten 15 Jahre. Es ist wirklich schwierig, einem Gespräch zu folgen, wenn man die Personen, die darin vorkommen, zusammen mit ihren Taten und Einstellungen nicht kennt. Gerade wenn es dann um Themen ging, die ich sterbenslangweilig finde (Politik, Wirtschaft, …), konnte ich meine Konzentration kaum aufrechterhalten und fühlte mich hinterher wie ausgelutscht. Das lag natürlich nicht am Kurs, am Lehrer oder den anderen Teilnehmern, sondern einfach an den Themen und meiner Unfähigkeit, Langeweile auszuhalten.

Kurse, in denen man ein Buch bearbeitet, waren für mich besser zu meistern, weil sie zum einen sehr vorhersehbar sind (Aspie-Ding), und zum anderen weil man am Ende das gute Gefühl hat, wirklich etwas geschafft zu haben. Gerade wenn ein Lehrer alle Übungen in einer Lektion durcharbeiten läßt, erzeugt das den Eindruck, daß der Unterricht sehr rund und in sich geschlossen ist, und das ist perfekt für ergebnisorientierte Menschen wie mich. Der einzige Nachteil besteht in meinen Augen darin, daß halt auch mal ein Kapitel drankommen kann, dessen Thema man langweilig findet, was allerdings dadurch abgemildert wird, daß man die unterschiedlichen Übungen durchgeht, was für mehr Abwechslung sorgt, als wenn man sich nur an einem Thema festquatscht.

Wie gut der Sprachunterricht tatsächlich funktioniert, hängt nicht nur vom Lehrer ab, sondern auch von den Schülern. Für mich sind zwei Dinge ganz besonders frustrierend, nämlich einmal Mitschüler, die zwar einen B2/C1-Kurs belegen, aber gerade mal B1-Niveau besitzen, und die obendrein stets unvorbereitet = ohne Hausaufgaben in den Kurs kommen, und dann Lehrer, die sich am liebsten selbst labern hören. Beides hemmt den Unterricht und das, was man von einem Kurs mit nach Hause nimmt, massiv.

Zunächst zu den Schülern. Eine Vorstellung, die ich gleich in meinem ersten Kurs fahren lassen mußte, war, daß die Leute, die einen Kurs belegen, das tun, um tatsächlich eine Sprache zu lernen. Sie möchten eine Sprache sprechen können, das ist richtig, aber sie möchten sie nicht lernen. Lernen heißt Arbeiten und die notwendige Zeit und Mühe wird von 80% der Leute nicht investiert, was dazu führt, daß sie sehr lange auf der Stelle treten. Daß es keinen Lernfortschritt gibt, zeigt sich dann auch in den Kursen, vor allem wenn man mehrere in derselben Gruppe hintereinander durchläuft, denn es werden oft dieselben Dinge erklärt, weil sie eben nicht gelernt werden. Viele Leute, die eine Sprache lernen wollen, sagen, daß ihnen dafür die Zeit fehlt, allerdings wundere ich mich immer darüber, daß sie Zeit und Geld dafür haben, einen Sprachkurs zu buchen, wo er ihnen de facto doch gar nichts bringt, weil sie selbst nichts in das Lernen investieren. Einen solchen Kurs zu besuchen, ersetzt nicht, sich Wissen aktiv anzueignen, und folglich kann man auch zehn Jahre lang Sprachkurse besuchen, ohne jemals ein befriedigendes Niveau zu erreichen. Dazu kommt, daß ich es den Schülern gegenüber, die ihre Hausarbeiten erledigen, total unfair finde, wenn andere ihre Sachen nicht machen und dann erstmal 20 Minuten einer Kurseinheit zum Lesen eines Textes verwendet werden, der eigentlich vorzubereiten war. Das Gleiche gilt für B1-Schüler in C1-Kursen. Hier werden fortgeschrittene Schüler ziemlich stark blockiert, wenn sie auf B1-Niveau arbeiten und reden müssen.

Dann zu den Lehrern. Ich kann verstehen, daß es für einen Muttersprachler cringeworthy sein kann, mitanzuhören, wie Leute, die seine Sprache lernen wollen, diese verhackstücken und falsch benutzen. Ich zucke auch immer zusammen, wenn Leute schlechtes Deutsch reden. Ich finde aber doch, daß ein Kurs nicht so gelungen ist, wenn der Lehrer 85% der Zeit selbst redet, seine Schüler immer wieder unterbricht oder Antworten auf Fragen selbst gibt. Wenn man gerade versucht, einen Satz zu einem bestimmten Thema mit den korrekten Vokabeln, der korrekten Grammatik und auch noch den korrekten Verbformen zu formulieren und dabei dreimal unterbrochen wird, weil dem Lehrer gerade noch ein paar andere ganz tolle Vokabeln, die passen würden, eingefallen sind oder weil man einen Fehler gemacht hat, entsteht kein Flow. Weder im Gehirn noch im Gespräch. Ich denke, der Wunsch, daß die Schüler alles richtig und perfekt machen und lernen sollen, ist sehr edel, aber in der Realität führt das vielmehr dazu, daß man als Schüler verstummt, weil man denkt, daß man es eh nicht hinkriegt. Korrekturen sind wichtig, aber mit Maß und an der passenden Stelle. [Hier möchte ich noch kurz einfügen, wie ich Fehler bei meinen Sprachaustauschleuten korrigiere. Wenn ich im Gespräch merke, daß sie nach Worten oder Formen suchen, greife ich sofort ein und biete ein Wort an oder führe den Satz ein Stückchen fort. Ansonsten notiere ich mir still und ohne das Gespräch zu unterbrechen Fehler, die mir besonders wichtig erscheinen oder die mehrfach auftreten. Erst am Ende des Gesprächs merke ich diese Dinge an.]

Fazit

Vielleicht klingt das schon durch, aber mein Fazit lautet, daß Kurse für mich persönlich nicht so wirklich funktionieren. Ich glaube allerdings, daß das nicht zwangsweise an deren Struktur oder an den Lehrern und/oder Schülern liegt, sondern an mir selbst. Ich habe ein relativ hohes Lerntempo und akquiriere eine neue Sprache recht zügig. Sobald ich kann, fange ich zu sprechen an (anfangs mit mir selbst und ab Niveau B1 dann mit Muttersprachlern oder Online-Lehrern), und habe den meisten anderen Teilnehmern in solchen Kurse eine Menge Stunden Sprachpraxis voraus, was man einfach merkt. Die umgekehrte Erfahrung habe ich übrigens auch schon gemacht – ein Kurs für B1/B2 war von lauter Leuten belegt, die mehrere Jahre im spanischsprachigen Ausland gelebt hatten, und da kam ich natürlich nicht wirklich mit – ich konnte zwar das Meiste verstehen, aber längst nicht auf deren Niveau mitreden.

Wer freies Reden üben möchte, ist meiner Ansicht nach in einem Kurs an der falschen Stelle. Zwar versuchen Lehrer, einzelne Schüler zum Sprechen zu animieren, aber ich habe mal mitgezählt und komme in 90 Kursminuten auf etwa drei Minuten, in denen ich spreche. Und nein, ich bin niemand, der sich schüchtern wegduckt, aber es liegt in der Natur der Sache, daß schüchterne Menschen dem Lehrer mehr auffallen, daß sie öfter drankommen und dann auch länger brauchen, um Gedanken zu formulieren. Außerdem möchte ich schüchtern Menschen nicht über den Mund fahren und halte mich daher immer etwas im Hintergrund. Schüler, die selbst nicht viel Lernaufwand betreiben, brauchen mehr Wiederholungen und Erklärungen und das ist effektiv Zeit, in der der Lehrer redet. Umgekehrt kann es aber auch sein, daß ein Kurs schüchternen Menschen die Gelegenheit bietet, in der Masse der Schüler abzutauchen und selbst nicht viel sagen zu „müssen“, insbesondere dann wenn andere von sich aus mehr beitragen. Letztlich ist es natürlich auch so, daß man sich verweigern kann, wenn man aufgerufen wird. Daß diese Option existiert, ist mir übrigens erst klar geworden, als ich das bei anderen mitbekommen habe…

Wenn ich meine Kurs- und Lernerfahrungen miteinander abgleiche, dann denke ich, daß ein Anfängerkurs für mich überhaupt nicht funktionieren würde, weil das Tempo, in dem die Sprache aufgebaut wird, viel zu langsam wäre. Insofern ziehe ich es gar nicht in Betracht, eine neue Sprache mit einem solchen Kurs zu beginnen, sondern würde da jederzeit eher nach Online-Angeboten wie Duolingo oder Babbel und nach Büchern gucken. Ein Kurs kann aber helfen, beim Lernen ein wenig Struktur zu geben, allerdings wird man nur dann eine Sprache wirklich lernen, wenn man bereit ist, außerhalb dieser 90 Minuten pro Woche noch eigenständig zu lernen. Wer ein langsameres Lerntempo bevorzugt und wer sich unter Menschen wohlfühlt, für den erscheinen mir Kurse besser geeignet.

Gut gefallen hat mir, mal zu sehen, wie andere Menschen lernen und was sie unter bestimmten Niveaustufen verstehen – ich habe gelernt, besser einzuschätzen, wo ich selbst mich befinde und wie mein Lernprozeß so ausschaut. Es war auch interessant, mal ganz neue Impulse mitzunehmen, z.B. in einem Kurs, wo die Lehrerin uns viel mit Kunstwerken arbeiten ließ (sie beschreiben, interpretieren, Geschichten über sie ersinnen etc.).

Zur Zeit bin ich mir nicht so sicher, ob ich nochmal einen Kurs belegen würde, weil ich denke, daß ich mein Geld und meine Zeit besser in 1:1-Online-Stunden investiere, in denen ich von 60 min. auch den Großteil der Zeit reden und wo ein Lehrer ganz individuell auf meine Fragen und Schwächen eingehen kann. Eine meiner größten Hoffnungen hat sich in den Kursen sowieso nicht erfüllt – ich hätte sehr gern mal jemanden getroffen, der genauso ein Sprachnerd ist wie ich 🙂

Gelesene Bücher 2020, Quartal II

  • Paul Marchal: Spurlos verschwunden. Sachbuch, aus dem Bücherschrank. Der Vater von An Marchal, eines der Opfer von Marc Dutroux, schildert in diesem Buch die Suche nach An und ihrer Freundin Eefje und den durch die schlampige Arbeit der belgischen Ermittler ausgelösten Skandal. Ich hatte den Fall damals, Mitte der 90er, mitbekommen und fand es daher interessant, diesen Bericht zu lesen. Allerdings ist das Buch nicht eben leichte Kost. 4/5
  • Jeffery Deaver: Der Komponist. Hörbuch, schon vor zwei Jahren gekauft. Ein Serienmörder, der keiner ist, führt Lincoln Rhyme, Amelia Sachs und Thom Reston nach Neapel, wo der Fall dann nochmal eine sehr merkwürdige Wendung nimmt. Ich liebe ja eigentlich die Romane um Lincoln Rhyme, aber das war jetzt schon der zweite oder dritte in Folge, der fürchterlich zäh war, was an mehreren Faktoren liegt. Deaver ist dafür bekannt, daß seine Bücher immer sehr konstruiert sind, woran ja eigentlich nichts auszusetzen ist. Aber der Fall des Komponisten ist so schräg und hanebüchen, daß es auch mir als Fan der ersten Stunde schwerfällt, die Geduld aufzubringen, das Buch zu beenden. Rhyme verkommt in diesem Buch zu einem mürrisch-grantigen Beiwerk, weil ein italienischer Forstpolizist mit Amelia zusammen die ganze Arbeit erledigt. Die Beziehung zwischen Lincoln und Amelia hinterläßt immer mehr Fragezeichen, je länger sie andauert, weil sich mir überhaupt nicht erschließt, was die beiden abgesehen von ihrer Arbeit verbindet. Cringe-Momente hatte ich auch bei der Schilderung der Arbeit der italienischen Polizei und der Flüchtlingssituation in Europa. Gut, das alles stammt eben aus der Feder eines Amerikaners, aber dennoch fühlte ich mich eher genervt als gut unterhalten. 2/5
  • Michael Connelly: Das zweite Herz. Hörbuch, aus der Bibliothek. Der ehemalige FBI-Ermittler Terry McCaleb wird von einer Frau beauftragt, den Mord an ihrer Schwester aufzuklären. Pikantes Detail: er hat deren Herz erhalten. Ein ganz typischer Ermittler-Krimi, absolut solide. 4/5
  • Domingo Villar: Ojos de agua. E-Book, schon im Herbst gekauft, auf Spanisch. Inspektor Caldas und sein bärbeißiger Assistent Rafael Estévez werden zum Tatort eines Mordes gerufen. Der homosexuelle Saxophonspieler Luis Reigosa wurde durch eine Formaldehyd-Injektion in den Unterleib ermordet. Wenig später verschwindet ein Zeuge und ein weiterer wird erschossen aufgefunden. Ich mochte den Krimi, weil er in Galicien spielt, in einer Gegend, in der ich auch schon war. Das Spanisch war gut zu lesen, auch wenn ich viele Worte nicht kannte. Der Plot ist trotzdem relativ simpel und man fragt sich nach zwei Dritteln des Buchs, warum der Inspektor nicht den richtigen Schluß zieht. Alles in allem unterhaltsam, aber kein Kracher. 4/5.
  • Ian McGuire: Nordwasser. Aus der Bibliothek. Dieses Buch habe ich mir ausgeliehen, weil es zu den ganzen anderen Büchern über Arktis- und Antarktisfahrten paßt, die ich in den letzten Monaten gelesen habe und weil ich es an unterschiedlichen Stellen empfohlen fand. Der unehrenhaft aus der Armee entlassene Arzt Patrick Sumner heuert um 1880 auf einem Walfangschiff an. Mit an Bord befindet sich ein ruchloser Mörder, den Sumner zwar überführen kann, der aber dennoch entkommt, nachdem das Schiff gesunken ist. Sumners Überlebenskampf in der Arktis führt ihn und seinen Kontrahenten jedoch später wieder zusammen. Das Buch war sehr intensiv und hat mir ausgesprochen gut gefallen, ich kann aber verstehen, daß viele Leser finden, es sei zu brutal. 5/5.
  • Simon Beckett: Die ewigen Toten. Hörbuch, aus der Bibliothek. In einem stillgelegten Krankenhaus, das eigentlich abgerissen werden soll, wird die Leiche einer Schwangeren gefunden, doch dabei bleibt es nicht. Bei der Durchsuchung des Gebäudes werden weitere Tote gefunden. David Hunter, forensischer Anthropologe, ist an den Untersuchungen beteiligt, hat aber – mal wieder – mit seiner Stalkerin und einer scheiternden Beziehung zu tun. Am Ende ist die einzige Person, die von Anfang an verdächtig war, der Mörder. Für mich selbst gab es nur eine einzige Überraschung in diesem Buch, aber die reichte nicht, um es interessant zu machen. Der Plot entwickelt sich absolut träge und erscheint völlig beliebig aus den üblichen Versatzstücken solcher Thriller zusammenbastelt. Für mich war es das letzte David Hunter Buch, das ich angehört/gelesen habe, denn schon die letzten zwei Bände fand ich gerade mal mittelmäßig. 2/5.
  • Frank Goldammer: Der Angstmann. Krimi, aus der Bibliothek. Im Winter 1944/45 geht ein Mörder in Dresden um, der seine Opfer grausam zurichtet, aber nicht direkt tötet. Kriminalinspektor Max Heller ermittelt, behindert von den Nazis, von Menschen mit undurchsichtigen Absichten, von seinen Vorgesetzten und nicht zuletzt von den Bomben, die die Alliierten auf die Stadt werfen. Ich habe diesen Krimi an einem Abend gelesen. Der eigentliche Plot ist gar nicht so besonders, wohl aber das Milieu, in dem der Roman spielt. Hat mir total gut gefallen, auch weil die Hauptfigur es schafft, inmitten der Kriegswirren ihre Menschlichkeit zu bewahren. 5/5.
  • Frank Goldammer: Tausend Teufel. Krimi, aus der Bibliothek. Zwei Jahre nach seinem ersten Fall ermittelt Max Heller wieder. Dresden ist inzwischen an die Russen gefallen und im Volk regt sich Unwillen gegen deren Führungsstil. Just in diesem Augenblick werden mehrere russische Offiziere ermordet, doch damit endet es nicht: auch ein Gastwirt und ein ehemaliger Nazi werden tot aufgefunden. Hat die Gruppe elternloser Kinder, die in der Dresdner Heide leben, etwas damit zu tun? Der zweite Teil dieser Serie las sich für mich ähnlich spannend wie der erste. Heller ist eine interessante Figur, weil er trotz der Zerrissenheit zwischen seinem Wunsch, ein guter Mensch zu sein, und dem Versuch, unter der neuen Obrigkeit zu funktionieren, sehr menschlich und nahbar bleibt. 5/5.
  • Frank Goldammer: Vergessene Seele. Krimi, aus der Bibliothek. Im Sommer 1948, als sich die Trennung zwischen West- und Ostdeutschland immer stärker herauskristallisiert, werden in Dresden zwei Tote gefunden: ein Mann und ein Junge. Als Oberkommissar Max Heller und sein Spezi Werner Oldenbusch die Ermittlungen aufnehmen, stoßen sie nur auf Menschen, die sich ausschweigen. In der Familie des toten Jungen, der selbst schwer mißhandelt worden ist, in der Schule des Jungen, wo es noch mehr geschlagene Kinder gibt, und im Umfeld der beteiligten Personen. Dazu quälen Heller persönliche Probleme, denn Anni, die er und seine Frau Karin adoptiert haben, könnte ihnen weggenommen werden, falls ihre leiblichen Eltern auftauchen, und sein Sohn Klaus verwandelt sich zusehends in einen braven Gefolgsmann der Russen. Las sich wieder sehr spannend. 5/5.
  • Julia Rau: Hochbegabte Erwachsene – ähnlich und doch irgendwie anders. Sachbuch, aus der Bibliothek. In dem Buch faßt Rau knapp und präzise die Besonderheiten und Probleme Hochbegabter zusammen und gibt praxisorientierte Tips, wie ein besseres Zusammenleben zwischen Hoch- und Normalbegabten funktionieren kann. Ich habe gerade angefangen, mich näher mit dem Thema zu befassen, und fand, daß das Buch einen guten ersten Einblick in die Materie bietet, vor allem weil viele Betroffene zu Wort kommen. 5/5.
  • Sebastian Fitzek: Der Insasse. Psychothriller, aus der Bibliothek. Als sein Sohn verschwindet, geht Till davon aus, daß er Opfer eines Serienkillers geworden ist. Dieser wird gefunden und in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, ohne daß Tills Sohn gefunden worden wäre. Er entscheidet sich unter Mithilfe seines Schwagers, eines Polizisten, dazu, sich selbst unter falschem Namen auch in die Anstalt einweisen zu lassen und auf eigene Faust den Verbleib seines Kindes zu ermitteln. Der Thriller las sich flüssig, aber es kam keine Spannung auf. Vermutlich habe ich schon zu viele Bücher gelesen, die einen ähnlichen Plot um Persönlichkeitsstörungen bauen. 3/5.
  • Søren Sveistrup: Der Kastanienmann. Thriller, aus der Bibliothek. Als die Politikerin Rosa Hartung aus einer Pause, die sie sich nach der Ermordung ihrer Tochter genommen hat, in ihr Amt zurückkehren will, erschüttert eine grausige Mordserie Koppenhagen. Mehrere Frauen werden ermordet und teilamputiert. An den Tatorten findet man immer aus Kastanien gebastelte Männchen und sie alle tragen Fingerabdrücke von Rosas Töchter auf sich. Was sich als ziemlich typischer Thriller anhört, war so spannend, daß ich die 600 Seiten in einem heruntergelesen habe. Sveistrup baut seine Geschichte sehr interessant auf, legt falsche Fährten und verwirrt den Leser sehr geschickt. Am Ende fügt sich aber alles. Mein einziger Kritikpunkt ist, daß man sich ab einer bestimmten Stelle leicht denken kann, wer denn die Möglichkeit gehabt hat, Beweise zu platzieren, aber ok, irgendwie muß man eine Geschichte ja auch wieder auflösen 🙂 5/5
  • Alicia Gaspar de Alba: The Mystery Of Survival and other stories. Schon vor einigen Jahren gebraucht gekauft. Das Buch ist eine Kurzgeschichtensammlung der mexikanisch-amerikanischen Autorin. Vorrangig geht es in den Geschichten um die Frage der kulturellen Zugehörigkeit und um die Konflikte, die zwischen mexikanischem Brauchtum/Aberglauben und der Kultur der Conquistadores entstanden sind. Zwei der Geschichten sind zudem auf Spanisch verfaßt. Die Geschichten haben mich nicht besonders angesprochen, vielleicht weil sie mir bemüht politisch/feministisch vorkamen und ich keinen Bezug zu der Frage nach kultureller Zugehörigkeit habe. 3/5.
  • Marc Elsberg: Gier. Thriller, aus der Bibliothek. Wie kann man Gewinn maximieren und dabei gleichzeitig eine gerechtere Gesellschaft formen? Im Grunde ist das die Frage, der sich der gesamte Thriller widmet, und wer die Antwort nicht selbst schon auf Seite fünf gefunden hat, muß sich durch weitere 440 Seiten verschwurbelter Handlung quälen, gekrönt von einem enervierend schlechtem Deutsch. Der Roman wirkt, als hätte Elsberg schnell etwas abliefern müssen. Die Figuren bleiben völlig konturlos, viele wichtige Fragen ungeklärt. Für mich das mit Abstand irrelevanteste Buch des Autors bisher. 1/5.
  • Richard Dawkins: Der Gotteswahn. Sachbuch, aus der Bibliothek. In zehn Kapiteln legt Richard Dawkins dar, warum der Glaube an Gott – womit er alle Phänomene meint, die als göttlich definiert werden – überholt hat. Klug und witzig seziert er Argumente von Theisten und Deisten und nennt Maßstäbe, um ein ethisches Leben ohne einen Gott zu führen. Das Buch hat mich schwer begeistert und war auch sehr unterhaltsam zu lesen. 5/5.
  • Rachel Carson: Der stumme Frühling. Sachbuch, aus der Bibliothek. Das Buch erschien erstmals 1962 und bezieht Stellung gegen den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden. Carsons poetische Sprache steht in krassem Kontrast zur Botschaft ihres Buches und hat mich irgendwie merkwürdig berührt. Nichtsdestotrotz ist das Buch immer noch aktuell in seiner Aussage und es ist besonders interessant, mit dem zeitlichen Abstand auf die Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten zu schauen. 5/5.
  • Stephan Zantke: „Wenn Deutschland so scheiße ist, warum sind Sie dann hier?“ – Ein Strafrichter urteilt. Sachbuch, aus der Bibliothek. Zantke schildert in diesem Buch einige seiner Fälle und erklärt, wie er zum jeweils vollstreckten Urteil gekommen ist. Der parataktische Stil des Buches gefiel mir nicht ganz so gut, aber die geschilderten Fälle waren interessant zu lesen. 4/5.

Dann habe ich noch ein Buch angefangen, aber nicht beendet, und zwar „Vom Inder, der mit dem Fahrrad nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden“ von Per J. Andersson. Der Beschreibung nach hatte ich mit einer Art Reisebericht gerechnet, aber als es auf Seite 100 immer noch darum ging, wie ungerecht die Welt ist, habe ich es drangegeben.

WochenendRückblick #187

[Wetter] Heiß und feucht am Samstag und dann schön kühl am Sonntag.

[Gemacht] So das Übliche. Mit den neuen Schuhen kann ich noch nicht wirklich gehen, aber ich halte es zumindest länger in ihnen aus. Da kann ich dann auch mal auf die Terrasse raus oder etwas haushalten. Am Samstag habe ich außerdem gelernt und abends haben wir einen Filmabend mit dem Sohn gemacht. Sonntag habe ich gelernt und gelesen, bevor wir abends ein paar kurze Dokus geguckt haben.

[Español] Ein paar Duolingo-Lektionen.

[Norsk] Duolingo, ein Austauschgespräch und Vokabeln wiederholt.

[Gehört] Placebo. Die drei Fragezeichen.

[Gelesen] Frank Goldammer: Vergessene Seelen.

[Gesehen] Die Goonies. Dokus.

[Gegessen] Neben den Plansachen zuviel. Eine Nußschnecke. Baklava. Bauernfrühstück. Kirschen.

[Gekauft] Eine neue Sommerbettdecke.

[Ausblick auf die nächste Woche] Ich habe jeden Tag ein Austauschgespräch oder einen Kurs. Abgesehen davon würde ich gern einmal vor die Tür.

Norwegisch #70

Diese Woche habe ich neben den üblichen Duolingo-Lektionen mal wieder einen Podcast angehört, was ich wirklich lange nicht gemacht habe. Ich konnte richtig viel verstehen, vielleicht 85-90%, und hätte im Anschluß auch eine Zusammenfassung geben können. Ansonsten habe ich Vokabeln wiederholt und hatte auch meine beiden Austauschgespräche.

 

WochenendRückblick #186

[Wetter] Recht warm. Muß nicht wärmer werden.

[Gemacht] Das Übliche. Gehaushaltet, gelernt, gekniffelt, was geguckt.

[Español] Mit meiner Kurshausaufgabe begonnen.

[Norsk] Duolingo, ein Austauschgespräch.

[Gehört] Die drei Fragezeichen.

[Gelesen] Rachel Carson: Stummer Frühling.

[Gesehen] Trapped. Flashpoint.

[Gegessen] Neben den Plansachen: eine Waffel mit Kirschen und Sojasahne. Baklava.

[Gekauft] Ein Buch.

[Ausblick auf die nächste Woche] Wahrscheinlich nur das Übliche.